In letzter Zeit das Wort "Poppunk" in den Mund zu nehmen, kommt bei einer CD Besprechung oftmals schon fast einem Todesstoß für das zu kritisierende Werk gleich. Aus diesem Grund vermeiden wir diesen Ausdruck an dieser Stelle und betiteln The Break als teilweise Popbeeinflusstem Punkrock mit gelegentlicher Rock n' Roll - Attitüde.
Denn eines scheint zu Anfang klar: einfach nur ein unbedeutender Klumpen mehr im großen Poppunkbrei ist dieses Debutalbum der Band aus New Jersey sicher nicht. Irgendwo zwischen Hot Water Music und River City High gelingt ihnen durchaus das eine oder andere Mal die Motivation zum rhytmischen Kopfnicken, was vor Allem an der Prise Rock n' Roll liegt, welche sie dezent über ihre Songs verteilen. Jedoch fehlt dem ganzen an einigen Stellen der nötige Biß und so enden Songs wie "Father, Mother, Convict" leider als nicht viel mehr als der bloße Versuch, die obligatorische Aggressivität zum Ausdruck zu bringen. Gegen Ende des Albums verkriecht sich dieses auch mehr und mehr durch nicht gerade abwechslungsreiche Passagen ganz gerne Mal im Hintergrund, auch wenn The Break mit dem abschließenden "The Meaning of Regret" ein klasse Popsong gelungen ist, welcher in der 1. Gameface-Liga sicher keinen Abstiegsplatz belegen würde.
Trotz allem hat dieses Album mit Songs wie "The Distraction" oder "Profit Motive" durchaus seine durch mitreissende Melodien bestechenden Highlights, so dass resümierend festzustellen ist, dass man in diesem Genre wahrlich schon schlimmeres erlebt hat als The Break. 7 von 10 Punkten.
The Break - s/t
27. Feb 2003 | von benniAnd none of them knew they were robots - Victory as a drug
27. Feb 2003 | von benniWow! Das sich hinter einem so schlichtem wie ausgefeiltem CD-Cover ein derartiger Burner verbirgt, erlebt man wirklich selten. 'And none of them knew they were robots' beweisen auf dieser EP zweifelsohne, dass Britpop längst nicht alles ist, was englische Bands beherrschen.
Als 'And none of them knew they were robots' loslegen, fällt die allererste Einordnung erst einmal schwer. Punkrock? Gespanntes warten auf den Gesang. Und dieser erweist sich dann als kratzig, rau - zugleich jedoch passend. Das erste von fünf Liedern - "Victory as a Drug" - macht ordentlich Druck und ist dann auch viel zu schnell vorbei. Bei "Funeral of Flowers" dann plötzlich ein zweiter Sänger, der dezente Schreipassagen einwirft. Ähnlich wie bei den Landsmännern 'Tribute to Nothing' finden sich hier lang hingezogene Instrumentalphasen, die das Songwriting als wirklich sehr intensiv erscheinen lassen. "Push and Pull" anschliessend wirkt etwas schwächer, ist aber keinesfalls als Ausfall zu betrachten und beim abschliessenden "Fighting Dragons" offenbaren sich noch einige Schwächen im Gesang, welche es aber nicht schaffen, das Gesamtbild ins Negative zu rücken.
Alles in allem eine mehr als gelungene Mischung aus Posthardcore und Punkrock, Melancholie und Tempo die unglaublich intensiv wirkt und Vergleiche mit 'Hundred Reasons' und Konsorten sicher nicht zu scheuen braucht. Vier Songs? Viel zu wenig! Mehr davon!
Jelly Planet - Food
26. Feb 2003 | von Markus GabDie Herren aus Dortmund veröffentlichen mit ?Food? ihr Debut-Album auf Michael Mittermeier`s Pirate-Label. Allerdings ist es keine Comedy, was den Zuhörer hier erwartet, sondern psychedelischer Space-Stone-Rock. Auf Tour begleiten durfte man u.a. schon die grossartigen CHUMBAWAMBA oder SUBWAY TO SALLY. Hm, komisch - der Opener ?Anyway? erinnert mich irgendwie an den Soundtrack für einen Auto-Werbe-Clip ? würde sich meiner Meinung nach jedenfalls gut als solcher machen. ?Food? bietet eine Mischung aus 70iger-Hippie-Flair und experimentellen Rock einerseits, sowie Samples und modernem Elektro-Sound andererseits. Stellenweise erinnert es mich an BABYLON ZOO. Man scheint in eine verheißungsvolle Zukunft blicken zu können, zumindest bekam man in der Presselandschaft bereits viele Streicheleinheiten. Auch wenn ich jetzt nicht mit dem Kiffen anfangen werde, das hier ist zweifelsohne ein interessantes Album, mit viel Feinheiten und Tiefgang. Auch die Cover-Version von ?Eight Miles High? der BYRDS fügt sich gut ins Album ein. Die Band ist in den nächsten Monaten ununterbrochen auf Tour - also, wer auf Sachen von HAWWKIND, BOWIE, KING CRIMSON oder den oben bereits erwähnten BABYLON ZOO steht, sollte live `mal eine Kostprobe nehmen! Weitere Infos gibt es unter www.jellyplanet.de
Hardcore im Osten
26. Feb 2003 | von RobertDeutsche Hardcore Bands machen mehr und mehr mobil. Auch im Osten von Deutschland. Zwischen all den rechten Bands und vielen sozialen Problemen fristen sie ihr Dasein. Doch mehr und mehr Bands machen auf sich aufmerksam. So auch The 4 Sivits. Über die Situation im Osten, Übergriffe von Faschos und die "Good Night White Pride" Kampagne sprach ich mit der Band!
<b>Stellt euch doch mal ein wenig vor und erzählt mal einiges zu eurer Bandgeschichte</b>
THE 4 SIVITS gibt es seit April 1997 und ist aus der ?Asche? der Bands OX EYE und SUPERSTAR! SUCKS hervorgegangen. Vom Gründungs-Line-up sind zum heutigen Zeitpunkt nur noch 2 Bandmitglieder aktiv, der Sänger ?Zippel? und der Basser ?Reiti?. Der erste Drummer verließ nach dem ersten Jahr die Band und ?Matze? der Gitarrist schmiss erst vor ein paar Wochen das Handtuch. Als Drummer ist damals nahtlos Rico eingesprungen, der von der Band HOLY PIGS kam. Vorübergehend spielt bei uns Maik von der Band ELOQUENT ( http://www.eastcore.de/eloquent ) Gitarre und wir werden sehen, ob er das mit zwei Bands gebacken bekommt.
<b>Wie ist euer Album, welches ja nun wohl bald veröffentlicht wird entstanden?</b>
Wir hatten Ende 2001!! 10 neue Songs fertig mit denen wir ins Studio gehen konnten. Im EASTCORE-Studio ( http://www.eastcore.de ) haben wir dann in 4 Tagen die Songs eingespielt. Bei unseren letzten 3 Veröffentlichungen waren wir im Nachhinein immer mit dem Sound nicht mehr so zufrieden. Sie waren jedesmal in verschiedenen Studios aufgenommen und es fehlte immer der Druck. Deshalb wollten wir es diesmal wirklich von jemanden mixen und mastern lassen, der selbst Hardcore hört und so was auch nicht zum ersten Mal macht bzw. wo wir dessen ?Ergebnisse? auch schon kannten. Wir sind dabei auch fündig geworden, jedoch nach fast einem halben Jahr Bitten und ständigen Terminverschiebungen kam wieder eine Absage. Daraufhin haben wir noch einmal im EASTCORE-Studio nachgefragt. Denis, der unsere Sachen auch schon aufgenommen hatte, erklärte sich dann bereit die Aufnahmen zu Mixen und zu Mastern. Wir haben uns dafür dann noch einmal anderthalb Monate Zeit genommen und daran rumgefeilt bis das Ergebnis vorlag, was du ja auch schon kennst. Anfang Februar wird das Album definitiv erscheinen. Als 10?-Vinyl bei MARKER RECORDS ( http://www.markerrecords.de ) und erst mal auch als CD bei TAZ DEVIL RECORDS ( http://www.tazdevilrecords )
<b>Wie seid ihr zum Hardcore gekommen?</b>
Die Wege zum Hardcore waren für die verschiedenen Bandmitglieder total unterschiedlich, was schon daran lag, das wir aus verschiedenen Regionen kommen und unterschiedlichen Alters sind. Maik z.B. ist mit Anfang 20 der Jüngste und kommt aus dem Punkrock. Zippel und Reiti haben als Stifte mal mit Hip Hop angefangen und sind durch die Ausbildung 92/93 mit Älteren zusammengekommen, die schon seit der Wende Metal und Punk gehört hatten. Tapes wurden getauscht und man hat die ersten Shows besucht, meist NYHC-Bands, die ganze Bandbreite wurde dann nach und nach ?erschlossen?. Matze unser ehemaliger Gitarrist kam mehr so aus dem Crustpunk-Umfeld. Rico ist das Alte Eisen in der Band. Jetzt 33, hat er aus dem Metal und Punk kommend, so mit 17 die ersten HC-Sachen gehört. Damals nicht so einfach, Hörbares kam nur zu horrenden Preisen über Ungarn auf den Plattenteller oder man hatte gute und vor allem willige Westverwandtschaft. Ende der 80er fingen dann auch die ersten Metal und Punkbands an HC-Bands zu covern bzw. eigenes Zeug in die Richtung zu spielen. Nach der Wende war man dann Stammgast auf Konzerten in Leipzig, das man durchaus als die Wiege des ostdeutschen Hardcores bezeichnen kann.
