Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass die Donots ihr letztes Album 'Pocketrock' veröffentlicht haben. Es folgten 40 000 verkaufte Platten und ein für die Band sehr erfolgreicher Sommer mit Auftritten auf allen großen Festivals, erst kürzlich folgte die Nominierung für den Echo. Jetzt waren die Jungs wieder im Studio, um den Nachfolger für Pocketrock aufzunehmen. Wir haben sie in Hannover im Horus (übrigens das selbe Studio, wo auch die Pocketrock aufgenommen wurde) eine Woche vor Aufnahmeschluß besucht, um mal zu schauen, was sie so treiben.
Getrieben haben sie auf den ersten Blick einiges, nur keine Musik. Drummer Eike sitzt zwischen einigen Haufen CD's, DVD's und Pizzaschachteln auf dem Boden und beschäftigt sich mit der vorhandenen Playstation 2. Gitarrist Guido sitzt auf dem Sofa, direkt neben einem Buch mit dem schönen Titel "Enzeklopädie der Kacke". Irgendwann kommen auch noch Bassist Jan-Dirk und Gitarrist Alex vorbei. Fehlt nur noch einer, Ingo, seines Zeichens Sänger der Kapelle. Der befindet sich im Aufnahmeraum, um zusammen mit Produzent Fabio Trentini und Engineer Anyway noch ein paar Gesangseinlagen aufzunehmen. Und abgesehen von einem kurzem "Hallo" und einigen Gesangsübungen, deren Früchte durchs Treppenhaus schallen, bekommen wir von Ingo während unseres immerhin fast dreistündigen Aufenthalts nichts mit.
Und was macht der Rest? Man mag es vielleicht nicht glauben, aber teilweise langweilt sich dieser sogar, wie Jan-Dirk erzählt: "Das blöde ist, dass man eigentlich nie wirklich weiss, wann man dran ist und deswegen immer hier abhängen muss und warten muss, weil man auf Abruf bereit sein muss. Dann langweilt man sich hier rum und macht so Sachen wie Playstation spielen, fressen und Playstation spielen… ".
Naja OK, zu behaupten, der typische Tag eines Rockstars im Tonstudio bestehe aus Langeweile, wäre natürlich Blödsinn. Ein solcher beginnt in der Regel gegen halb elf Uhr morgens mit den ersten Schlagzeugtakes im engen Aufnahmeraum. Im Laufe des Tages werden dann die weiteren Instrumente darüber gelegt, bis letztendlich noch der Gesang drauf kommt. So kam es, dass Drummer Eike mit seinem Kram relativ schnell durch und bei unserem Besuch faktish schon arbeitslos war. Es fehlten noch Bass und Gitarren für zwei Lieder und Gesang für vier oder fünf. Das war eine Woche vor Schluß und auch, wenn man ein wenig unter Zeitdruck war, zweifelte eigentlich niemand daran, dass man das Zeitlimit einhalten könne. Letztendlich musste die Gesangsaufnahme aufgrund einer Magenverstimmung Ingos für zwei Lieder doch noch in den Februar verlegt werden. Das wird dann kurz vor dem Abmischen in Köln erledigt.
Bei den Aufnahmen zeigten sich die Donots experimentierfreudig und innovativ. Folgt dem Schlagzeug normalerweise der Bass und dann erst die Gitarren, haben die Jungs dieses Mal die Gitarren gleich nach dem Schlagzeug aufgenommen, was eigentlich auch logisch klingt: "Weil das bei uns ja so ist, dass die Lieder von allen geschrieben werden, aber die meissten Riffs hauptsächlich von Guido kommen und es somit eigentlich viel mehr Sinn macht, wenn er seine Gitarren so drauf legt, wie er sie meint."
Immerhin waren die Donots ganze 40 Tage im Studio. Eine beachtliche Zeit, vor allem, da die aufzunehmenden Songs alle schon vorher im Probenraum komponiert und auf einem 16-Spur-Gerät aufgenommen wurden. Was also treibt man so lange im Tonstudio? Jan-Dirk versucht, diesen Umstand zu erklären: "Man kann natürlich auch ein Album auf jeden Fall schneller aufnehmen. Das liegt dann a) daran, wie gut man ist. Daran sieht man, wie schlecht wir sind, weil wir so lange brauchen. Und b) natürlich auch, wieviel Wert man auf eine perfekte Aufnahme legt und da wir jetzt die Möglichkeit haben, 'ne echt richtig gute Aufnahme zu machen, nehmen wir uns natürlich auch die Zeit dafür". Gab es bei den Aufnahmen zur "Pocketrock" noch die eine oder andere Situation, wo man aus Zeitgründen einiges leider nicht mehr ausprobieren konnte, wollte man dieses Mal sicher gehen, auf nichts mehr verzichten zu müssen. Ausserdem steigt mit der Zeit auch der Anspruch, den man sich selber stellt, weil man auch einfach mehr gelernt hat, mehr kann. Jedenfalls bei guten Bands. "Bei uns ist es mehr so, dass es eher von dem Nicht-können abhängt". Sagt Jan-Dirk.
