Mainstage


Various Artists - The Matrix Reloaded: The Album

30. Mai 2003 | von Chris

?The Matrix Reloaded: The Album? (Maverick) heißt der Soundtrack zum aktuellen Matrix-Film. Vertreten sind, wie sollte es anders sein, die üblichen Verdächtigen, wenn es um düstere Actionfilm-Musik geht:
Industrial- bzw. Elektrometal bringen Marilyn Manson (?This Is The New Shit?) und Rob Zombie (?Reload?) aufs Parkett, Linkin Park (?Session?), P.O.D. (?Sleeping Awake?) und Deftones (?Lucky You?) steuern die obligatorischen New-Metal-Tracks bei, und Rage Against The Machine (?Calm Like A Bomb?) verbreiten lediglich Altbekanntes. Der Name Ünloco (?Bruises?) mag den meisten neu sein, dahinter verbirgt sich jedoch eine weitere New-Rock/Metal-Combo. Bleiben noch Rob Dougan, Team Asleep, Oakenfold und Fluke zu nennen übrig, die allesamt spacig-elektronische oder industrial-technolastige Filmtracks beisteuern. Die Dave Matthews Band bildet mit ?When The World Ends (?Oakenfold Remix)?das synthetisch-ruhige, etwas an Monster Magnet erinnernde Schlusslicht der ersten CD.
Der zweite Rundling ist Futter für die wahren Soundtrack-Freaks: Über 40 Minuten lang stimmungsvolle, chorgetragene, klassische Filmmusik von Don Davis, Juno Reactor (feat. Gocoo) und Rob Dougan. Dessen Filmthema ?Chateau? hinterlässt mit seinen bleiernen Elektrobeats, den anschwellenden Streichern und dem extatischen Finale mächtig Eindruck.
Abschließend steht eine Kaufempfehlung im Raum, der durch eine gute Kombination von (größtenteils) aktueller Hartwurstmugge und schöner Filmmusik aufs angenehmste beschallt wird. Oder anders ausgedrückt: Die Qualität des klassisch intonierten Silbertellers hebt die etwas durchschnittliche Güte des rockenden ersten Plattlings glatt auf.

Supercrush - Headcore

29. Mai 2003 | von Chris

Dreckig, laut und technoid, ein Bastard aus Rock, Metal und Elektronik. Wütend, energiegeladen, belebend, verstörend, anziehend, impulsiv, abgedreht und direkt in your face. Dabei frisch und eigen, obwohl Parallelen zu Nirvana, Headcrash oder auch Babylon Zoo aufweisend. Dennoch: Ein gelungener Magenpunch, das Debüt von Supercrush mit dem treffenden Namen ?Headcore? (EPI Music)!
Seit 1998 schon werkeln die drei Lübecker Jungs an ihrem Sound, und das jüngste Ergebnis verspricht gesteigerte Aufmerksamkeit seitens der Hörerschaft. Wie angedeutet, das Konzept, Rock mit Techno bzw. harten elektronischen Beats zu verbinden, ist nicht neu. Neu ist aber die Abwechslung, wie sie auf diesem Album stattfindet. Auch Variation lässt sich negativ interpretieren, beispielsweise als ?zu unhomogen?, ?zerfahren?, ?unausgerichtet?, etc. ? Objektivität hilft hier weiter, und das Urteil zu "Headcore" kann eigentlich nur lauten: Der Mix kommt gut, schafft Stimmung, Spaß und Abwechslung. Harte Thrashrocker auf der einen, Technostampfer auf der anderen Seite, dazwischen quer-dissonante Elektrogrunge-Nummern, die das Trommelfell strapazieren… alles vielleicht ein wenig strange aber gut. Wirklich gut, und wenn am 16. Juni der Track ?Zero? als Single rauskommt, sollte es so manchen unter Euch geben, der diesem Arschtritt den Popo hinhält.

