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Undercover - Die coolsten Coverversionen in Rock

25. Jun 2002 | von Aron

Undercover – Die coolsten Coverversionen in Rock. Eine hoch angepriesene (Doppel!)CD von Sony Music… aber hält sie auch, was sie verspricht? Auf einem kleinen Aufkleber kann man auch den lustigen Spruch „Die Party-Rock CD!“ lesen. Sagen wir es mal so, in einer Sache haben sie auf jeden Fall recht: Die CD ist voll von Coverversionen, die aber halt leider nicht alle cool sind. Und so richtig Party-tauglich ist sie auch nicht - es ist nicht wirklich so, dass man die CD einlegt und den Abend durchlaufen lassen kann. Stücke wie „Vogue“ von „Waltari“, die den Song von „Madonna“ gecovert haben, sind keine wirkliche Partybereicherung. Ebenso „The Letter“ von „Dynamo 5“, ursprünglich von „The Box Tops“ hätten man sich sparen können.
Eigentlich kommt „Undercover“ den Dorfdisco-Stimmungs-CD’s mit „Zeig mir mal die Möpse“ und Kollegen ziemlich ähnlich. Man kann diese CD einlegen und die Besoffen Dorfprolls merken es nicht einmal, dass das Lied, dass sie hören eine billige Coverversion einer Wichtigtuerband ist. Schade ist auch, dass sich Bands wie Alien Antfarm, Emil Bulls, Guano Apes, Machine Head und die H-Blockx die Blöße geben, sich auf einer solchen CD verewigen zu lassen - Sonst hätte ich einen Vorschlag für einen alternativen Namen, da ich „Under(the Gürtelline)Cover“ nicht so wirklich ansprechend finde. Wie wäre es hiermit: „Dorfprollrock für Anfänger – die besten Punkrocksongs der Welt“? Es lebe die Ironie!

Scrambled Eggs - …in need of some rock

19. Jun 2002 | von Robert

Über einen wirklich guten Bandnamen verfügen die Stuttgarter ja, aber mit ihrer dritten Platte kann und will ich mich nicht so wirklich anfreunden. Geboten wird nur 08/15
Skatepunk, wie ihn unzählige Bands im In- und Ausland spielen. Auch nach mehreren Durchgängen weiss mich die Platte nicht so richtig zu überzeugen. Wenn man natürlich Skatepunk um alles verehrt, dann ist Scrambled Eggs vielleicht doch ein guter Tipp.
Für mich allerdings eher nicht, zu wenig neues oder überraschendes erwartet einen auf "…in need of some rock". Ich hatte leider keinen Vergleich mit ihren vorherigen Alben, aber zu dieser Scheibe fältt mir wenig positives ein. Ein bisschen mehr Eigenständigkeit wäre da ja vielleicht nicht unangebracht.

Face To Face - How to ruin everything

19. Jun 2002 | von Robert

Erst seit kurzem habe ich mir Face to Face zugängig gemacht und bin besonders von den älteren Alben sehr angetan. Innerhalb kurzer Zeit hat sich Face to Face
zu einer meiner Lieblingsbands entwickelt. Ich war sehr froh, nun über die neueste Platte der drei Kalifornier schreiben zu können.
Auch wenn die Songs nicht mehr ganz so eingängig sind, wie man es noch von ihren ersten Platten her kennt,
entwickelt diese CD doch Hitcharakter. Im Grunde ist "How to ruin everything" nämlich doch eine typische Face to Face Scheibe. Melodischer Punkrock der Extraklasse wird wie immer in bester Perfektion geboten.
Als absolute Anspieltipps empfehle ich "14 Hours", "The World in Front of You", "Shoot the Moon", und "Waiting to be Saved".
Auch wenn Face to Face vielleicht im Verdacht stehen einen ähnlichen Weg wie zum Beispiel Pennywise oder Bad Religion einzuschlagen, sich nicht mehr weiterzuentwickeln, sondern nur noch Tempo rauszunehmen und melodiöser zu werden,
seh ich Face to Face nach wie vor auf einem guten Weg. Diese wirklich gute Platte verleitet mich einfach dazu. Jetzt wird es auch wirklich mal Zeit Face to face mal live zu sehen.

