JaKönigJa – Die Seilschaft der Verflixten

JaKönigJa, das sind Ebba Durstewitz und Jakobus Siebels. Bereits seit 1994 machen die beiden Hamburger zusammen Musik und jegliche Kategorisierungsversuche brachten bis dato alle Musikjournalisten ins Schwitzen. Nun erscheint dieses Jahr JaKönigJas viertes Album „Die Seilschaft der Verflixten“. Und erneut schaffen sie es, auf ihre ganz eigene Art und Weise, schonungslosen Protest anzubringen. Und machen damit wieder genau im gewünschten Maße auf sich aufmerksam.

„Ja, stimmt genau, alle Texte über dich.
So sehr fällst du ins Gewicht.“

Das Allerherrlichste an dieser Platte ist ja die Technik, wie hier rebelliert wird. Wenn jemand die Musik als schlecht abstempelt, passt er vermutlich genau in das Raster derer, die JaKönigJa hier sowieso meiden wollen: Kleingeister und Großmäuler. Gegen all die stumpfsinnige Kumpanei in der Rockmusik richtet sich die Platte, übertont von in höchstem Maße intellektuell angehauchten Texten. Inspiriert von Foucault, Bernhard und Co. Eine Bewegung gegen eine Bewegung, die selbst zur Bewegung wird. Sozusagen die Seilschaft der Verflixten.

„Man könnte es auch anders sehen. Doch davon mal ganz abgesehen
kann man nicht alles anders sehen. Es ist bloß schwer einzugestehen.“

Den Pressetext zum neuen Album schrieb niemand geringeres als Tocotronics Dirk von Lowtzow. Nach einer ganz dezent ironischen Einleitung („Wer mich kennt, weiß: Ich bin kein Mann der großen Worte, Pathosformeln sind mir fremd.“) gelingt es ihm, das ganze Herzstück von JaKönigJas Seilschaft auf den Punkt zu bringen: „Das erklärte Ziel der Gruppe, Seemannsgarn zu einem Tau zu knüpfen, das sich um alles windet und mit der gesamten Welt verbindet, ihr Geschick, alles in allen Dingen Enthaltene zu beschwören und denn Schlüssel dann gleich mitzuliefern, wird auf diesem Album deutlicher als je zuvor.“

JaKönigJa danken Dirk direkt mit einer Tocotronic-Anleihe im Lied „Eine Fremde Person“:

„Kurz nach der Kapitulation erkannte man mich nicht wieder.“

Doch nicht nur die Liedtitel und -texte sind es, die die Musik ausmachen. Jakobus Siebels ist, wenn er gerade nicht musiziert, mit bildender Kunst beschäftigt, seine Werke werteten vergangenes Jahr z.B. das Dockville-Festival in Hamburg auf. Und dieses kreative Output findet man auch in der Musik wieder, es wird viel experimentiert. Würde ich an dieser Stelle alle Instrumente aufzählen, die diese beiden Genies beherrschen und die man auf dem Album hört, würde das noch über Seiten gehen. Von Banjo über Gitarre über Flöte über Pauken und Trompeten ist alles dabei. Doch in aller Vielfältigkeit gleitet die Melodie nicht aus ihren Händen. Das ist immer gute Popmusik mit Rhythmus, manchmal auch zu gesundem Maße quatschig.

„Und wo versteckt sich die Musik, wenn man sie grad nicht hört?“

Der Gesang von Ebba Durstewitz gibt dem Album dann wieder diesen speziellen Kick. Wie auch schon beim Vorgängeralbum, der passenderweise nach ihr selbst benannt war („Ebba“), liegt ihre Stimme stets wie ein Schleier über der Musik, manchmal im Rhythmus, manchmal ganz von jeglicher Melodie abweichend. Die Stimme wirkt beschwörend, träumerisch, auf-und abschwankend, sie spukt dem Hörer im Kopf rum, macht benommen und lässt glasklar sehen zugleich. Doch auch Jakobus greift bei einigen Songs zum Mikrofon, z.B. bei „Was Noch kein Ende Hat“. Seine Stimme ist energischer als Ebbas, was aber passt, da er den Gesang bei schnelleren Stücken übernahm.

„Sehnsucht heißt jetzt Luxus, früher hieß sie Krankheit.
Erkenne die Lage!“

Wirklich tolle Musik mit überragenden Texten, die in ihrer Komplexität aber nie an Humor verliert. Das mit der Eigenart der Musik trifft also erneut so passend zu, wie auf keine andere Musikgruppe. Es ist eben wie immer bei jaKönigJa Das Problem Des Dezidierten Geschmacks. Danach haben sie jetzt sogar ein Lied auf dieser Platte benannt. Wie auch immer, vielleicht sollte man zu Ende einfach wieder Dirk von Lowtzow das Wort übernehmen lassen:

„Wer verstehen will, wird verstehen. Allen anderen tut es nicht so gut.“

VÖ: „Die Seilschaft Der Verflixten“ erscheint am 25.04.2008 auf Buback.

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