The Nationale Blue - A Different Kind Of Listening

29. Mai 2003 | von Chris

"A Different Kind Of Listening" (Iodine Recordings) ist ein dem Titel entsprechend ungewöhnliches Album. Die Hälfte der Tracks besteht aus reinen Instrumentals, lediglich zu sechs der zwölf "Songs" gibt es Gesangparts.
Die Musik lässt sich schwer einordnen und ist im wahrsten Sinne des Wortes "independent". Egal ob Instrumental oder Singstück: die zwei Gitarristen rocken überwiegend, spielen aber zwischendurch auch wunderschöne Cleanparts, um kurz darauf mit schrägen Dissonanzen Vollgas zu geben und sich wiederum zurückfallen zu lassen. Ebenso abwechslungsreich variiert das Tempo der Songs; Schlagzeugbreaks durchsetzen entspannt-jazzige Passagen, eingeschobene Speedattacken machen Druck und kreieren Spannung. Einzelne Fragmente basieren auf Synthesizer-Loops, vereinzelt ergänzen sogar Metal-Elemente die schon progressiv zu nennenden Arrangements. Wird Sänger Reuben Bettsak gefordert, so klingt sein hohes Timbre stets etwas abgedreht, zumal er mehr shoutet als wirklich in Tonfolgen singt. Das passt jedoch zu den Stücken und treibt das Album wieder mehr in Rock-Gefilde, ohne ihm seinen (im positiven Sinne) experimentellen Charakter zu nehmen.
Anlässlich der anstehenden Europa-Tour von "The Nationale Blue" wird die Bostoner Band wohl nun auch hierzulande bekannter werden. "A Different Kind Of Listening" ist bereits 2002 erschienen, die Kunde jedoch bisher nicht zu uns herübergedrungen. - Sorgt für einen herzlichen Empfang, die Musik der vier Jungs ist es allemal wert!

Fidget - Celebrate Another Living Day

29. Mai 2003 | von Emrah

Sandra Nasic auf Speed? Das war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als die Stimme von Sängerin Darline ertönt, doch nach einer kurzen Zeit gewöhnt man sich dran und irgendwann fängt die Scheibe sogar an, Spaß zu machen. Aber ehrlich gesagt auch nur, wenn man die Musik nicht allzu ernst nimmt, denn viele Passagen haben doch (beabsichtigt?) Bubblegum-Charakter und würden gut ins Radioprogramm von Project 89.0 passen. Besser gefällt mir da eigentlich das Organ von Zweitsänger + Gitarrist Tom, so z.B. beim Refrain von ?Sanity Is Mother To The Hardest Riot?. Geboten wird auf ?Celebrate Another Day Living? (Supermusic Records) mit Ska- und Crossover-Elementen aufgelockerter, kraftvoller, melodischer Alternative-Rock, der mit guten Hooklines und druckvollen Gitarren ausgestattet ist und bestimmt die eine oder andere Tanzfläche füllen könnte. Gut eignen würde sich dafür eine Nummer wie ?The Marks Of Those?, die Hitpotential besitzt. Ob ihnen damit der Durchbruch allerdings gelingt, bezweifle ich. Freunde der Guano Apes, den Killer Barbies, No Doubt oder Evanescence (ohne Fidget mit diesen Bands auf eine Stufe zu stellen wollen) sollten aber mal ein Ohr riskieren.

Junkie XL - Radio JXL

29. Mai 2003 | von Emrah

Hinter Junkie XL steckt der niederländische Soundtüftler Tom Holkenborg, der mit ?Radio JXL ? A Broadcast From The Computer Hell Cabin? (was für ein Titel!) seine musikalischen Visionen auf gleich zwei Silberlingen eindrucksvoll umsetzt. Der Multi-Instrumentalist, der auch schon Tracks für Werbespots, Video-Games und Filme produziert hat, schafft sich mit seinem neuesten Werk eine virtuelle Radiostation und hat dafür seine musikalischen Helden eingeladen. ?3pm?, so der Titel der ersten CD, stellt Tom´s ultimatives Radioprogramm dar. Anspruchsvoller Synthie-Pop, der von sphärischen Sounds, treibenden Electro-Beats und natürlich den Gastsängern lebt. Den Anfang macht Saffron, auch bekannt als Sängerin von Republica, die dem Song ?Crusher? ihre Stimme leiht und auch auf zwei weiteren Tracks (?Spirits?, ?Beauty Never Fades?) zu hören ist. Etwas überraschend ist der Stimm-Beitrag der holländischen Rock-Röhre Anouk geraten, die bei "Between These Walls" eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass sie auch sanft und soulig zu klingen vermag. Für ruhige Stunden genau der richtige Sound. Kurz darauf meldet sich Chuck D. (Public Enemy), der bei ?Access To The Excess? rappen darf und seine Aufgabe bravourös meistert. Und auch der Rest der Scheibe ist mit Highlights gespickt, schließlich geben sich noch Robert Smith (The Cure) und Dave Gahan (Depeche Mode) mit ihren unverkennbaren Stimmen die Ehre. Was alle Tracks gemeinsam haben, ist die Fähigkeit, auch Anti-Popper zum Kopfnicken zu bewegen und für eine chillige, wohltuende Stimmung zu sorgen. Eigentlich der ideale Soundtrack für Szene-Bars, die ihren Gästen einen feinen Sound-Cocktail mixen wollen. Den DJ können sie sich sparen, einfach ?Radio JXL? rein und ab dafür.
Die zweite CD ?3am? bewegt sich eher im ruhigen Ambient und Dub-Dunstkreis und soll die nachdenkliche Seite von Junkie XL widerspiegeln. Aber das Nachtprogramm soll ja auch entspannen und genau dies gelingt hier in vollendeter Form, ganz ohne Special Appearences.