Weezer - Maladroit

18. Jun 2002 | von Carsten

Es wurde viel, sehr viel, im Vorfeld über dieses Album diskutiert. Und die Meinungen gehen weit auseinander. Zugegeben einfach ist das neue WEEZER Album nicht, ich brauchte viele Anläufe um einen Zugang zu „Maladroit“ zu finden, aber mit jedem weiteren Hördurchlauf muss ich sagen, dass ich dieses Album dann auch immer besser finde.
Ein wenig witzig ist es ja schon, erst hört man mehrere Jahre nichts von WEEZER, man wusste gar nicht ob sie überhaupt noch wirklich existent sind und nun bringen sie innerhalb von einem Jahr zwei Alben auf den Markt. So, nun aber alles noch mal in Ruhe und von vorn. Die Erwartungen waren schon ziemlich hoch, da WEEZER zum einen der Status einer „Überband“ angehaftet wird und zum anderen hatten sie mit dem letzten Album ein gutes abgelegt, welches dennoch nicht das Beste ist.
„Maladroit“ ist ein sehr abwechslungsreiches Album, mal sehr Hardrock belastet, dann ein wenig Melancholisch und dann wieder fröhlich. Als erste Singleauskopplung hätte man vielleicht doch lieber „Slob“, welches der Hit der CD ist, anstatt dem etwas zu überschwänglichen „Dope Nose“ wählen sollen. Mit „Keep Fishin“ und „Take Control“ sind zwei weitere Highlights vorhanden. Allein „Death and Destruction“ ist als kleiner Aussetzer zu bewerten, da ein wenig an Melancholie zu dick aufgetragen wurde.
„Maladroit“ ist ein sehr gelungenes Album und gefällt mir langsam immer mehr, als das „green Album“, allein dadurch da es einfach abwechslungsreicher ist. Außerdem sollte berücksichtigen, dass WEEZER keine Überband sind und niemals waren und wenn, auch Helden kochen nur mit Wasser.

Donots - Amplify The Good Times

17. Jun 2002 | von benni

Vielseitigkeit hat einen neuen Namen! Mit Ihrem neuen Album "Amplify The Good Times" sprengen die Donots alle denkbaren musikalischen Fesseln und bringen sämtliche Schubladen zum Bersten, in die man sie je zu stecken versucht hat. Ein Album noch abwechslungsreicher zu gestalten scheint eine denkbar schwere Aufgabe.
Die fünf Jungs aus dem westfälischem Outback liefern hier ein musikalisches Päckchen voll mit potenziellen Ohrwürmern der Marke Donots, egal ob ungewöhnlich soft wie bei "Someone to blame" oder sehr punkig wie beim überraschend rotzigen "Friends (Fucked)". Dieses Album kann wirklich an einigen Stellen überraschen - und zugleich überzeugen. Um möglichen Irritationen entgegenzuwirken: auch Liedgut in guter alter Donots-Manier ist dabei. So dürften sich Anhänger der Pocketrock-Geschichten beim "Up Song" tierisch wohl fühlen. Ein weiterer Song, der sofort im Ohr hängen bleibt, schön Gas gibt und mit Sicherheit das Potenzial zur zweiten Singleauskopplung hat.
Trotz aller Vielfältigkeit scheint eines unübersehbar: mehr Pop, weniger Ecken, eine arschglatte Produktion. Den lauthals kreischenden Mädels aus der ersten Reihe wird das gefallen. Fanatischen Anhängern der "Better Days Not Included" wohl eher weniger, doch aufgrund besagter stilistischer Vielfalt von "Amplify The Good Times" werden auch diese gefallen daran finden.
Qualitativ befinden sich die Donots noch immer auf dem recht hohen Niveau der Pocketrock, welche Anfang letzten Jahres das Licht am Horizont der grossen weiten Welt erblickte. Und somit ist auch "Amplify The Good Times" ein Album, welches sich sehen lassen kann!