<b>Erzählt mal etwas zur ?good night, white pride?, Kampagne!</b>
O.K wir versuchen es kurz zu machen. Ende der Neunziger kam es in Ostdeutschland vermehrt zu Tendenzen, das zuerst nur auf größeren HC-Shows, Faschos gesichtet wurden. Sie traten zuerst noch anonym, später dann dreist in ?Uniform? beispielsweise mit ?Reichskriegsflaggen?- oder ?Screwdriver?-Shirt auf.
In diversen Läden wurde von Anfang an konsequent darauf reagiert, in anderen Läden machten sich die Idioten immer mehr breit, dass sie mitunter schon den grössten Teil des Publikums stellten.
Daraufhin gab es mehrere Treffen von Veranstaltern aus Sachsen und Brandenburg, wo die Idee ?Good Night ? White Pride? geboren wurde. Kurz gesagt sollte sie an Veranstalter, Clubs und Publikum appellieren der Tendenz entgegenzutreten und das Pack aus den Sälen zu schmeißen. D.h. im Klartext aktiv zu werden und nicht zu denken, wer als Supporter der Kampagne auftritt oder das Logo auf den Flyer packt ist fein raus und hat alles getan. Nein, wer es unterstützt muss auch etwas tun!
Wer noch mehr darüber wissen möchte kann sich auf http://www.good-night.de.lv darüber informieren.
<b>Wie sieht es so mit der Hardcoreszene im Osten aus?</b>
Anfang bis Mitte der Neunziger Jahre gab es einen regelrechten Boom an Konzerten und Clubs. Das ist nun heute nicht mehr so, aber es gibt viele Clubs die sich etabliert haben und in letzter Zeit kommen auch wieder neue hinzu. Es gibt einen festen Kern der ?Szene? der seit Jahren aktiv ist, jedoch hat es durch die ganzen Auadifferenzierungen (Metal-HC, Emo, Post-Hardcore; Newschool, Oldschool, Vegan-HC, ….) hat es ein bisschen so eine Art Grüppchenbildung gegeben. Erfreulich ist, dass es auch an aktivem Nachwuchs nicht fehlt und somit die ?alt Eingesessenen? auf Trapp gehalten werden.
Insgesamt kann man sagen, dass es zumindest hier im Südosten ein wirklich aktive und relativ grosse Szene gibt, davon schwärmen auch viele Bands und Tourbooker.
<b>War es immer schon leicht für euch als Hardcoreband im Osten Fuß zu fassen?</b>
Am Anfang war es natürlich schwer wie bei jeder Band, kein Demo, was verschickt werden konnte, etc. Zum anderen gab es so die Tendenz, wenn kein USA hinter den Bands stand, war sie nur halb so gut. Zum Glück hatte sich das schnell erledigt und die Clubs waren bestrebt zu internationalen Bands immer lokale Bands zu buchen bzw. auch Konzerte zu veranstalten, wo nur deutsche Bands spielten. Wir haben dann auch jede Möglichkeit genutzt zu spielen und sind auch relativ gut rumgekommen. Mittlerweile haben wir rund 150 Konzerte gespielt. Die Hälfte davon bestimmt im Osten.
<b>Wie steht ihr der Straight Edge Szene gegenüber?</b>
Bei uns in der Band selbst ist keiner SXE, wir haben einen Veganer und einen Vegetarier. Wir beurteilen Menschen auch nicht danach, was sie essen und trinken. Natürlich haben wir großen Respekt vor den Leuten die das SXE-Ding konsequent durchziehen, nur sollte die Toleranz gegenüber anderen erhalten bleiben, z.B. in dem Sinne das jeder auf einer HC-Show sein Bier in Ruhe trinken ohne angemacht zu werden und sich niemand über jemand lustig macht, der wissen will ob beispielsweise das verkaufte Essen vegan ist. Viele unserer ?Helden? waren und sind STRAIGHT EDGE und dass verleugnen wir auch nicht.
<b>Wovon handeln in der Regel eure Texte?</b>
Unsere Lyrics beschäftigen sich mit der Hardcore-Szene, Punks & Skins, den Menschenrechten und dem Kampf gegen Faschismus und Rassismus. Die Texte sind einfach und kurz. Dabei geht es nicht darum Parolen zu verbreiten und plakativ irgendwelche Sachen in den Vordergrund zu stellen, sondern persönlich Erlebtes zu verarbeiten. Wir wollen verstanden werden und die viele Leute anregen persönlich aktiv zu werden.
<b>Pläne für die Zukunft?</b>
Na was schon. Groß und berühmt werden, Amerika und Japan ….
O.k. ein Joke. Wichtig ist uns, noch möglichst viele mit dem Fieber Hardcore anzustecken. Und wir hoffen nicht müde zu werden, um noch Hunderte von Konzerte zu spielen, egal ob 10 Leute oder 150 vor der Bühne stehen.
<b>Danke für das Interview!</b>
die alte Schule…
26. Feb 2003 | von Lauri WesselMit ?German Angst? erschien jüngstlich der neueste Streich aus dem SMOKE BLOW Lager- und wieder geht die Band nach vorne wie nur was. Mit Hardcore der Schule der frühen Achtziger legen die Jungens los und zeigen, wo der Hammer hängt. Zwölf Stücke, welche einmal mehr zeigen, dass SMOKE BLOW eine verdammt gute Band sind. Ladies And Gentleman, Sänger Letten…
?Wir bringen den Hardcore da hin zurück, wo er hingehört: Nach Kiel, harhar.?- ein Interview mit Smoke Blow…
<b>Letten, ?German Angst?, erzähl was zu der Entstehungsgeschichte der Platte.</b>
Eigentlich war es ein ganz schöner Akt die Platte aufzunehmen. Wir haben vor etwa anderthalb Jahren besprochen, ob wir überhaupt so eine Platte machen wollen. Und wenn ja, wie soll es aussehen. Einig waren wir uns darin, dass die Platte sehr am Livesound der Band angelegt sein soll. Anfang letzten Jahres haben wir dann die erste Session in den Blunoise Studios gemacht und 13 Songs oder so aufgenommen. Dann dachten wir, dass es schon reicht für das neue Album, das hat es aber nicht. Im letzten Jahr haben wir dann noch zwei weitere Sessions gemacht. Einmal im Sommer und noch mal im Herbst. Am Ende hatten wir drei Sessions gemacht und 30 Songs aufgenommen, es war dann ein Mörderakt. Weil es einfach schwer ist, eine Platte zu machen, auf welcher zwölf, gute Songs drauf sind. Es war ein ganz schönes Rumgegurke irgendwann, immer zwischen Troisdorf und Kiel hin und her zu fahren. Es ging aber daher, weil wir live nicht ganz so viel unterwegs waren.<b>
Eigentlich eine blöde Frage, aber: Das Cover ist sehr geil- woher?</b>
Das Bild haben wir aus dem Internet gezogen. Es war echt eine heftige Aktion, wir haben das Cover diesmal mit einem anderen Künstler gemacht. Es musste einfach DAS Bild her, es hätte auch ein Foto sein können, ein Aquarell oder sonst was. Wir haben dann diese Grafik Cds durchgeschaut, immer im Schnelldurchlauf. Und auf einmal kam das Bild, ich wusste nach einer Minute, dass ich das Bild als Cover haben wollte, es war aus einem Moment heraus- ?das Cover will ich, und kein anderes?. Das Bild symbolisiert die ganze SMOKE BLOW Geschichte ganz gut, finde ich. Es ist Wasser, ob nun Kanal oder Ostsee oder was auch immer, dann der Tanker, der Schornstein mit dem Rauch, der Sonnenuntergang- das ist SMOKE BLOW, dieses leicht pathetische. Das passt ganz gut, finde ich.<b>
Die SMOKE BLOW Geschichte- ?Punkadelic, The Godfather Of Soul? war Euer letztes Album, wie würdest Du ?German Angst? gegenüber früheren Platten abgleichen?</b>