(Achtung: Die CD gibt es auch in der einfachen Form, also nur mit der ersten CD ?3pm?).

Lords of the New Church und Fabulous Disaster In Hannover

29. Mai 2003 | von Robert

Punkbands mit weiblichen Gesang finde ich grundsätzlich nicht schlecht, ganze Frauenpunkbands auch nicht, schon gar nicht, wenn sie Fabulous Disaster heißen und aus Kalifornien kommen. Was macht man dann, wenn gerade diese Band ein Konzert in Hannover gibt? Klar, man geht hin. Gesagt getan.
Montag, der 19. Mai, natürlich mal wieder im Chez Heinz, dem Laden meines Vertrauens, wo ja immer die besten Montagskonzerte stattfinden. Diesmal waren also Fabulous Disaster und die Lords of the New Church da, wobei zweitere als alte Punkband mit Düstereinschlag beschrieben waren und als Headliner spielten.
So um Viertel nach zehn eröffneten Fabulous Disaster aber erst mal den musikalischen Teil des Abends und dabei zeigte sich das mit gut 150 Leuten, das Konzert für einen Montag doch recht gut besucht war. Und je länger die Disasters spielten, um so mehr Leute wachten auf und feierten die vier Mädels aus Kalifornien ab. Und die boten ein wirklich großartiges Konzert mit gut 35 Minuten Spielzeit und nettem Girlie Punkrock, einer guten Mischung aus Skate- und älterem Punk, in der sie eine gute Mischung ihrer beiden Longplayer ?Put out or get out? und ?Panty Raid? boten. Man merkte Ihnen, besonders Sängerin und Gitarristin, deutlich die Spielfreude an. Und das Publikum dankte es Ihnen. Leider war er recht kurz, der Besuch der vier Mädels, denn es sollte ja noch weiter gehen, mit den Lords of the New Church.
Doch die hatten anfangs Probleme mit einem ihrer Gitarrenverstärker und mussten diesen erst mal wechseln. Und nach gut 30 Minuten Umbaupause legten sie los. Doch von Punk keine Spur, die Musik war recht getragen, wollte nicht wirklich zünden. Die Songs waren auch noch ganz schön lang, irgendwie war mir, als erinnerten sie mich ein wenig an The Clash, was vielleicht auch daran lag, dass sie genau aus der Zeit stammen. Auch der Bassist ist eine Legende, hat er doch früher bei der Punklegende The Damned die Saiten bearbeitet. Aber es reizte mich ganz und gar nicht was die Briten da boten. Langweilig war es, da auch die Spielfreude fehlte und die alten Herren sich auch irgendwie nicht viel bewegten. So verließ ich doch schon recht bald das Chez Heinz.
Fabulous Disaster retteten diesen Abend, der nicht ganz halten konnte was er versprach, was aber auch viele der Besucher dieses Konzertes so sahen, denn nach eine knappen halben Stunde der Lords verließen viele das Konzert. Aber Dank der famosen Fabulous Disaster hatte es sich wieder einmal gelohnt, das Chez Heinz aufzusuchen.

Chimaira - The Impossibility Of Reason

28. Mai 2003 | von Emrah

Klang der Vorgänger von Chimaira eher noch wie eine Fear Factory-Kopie, so geht die Band aus Cleveland/Ohio auf ihrem neuesten Jüngling "The Impossibility Of Reason" (Roadrunner Records) kompromissloser und undgezügelter zu Werke, so dass man nie das Gefühl hat, dass man sich hier an einer bestimmten Combo orientiert, sondern einfach ein aggressives Album hinlegen wollte. Unnötiger Ballast wurde einfach von Bord geworfen und es geht in bester OldSchool-Manier ohne Umwege und Spielereien gnadenlos nach vorne. Energiegeladene Drums, messerscharfe Riffs und ein mörderischer Groove, der niemanden still sitzen lässt. Teilweise wird es dann auch mal progressiv (?Pictures In The Gold Room?), doomig (?Crawl?) oder man fügt Alice In Chains-Gesangsharmonien und an frühe Metallica erinnernde Gitarren-Leads ein (?Down Again? - absolutes Highlight!!!), was der Band gut zu Gesicht steht. Trotz des derben Soundgewitters klingen die Tracks jederzeit kontrolliert und durchdacht. Beim letzten Song ?Implements Of Destruction? zeigen die beiden Gitarristen Rob Arnold und Matt DeVries, dass sie weitaus mehr draufhaben als das stumpfe Brett und erinnern mit ihrem filigranen Gitarrenspiel teilweise an Alex Skolnick (Ex-Testament) und Chuck Schuldiner (Death, R.I.P.).