Waterdown - Split mit BY A THREAD

13. Jun 2002 | von benni

Nur Kurz erwähnt sei an dieser Stelle die neue Split CD von WATERDOWN und BY A THREAD aus Kanada, die dieser Tage auf dem Berliner Label Two Friends erscheint. Zugelegt habe ich mir diese CD kürzlich am WATERDOWN-Merchstand in Hannover auf dem Soundgarden Openair in meiner Funktion als Fan dieser Band. By A Thread kannte ich nicht. Schön, dass diese Band sich über diese Split hierzulande ein wenig bekannter machen kann.
Denn was ich da von BY A THREAD zu Hören bekomme, haut mich um und stellt WATERDOWN um Längen in den Schatten! Irgendwo zwischen Postharcore, Emo und Punkrock zeigen hier die Kanadier, dass sie die Sache mit dem Songwriting wirklich verstanden haben! Der teilweise zweistimmige Gesang hat immer einen gewissen melancholischen Touch und passt somit perfekt in das sehr abgerundet wirkende Korsett aus Gitarren, Bass und Schlagzeug. Mal wieder eine Band, die von mir ein "wow" verliehen bekommt!
Wie BY A THREAD geben auch WATERDOWN über 3 Songs ihr bestes, was aber im Vergleich mit BAT offenbar nicht reicht. Das sage ich als Fan der Osnabrücker und verweise auf das WATERDWON T-Shirt, welches ich gerade trage! "Tainted" von BAT folgt "Nails All Broken Short" von WATERDOWN, wo ich sofort das Gefühl habe, dass irgend etwas fehlt. Sicher sind auch die WATERDOWN-Songs hier nicht schlecht, nach wie vor beeindruckt vor Allem der zweistimmige Gesang, der der im Vergleich zu BY A THREAD eher Hardcorelastigem Packung Musik zugeführt wird. 3 Songs, die auch auf jeden Fall in Ordnung gehen, jedoch neben denen von BY A THREAD in nicht ganz so gutem Licht erscheinen, wobei doch noch einmal der sechste Song "Tales From The Lanwside" hervorzuheben ist, welcher für Waterdown doch ungewöhnlich punkig daher kommt.
Und was lernen wir daraus? Wir merken uns den Namen BY A THREAD und haben WATERDOWN trotzdem noch alle lieb!

Hardcore For Life!

10. Jun 2002 | von benni

Hardcore for life! Jemand, der diese Einstellung wirklich verkörpert, dürfte Lou Keller sein, seines Zeichens Sänger von Sick Of It All und auch schon etwas in die Jahre gekommen, das lässt sich nicht von der Hand weisen. Vor Ihrem Konzert in Göttingen mit Rise Against, Waterdown und Crowfish trafen wir auf “Onkel Lou” um ihn kennen und auch schnell schätzen zu lernen. Selten trifft man auf Musiker, die trotz des Erfolges so nett sind, sich ernsthaft mit dir unterhalten und auch wirklich Zeit für dich haben. Lou ist so jemand und er erzählte uns, was er von Straight Edge, Oi-Punk und Gewalt hält. Und wer die Weltmeisterschaft gewinnt.

Was hältst du von Straight Edge in der Hardcore Szene?

Solange es bei dir liegt, eine persönliche Entscheidung ist und nicht von anderen Leuten abhängt, ist das eine großartige Sache! Aber sobald die Leute anfangen, es nur als Statussymbol in der Szene zu erreichen, lehne ich es ab.

Bist du Straight Edge?

Nein, war ich auch nie.

Und der Rest der Band?

Lou und Pete trinken und rauchen nicht, aber sie sind nicht solche Leute, die Xe auf ihren Hände malen oder sowas und umherrennen und versuchen, andere Leute zu beeinflussen. Es muss eine persönliche Entscheidung sein, wenn nicht, tun die Leute es aus den falschen Beweggründen.

Nimmst du deine Familie eigentlich mit auf Tour?

Meine Familie? Oh nein, mit meiner Familie auf Tour, das wär verrückt! Die Kids würden im Bus rauf und runter rennen, das wär zu viel! Meine Frau ist zu Hause mit den Kindern.

Auch nicht bei längeren Touren über mehrere Monate?

Nein, da auch nicht. Es gäbe einfach viel zu viele Dinge, um die man sich kümmern müsste, noch viel mehr, als wenn wir “nur” die Shows spielen…

Letztes Jahr wart ihr mit 28 Days auf Tour. Naja, 28 Days sind…

…keine Hardcore Band. Das ist etwas, was wir auf dem schmerzlichen Weg erfahren haben. Unser alter Manager - von dem wir uns nach dieser Tour getrennt haben - hat sie aus irgendweinem Grund für unsere Shows geholt. Als wir gesehen haben, was die für Musik spielen, war niemand von uns wirklich begeistert, mit ihnen zusammen zu spielen. Vor allem, weil die Leute kommen und Geld bezahlen, um Sick Of It All zu sehen. Da möchte ich schon, dass die Idee dahinter steckt, gute Bands für uns eröffnen zu lassen. Ich will jetzt nicht behaupten, dass 28 Days schlechte Musik spielen, es ist nur einfach nicht die Musik, die du vor Sick Of it All zu sehen erwartest. Bands wie Waterdown oder Rise Against haben zumindest mehr mit dem zu tun, was wir machen und kommen aus einer ähnlichen Szene. Das funktioniert so wesentlich besser.