Ich finde das Album sehr Oldschool- härter als das Album davor. Ich finde, dass es der Hardcore ist, denn es eigentlich gar nicht mehr gibt. Ich meine es spielen kaum mehr Bands solchen Hardcore. Was heute unter Hardcore verstanden wird, ist ja größtenteils dieses Testosteron Ding von Bands wie SHUTDOWN, HATEBREED oder AGNOSTIC FRONT. Was wir wollten, ist der Ur- Hc, ohne das Metalding. Was uns also beeinflusst hat, waren die Bands aus den frühen Achtzigern. Also, Bands wie FEAR, THE GERMS, BLACK FLAG ein bisschen HÜSKER DÜ und VIPERS. Ich höre aus dem Sound RKL oder GORILLA BISCUITS heraus, Hardcore wie er sein sollte. Ich habe lange nicht mehr eine Band gehört, die solchen Hardcore spielt. Wir bringen den Hardcore da hin zurück, wo er hingehört: Nach Kiel, harhar.<b>
Ich finde, dass die Platte sehr kompromisslos oder unkonzipiert klingt, eher direkt aus dem Bauch raus…</b>
Da bist du aber auf dem Holzweg. Es ist nicht so, dass die Platte aus dem Bauch heraus kommt. Die Platte ist total konstruiert. Da steckt höllische Arbeit dahinter. Man glaubt es nicht, wenn man es hört, aber die Songs sind durchgestylt von vorne bis hinten. Teilweise sind da detaillierte Überlegungen hinter. Wir haben 30 Songs aufgenommen, was normalerweise eine Majorlabel Popband macht. Wir haben rumgebastelt, wie an Popsongs. Zum Beispiel am Opener ?Sick Kid 85?; da haben wir echt rumgebastelt. Das soll aber nicht heißen, dass das Album auf irgendeinen Massenkompatiblen Sound zugeschustert sein soll. Wir wollten das Album kompromisslos, hart, schnell, hardcorig und eingängig haben. Es ist der Sound, für welchen wir uns mit SMOKE BLOW entschieden haben. Wir sind nicht die kommerzielle Band, die werden wir auch nie sein. Niemand würde uns, wenn dieser Fall eintreten würde, irgendwas abnehmen. SMOKE BLOW steht für rauen, heftigen Sound. Und für eine heftige Attitüde. Ich meine, SMOKE BLOW hasst du, oder du liebst sie. Ich habe keine anderen Meinungen, als diese zwei, bis jetzt gehört. Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist gefakte Rock? N? Roll Scheiße. Wir wollen uns einfach nicht zu stark an irgendwas orientieren. Ich meine, ich klaue auch mal. Bei der neuen Platte, z.B. wollte ich, dass ?Bulldozed? nach BLACK FLAG klingt, auch, wenn es nie wirklich so klingen wird. Ich meine, zu viele Bands gehen keinen eigenen Weg, was man bei Debütalben ja auch nicht erwarten kann, aber ab dem zweiten/ dritten Album wird es aber langweilig.<b>
Auf ?German Angst? ist zum ersten Euer ?Neues Mitglied? dabei, MC Strassenköter…</b>
Er war auf der ?Punkadelic? Tour als Roadie dabei. Er jetzt ab diesem Album eigentlich dabei. Er ist als Unterstützung dabei, wie Beau Beau bei AVAIL oder so. Ich finde es ganz cool, er macht immer gut Stimmung, wenn ich mal schlapp bin, macht er die Stimmung. Außerdem hat er eine gute Hardcore Stimme, mit welcher er bei den Refrains ganz gut mitsingen kann. Ich singe eher und er schreit, das geht ganz gut, glaube ich. Ich habe etwas verlernt, so rau zu singen und singe eher ?richtig? - ich kann nicht mehr so intensiv brüllen, wie er. Was ich auch auf der Platte ganz gut finde.<b>
Ok, zum Ende: ich habe den Eindruck, dass SMOKE BLOW streckenweise als Band falsch verstanden wird, und gerne mit dem ?Asi Rock? Stempel abgetan wird.</b>
Stimmt. Dass die Leute die Band nicht verstehen, ist richtig. Es gibt viele Leute, die kommen zu den Konzerten und sagen danach, jetzt habe ich die Band erst richtig verstanden. Es gibt ebenfalls immer noch viele Leute, dass wir alle Penner sind, die den dicken machen wollen- was definitiv nicht so ist. Dass wir eine ehrliche, in der Hardcore und Punkszene verwurzelte Band sind, für die Integrität sehr wichtig ist und, dass wir versuchen harte Musik, fernab des Mainstreams harte Musik mit Hirn zu machen, und nicht nur das Rumgeprolle- dass sehen viele nicht. Eigentlich sind wir auch ganz sympathische. Viele Veranstalter können das bestätigen, wir prollen nicht rum und wir ficken auch keinen. Ok, manchmal mache ich es auf der Bühne aus Spaß- aber nur aus Spaß. Viele Leute können damit nicht umgehen, vielleicht ist es dann zum Teil auch unsere Schuld, aber was soll es. Wir stecken dann nun mal drin, ich meine, ok, ist auch witzig im Internet rumzuprollen oder so- mir macht es Spaß, aber für die Musik und das Drumherum ist es manchmal bitter. Gerade, weil ich finde, dass wir als Band besser sind als vieles, wo dann der Stempel ?anspruchsvoll? drauf steht. Zum Beispiel sind unsere Texte sind vielleicht nicht der Weisheit letztes Schluss, aber hohl sind sie auch nicht.<b>
Letten- das waren meine Fragen, vielen Dank für das Interview! </b>
Kein Problem.
Smoke Blow - German Angst
25. Feb 2003 | von RobertViel hatte ich schon gehört von Smoke Blow. Eine der besseren Rock und Punk Bands unseres schönen Landes, so wurde mir erzählt. Und jetzt das. Die neue CD ?German Angst? ist dabei der Stein des Anstoßes. Denn was die Kieler auf ?German Angst? fabrizieren, ist schon der reine Wahnsinn.
Aber von Anfang. Also schob ich die CD in meinen CD-Player und war gespannt, was denn da nun kommen würde. Und ?German Angst? blies mich fast aus meinem Zimmer. Absolut geiles Teil, der Oberhammer. Die Rock Dampframme schlechthin. ?German Angst? ist für mich bis dato die beste CD des Jahres, und kreiste so einige Male schon durch die Weiten meines CD-Players. Der helle Wahnsinn, ich hab nie gedacht dass die Kieler so gut sind, aber hier stimmt einfach alles, von der Produktion über den zweistimmigen Gesang bis hin zur Musik. Der Rockhammer kommt aus Deutschland. Wahnsinn, diese CD ist ein absoluter Pflichtkauf für alles Punk und Rockfans und fetzt einem alles aus dem Schädel, was da nicht hingehört. Einfach Grandios!
Deaf Penalty - 100 Reasons to die
23. Feb 2003 | von RobertDas Finnen hervorragende Musik machen können, dass wissen wir nicht zuletzt seid Bands wie Manifesto Jukebox und Endstand, die aber dann doch ein wenig andere Musik machen als die Jungs von Deaf Penalty. Hardcore wird groß geschrieben, aber?100 reasons to die? enthält nicht das typische Oldschool oder Newschool Gebolze, eher überwiegen die Punkeinflüsse. Man wird eher an Bands wie Good Riddance oder H2O erinnert, als an klassische Hardcorebands wie Hatebreed oder Madball.
Die Debüt CD der Finnen ist einfach ein geiles Teil, ?100 reasons to die? weiß zu überzeugen und rockt wie Sau. Finnen können harte Musik machen und wie. Diese CD gehört auf jeden Fall schon mal zu den besseren dieses Jahres. Weiterso, freu mich schon mehr von den Finnen zu hören. Denn dieses melodische Teil hat alles was mein Herz begehrt. Härte, Melodik und schöne Sing A Longs. Empfehlenswert!