Und Eike sagt: "Wir haben diese Mal auch viel mehr Zeit damit verbracht, den Sound der Platte zu finden und überhaupt Mal verschiedene Sounds auszuprobieren. Beim letzten Mal haben wir irgendwie einen Tag Soundcheck gemacht und dann ging's auch schon los. Dieses Mal haben wir die ersten drei Tage eigentlich nur Soundcheck gemacht, sehr viel Schlagzeug ausprobiert mit verschiedenen Mikros und weiß der Geier… dann irgendwie 1 1/2 Tage Gitarre, saulange nochmal geguckt, was man am besten so nimmt… und dann ging's halt erst los mit dem ganzen Aufnahmekram. So haben wir bislang auch noch keine Platte gemacht, wo wir so lange den Sound gesucht haben, wo wir echt denken "ja klar ey" oder wo Fabio auch denkt "den kann man gut mit den Liedern verbinden". Weil er macht die Lieder zu den Liedern, die sie letztendlich auch sein sollen. Das war schon echt supergeil, dass wir soviel Zeit hatten."
Eine willkommene Abwechslung zum Studioalltag sind für die 5 Männer im besten Alter auch Besuche von Bekannten, "Typen mit blauen Diktiergeräten" oder befreundeten Bands wie z.B. PALE oder MIDTOWN. Letztere kennt man noch von der Pocketrock-Tour aus dem letzten Jahr, wo diese als Support gespielt haben. Während der aktuellen Europatour kamen die Amerikaner an einem spielfreiem Tag in Hannover vorbei und haben mit den Donots einen drauf gemacht, wie man so schön sagt. Geendet ist das ganze dann in einer Karaokebar in Hannovers Innenstadt und mit der Erkenntnis Jan-Dirks, einen der drei witzigten drei Abende seines Lebens gehabt zu haben.
Doch natürlich waren Midtown nicht nur zum Spaß ins Horus gekommen, sie leihten den Donots auch gleich noch ihre Stimmen für den Background - Gesang bei "Up Song", welcher offenbar den potentiellen Partysong des Albums darstellen wird, "mit Shouts und so". Den einen oder anderen Gastgesang wird es wohl auch noch geben, aber ausser, dass sie Elvis wieder ausgegraben haben, wollten sie uns noch nichts näheres erzählen.
Noch nicht ganz einig ist man sich bei der Wahl des Albumtitels, welche sich nach Jan-Dirks ironischer Bemerkung Nr. 3428 viel schwieriger gestaltet als die Aufnahme der Songs, aber man schwankt derzeit offenbar zwischen "Making Love With Jesus Christ" und "Wer zur Hölle hat unser Klo vollgekotzt". Nun ja, verstehen muss man dieses Wortspiel nicht, aber lustig ist es allemal, nicht wahr, Jan-Paul?!
Egal, wie das Album letztendlich heissen wird, es werden vorraussichtlich 12 Tracks enthalten sein, auch wenn insgesammt 17 Songs aufgenommen wurden. Der sich ergebende Rest von 5 soll dann für weitere Veröffentlichungen wie B-Seiten oder Special Editions herhalten. Schließlich will man ja noch was haben, "für die Fans".
Kommen wir zum Wesentlichen, zum Inhalt, zur musikalischen Entwicklung. Was wird anders werden als auf der Pocketrock? Offenbar einiges. Auch wenn der Großteil der Songs ähnlich sein wird wie die vom Vorgänger, wird es doch einige Exoten geben, sodass das Album insgesammt ein breiteres Spektrum abdecken wird. Während einige Stücke mehr Gas geben und vom Sound her einen dreckigeren Eindruck hinterlassen werden, sind da auf der anderen Seite auch die sehr poppigen Songs, die man wohl so auch noch nicht von den Donots kennt. "Es sind schon ein paar Exoten drauf, die man von uns glaub' ich nicht erwartet hätte, also sowohl in die eine als auch in die andere Richtung", bringt Jan-Dirk es auf den Punkt. Und auch Guido ist merklich angetan: "Wir haben auch ein Lied, das ist echt ne Ausnahme, aber ist sehr schön geworden. Das heisst "Summer To Blame" und das ist so'n bisschen "Eis-Am-Stiel-Mucke". Das dürfte dann wohl der Song sein, der sich bei unserem Interview im Oktober noch nach Neil Young angehört hat.
Einige Songs werden auch dabei sein, die schon vor der Pocketrock fertig waren, nur eben nicht fertig genug, um auf Platte gepresst zu werden. "Da haben wir noch ein paar Sachen geändert, es gab halt ein paar Sachen, die noch gefehlt haben, die jetzt da sind - und die gut sind".
Mit diesen Worten von Eike möchte ich diese kleine Anekdote jetzt auch beenden. Mit dem Album kann man dann wohl fühestens ab Mai rechnen, wenn weiter nichts dazwischen kommt, wovon die Jungs aber eigentlich ausgehen. Jedenfalls sollte man diesem Zeitpunkt mit Spannung entgegen fiebern, denn interessant hört sich das ganze allemal jetzt schon an.