Spielt ihr eine andere Setlist, wenn ihr mit Waterdown spielt, als wenn ihr mit 28 Days im Vorprogramm unterwegs seid?

Diese 28 Days-Geschichte war einfach ein krasses Ding, das so sicher nie wieder in unserer Geschichte vorkommen wird. Manchmal überlegen wir uns aber schon, ob wir eher die harten Sachen spielen oder nicht. Das hängt von der Zusammenstellung ab, als wir in Amerika vor den Dropkick Murphys gespielt haben, gab es mehr von unseren Oi-beeinflussten Songs zu hören. Einfach weil das dann mit uns und denn Dropkick Murphys besser funktioniert. Warum sollten wir auf dieser Tour viele härtere Sachen spielen, das würde keinen Sinn machen.

Oi-Songs…. Ihr habt auch was für den “Worldwide Tribute To The Real Oi” - Sampler gemacht. Wie steht ihr zu Oi- und Punkmusik?

Als ich dass erste mal mit dieser Musik konfrontiert wurde, als ich mich das erste Mal mit Hardcore beschäftigt habe, gingen Hardcore, Punk und Oi Hand in Hand. Es gab keine separaten Szenen mit Leuten, die dann nur diese eine Musikrichtung hören. Jeder hatte mit den selben Sachen zu tun, mit allen Sachen, es war nicht so gesondert. Die Sachen, die ich zu dieser Zeit aus England gehört habe, fand ich grossartig und es hat sehr sehr lange gedauert, bis ich mitbekommen habe, dass die Bands untereinander Politik machten. Das war wirklich Jahre später. Am Anfang waren die ganzen Oi-bands einfach harte Bands, die eine starke Message und einen kraftvollen style hatten.

Und was meinst du, wieso diese Szenen jetzt teilweise so separat sind?

Ich habe keine Ahnung, aber das ist echt beschissen! Ich wünschte wirklich, die Leute wären musikalisch viel offener. Sobald du musikalische Unterteilungen vornimmst, schafft das Probleme. Wenn z.B. jemand nur eine bestimmte Musikrichtung hört… Ich höre jede Art von Musik und ich finde das gut, dass unterschiedliche Bands unterschiedliche Musik machen. Wenn mehr Leute diese Einstellung hätten, wären genreübergreifende Shows besser, das Publikum wäre aufnahmefähiger und es wäre einfach eine bessere Atmosphäre. Wenn die Leute zu engstirnig sind, werden die Szenen stagnieren, ohne sich gegenseitig zu inspirieren.

Sind das eher musikalische Unterschiede oder spielen dabei auch die Einstellungen der Leute eine Rolle?

Hauptsächlich geht es um die Musik. Ansonsten vielleicht noch um Lifestylegeschichten wie Straight Edge. Ich kann mir z.B. keine vegane oder Straight Edge-Person vorstellen, die ein Fan von Guttermouth ist, weil die Message von Guttermouth einfach gar nichts damit zu tun hat. Aber musikalisch finde ich es wie gesagt viel besser, wenn man offener eingestellt ist und unterschiedliche Styles akzeptiert.

Macht ihr in eurer Freizeit Sport?

Ich sehe mir viel Fußball über meine Satellitenschüssel an (lacht). Craig boxt, bzw. er versucht es zu lernen. Pete hält sich fit, er macht Jujitsu und sowas, aber ich glaube, er hat das auch schon lange nicht mehr gemacht. Schon eine kleine Verletzung kann manchmal dazu führen, eine Tour nicht mitspielen zu können. Die Band hat Vorrang, andere Aktivitäten müssen wir auf den zweiten Platz unserer Prioritätenliste setzen.

Und was hast du sonst für Hobbies?

Ähhhh… eigentlich keine. Ich habe keine Zeit für Hobbies. In dieser Band zu spielen und Vater zu sein nimmt sehr viel zeit in Anspruch, sodass ich keine Zeit für weitere Hobbies habe. Nur Musik und Vater-sein…

Diese Tour war ja nicht in Zusammenhang mit einem neuen Album. Arbeitet ihr da gerade an etwas?