Running Like Thieves - The Approval of the Crowd
23. Feb 2003 | von Robert?The Approval of the Crowd? ist leider wieder nur eine EP mit vier Songs von der Band Running Like Thieves. Ausfälle gibt es keine, Running Like Thieves bringen es schnörkellos auf den Punkt und können mich mit ihrer EP definitiv überzeugen. Musikalisch schaffen es d Running Like Thieves Hardcore, Emorock und sogar eine Spur Punk ´N Roll zu vermichen und sie erhalten so einen schönen rockigen Mix, der überzeugt. Leider sind halt nur vier Songs enthalten, denn es fällt ein wenig schwer nach vier Songs schon zu einem richtigen Urteil zu kommen, daher hätte ich mir noch ein paar Songs mehr gewünscht. Die vier entahletenen Songs allerdings wissen zu Gefallen und wecken Lust nach mehr. Wäre schön, bald mehr zu hören!
River City Rebels - No Good, No Time, No Pride
23. Feb 2003 | von RobertPunkrock mit Trompete? Da denkt man doch in aller erster Linie an Skapunk. Doch die River City Rebels schaffen es Trompete einzusetzen und nicht als Skaplagiat aufzutreffen. Mit dieser doch recht eigenwilligen Mischung von Blasmusik und Streetpunk fallen die River City Rebels wirklich auf. Richtig schöne Musik wird produziert, die total in die Beine geht. Das dritte Album nun ?No Good, No Time, No Pride? beinhaltet auch schon den dritten Sänger, weiß aber ausnahmslos zu gefallen und zu überzeugen. Diese Scheibe fetzt, rockt und hat alles was man braucht, um sich einen schönen Abend mit netter Musik zu machen.
Keiner der zwölf Songs fällt aus dem Rahmen. Besonders ?Drunken Angel? und ?No Time? sind absolute Kracher und daher als Anspieltipps zu nennen. Ich kann absolut nicht meckern, die River City Rebels rocken und das wie Sau. Sehr schöne CD mit viel Ohrwurmcharakter.
No Turning Back - Revenge is a right
23. Feb 2003 | von RobertNo Turning Back sind eine vielen Hardcore Bands, die in letzter Zeit in der Szene aufgetaucht sind. Die Holländer nehmen bei ihrer ersten Platte ?Revenge is a right? auch kein Blatt vor den Mund. Aggressiv geknüppelter Hardcore wird geboten Doch schon so dämlich wie das brutale Cover und der Name der CD, so billige Attitüden werden auch bei der Musik verwendet. Keiner der 11 Songs kann mich wirklich vom Hocker reißen. Es ist zwar immer noch Oldschool Hardcore, doch irgendwie ist keine Abwechslung da, ist alles schon da gewesen und die Klischees, die man verwendet, die Tough Guy Attitüde, ist einfach total out. Für meinen Geschmack kommt diese Platte 5 Jahre zu spät, denn heute kann man damit keinen Hund hinter dem Ofen mehr hervorlocken!
Snuff - Disposable Income
22. Feb 2003 | von RobertSnuff sind zurück. ?Disposable Income? ist mittlerweile das zwölfte (!) Studioalbum der Melodik Punkrock Band. Mit ?Disposable Income?, erschienen auf Golf Records, gehen Snuff wieder ein Schritt in die Vergangenheit zurück und knüpfen so an alte Alben an.
Diese neue Scheibe kann sich aber echt sehen lassen, denn fünfzehn Mal wird gerockt, bis der Arsch platzt. Jeder Song hat einen Singalong Charakter und dennoch wird man nicht müde, dieses Album immer wieder zu hören. Geboten wird melodischer Punkrock der Extraklasse. Man muss dese Scheibe einfach immer wieder hören, denn sie ist einfach genial. Das einzige , was ein wenig störend ist, ist der manchmal ein wenig zu hohe Gesang von Sänger und Schlagzeuger Graham.
Nach jetzt 17 Jahren Bandgeschichte ist dieses dennoch ein tolles Album, ich denke sogar es ist eins der besten, die Snuff je herausgebracht haben. Bleibt nur noch auf eine Tour zu hoffen, wo dann das neue Album hoffentlich genauso gut präsentiert wird.
Gaza Strippers - From the desk of Dr. Freepill
22. Feb 2003 | von RobertSie waren schon mit allen Rock und Punk `N Roll Bands der Extraklasse auf Tour! Gemeint sind so fantastische Szenegrößen, wie Gluecifer oder Hellacopters. Musikalisch sind die Gaza Strippers auch gar nicht weit von ihnen entfernt. Doch aus dem Schatten dieser Bands konnten sie noch nicht heraustreten. Es ist auch die Frage, ob ihnen das nun mit ?From the Desk of Dr. Freepill? gelingt.
Diese CD ist allerdings eine sehr gute Scheibe und ich kann sie nur empfehlen. Doch im Gegensatz zum Vorgänger ?1000 Watt Confession? fällt diese CD leider ein wenig ab, da der große Hit oder im allgemeinen der Ohrwurmcharakter ein wenig fehlt. Und doch, die CD ist wirklich gut. Wir haben es hier mit einer guten Rock `N Roll Scheibe zu tun, nicht mehr und nicht weniger. Acht Songs sind enthalten, plus zwei Livesongs, aufgenommen in Malmö. Ich finde das ein wenig überflüssig, hätte ich doch lieber noch ein paar neue Songs mehr gehört. Doch mehr zu schmälern ist eigentlich. Gute Scheibe!
Deadlock - The Arrival
22. Feb 2003 | von RobertAls Deadlock auf meinen Schreibtisch flatterten, war ich davon ausgegangen, es mit einer Hardcore Band zu tun zu haben. Doch weit gefehlt. Schon die ersten Klänge von ?The Arrival? machen klar, hier ist eine Death Metal Band in meinem CD-Player gelandet. Sehr atmosphärisches Gedudel erfüllte den Raum, bevor der Schreihals mit dem Gekreische anfing und das Geknüppel losging. Death Metal Freunde werden ihre wahre Freude an dieser CD haben, ich nicht. Das ganze ist einfach nicht meine Baustelle, denn atmosphärische und düsterer Death Metal ist nicht meine Welt.
Ich denke trotzdem die Jungs werden ihre Freunde finden, denn das Teil ist ja nicht schlecht. Produktion ist gut und die Musik wurde auch gut umgesetzt. Doch ich bleib bei meinem Hardcore, denn das ist hart genug für mich.
Art N.R. - Spiel
22. Feb 2003 | von RobertHardcore aus Deutschland ist nichts besonderes mehr, nein, deutsche Hardcorebands übernehmen auch mehr und mehr das Kommando in der europäischen Hardcoreszene. Aber deutschsprachiger Hardcore ist dann doch noch ungewöhnlich. ?Spiel? von Art N.R. beinhaltet aber genau das, deutschsprachigen Hardcore. Doch so richtig gefallen will mir das nicht. Die vier Jungs aus Essen nehmen jedes Hardcoreklischee auf und verwenden es dann nur mit der deutschen Sprache. Irgendwie will der Funke nicht zünden, klingt das ganze einfach zu langweilig. Irgendwie war auch alles schon mal da und zwar viel besser. Ne, das war nix, die erste Demo der Jungs ist nix. Weiter üben, dann wird?s vielleicht was mit der nächsten!
Three Minute Poetry & Tribute to Nothing in Kassel
20. Feb 2003 | von benniDa es im Kasseler K19 bislang noch keine Heizung gibt und es im Winter zuweilen ja auch mal ganz schön kalt werden kann, wird die örtliche Konzertwintersaison kurzer Hand in der sommerlich eingerichteten Barracuda Bar ausgetragen. So folgte nun der "For those about to Pop - Tour" das Konzert mit "Three Minute Poetry" und "Tribute to Nothing". Beide waren mir unbekannt, lediglich "Three Minunte Poetry" kennt man vom Hörensagen aus dem stets für Qualität bürgenden Defiance Records - Raster. Das dachten sich auch knapp 60 andere Besucher und folgten der Einladung in Kassels im Winter wohl sommerlichste Location überhaupt.
Nach kurzem vergnügen an einem besser mit Labellos als Fußbällen funktionierendem Kicker spielten als erstes die Engländer "Tribute to Nothing" auf - und blasten wohl so machem an diesem Abend die Ohren weg! Irgendwo südlich von Hot Water Music anzusiedelnder energischer Emorock vom Feinsten, der schlichtweg durch Qualität überzeugte. Siebenminütige Songs zollten von den songschreiberischen Fähigkeiten der Band, welche kurzerhand den leider leeren Bereich vor der Bühne mit in ihre Show einverleibte. Wahrlich grandios diese Band und auch, wenn sich keiner mitreissen ließ, so konnten sich doch auch die wenigsten von der Bühne abwenden, um mit dem kaputten Kicker zu spielen. Wow!
