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Shout Out Louds | 25.10.2010 | Steintor Varieté, Halle

Für einen stimmungsvollen Abend voller Pathos  bedarf es nicht viel. Einzig den Schweden Shout Out Louds, die man einfach lieben muss. Umso besser wenn sich dazu noch Dag För Dag in das mehr als gemütliche Steintor Varieté gesellen, um den Hallensern ordentlich einzuheizen.Von Dag För Dag hat man, da bin ich mir sicher, sicherlich nie etwas gehört. Bedauerlicherweise, denn als Support von Shout Out Louds bewies das Trio, dass es sich bei ihnen um (fast) genauso konzert- und festivalerprobten Schweden handelt.

Mit in Glitzergewändern gehüllten Keyboards, Schlagzeugen, Armen, Mikrohaltern und sogar äußerst ansehnlichen Frauenkörpern, wirkten die Schweden zunächst wie Verzweifelte, den 80er-Jahren Hinterhertrauernde, doch innerhalb ihres fast einstündigen Bühnen-Tamtams bewiesen sie, dass sie im Geiste wohl wirklich noch in den 80ern leben.

Besonders Gitarrist und sich-am-Gesang-beteiligende Jacob Snavely entpuppte sich als ständig unruhig, hibbelig und aufgekratzt, ständig in der Gefahr sich im Kabelwirrwarr zu verhäddern und auf der Bühne lang zu legen. Diesem Unheil entkam er allerdings immer, wenn auch nur knapp. Schade um ihn wär es nicht nur wegen seines schnittigen Auftretens gewesen, auch, weil er der Bruder der singenden und Keyboard spielenden Sarah ist, die wiederrum erst im März ihr erstes Kind gebahr.

Während sich Jacobs “Bühnen-Tamtam” so leicht beschreiben lässt, fällt es mit ihrer Musik etwas schwerer. Dag För Dag erinnern etwas an Blood Red Shoes, sind aber ein einmaliges Shoegaze-Indiesoundgebilde, mit schnellen und gitarrenlastigen Momenten, bei denen sogar mal eine Violine zum Einsatz kommt. Zum reinhören auf ihrer Homepage einfach mal die EP runterladen.

Allerdings nicht nur er, auch einige zweifelhafte Gestalten im Publikum schlossen sich an,wohingegen sich deren Unbändigkeit in Kreischerei äußerte. Während alle Umstehenden diesem Mädchen wohl eher den Marsch geblasen hätten, oder in Fremdscham versunken, ließ Jacob sie auf die Bühne kommen. Ihre Gunst der Stunde nutzte die Unbekannte, indem sie sie und sich in ihren alkoholumwaberten Geisteszustand klatsch-tanzend auf der Bühne feierte.

Mit ihr ging auch die Band, die das Publikum des Variete noch einmal anheizte, die heiß ersehnten Shout Out Louds lauthals zu empfangen. Nach dem dramatischen Dämmen des Lichtes und den üblichen eingespielten Klaviergesängen von The Candle Burned Out betraten Shout Out Louds nach und nach die Bühne – freilich unter tosendem Applaus.

Zwar spielten die Schweden in den engen Jeans schon im ersten Viertel ihres Konzerts all ihre größten Hits, müsste man ein Best Of-Album brennen – Fall Hard, Show Me Something New oder Tonight I Have To Leave It -, dennoch hätte ihr Auftritt auch in den nachfolgenden anderthalb Stunden nicht besser sein können.

Der ganze Abend erschien wohlkompositioniert. Die Band im Einklang schaffte es, auch das Publikum sich ihres harmonischen Beisammensein bewusst zu werden. Ob melancholisches Dahingeschmelze zu Walls, wildes Abgetanze zu 1999 oder philosophierendes Nachdenken über Time Left For Love, Shout Out Louds gelang es, in jedem die gesamte Bandbreite der Gefühle zu erwecken. Besonders Sänger Adam Olenius, nahm für Fall Hard sogar den Bühnenvorsprung für sich ein, sodass der 1,60-Mann beinahe über dem Publikum stand.

Für einen kurzen Moment verschwanden Shout Out Louds hinter den Kulissen des Varietes, gebannt stand man vor der imposanten Bühne, und wären die Zeilen nicht schon erfunden mit ihnen ihm Ohr: “please, please, please come back to me“. Und als ward er so gerufen kehrte Olenius mit Akustikgitarre zurück, um auf der Bühne des Varietes eben diesen Titel zu singen: Please Please Please. Lange Zeit aber blieb es nicht ruhig, denn Eric, Carl, Ted und Bebban gesellten sich ihm zu und stimmten soundgewalltiger denn je mit ein.

Nach einem letzten Song und tiefen, von der Applauswand beinahe erdrückten und rührenden Verbeugungen, verschwanden die Fünf dann ein für alle Mal in den Tiefen des Steintor Varietes. Ein stimmungsvoller Abend voller Pathos mit einer Band, die man nicht nicht einfach lieben muss.

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