Die 18. Osterrocknacht, mitgeschnitten fürs Fernsehen, also auch komplett von vorne bis hinten durchgeplant. Eskobar, die erste Band die an diesem Abend spielen sollte fingen um 17.30 Uhr an, doof nur dass der Einlaß grad mal 10 Minuten vorher war. Da war schon das erste Problem: ca. 4000 Leute innerhalb von 10 Minuten durch lediglich 2 kleine, kontrollierte Türen zu bringen ist so ziemlich unmöglich und so kam es, dass Eskobar nur von schätzungsweise 100 bis 200 Leuten gesehen wurden, die Anderen standen draußen, warteten und ärgerten sich Eskobar nicht zu sehen, unter diesen Wartenden, wie soll es auch anders sein, war man natürlich selbst.
Als man dann endlich von den Tür-Gorillas in die Halle gelassen wurde waren Eskobar schon komplett fertig und <b>The Mars Volta</b> (Foto 1) standen schon auf der Bühne und waren grad bei den letzten Handgriffen ihres Soundchecks: puh, nochmal Glück gehabt, denn The Mars Volta wollte ich unbedingt erleben. Sie waren es dann auch die mich schon beim ersten Ton direkt fesselten, pure Energie verpackt in psychedelisches Geschrammel. Sie waren zwar nichts für die Menge und ich denke die meisten mochten sie nicht besonders, aber anständiges Klatschen gab es natürlich, auch von den Leuten die während der Show der Band mit verschränkten Armen gegenüber standen.
Auffallend war, dass The Mars Volta nur zu fünft auf der Bühne standen, einer der beiden Keyboarder war nicht anwesen, warum weiß ich nicht. Gespielt wurden natürlich alle drei Tracks der großartigen Tremulant EP, außerdem der im Internet veröffentlichte Song Roulette Dares und das bisher noch nicht in Studioversion vorliegende Inertiatic. In den 30 Minuten rockten The Mars Volta gewaltig, Cedric bewies Sicherheit in wilden Mikro-herumwirbelei-orgien, außerdem gesellte er sich bei einer Passage zu seinem Drummer und spielte mit ihm gemeinsam auf den Drums – 4 Sticks for a hallelujah!
Noch besser haben mir jedoch <b>Fu Manchu</b> gefallen, warum sie jedoch nur 30 Minuten Spielzeit bekommen haben (und dafür dann die grottenschlechten „A“ 60 Minuten) wird mir wohl für immer ein Rätsel bleiben. Aber mal von vorn: Im Vorfeld war ich schon sehr gespannt auf den neuen Treiber Scott Reeder. Er leistete ein solides Deutschland Debüt ab, besonders hervor stach er aber auch nicht. Bei ein paar Songs haben mir die Drums vom Ex-Drummer Brant Bjork wesentlich besser gefallen. Dennoch, Fu Manchu, mit neuen Haarschnitten und Plexiglasgitarren bewaffnet, rockten schwer, die ersten Pogos starteten hinter den ersten Reihen. Jedoch waren die feinen Herren der ersten Reihe sich zu Schade um Spaß zu haben und so fungierten sie eher als Spaßbremse indem sie dem pogenden Pulk neben giftigen Blicken, Gepöbel auch Schläge ferteilten: Also liebe Herrn von Spaßbremse, das nächste Mal platziert ihr euch einfach irgendwo hinten und lasst die Leute die Spaß haben wollen, auch Spaß haben.
Neben Songs von der aktuellen Callifornia Crossing wurden auch alt bewährte Hits á la Evil Eye, Hell on wheels oder Over the edge dargeboten. Die Show war sehr geil, für mich die zweitbeste Band des Abend, nach der Jon Spencer Blues Explosion, zu ihnen werde ich im Verlaufe noch kommen…
Fu Manchu haben ein richtiges Brett vorgelegt und nun kamen die Engländer <b>A</b>. Bei ihnen war komischerweise am meisten los, überall wo man schaute Leute mit A-Shirt. Dem Größteil haben A auch ziemlich gut gefallen, es wurde quer duch die Halle gehüft und Spaß gehabt – naja, aber ich sagte dem Größteil. Vorweg, A kenn und mag ich schon länger, A vs. Monkey Kong ist ein sehr sehr feines und vielschichtiges Album, aber dass das die Herren da abgeliefert haben war beinahe peinlich!!! Neben ständigen Fragen á la „Düsseldorf are you ready to rock?“ etc. nervte dieser Frontmann-Flummi durch schlechten Gesang, einer eckeligen Kappe und arrogantem Auftreten. Ein wenig erinnerte mich ihr Auftreten an Limp Bizkit (nicht vom musikalischen), überheblich, selbstverliebt und eigentlich doch schlecht. Hinzu kommt, dass die meisten der Songs noch gar nicht bekannt waren, aus Monkey Kong wurden nur 3 Songs gespielt, der Rest kam vom bald erscheinendem Hi-Fi Serious. Viel mehr Worte will ich über diese Lachfiguren aber nicht mehr verlieren, aber wie schon bei Fu Manchu erwähnt: Warum, verdammt nochmal, hatt man A eine ganze Stunde lang auf uns, das Publikum, losgelassen?
Bekanntlich hat alles ein Ende, so zum Glück auch die Show der Engländer und so betraten endlich die aus New York Angereisten <b>Jon Spencer Blues Explosion</b> (Foto 2) die Bühne. JAJAJAJAJAJA: Jon Spencer – the god of rock’n’roll hat uns tatsächlich 60 Minuten lang Einblick in seinen dreckigen Rock’n’Roll-Blues Mix gegeben. Ich bin immer noch total überwältigt und sprachlos. Das Publikum schien aber insgesamt nicht so beeindruckt gewesen zu sein – Kunstbanausen ;-). Die Liveperformance war perfekt, trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit dem Sound. Das sabbernde Getier von Rock’n’Roller malträtierte das Mikro indem er es teilweise aufzuessen erschien, aber nur so kann man diese absolut geilsen Gesangseffekte erreichen, die sich ja nun jeder im WDR zu Gemüte führen konnte.