Dann: Three Minute Poetry. Eigentlich war man ja wegen den Deutschen ins Barracuda gekommen, doch nach der vorhergegangenen Show sah die Band erst einmal ganz schön alt aus. So ziemlich alle Emoklischees der weiten Welt erfüllend standen die Jungs bedröppelt auf der Bühne und konnten Anfangs nicht so recht überzeugen. Mit der Zeit fing man sich aber und legte doch noch ein recht akzeptables Konzert aufs Parkett, auch wenn die Kommunikation mit dem Publikum eher aufgezwungen und deplatziert wirkte. Schließlich bewirkte die Band sogar noch auch die Letzten dazu, sich vom Sofa zu erheben und bestätigte anfängliche Befürchtungen, Defiance Records beheimate vielleicht doch nicht nur hochqualitative Bands, glücklicherweise nicht.
Mal wieder ein schöner sowie zufriedenstellender Abend in Kassel. Gut, dass es den Bodo gibt!
Pop Punk auf 35m²
20. Feb 2003 | von JakobMit ?kein Radiosong? haben sich THE WOHLSTANDSKINDER aus Köln ja schon vor wenigen Monaten den Musikfernsehguckenden Massen vorgestellt. Am 26.01.2004 ist dann auch nach mehreren abgeblasenen Release- Terminen das neue Album ?Dezibelkarate? auf Motor Music erschienen. Ob das mit dem Major Label allerdings so eine tolle Idee war, ist noch nicht ganz klar. Zum Zeitpunkt des Interviews wussten die Jungs aber noch voller Begeisterung von den Vorzügen einer großen Plattenfirma zu berichten. <BR>
Das Interview mit der Band führte ich kurz vor der Veröffentlichung ihrer Single im Akku zu Immenhausen/Kassel.
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Mainstage: Bitte stellt euch selbst mal vor, denn euch kennt ja noch längst nicht jeder deutsche Punker. <BR><BR>
Caddy: Ich bin felatio Cardineo und spiele Schlagzeug bei the Wohlstandskinder.
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Neidhart: Ich bin der Herr Neidhart und spiele Bass
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Silver: Ich bin Honolulu Silver und spiele den Gesang … … … und die Gitarre.
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Mainstage: Seit wann gibt es die Wohlstandskinder schon?
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Caddy: 17. November 1995.
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Neidhart: Zehnter!
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Caddy: Oh Entschuldigung, natürlich seit dem zehnten.
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Mainstage: Wie viele CD?s habt ihr bislang aufgenommen? Vielleicht könnt ihr ja auch mal ganz kurz die Bandgeschichte umreißen.
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Neidhart: Wir kamen, sahen und siegten. Wir haben 97 am 31. Januar die erste Platte rausgebracht, im September die zweite Platte, die da hieß ?Popxapunk?, dann kam 1999 die dritte Platte namens ?Delikatessen?, damals haben wir dann schon angefangen richtig rumzutouren. Vorher war das noch nicht so wild. Dann kam 2000 ?En Garde?, da sind wir dann schon richtig doll mit getourt, mit der Terrorgruppe zum Beispiel. <BR>
Na ja, wir sind entwachsen aus diversen Schülerbands und sind dann mit der Zeit zu groß für die Schule geworden, sonst würden wir heute noch im Musikraum proben.
Als nächstes kam dann 2002 ?Babyblau? und jetzt gerade Anfang diesen Jahres haben wir das neue Werk namens ?Dezibelkarate? aufgenommen, das kommt am 5. Januar in die Läden (der Termin wurde dann später mal wieder verschoben, Anm. d. Verf.) <BR><BR>
Mainstage: Habt ihr die Alben vor dem kommenden und vor der neuen Single alle bei Vitaminepillen Records rausgebracht? <BR><BR>
Caddy: Ausnahmslos bei Vitaminepillen. <BR><BR>
Mainstage: Wie kam es damals dazu? Wie kam der Kontakt zustande? <BR><BR>
Caddy: Wir haben zuerst ein Demo aufgenommen und das so ein bisschen rumgeschickt. Auf das Demo hat sich nämlich Dadio Records gemeldet, die haben uns für ein oder zwei Tage ins Studio geschickt, wo wir dann zwei Songs aufgenommen haben. Die kamen auf dem ?Partisanen Sampler 3? raus. <BR>
Dann haben wir uns bei einem Bekannten von uns im Kellerstudio eingemietet und in sehr kurzer Zeit, ich weiß gar nicht wie wenig es war, fünf Songs aufgenommen, die haben wir unter anderem an Vitaminepillen Records geschickt. Vitaminepillen haben sich gemeldet und meinten, das ist super, da machen wir nicht nur ne Single draus sondern ein Album und ihr nehmt jetzt gefälligst noch ein paar Stücke auf. Dann haben wir den Rest der ersten Platte aufgenommen und es dort rausgebracht.
<BR><BR> Mainstage: Warum seid ihr jetzt nicht mehr bei Vitaminepillen, sondern bei Motor Records? <BR><BR>
Silver: Eine wichtige und schwierige Frage. Was du natürlich jetzt gern hören würdest, wäre Kommerz und verstritten und so weiter. Das ist aber gar nicht so, sondern nach fünf Platten und über sechs Jahren Zusammenarbeit war es ziemlich klar, dass wir einen Schritt weiter gehen wollten. Ralf bzw. Vitaminepillen hat uns eigentlich alles gebracht. Da konnten wir uns austoben. Da haben wir uns aufgebaut und sie haben uns aufgebaut, das war so ein Geben und Nehmen. Also wir sind zusammen gewachsen. Ralf hat auch ganz klein angefangen, irgendwo in einer Garage und irgendwann hat er sich dann einen ganzen Bauernhof gemietet, wo er die ganzen Bands unterbringen musste. <BR><BR>
Caddy: Ralf hat den Bauernhof gekauft, Alter! <BR><BR>
Silver: Bei uns war es dann halt so, dass wir gesehen haben, dass die Touren besser liefen und wir eine größere Anfrage hatten, als Ralf noch bewerkstelligen konnte. Da hat sich es dann so getroffen, dass ein Kumpel von uns, der Timo von Schrottgrenze, A&R bei Motor wurde und der hat uns dann gesignt. Timo ist mittlerweile aber gar nicht mehr bei Motor, sondern nur noch großartiger Musiker bei eben genannter Band. <BR>
Also alles halb so wild. <BR><BR>
Neidhart: Aber die Vinylversion der neuen Platte erscheint bei Vitaminepillen. <BR><BR>
Mainstage: Gibt es denn eine große Vinyl-Nachfrage bei Wohlstandskinder Platten? Kann ich mir bei dem Zielpublikum nicht so ganz vorstellen. <BR><BR>
Caddy: Nee, überhaupt nicht. <BR><BR>
Neidhart: Na ja, ein bisschen. <BR><BR>
Mainstage: Welche Dimensionen habt ihr bei den CD Verkäufen angepeilt? <BR><BR>
Neidhart: Nicht weniger als die letzten Platten, wobei das schon nicht klappt, weil die alten Platten schon so lange auf dem Markt sind und sich deshalb sehr gut verkaufen. <BR><BR>
Silver: Nochmal zu dem Vinyl. Das ist auch so ne Sache, dass wir uns eben nicht mit Vitaminepillen zerstritten haben und wir beide eingesehen haben, dass es schön ist, wenn man das noch so ein bisschen weiterlaufen lässt. Abgesehen davon, dass Caddy und ich noch Vinylfans sind und uns selbst darüber freuen. <BR><BR>
Caddy: Es ist auch schade, dass die ?Baby Blau? nicht auf Vinyl erschienen ist, weil das eben nicht so einfach ist Platten pressen zu lassen, das ist halt sehr teuer und du kannst nur eine geringe Auflage pressen lassen und musst hohe Preise nehmen.