Wer die Schnauze voll hat von Nu-Metal und auf der Suche nach einer gnadenlosen, aber trotzdem abwechslungsreichen Thrash-Attacke ist, wird hier allerbestens bedient. Wenn ich noch lange Haare hätte, würde ich jetzt bangen, aber diese Zeiten sind (leider) vorbei. Fazit: Nicht unbedingt ein überraschendes, dafür aber grundsolides Metal-Album.

Stone Sour - s/t

28. Mai 2003 | von Emrah

Auch wenn die CD schon ein wenig länger erhältlich ist, so sollte sie dennoch Erwähnung finden, denn wer auf fetten Nu-Rock mit Grunge-Zitaten steht, kommt an Stone Sour einfach nicht vorbei. In Amiland war das selbstbetitelte Album ein Verkaufsschlager und so langsam sollte sich auch hierzulande herumsprechen, dass Stone Sour nicht nur ein Sideprojekt von Slipknot-Sänger Corey Taylor sind, sondern genug Potential haben, als ?echte? Band akzeptiert zu werden, gerade auch weil sie schon seit 1992 zusammen sind. Taylor und seine Mitstreiter beweisen, dass sie große Songs schreiben können, ohne dass irgendetwas aufgesetzt klingt. Ganz im Gegenteil: Denn was vielen Bands heutzutage fehlt (eingenommen Slipknot) ? Natürlichkeit und Schlichtheit ? wird hier bestens vertont und auch beim Album-Cover und den einfach gehaltenen Promo-Fotos praktiziert. Egal ob Stuck Mojo-mäßige Groover wie der Opener ?Get Inside?, eine mit Streichern unterlegte Akustikballade (?Bother? ?bekannt vom Spiderman Soundtrack) oder Ohrwürmer (z.B. ?Monolith?): Hier wird die ganze Bandbreite des modernen (und irgendwie doch zeitlosem) Rock/Metal/Alternative/Grunge abgedeckt, ohne dass man Rücksicht darauf nimmt, ob es den Kiddies gefällt oder nicht.

Verglichen mit den doch sehr eintönigen Genre-Kollegen von z.B. Godsmack, haben die fünf Männer aus dem kleinen amerikanischen Kaff Des Moines eindeutig die Nase vorne. Und wer das nicht glauben mag, kann sich im Juni livehaftig davon überzeugen, wenn Stone Sour auf Club-Tour in Deutschland sind. Und ich bin mir ganz sicher, dass sie länger überleben werden als Slipknot…Ich will es doch jedenfalls hoffen!

Voivod - Voivod

26. Mai 2003 | von Chris

Voivod werden geliebt für ihren höchst eigenständigen, avantgardistischen, sperrigen, Thrash-Noise-Sound. Einst im Punk begründet, landet die Band nach mittlerweile rund 20 Jahren Bandgeschichte abseits der später beschrittenen Metalpfade mehr im Rock- als im Spacethrash der letzten beiden Alben ?Negatron? und ?Phobos?.
Schlicht ?Voivod? (Sony) heißt der mittlerweile dreizehnte Output der vier Musiker, denen jüngst Ex-Metallica-Bassist Jason Newsted beigetreten ist. Mit Ur-Sänger Denis ?Snake? Belanger geht man nun weniger ?back to the roots? als vielmehr ?further to rock?. ? Schräger Thrash und Progressive werden abgelöst von grundsoliden, erdigen Riffs, die metallene Kälte vergangener Tage weicht staubigem Auf-die-Backen-Groove. Dissonanzen (beispielsweise bei ?Divine Sun?) spielen auch weiterhin eine Rolle, die Songstruktur scheint jedoch weitaus geradliniger als ehemals.
Es besteht kein Zweifel, dass hier Voivod zu Werke gehen, denn zwischenzeitlich klingen vertrackte Melodiebögen und verschachtelte Rhythmuspassagen ans Ohr. Der Wandel kommt unerwartet, doch ist das in diesem Falle kein Mangel, da es für die Hörer weiterhin genügend zu entdecken gibt, ?Snake? seine Sache souverän durchzieht und Alt-Star Newsted auffällig unauffällig seinen Viersaiter bedient.
?Voivod? braucht seine Zeit in den Hörgewinden, doch besteht kein Zweifel an der weiterhin vorherrschenden Klasse der Kanadier. Sauber!