Und so wurde bewiesen, dass man für Rock’n’Roll absolut keinen Bass braucht um großen Eindruck zu hinterlassen, ein Drumset, zwei Gitarren mit Original 60s-Verstärkern und eine versoffene Whiskey Stimme reichen aus…
Wie schon erwähnt, mein persönliches Hightlight des Abend.
Nach dieser beeindruckenden Darbietung sind A total untergegangen und ich denke nicht, dass ich mich an ihr Konzert noch lange erinnern werde, es war einfach zu durchschnittlich.
Auch wenn der Abend nach der Jon Spencer Blues Explosion hätte vorbei seien können, es wurden dem Publikum noch zwei richtige Schmankerl geliefert: die Sportfreunde Stiller und die allseits beliebten Jimmy eat World standen noch in den Startköchern, kompletiert wurde der Abend dann noch mit Heather Nova.
Aber zuerst kamen unsere Lieblingsbayern auf die Bühne. Die <b>Sportfreund Stiller</b>, das heißt Entertainment pur, auch an diesem Abend. Bestehen konnten sie natürlich durch Songs ihres Debütalbums So wie einst Real Madrid, aber auch die Songs vom am Dienstag erscheinendem Die gute Seite kamen beim Publikum an. Ich fand die Ansprachen von Peter jedoch noch viel überragender! Es fing an mit: „Hallo wir sind die Sportfreunde Stiller und wünschen Euch viel Spaß bei Lieder mit verschiedenen Themen“, ging über zu „Oh mir ist ne Saite gerissen, sorry, hört sich beschissen an ich hol mir schnell ne neue Gitarre [...] Und nun begebt euch eben schnell in die Stimmung in der ihr grad wart und wir machen weiter“ oder gar zu Propaganda á la „Lasst uns bitte nicht den Stoiber wählen [...] Er kann ja auch ruhig wo anders hingehen und sich dort ein Haus bauen und da dann mit seiner Frau Petting machen, wenn er dafür nicht zu steif ist…“ (die Zitate sind wörlich nicht ganz korrekt – halt nur ausm Gedächtnis geschrieben).
Und nun war es endlich soweit, man hat nervende Ansagen des Moderators über Formel 1 Zwischenstände, oder neue Zusagen zu irgendwelchen Festivals über sich ergehen lassen, aber all das war mittlerweile vergessen, denn der eigentliche Headliner betrat die Bühne: <b>Jimmy eat World</b>. Am Bühnenrand versammelten sich Musiker der zuvor gesehenen Bands um Jimmy eat World zu sehen, beinahe jede Band hat uns im Vorfeld vollgesülzt wie sie sich doch auf Jimmy eat World freuen würden – nun ja, wir doch auch…
Die Setlist bestand zum größten Teil aus Material ihres aktuellen Album Bleed American, lediglich drei Clarity Songs und ein Static Prevails Song schafften es in die Setlist. Auch wenn ich Clarity lieber mag als Bleed American muss ich ehrlich zugeben, dass die neuen Songs live extrem gut kommen, es kommt einfach mehr Stimmung auf wenn die Sache ein wenig mehr rockt. Ein anderer Nebeneffekt ist, dass ich Bleed American nun viel lieber hören mag. Nachdem ich mir die heut noch ein paar Mal zu Gemüte geführt hab find ich sie sogar extrem gern. Es scheint so, dass ich durch dieses Liveerlebnis erst die wahre Schönheit des Albums erkannt hätte, nunja, aber Clarity ist trotzdem besser :-P.
Nun gut, die „richtige“ Headlinerin kam dann gegen Mitternacht auf die Bühne: Heather Nova. Ich war ja eigentlich sehr skeptisch ob Heather Nova so das wahre ist, aber doch, sehr schön! Heather Nova mag ich ja schon sehr, vor allem alleine zu Hause kann man sie gut hören, find ich und gestern als Abschluß war sie auch perfekt. Nachdem man sich durch die vorhergehenden Bands gerockt hat konnte man sich bei ihr schön auf die Sitzgelegenheiten am Rand des Konzertsaales setzen und ihre Musik genießen. Ein perfekter Ausgang eines im Gesamten gelungenen Abends. Auch wenn, durch den Zeitdruck des Fernsehens, der Sound bei einigen Bands sehr gelitten hat – zumeist war der Bass viel zu laut, oder auch mal die Stimme zu leise – konnte man doch zufrieden nach Hause gehen, auch wenn das Portemonnaie durch die 30 € Eintritt sehr gelitten hatte.
Für alle die die Osterrocknacht gestern im WDR verpasst habe noch folgende Sendehinweise:
Diesmal werden die Konzerte jeder Band in voller Länge ausgestrahlt, also viel Spaß.
Am Dienstag Abend, dem <b>03.04.02</b> werden von 0.00 Uhr bis 1.30 Uhr die Konzerte von Eskobar, The Mars Volta und Fu Manchu in voller Länge ausgestrahlt.
Die Konzerte von Heather Nova, Jimmy eat World, den Sportfreunden Stiller, der Jon Spencer Blues Explosion und A sind Samstagnacht, dem <b>21.04.02</b> von 1.20 Uhr bis 6.15 Uhr zu sehen