Durch das Major Motor läuft da eine viel größere Werbemaschine, sodass Ralf da nicht extra Werbung machen muss, sondern das Ding relativ von alleine läuft. Und so verdient er an unserem Erfolg auch mit, und das gönnen wir ihm auch. <BR><BR>
Neidhart: Außerdem sind die ganzen alten Platten immer noch über ihn erhältlich und die Verkäufe laufen weiter, also haben wir quasi zwei Labels. <BR><BR>
Mainstage: Ist das vielleicht auch eine Demonstration nach Außen hin, gerade um zu zeigen ?Hey, wir haben uns nicht zerstritten und sind keine Kommerzband …? ? <BR><BR>
Neidhart: Das ist nicht so, dass wir das extra betonen, das ist halt so eine Selbstverständlichkeit, eigentlich. Also Motor wollte das Vinyl nicht rausbringen, die lizenzieren das nur, und es wär ja schön blöd, wenn wir uns ein anderes Label gesucht hätten. <BR><BR>
Mainstage: Warum erscheint das Album erst so spät, obwohl ihr es schon Anfang diesen Jahres aufgenommen habt? <BR><BR>
Neidhart: Der Platenfirmenwechsel war dann doch nicht ganz so reibungslos, weil die da intern so rumfusioniert haben. Zwischenzeitlich wussten wir gar nicht, ob wir überhaupt noch einen Plattenvertrag haben, oder nicht. <BR>
Irgendwann wussten wir dann, wir werden übernommen von Motor, und bis sich das richtig eingespielt hat, dauert es auch noch, das geht alles so peu a peu. <BR>
Eigentlich sollten wir die Platte im Oktober rausbringen. Nach und nach stellte sich dann aber heraus, dass sich keiner um die Presse Promotion gekümmert hat, dann hatte kein Mensch diese Platte je gesehen, wir haben die immer noch nicht gesehen, die ist auch noch nicht gegenständlich da, sondern nur aufgenommen, und dann stellte sich raus, dass das alles nicht so wie geplant klappt. Der Termin musste dann verschoben werden. <BR><BR>
Mainstage: Lag es vielleicht auch daran, dass die Ärzte zu dieser Zeit ihr neues Album rausgebracht haben und ihr eventuell die selben Käuferschichten angesprochen hättet? <BR><BR>
Caddy: Sind wir ernsthaft ne Konkurrenz für die Ärzte? <BR><BR>
Neidhart: Nee, sind die Ärzte ernsthaft ne Konkurrenz für uns? <BR><BR>
Silver: Dann müsste es eher so was wie Limp Bizkit sein, denn das Problem ist, dass wir ja jetzt auf einem großen Label sind, und da natürlich nur ein ganz kleiner Fisch. <BR>Wenn Limp Bizkit jetzt ihr Album veröffentlichen, das war glaub ich im Spätsommer oder Herbst der Fall, dann geht dafür so viel Promo und so viele Menschen drauf, dass es sich für uns dann gar nicht lohnen würde, weil keiner für uns Zeit hat. <BR><BR>
Mainstage: War das mit Limp Bizkit denn tatsächlich der Fall? <BR><BR>
Neidhart: Vielleicht, das wissen wir nicht so ganz genau, wir durchschauen die ganzen Firmenstrukturen da gar nicht mehr, vielleicht lag es auch am Weihnachtsgeschäft, wo die tausendste BeeGee?s Best Of rauskommt. Das wissen glaub ich noch nicht mal die Mitarbeiter da. <BR><BR>
Silver: Um mal auf ein Fazit zu kommen, muss man sagen, dass sich die Struktur der Plattenfirma komplett geändert hat, und das sich da erstmal alles organisieren muss und somit haben wir da jetzt halt Unruhe. Für uns heißt das konkret, dass im Januar dann alles läuft, und das wär im Sommer nicht der Fall gewesen. <BR><BR>
Caddy: Man muss aber dazu sagen, wir bringen nicht nur die Platte im Frühjahr raus, sondern hatten geplant noch eine Single rauszubringen, machen wir auch nur haben wir die Single im Endeffekt aufgestockt und werden eine EP draus machen. Drei B-Seiten Stücke sind drauf, noch ein Stück vom Album ist dabei, die Single und das Video ist noch drauf, wahrscheinlich ist noch so ein Link oder Zugangscode für das Internet mit auf der CD, wo du dir was aus dem Netz runterladen kannst, also alles dabei. <BR><BR>
Neidhart (zu Caddy): Das Video ist nicht drauf, da hat sich keiner drum gekümmert.
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Mainstage: Da stellt sich mir jetzt die Frage, ob das nicht die erste Einschränkung von Seiten des Major Labels ist, dass ihr a) noch nicht einmal genau wisst, was auf der EP drauf ist und b) den Veröffentlichungstermin der Platte nicht mitbestimmen dürft!? <BR><BR>
Silver: Das war auch die Angst die wir hatten und darüber haben wir vor dem Unterzeichenen auch lange mit dem Timo gesprochen, was wir alles aus der Hand geben. Bei Vitaminepillen konnten wir alles selbst machen, da hatten wir alles in der Hand. Wir hätten die letzte Scheiße aufnehmen können, was wir im Endeffekt auf manchen Platten bestimmt auch gemacht haben, und Ralf hätte da nichts zu gesagt, der hätte das einfach gemacht. Wir hatten 100%ige Selbstentscheidung. <BR>
Aber im Endeffekt, und das kann ich jetzt sagen, haben wir bei Motor jetzt definitiv die selben Freiheiten wie vorher. VÖ Termine sind halt so ne Sache, das war bei Vitaminepillen auch nicht anders. Der Ralf hat auch geguckt, dass nicht alle Platten an einem Tag erscheinen.
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Neidhart: Vitaminepillen ist defacto nur Ralf und seine Freundin, wenn die nicht gerade mit den Pferden unterwegs ist, und wenn der sich dann um die Wohlstandskinder Sachen gekümmert hat, war das vielleicht ein Zehntel seiner Zeit. Wenn sich bei Motor von einem 40 Mann starkem Team nur drei Leute um uns kümmern ist das immer noch mehr als Ralf je machen konnte, von daher stecken wir da nicht zurück.
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Mainstage: Lassen sich Punkrock und Major Label vereinbaren, ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen?
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Neidhart: Punkrock lässt sich hervorragend vermarkten. Wir haben früher jeden Scheiß selbst gemacht und irgendwann gemerkt, dass wir das nicht wollen. Wir wollen Musik machen und touren. <BR><BR>
Caddy: Und vor allem nicht selber die Cover anmalen, wie das bei den ersten Demos in der Schule noch der Fall war. <BR><BR>
Neidhart: Von daher ist es auch ok, wenn wir zum Beispiel die Booking Sache aus der Hand geben, denn es macht einfach keinen Spass stundenlang wegen einem Gig zu telefonieren. Wir wissen, wie es funktioniert, haben aber keinen Bock mehr drauf. Wir wollen lieber eine Band sein, als Sachbearbeiter einer Bürokratie, was du letzten Endes bist, mit dem ganzen Zettel ausfüllen damit es mit dem Touren klappt. Natürlich kommen wir aus dieser D.I.Y. Ecke. Wir haben wirklich alles mal selber gemacht. Wir sehen das aber gar nicht als Rückschritt an, dass das nicht klappt. <BR>
Mit der Single das ist natürlich blöd. Ich hätte mich aber auch um das Video kümmern können. Aber so ist das in der D.I.Y. Szene auch, wenn sich keiner drum kümmert, passiert auch nix.