Im November haben wir ein Livealbum aufgenommen, das wird im Juli rauskommen. Im Moment touren wir noch für “Yours Truly”. Wir sind keine Band, die ständig neue Sachen schreibt, sondern eher viel umhertourt. Danach nehmen wir uns dann die Zeit, etwas neues zu machen. Normalerweise dauert es so 5 Monate, um ein neues Album zu machen.

Was war dann eure Motivation, schon wieder nach Europa zu kommen?

Einfach, um zu touren, um die Leute daran zu erinnern, dass wir noch existieren. Ich finde nicht, dass man unbedingt ein neues Album braucht, nur um auf Tour zu gehen. Seit Anfang 2001 haben wir eine Europatour gemacht, nur eine Headlining-Tour, dass hier ist jetzt die zweite. Wenn man sich unsere Geschichte anschaut, war es immer gut, zwei Headlinerturen pro Album zu machen. Wir versuchen, nach jedem Album zwei Mal in Europa zu touren, dass selbe gilt für Amerika, zwei nationale Touren pro Album. Und dann andere Sachen wie Festivals, die sind wichtig, weil du da auch für die Fans von anderen Bands spielst. So kannst du dich bekannter machen.

Wenn wir grade über Fans reden, siehst du da große Unterschiede zwischen Amerika und Europa?

Ich würde sagen, dass die Fans in Europa aus irgend einem Grund die Aggressionen in unserer Musik besser verstehen. In Amerika und in Kanada erwarten die Leute ein bisschen mehr Melodie, aber hier in Europa genießen die Leute die Aggression und das Fehlen von Melodie. Ich habe das Gefühl, dass die Musik, die wir machen, besser auf das europäische Publikum passt. Es sieht so aus, als ob du in Amerika auf MTV sein musst, alle Möglichen Radio- und Videoplays haben musst. Wir sind nun mal keine Band, die das hat. Wir haben keine Maschine hinter uns, die uns pusht. In Amerika brauchst du 100.000e von Dollars hinter dir, um dich groß zu machen. Die Leute wollen einfach mit Musik vollgepumpt werden, nicht wie in Europa, wo die Leute aufwachsen und ihren eigenen Geschmack, ihre eigenen Vorzüge entwickeln. Und das ist der große Unterschied zwischen Europa und Amerika, wie viel besser die Underground-Szene hier ist.

Reden wir über Musik und Aggressionen. Da gibt es etwas aktuelles in Deutschland, ein Schüler hat Lehrer und Mitschüler erschossen und jetzt versuchen viele, die Schuld auf Slipknot zu schieben, weil der Mörder Slipknot gehört hat. Wie seht ihr sowas?

Im Dezember 1992 gab es in Amerika in Massachusets einen Kerl, der mit einem Gewehr drei Leute erschossen und viele verletzt hat. Der hatte ein Sick Of It All T-Shirt an. Alle Bilder, die von ihm gemacht worden, wie er festgenommen wurde und wie er ins Polizeiauto gesteckt wurde, waren mit einem T-Shirt von Sick Of it All. Damit mussten wir dann umgehen können.

Hattet ihr Ärger deswegen?

Nein, keinen Ärger. Du kannst auch keine wirkliche Verbindung zwischen Verhalten und Musik machen. Es gibt so viele Leute, die Gangster-Rap hören und trotzdem nicht rausgehen und etwas verbrechen. Die wahre Ursache liegt in der Erziehung. Meistens sind es die Eltern, die man für so krasse Problemen in den Kindern verantwortlich machen muss, die ein Kind dazu bewegen, eine Waffe zu nehmen und auf Leute zu schiessen. Deswegen schieben die Eltern so schnell die Schuld auf die Musik, weil sie nicht auf sich selber schauen wollen und sich zu fragen “Warum hat unser Kind das getan?” Die Ursache liegt meistens zu Hause.

Aber hat man als Musiker nicht auch eine gewisse Verantwortung für die Musik, die man macht?