Linc - Emotional Cookies

26. Mai 2003 | von Chris

Blubber, plock, knarz, dröhn ? L.inc (Locos Incorporated) sind in da house! Jedoch bestehen Zweifel, ob der Hausmeister die vier Jungs nicht wieder auf die Straße schickt. Nach mehrmaligem Durchlauf des Albums ?Emotional Cookies? (Twilight) stellt sich zumindest die Frage, ob es die Musik in der Form nicht schon hundertmal besser, origineller und spannender gibt.
Das ist der Fall, doch täte man den Hannoveranern Unrecht, würde man ihrer Mischung aus NewMetal-Crossover-HipHop allen Charme absprechen. Die Songs klingen recht nett aus den Boxen, soweit man das bei dem generell eher blechern-plastenen Klangbild und dem matschigen Gitarrensound sagen kann. ? Doch das mag beabsichtigt sein. Der Bass bumpert artig nach Korn-Manier im Vordergrund, der Gesang bzw. Rap bzw. das Geschrei von Sänger Freezy Loco geht als szenekonform durch, und die Arrangements der Songs sind weitgehend abwechslungsreich.
Hervorstechendstes Merkmal ist dennoch die scheinbare Beliebigkeit, mit der sich aus derzeit angesagten Musikgenres bedient wird. Somit schmecken die ?Emotional Cookies? (verzeiht dieses Namenspiel) ein wenig zu sehr nach Mutters beliebtesten Zutaten: Hier ein wenig Dissonanz, dort eine Prise Geschrei, noch ein wenig stilisierter Rap und dazu ein peinlich-cooles Bookletfoto im Jogginganzug mit gelangweilter Fresse: Feddich is der Keks!
So wie das Bandlogo gestaltet wurde, klingt auch die Musik: die (Photoshop-) Typenvorlage erfüllt ihren Zweck und sieht ganz gut aus. Nur: eigene Kreativität hilft weiter und macht auch dem Hörer mehr Spaß.

Various Artist - Atticus… dragging the Lake 2

25. Mai 2003 | von benni

Wer ist nur auf die Idee für dieses selten-dämliche Cover gekommen? Ein toter Vogel unter dem "Atticus" - Schriftzug und da mir eben dieser Name bislang auch noch völlig fremd war, landete dieser Sampler erstmal auf einem der vielen Stapel irgendwo östlich des Schrebtischs.
Schade eigentlich. Sehr schade, denn: der Sampler, der sich hinter dem in schlichtem rot-scharz gehaltenen Cover verbirgt, stellt ganz einfach alle in letzter Zeit dagewesene (und durchaus auch mit "gut" zu bewertende) Punkrocksampler locker in den Schatten. "Atticus" ist nämlich nicht - wie ich aufgrund des schnöden Coverdesigns zuerst angenommen hatte - irgend eine Heavy Metall Combo, sondern eine von Teilen der Blink182-Jungs ins Leben gerufene Klamottenfirma.
Und schon hört man sie auch wieder unken, die Unker, aber ganz egal, ob man Blink nun mag oder nicht, einen musikalisch hochqualitativen Geschmack beweisen sie hiermit zweifellos. Ganze 26 Songs befinden sich auf der CD - und alle sind sie dabei. Natürlich auch ein Song von Blink und jeweils einer der Nebenprojekte Boxcar Racer und Transplants, aber auch viele gute andere Bands wie Hot Water Music, The Mighty Mighty Bosstones, Dropkick Murphys, Lagwagon, H2O, Taking Back Sunday, Rise Against und und und…
Perlen gibt es hier wirklich viele, wie z.B. Spartas "Vacant Skies" oder auch das einfach wunderbare "The Greatest Fall" der Epitaph-Neulinge Matchbook Romance und hinzu kommt, dass eine stattliche Anzahl an Songs auch noch das Prädikat "previously unrealeased" mitbringt. Wirklich ein unglaubliches Ding, diese Compilation!

The Ashes Of Creation - Hedonistic

25. Mai 2003 | von Chris

The Ashes Of Creation ? wie der Name vielleicht suggeriert, handelt es sich bei der Musik der Band nicht um Metal, nicht um Rock, dafür um Jazz-Pop.
Das Debut-Album ?Hedonistic!? (Demo), ist mit Klavier, Querflöte, jazzigem Schlagzeug- und Bassspiel klassisch instrumentiert. Sängerin Corinna transportiert mit klarer, ausgebildeter Stimme ausdrucksstark die vorherrschende Melancholie der sieben überwiegend ruhigen Songs. Spannungs- und stimmungsvolle Arrangements, die technische Versiertheit der Musiker sowie die gelungene Produktion verleihen ?Hedonistic!? Dynamik und Anspruch. Das Album klingt trotz heiterer Passagen generell eher ernsthaft, dabei stets durchdacht und erfrischend eigen.
Wer nachts müde vom Headbangen kommt, dem sollte ?Hedonistic!? eine willkommene Abwechslung sein ? Sympathie gegenüber nichtmetallenen Klängen vorausgesetzt.