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Silver: Wir sehen uns überhaupt nicht als Punkrock. Die Band Wohlstandskinder ist definitiv kein Punkrock, auch wenn es jetzt in der BRAVO steht. Auf keinen Fall ist es Punkrock. <BR>
Dann kommt die Diskussion dazu, die man sich auch in unserem Gästebuch ansehen kann, was ist eigentlich Punkrock? Ist es nicht viel mehr Punkrock gar nichts zu machen, als auf Tour zu gehen, zu saufen und den ganzen anderen Scheiß von Anderen machen zu lassen, als die Cover selbst anzumalen? Wohlstandskinder sind Wohlstandskinder, und es ist mehr Pop als Punk. <BR><BR>
Mainstage: Also würdet ihr euch eher der Pop-Szene zu? Oder welcher Szene würdet ihr euch zuordnen, bzw. fühlt ihr euch zugehörig? Pop ist auch Britney Spears…
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Silver: Das beste Beispiel ist: Schlag die neue BRAVO auf, wir stehen auf der zweiten Seite, damit sind wir kein Punkrock mehr. Wir haben es geschafft, yes! <BR> Ich würde mich eher als Jazzer bezeichnen als als Punker. Und das mein ich ernst. Das Lebensgefühl eines Jazzers steht mir näher als das Lebensgefühl Punk. Das ist keine verarsche. <BR><BR>
Caddy: Wenn du nach einer Szene fragst, und so weiter, stellt sich die Frage, was ist überhaupt Punkrock, das kann ja schon mal gar nicht in Regeln festgeschrieben werden. Wenn du dich in einer Szene bewegst, hat diese Szene immer Erwartungen an dich, die du erfüllen musst. Das ist auch nicht unser Ding. <BR><BR>
Türk: Guten Tag ich bin neu dazugekommen, ich bin Türk Travolta und spiele Gitarre. <BR>
Wo ich grad Punkrock höre, ich finde unsere Musik hat immer Punkrock mit drin, weil wir da her kommen, und dieser Szene sehr viel zu verdanken haben, auch wenn wir es mittlerweile nicht mehr machen. <BR><BR>
Mainstage: Silver, du hast jetzt aber ein Misfits Shirt an, und keins von John Coltrane, zum Beispiel … <BR><BR>
Silver: Das hat mir mein Stilberater aufgedrückt. hahaha<BR><BR>
Caddy: Da stellt sich die Frage, was du grad für Musik hörst. Das ist einerseits ne geschmackliche Frage und andererseits ne Frage, ob du dich irgendwelchen Szene Regeln unterwerfen willst. Das hat ja eigentlich mit deinem Musikgeschmack nichts zu tun. <BR><BR>
Mainstage: Also bedeutet euch das gar nichts. Die Punkrockszene bedeutet euch nichts … <BR><BR>
Neidhart: Szeneangehörigkeit bedeutet uns nichts. <BR><BR>
Silver: Das ist natürlich ein heißes Pflaster, das kann man sich am besten bei uns im Gästebuch anschauen. <BR>
Na klar die Punkrockszene, oder ?diese Szene? hat uns alles gegeben, ohne die wären wir nicht da, wo wir jetzt sind. <BR>
Ich hab zwar ein Misfits Shirt an, höre aber genauso Misfits, wie U2 oder Spiritual Beggars und Reinhardt May. <BR><BR>
Caddy: Ich richte mich einfach nicht nach diesen Regeln, aber du wirst mich Privat trotzdem auf 90% aller Punkrock Konzerte in Köln sehen. Das ist mir schon wichtig. Nichts macht mir mehr Spass als mir irgendwelche lauten, dreckigen Rock and Roll Shows oder meinetwegen auch Punkrockshows anzusehen. Ich werd mich aber nicht drauf festnageln lassen. <BR><BR>
Mainstage: Zurück zum musikalischen, textlich wollt ihr nicht ganz ernstgenommen werden, oder? <BR><BR>
Silver: Definitiv sehen wir uns nicht als Moralapostel. Das ist von Song zu Song unterschiedlich. Wir haben Songs die kann man einfach nicht ernst nehmen, wie zum Beispiel ?Rock ?n Roll Opa?, und dann gibt es wieder Songs die sind todernst. <BR>
Jedes Wort oder jeder Text ist irgendwie schon ernst gemeint, ich glaub ich würde nicht kompletten Schrott erzählen. Aber andererseits, ob er jetzt ernstgenommen werden soll, oder ich ihn selbst ernst nehme ist wieder eine andere Sache. <BR>
Auf der neuen Platte ist beispielsweise sehr viel, was sehr tiefgehend und auch sehr persönlich ist. <BR>
Irgendwie fehlen mir grad die Worte. <BR>
Du kannst ja auch manchmal über dich selbst lachen, wie du dir manchmal in die Fresse hauen möchtest und dich manchmal voll abfeierst. Und genauso ist das mit den Texten, das reflektiert das schon so ein bisschen. <BR>
Um dir ein klares ja oder nein zu geben, ob wir uns ernst nehmen mit der ganzen Scheiße, auch gerade was wir Live so abziehen, dann definitiv nein. <BR><BR>
Mainstage: Und wie ernst soll man euch musikalisch nehmen, wenn man bedenkt, dass ihr simplen Pop-Punk spielt, ohne das jetzt abwertend zu meinen, und auch nicht gerade, was die Melodien angeht, die eigenständigste Pop-Punk Band auf der Welt seid? <BR><BR>
Silver: Es gibt so viele bessere Bands, aber auch so viele schlechtere Bands als uns, von daher, hab Live Spass mit uns, hör dir die Platten an, wenn dir das was gibt, nimm sie dir zu Herzen oder steck sie ins Klo, aber mach was draus. <BR>
Ob man sich davor verneigen muss, ist was ganz anderes, und das ist mir ehrlich gesagt auch relativ egal.
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Caddy: Da hab ich jetzt mal eine kleine Gegenfrage: Du meinst, wir sind nicht die Eigenständigste Band, das kannst du jetzt auch wertfrei sagen, meinst du, dass wir klauen und uns an Klischees bedienen, usw.? <BR><BR>
Mainstage: Ihr bedient euch an Klischees, ja, und ihr klaut bei euch selbst, würde ich sagen. Ich hab jetzt zwar nicht jede Platte zehn Stunden gehört, aber mir ist aufgefallen, dass gerade bei den letzten beiden CD?s viele Songs gleich klingen. <BR><BR>
Caddy: Da kann ich dir jetzt aber auch jede Menge Bands nennen, die das genauso machen. Ein anderes Beispiel ist, nenn ich jetzt mal eine Band: The Darkness. Die klauen überall, die klauen bei 30 Jahren Rockgeschichte die besten Sachen, und bringen das zusammen. Null Innovation eigentlich, aber trotzdem unglaublich geil. Ich feier? das ab ohne Ende. <BR><BR>
Mainstage: Wollt ihr mit eurer Musik nicht auch mal innovativ sein? Habt ihr da gar kein Interesse dran? Wenn ich zum Beispiel an Bands wie ?the mars volta? denke, …
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Caddy: Das haben wir grad im Bus gehört. <BR><BR>
Mainstage: Ihr hört also solche Musik privat teilweise, aber selbst habt ihr nicht das Interesse etwas neues zu erschaffen? <BR><BR>
Silver: Das ist auch eine Sache, die wir im Laufe der Zeit festgestellt haben. Wir sind vier verschiedene Typen, die verschiedene Musik hören. Wir wollen verschiedene Musik machen und ich glaub was da jeder zu Hause hört fügt sich bei den Wohlstandskindern als eigener Stil dann zusammen. Ob das Innovativ ist, oder sich an Klischees bedient sei dahingestellt. Die Wohlstandskinder sind die Wohlstandskinder. <BR>
Ich glaub wichtig bei uns ist, das Entwicklung da ist. Schade, dass wir jetzt noch nicht die neue Platte anhören können. Ich würde sie dir gerne mal vorspielen. Ich glaub die geht auf jeden Fall in eine innovativere Richtung als die Letzten. Und sie ist vor allem auch mehr ein Album als alles Vorher. Ich würde sogar sagen, dass ?Dezibelkarate? das erste richtige Album ist, was die Wohlstandskinder aufgenommen haben. <BR><BR>
Caddy: Da frage ich mich auch wieder, was innovativ ist. Mars Volta finde ich unglaublich anstrengend und ich möchte solche Musik eigentlich nicht machen. Ist zwar natürlich unglaublich kompliziert was die spielen, und so auch noch nicht da gewesen und neu und so.
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Neidhart: Wohlstandskinder sind die Band in der wir Pop Punk spielen, wenn wir mal was ganz anderes machen wollen, nehmen wir uns auch eine andere Band dafür. <BR>Das klappt in dieser Zusammenstellung wahrscheinlich eh nicht, weil wir nicht jeder unser Ego durchprügeln können, auch wenn ich Mars Volta jeden Tag drei mal hören kann, würde ich nie auf die Idee kommen, das mit den Wohlstandskindern nachspielen zu wollen. Da hat sich die Band auch auf einen bestimmten Kurs festgelegt. Das ist so, natürlich. <BR><BR>
Türk: Ich glaub auch, wenn wir uns im Proberaum treffen, dann sind wir weniger Künstler, als das wir ne gute Zeit haben, da drin. Ich würd mich auch nicht als Künstler sehen, viele Musiker tun das, und wahrscheinlich der Herr Silver auch, ich für meinen Teil hab da einfach nur Spass dran, und in erster Linie sind wir eine Live Band. <BR><BR>
Mainstage: In welche Richtung geht denn das neue Album? Bei den letzten Releases ging es ja immer mehr weg von dem Ska Punk der Anfangstage hin zu Emo?poppigeren Klängen. Kann man das evtl. sogar als Trendanbiederung sehen?