Dann redest du aber gleichzeitig über Zensur und andere Dinge, die einen Künstler wirklich einschränken, sich selbst auszudrücken. Da geht es wirklich um einen riesigen, komplizierten Zusammenhang. Ich bin niemand, der Zensur befürwortet. Ich glaube nicht, dass etwas zensiert werden sollte. Aber ich glaube wirklich, dass die Verantwortung bei den Eltern liegt. Menschen brauchen Liebe, sonst werden sie zu Freaks. Und Liebe kriegst du nicht von einer Slipknot-Platte.

Nein, nicht wirklich… Was hältst du von Musik-Hypes, wie z.B. “Nu-Metal”?

Ich bin kein grosser Fan von Nu-Metal, aber ich mag Emo sehr gerne und bin schon lange ein großer Fan von solchen Sachen. Als die erste Sensefiel rauskam, war ich schon ein grosser Fan davon und kenne mich in der Szene schon ziemlich lange aus. Was Nu-Metal angeht, hab ich das nie richtig verstanden. Ich mag die Kraft von einer Band, aber Nu-Metal höre ich nicht viel, das ist alles zu technisch für mich und dann die ganzen hip-Hop-Einflüsse… Es ist halt einfach nicht mein Geschmack.

Und was denkst du generell über solche Hypes, wenn Bands ohne Ende gepusht werden?

Das passiert schon seit Jahren. 95 kannte in Amerika noch niemand Korn und noch im selben Jahr haben sie eine Platinplatte verkauft. Das war so en Wendepunkt, wo viele Bands auf einmal groß geworden sind. Wenn die Labels viel Geld in eine Band stecken, werden sie in der Regel groß.

Könnte sowas auch der Hardcore-Szene passieren?

Könnte es, wenn jemand soviel Geld in Hardcore investieren wollen würde, aber Hardcore hat nie soviel Geld gehabt. Wir waren einige Jahre auf einem Majorlabel und wir wurden nicht so gepusht wie eine Band, die potentiell gleich mal die Top 40 gestürmt hätte. Sie wussten, dass wir eine Undergroundband sind und im Radio oder so nicht funktionieren. Es kommt immer darauf an, womit du arbeitest. Wenn du mit etwas arbeitest, wo du weisst, es könnte Kids, Middleages und Erwachsenen gefallen, wie es schöne, melodische Musik würde, dann hättest du etwas, was sich möglicherweise Millionenfach verkaufen würde. Aber wenn du mit Musik arbeitest, die sich nur bei einem ganz bestimmten Publikum verkaufen würde, z.B. hauptsächlich bei Jungs zwischen 15 und 25, die auch aggressivere Sachen hören, dann schmälert das deinen Marktwert so dermasen, dass eine Firma nicht daran interessiert ist, so viel Geld ins Marketing und in die Promotion zu stecken. Es geht halt nur um die Dollars.

Aber mit Fatwreck seid ihr zufrieden?

Fatwreck ist gut, sie machen gute Arbeit.

Werdet ihr eventuell später noch einmal zu einem Majorlabel gehen?

Das weiß ich nicht, kann ich jetzt nicht so genau sagen. Es ist ja nicht so, das wir ständig mit anderen Labels verhandeln würden. Gerade arbeiten wir noch mit Fat, um dieses Livealbum rauszubringen. Wir machen das bei Fat immer Album für Album. Wenn du mit Fat arbeitest, gibt es keinen Vertrag, es bleibt bei einem Händedruck. Fat Mike ist wirklich fair und ein netter Typ, wenn du ein Problem hast oder einfach nur mit ihm reden möchtest, dann ist er da und gibt dir die Zeit die du brauchst, um deine Message rüber zu bringen. Ausserdem ist er wirklich ehrlich, was man von den Majorlabelleuten nicht gerade behaupten kann. Fat Mike ist so ein Typ, der dir sagt “Tut mir ja leid, aber ich kann euch das Geld für die Werbung nicht geben”, nicht wie die Majortypen, die dir versprechen “Na klar, wir machen das und dann das… ihr werdet groß!”, um dann hinterher gar nichts zu tun. Weisst du, was ich meine? Ich bevorzuge wirklich die ehrliche Art und Weise wie bei Fat Wreckords.

Kommen wir zur letzten Frage. Wer wird deiner Meinung nach die Weltmeisterschafft gewinnen?

Ich glaube, dass im Finale letztendlich Frankreich und Argentinien stehen werden. Wer genau gewinnt, kann ich nicht sagen, das hängt davon ab, wer an diesem Tag besser spielt, aber ich wär’ für Frankreich. Einfach, weil deren Spieler so gut sind.