Various Artists - The Heart Of Roadrunner

25. Mai 2003 | von Chris

Roadrunner, das Plattenlabel der angesagtesten Metal-Acts der Neunziger, hat mit ?The Heart Of Roadrunner? eine Compilation am Start, die der geneigten Hörerschaft Tränen der Freude in die Augen treiben wird:
Sepultura, Fear Factory, Life Of Agony, Obituary und Deicide erinnern an längst vergangene Sommer, während mit Songs von Killswitch Engage, Stone Sour und den Murderdolls (um nur einige der insgesamt 20 vertretenen Bands zu nennen) würdige Vertreter jüngerer Tage auf CD gepresst wurden.
Soulfly, Machine Head, Glassjaw und Chiamara legen Cover vor, Slipknot und Ill Nino veränderte eigene Versionen, und mit King Diamond geht?s auf zum Eiertango.
- Lange Vorrede für ein kurzes Fazit: Kaufen, alte Zeiten preisen und ?Bildungslücken? schließen, soweit die Mugge nicht bereits längst in kompletter Albumform vorhanden ist!

Deftones - Deftones

25. Mai 2003 | von Chris

Deftones, die Vierte. Was die Band mit ihrem selbstbetitelten Album (Maverick) abliefert, ist ordentlich: keine Aussetzer, bewährter Stil ? aber weder Überraschungen noch potentielle Hits. Dem einen Grund genug, den fünf Jungs mit und um Sänger Chino Moreno gewogen zu bleiben, dem anderen diesmal vielleicht doch eine Spur zu linientreu, um wiederholt das Portemonaie zu zücken.
Nach vier Jahren brettern Deftones noisigen, mit verzerrtem Gesang kombinierten (New-) Metal in die gepluggte Umwelt: schwere Gitarrenriffs, treibende Schlagzeugpassagen, sperrig-überlagerte Sound- und Songstrukturen, dazu verzerrter Gesang, der allen Schmerz dieser Welt herauszubrüllen bzw. zu singen scheint. Das ist nichts Neues? ? Eben, und trotzdem gewinnt ?Deftones? bei zunehmender Umdrehungszeit Sympathiepunkte und offenbart zwischen Riff-Brechern (?When Girls Telephone Boys?) zarte Melancholie; so bei ?Lucky You? oder dem klavierbegleiteten ?Anniversary Of An Uninteresting Event?. ?Deathblow? und die Single ?Minerva? zeigen bekanntes Gesicht, also Heftiges gepaart mit Traurigem neben gewohnt wohlklingend-dissonanten Harmonien.
Die Verknüpfung zum Vorgänger ?White Pony? scheint nahtlos. Und das ist der Grund, weshalb neben viel Freude über das aktuelle Werk auch ein wenig Enttäuschung mitschwingt.