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Silver: Das mit dem Emo stimmt einerseits. Aber ich glaube die Wohlstandskinder gehen da schon ihren eigenen Weg. Was jetzt für Einflüsse wir mitnehmen, das sei mal dahingestellt. Das letzte was wir machen, auch wenn du uns dann als nicht innovativ bzw. klischeehaft, was auch absolut gerechtfertigt ist, siehst, die Wohlstandskinder biedern sich bestimmt keiner Szene oder keinem Trend an, sondern wir machen einfach unser Ding. So wie wir uns persönlich entwickeln, so entwickelt sich auch unsere Musik und unser Stil. Es ist einfach nur ein Weiterlauf der letzten Platte. <BR><BR>
Türk: Es gibt ja auch einen Grund, warum diese Emo Musik gerade Trend ist. Es trifft halt den Nerv der Zeit, gerade auch, weil so viele Bands diese Richtung spielen. Es ist ja nicht so, dass erst der Trend da ist und dann die Bands kommen. Es gibt gute Bands die diese Musik machen, und das was du isst, das scheißt du auch aus. <BR>Jimmy Eat World kannte ich auch vor vier Jahren auch nicht und das finde ich auch eine Hammer Platte, und wenn man die oft hört, man klaut natürlich nicht direkt, oder so, man ist halt einfach beeinflusst davon. Genau wie wir jetzt The Darkness hören, hahaha.
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Mainstage: Habt ihr die Songs zur neuen Platte im Studio geschrieben, oder standen die vorher schon komplett fest?
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Caddy: Alles Songs waren vorher fertig. <BR><BR>
Silver: Wir haben aber das erste mal mit Olaf zusammengearbeitet, das war ziemlich interessant, weil er halt aus einem ganz anderen Bereich kommt, d.h. eher so die Sterne, Philip Boa oder The Notwist also sie totale Indie Schiene. Wirklich so der Indie Produzent. Er wurde auch ganz oft gefragt, warum er jetzt auf einmal so Pop Punk macht, und wir wurden gefragt, warum wir mit so einem Indie Vogel als Produzent arbeiten. Und die Zusammenarbeit war göttlich. <BR>Die Songs standen im Endeffekt schon fest wie Caddy schon gesagt hat, wir haben alles im Proberaum geschrieben und uns im Proberaum auch noch mal mit Olaf zusammengesetzt, das ganze durchgehört und hier und da mal was geändert. Die Bereicherung, die er uns dann gebracht hat, war halt Soundtechnisch. Wir haben sehr viel mit Gitarrensounds ausprobiert, verschiedenen Schlagzeugräumen und so. Es war schon eine künstlerischere Arbeit als sonst. <BR>
Wir haben zwei mal zwei Wochen aufgenommen. Es hat von Anfang März bis Ende Mai gedauert und wir haben zwischendrin auch Live gespielt. <BR><BR>
Mainstage: Was sind eure Einflüsse? Welche Bands mögt ihr und hört ihr oft? <BR><BR>
Caddy: Bei uns war es ganz einfach: Ärzte, Hosen, Wizo. Grob gesagt. Dann kam die Green Day. Ich war 1991 das erste Mal auf nem Hosen Konzert und da bekommst nicht mehr viel von einer Underground Szene mit. Dadurch, dass wir dann selbst Musik gemacht haben, kamen halt auch ganz andere Sachen durch, man endeckt viel mehr Bands. Dann sagst du entweder, oh ja, das find ich geil oder eben das ist scheiße. <BR>
Das ist bei uns aber so verschieden gestreut. <BR>
Es geht bei mir teilweise von Radionummern, wie zum Beispiel ?Obsession Tango? von Shakira, den fand ich super, aber ich geh genauso gerne auf Black Metal Konzerte, jetzt mal krass gesagt. <BR>
Was mir neulich wieder extrem gut gefallen hat, war Terrorgruppe Live. Waaaaahnsinn. Das fand ich so geil. Auch wenn sie ein schwaches Album rausgebracht haben, live ist das echt super. Oder auch Nitrominds aus Brasilien. Was ich mir immer wieder gerne reinziehe ist D-Sailors, mit denen ich auch auf Brasilien-Tour. Schrottgrenze ist auch eine Riesen Band. Meine absolute Lieblingsband ist aber AC/DC. <BR><BR>
Türk: Schrottgrenze kann ich komplett unterschreiben, bei Terrorgruppe war ich auch auf dem Konzert gewesen. Schrottgrenze ist für mich die Entdeckung des Jahres. <BR><BR>
Silver: Ich höre in letzter Zeit sehr viel Stoner Rock. So ?Queens of the Stone Age? da kommst du nicht drum rum. Das ist ne Riesen Platte. Das liegt auch ein bisschen daran, dass ich letztes Jahr im Herbst mit zwei Kumpels noch nebenbei ein Projekt hatte, was mir auch gar nicht so zugetraut wird, so Trash-Stoner-Punk. Caddy hat sich das irgendwann mal angehört und es gar nicht erkannt, weil ich Bass gespielt hab. Dann hab ich mit Sven, einem Kumpel, noch ein Projekt gehabt, wo wir so ganz schmierige Radio-Pop-Songs gemacht haben. Was ich damit sagen will, ist einfach, dass ich lieber selbst Musik mache, anstatt auf Konzerte zu gehen, oder so. <BR><BR>
Mainstage: Zu guter letzt die Standardfrage: Was sind eure Pläne für die Zukunft? Was steht an bald an? <BR><BR>
Caddy: Geplant ist die Single mit Video. Man kann davon halten was man will, aber Viva wird es auch spielen. Ab dem 10.11.03 wird es laufen, als Newcomer Rotation. Das steht schon fest. Wir haben das Video noch gar nicht gesehen. <BR>
Die Konzerte die wir jetzt spielen sollten eigentlich die Tour sein, aber da der Erscheinungstermin der Platte ja geplatzt ist, deshalb spielen wir jetzt auch nur noch zehn Gigs. Und die dicke Tour kommt Ende Januar bis weit in den Februar hinein. <BR>Drei Wochen sind es fast, wo wir dann fast jeden Tag spielen. Da sind wir dann auch Headliner. Wenn die Platte draußen ist, ist dann quasi die Headliner Tour dazu. <BR>
Wir werden viel mehr spielen, wir peilen an, irgendwann mit eigenen Vorgruppen zu spielen und mit befreundeten Bands dann zu touren, so dass es auch richtig Spass macht. <BR><BR>
Silver: Im Sommer wollen wir gerne ein paar Festivals spielen. <BR><BR>
Caddy: Wenn die Plattenfirma vielleicht sagt, dass die Single gut gelaufen ist, dann kommt vielleicht noch ne zweite Single, und dann müssen wir halt mal schauen. <BR><BR>
Mainstage: Könnt ihr von den Einnahmen der Band leben? <BR><BR>
Caddy: Die Einnahmen haben wir ja jetzt nicht von Motor, das ist ja das schöne, weil von den Platten kriegste beim Major ja eh am wenigsten, das musst du alles durch Live-spielen reinkriegen. <BR>
Es geht, zwar mehr schlecht als recht, aber es geht. Es ist schon ok. Wir leben nicht in Saus und Braus. Ich hab ne 35m² Wohnung und kann ordentlich leben. <BR><BR>
Mainstage: Vielen Dank für das Interview.
Blindside - Silence
18. Feb 2003 | von EmrahBlindside sind NICHT neu (1994 gegründet), stammen NICHT aus Amerika, sondern aus Stockholm und spielen KEINEN New Metal. Warum ich das erwähne? Schließlich kannte die Band bisher kaum jemand, was sich jetzt aber hoffentlich bald ändern wird. Viel schief gehen kann da eigentlich nicht. Immerhin hat man mit Warner neuerdings einen Major im Rücken und die Kollegen von P.O.D. gehören ebenso zum Supporter-Stab. Deren Produzent Howard Benson war auch für den druckvollen, exzellenten Sound verantwortlich. Egal, ob man nun Alternative-Rocker, Beinhart-Metaller oder ein Emo-Weichei ist. An ?Silence? dürfte jeder Gefallen finden, denn hier werden die verschiedenen Stile nicht krampfhaft zitiert, sondern zu einer Einheit zusammengeschmolzen.
Jetzt höre ich die CD seit zwei Wochen täglich, damit mir endlich etwas negatives auffällt, doch im muss euch leider enttäuschen. Hier stimmt nämlich alles. Besonders ?Cute Boring Love?, ?Time Will Change Your Heart? und ?Midnight? haben es mir angetan. Hier zeigt Sänger Christian Lindskog wie vielseitig er ist. Mal aggressiv, dann wieder gefühlvoll wobei seine Stimme für beide Gesangsarten wie geschaffen ist. Ein weiterer Pluspunkt ist die mystische Stimmung bei den ruhigeren Momenten, was einmalig umgesetzt wird.
Okay, wir haben erst Februar, doch ?Silence? ist für mich bisher die beste Platte des noch jungen Jahres und wird erst Ende März von The Used abgelöst.