Mit Nashville Pussy in den Mai in Hannover/ Cafe Glocksee

25. Mai 2003 | von Robert

Wir schreiben den 30.April, Tanz in den Mai war angesagt, doch dieses Jahr dachte ich mir, feiern wir ihn doch mal anders. Passend dazu kamen Nashville Pussy nach Hannover ins Cafe Glocksee und mit Ihnen gut 250 Zuschauer, was soviel bedeutete wie ausverkauft.
In dem nun so proppevollen Cafe Glocksee eröffneten die Kanadier von Bionic den Reigen. Noch etwas irritiert schauten wir drein, als ein etwas älterer Herr mit langen verfilzten Haaren und einem langen Rauschebart, sowie einer speckigen Kappe die Bühne betrat und Getränke verteilte. Doch dabei handelte es sich nicht um den Rowdie, sondern um den großartigen Sologitarristen, wie sich wenig später herausstellte. Aber nicht nur der Gitarrist war phantastisch, auch die gesamte Band und die Musik waren hervorragend, rissen das Publikum bereits mit und konnten vollauf überzeugen. Ich habe schon lange nicht mehr eine so gute Vorband gesehen. Bionic spielten eine Mischung aus Stoner Rock und 70er Rock ´N Roll, irgendwo zwischen Monster Magnet und den Hellacopters, waren aber in keinster Weise ein Plagiat und konnten im Besonderen auch durch die hervorragenden Einzelmusiker überzeugen. Wahnsinnsauftakt, eines, ich will es schon mal vorwegnehmen, tollen Abends.
Nach knapp 50 Minuten machten Bionic die Bühne frei für Nashville Pussy und die Zuschauer verabschiedeten die Kanadier mit mehr als nur einem Höflichkeitsapplaus, denn Bionic haben definitiv neue Freunde gefunden.
Jetzt enterte aber Nashville Pussy die Bühne und die Band aus dem amerikanischen Süden toppten Bionic so spielend, und das obwohl diese wirklich ein tolles Konzert geboten hatten, als wäre es eine ihrer leichtesten Aufgaben. Die vier Musiker (zwei Frauen, zwei Männer) legten ein solches Südstaaten Rockbrett mit einem Schuss Punkrock gewürzt hin, dass einem Hören und Sehen verging. Und das war sehr schade, denn die beiden Musikerinnen konnten nicht nur durch ihr Aussehen überzeugen, sondern auch durch extremes Posing und ausgezeichnete Handhabung ihrer Instrumente (Bass und Gitarre).
80 Minuten spielten Nashville Pussy und posten sich durch alle ihre Alben. Auch Coverversionen durften nicht fehlen. ?Motherfucker? von Turbonegro wurde ebenso grandios dargeboten, wie eine Version eines alten AC DC Liedes, als Bon Scott noch mit von der Partie war. Auf Zugaben wurde verzichtet, doch nach den 80 Minuten in der Hitze des überfüllten Cafes, waren die Leute fast schon froh, dass es vorbei war. Und damit meine ich nicht, dass es schlecht war, aber die Leute waren so abgegangen, dass keiner mehr so richtig stehen konnte.
Ein großartiges Konzert ging damit zuende. Zwei tolle Bands hatten mit 250 Leuten in den Mai gefeiert und niemand ging schlecht gelaunt nach Hause!

Team Eimsbush - Vol. 1

24. Mai 2003 | von Emrah

Keine Ahnung warum, aber ab und zu trudeln dann doch mal Hip-Hop Cd´s bei uns ein, und da ich persönlich auch keine Probleme mit dem Sound habe, sollte einer Rezension nichts im Wege stehen. Die Eimsbush-Posse aus Hamburg ist neben Four Music (Stuttgart) die gegenwärtig erfolgreichste Deutsch-Rap-Fabrik. Da Büro und Studio unter einem Dach sind, ergaben sich in unregelmäßigen Abständen spontan mal neue Songs, die nun auf CD gebannt wurden. Auf ?Team Eimsbush? (Wea Records) gibt es diese bisher unveröffentlichten Exklusiv-Tracks (insgesamt 15) nun zu hören. Hier treibt und reimt es jeder mit jedem und so ist Langeweile ausgeschlossen, denn bei solch einer Vielfalt an Künstlern kann nur Gutes dabei herauskommen. Ähnliche Compilations gab es ja schon unter dem Titel ?Style Liga? oder ?Hamburg City Heftig?, bei denen die meisten der hier vertretenen MC´s auch schon auftauchten.
Am besten gefallen mir die Nummern ?Jana Jones? (u.a. feat. Eißfeldt) und ?Wir übernehmen? (feat. Twisted & C.L.A.S.). Ansonsten tauchen auch Namen wie Samy Deluxe oder D-Flame auf, die man ja nicht näher vorstellen braucht. Kooperationen im Hip-Hop sind ja nichts ungewöhnliches und so wird es nur eine Frage der Zeit sein bis Vol. 2 erscheint.

People Like You Eastern Festival Tour, die Zweite, in Hannover/ MZ Nord

24. Mai 2003 | von Robert

Ostern war vorbei, doch die People Like You Easter Festival Tour noch lange nicht. Fünf Tage nach dem Konzert in Immenhausen, machte dieses ausgezeichnete Billing in Hannover halt, um hier das Ende der Tour zu feiern. Doch auch diesmal kamen nur so knapp 200 Besucher, ich denke sogar eher weniger. Um halb neun ging es dann im MZ Nord bereits los. The Spook, die Gruftrocker aus Essen, eröffneten diesmal den Abend und obwohl das Musikzentrum noch nicht besonders gut gefüllt war, erntete die Band, die immer in Gruftmaskerade auftritt und die das Motto vertritt ?Graverobbery is not a crime?. Waren The Spook fünf Tage zuvor schon wirklich gut, toppten sie ihren Kasslerauftritt noch um Längen und heizten den Besuchern schon ganz gut ein. Überhaupt hatte man den ganzen Abend bei allen Bands das Gefühl, sie wollten nochmal alles geben, denn alle Bands, soweit ich das beurteilen konnte (außer Bones und Spook hatte ich in Immenhausen ja keine Band gesehen) und waren deutlich engagierter und besser gelaunt und spielfreudiger und einfach besser als, in Kassel. Aber wie gesagt, auch da hatte mir das Konzert schon echt wahnsinnig gut gefallen.
Gut 40 Minuten durften The Spook diesmal ran und spielten wieder so ziemlich alles aus dem Album ?Some Like it Dead? und der ?Fright Night? EP.
Es folgten The Revolvers aus Dortmund. Die Heartaches weilten zu diesem Zeitpunkt ja leider schon wieder in ihrer belgischen Heimat, wurden aber in jeder Umbaupause von Band eingespielt, so dass sie dennoch gegenwärtig waren. Aber zurück zu den Revolvers. Sie boten Glam Punk mit einer gehörigen Portion Rock und Melodie, konnten mich aber nicht wirklich überzeugen und ernteten auch deutlich weniger Resonanz, als The Spook davor. Irgendwie langweilten mich die Revolvers, da fehlte einfach der letzte Biss und irgendwie wirkte die Band auch als einzige ein wenig gelangweilt und lustlos. Und das, obwohl der Gitarist von Mad Sin auch ein wenig bei einem der Songs mitwirkte.
Apropos Mad Sin, zu meiner Überraschung folgten die Psychobilly Strategen dann bereits als nächstes. Und mit den irren Berlinern wachte auch das Musikzentrum endlich auf und legte seine Lethargie ein ab. Von nun an war mitgröhlen, Tanzbein schwingen und rumhüpfen angesagt. Denn Mad Sinn legten den Laden buchstäblich in Schutt und Asche. Eine Wahnsinnsshow, besonders Sänger Köftre, beileibe nicht der Schlankeste, bearbeite sein Mikro, seine Stirn und auch seine Körpermassen, wie ein Berserker und lief und sprang und klopfte sich das Mikro an die Stirn. Und das fast eine Stunde lang. Auch ein Feuerspucker kam zum Einsatz und aus ?Hangover? wurde wieder Hannover, denn Köfte war begeistert., wie die Hannoveraner ihn und seine Psychos abfeierten. Zwischendurch kamen übrigens auch die Mitglieder aller anderen Bands, der Crew und der Merchandiser auf die Bühne, um gemeinsam einen Song zu covern, Boner von den Bones spielte Gitarre, mit nacktem Hintern, auf dem Mad Sin geschrieben stand, eine Homage an diese großartige Combo aus der Hauptstadt. Musikalisch ließen Mad Sin sowieso nichts anbrennen und kein Lied wurde vergessen, alle bekannten Songs kamen zum Einsatz und erst dann war der ?Communication Breakdown?, für den Mad Sin stehen, vorbei.
Ich dachte nun, einige Leute würden abwandern und die Bones könnten nach dieser fantastischen Show, Mad Sin auf keinen Fall das Wasser reichen. Doch ich irrte mich, denn das nun aufgeheizte Publikum nahm die Bones dennoch herzlich auf und feierte sie genauso nach Herzenslust ab. So gut wie jeder Song der beiden veröffentlichten Alben ?Bigger than Jesus? und ?Blued, Screwed und Tattooed? der zum Besten gegeben wurde, wurde frenetisch mitgegröhlt und abgefeiert. Soviel getanzt und gesungen und mitgefeiert, habe ich schon lange nicht, wie an diesem Sonntagabend. Denn die Show war Klasse, das ganze Konzert war der Oberhammer, eine der besten Shows, die ich je gesehen hab und damit meine ich nicht nur die Bones, aber die besonders. Cool und routiniert spielten sie ihr Pensum herunter, machten Spässchen und rockten einfach tierisch drauf los. Natürlich durfte auch hier der bereits in Kassel celebrierte Coversong nicht fehlen, wo erneut alle Mitglieder des Tourtrosses auf die Bühne kamen und kräftig mithalfen. (aber ich weiss immer noch nicht, von wem das Lied im Original stammt). Und zum Abschluss hatten die Bones dann noch einen absoluten Schmankerl, die Krönung auf diese fantastische Tour parat, die Coverversion des Johnny Cash Klassikers ?Ring of Fire?, wo noch mal alles auf die Bühne stürmte und das Publikum endgültig ausrastete.
Dann war leider Schluss, aber ich freue mich auf eine hoffentlich Neuauflage im nächsten Jahr, denn das war einfach nur Spitze!