"Bis an die Kniekehlen heruntergestimmte Gitarren, fette Grooves und vor allem die völlig abgedrehten Darbietungen von Shouter ZAP stehen Limp Bizkit und Korn auch wirklich keinen Zentimeter nach".
Für dieses Zitat aus der WAZ zur CD "Wake Up, Celebrate" (Eigenproduktion, www.seng-fu.com) gehört der Schreiberling ausgepeitscht und mit Seng-Fu nicht unter 8 Stunden bestraft. Ganz so schlimm kommt es nicht, aber Lob ist - zumal wenn man keine Ahnung hat - eben einfacher als durchdachte Kritik, die versucht, der Band wirklich gerecht zu werden.
"Wake Up, Celebrate" ist Plagiat und Klau bei allem, was im Nu-Metal derzeit angesagt sein soll, und wo man doch ein wenig Eigenständigkeit heraushören kann, auch noch schlicht langweilig. Korn - ja, aber für Arme. Limp Bizkit - ja, vielleicht beim Versuch, melodisch zu rappen. Hier regiert das volle Brett des Mittelmaßes; der Versuch, es allen recht zu machen, misslingt und wird zum peinlichen Abziehbild der großen Vorbilder. Möglichst weirdes Geschrei, glucksende Basslinien und tiefergestimmte Giddas alleine ergeben eben noch lange keine gute Nu-Mugge. Lassen die Anfänge von Songs wie "I Swim" oder "Sparkling Star" noch hoffen, so wird nach spätestens einer Minute alles wieder durch einfallslose Refrains oder stumpfes Kopieren bekannter Elemente aus Slipknot- und Korn-Songs zunichte gemacht. Am besten hätte der Sänger durchweg geschrien, denn sobald es melodiös wird, zeigt er deutliche Schwächen in seiner Tonsicherheit (zu hören bei "Sparkling Star", Son Of 666", "Jesus Merchandise", "Moongirl").
Der Sound geht absolut in Ordnung, zumal es sich um eine Eigenproduktion handelt. Auch werden Seng-Fu mit Sicherheit ihre Fans finden, denn ich habe auch schon wesentlich Schlechteres gehört. Trotzdem - gemessen am Anspruch, eigenständige, ambitionierte Musik mit Wiedererkennungswert oder zumindest Überraschungselementen zu machen, war das nicht überzeugend.
Abschließend: Kreativität und Kupferei liegen recht dicht beieinander, wie mir einst ein Nu-Metal-Bassist mitteilte, nachdem ich die CD seiner Band ähnlich kritisierte. Wollen Seng-Fu eine von vielen Bands sein, die im Fahrwasser mitschwimmen, reicht das Gezeigte aus. Für den Erfolg über "Top-Platzierungen bei den bekannten mp3-Portalen" (Bandinfo) hinaus wäre allerdings ein wenig mehr Einfallsreichtum gefordert.
Seng-Fu - Wake Up, Celebrate
30. Jun 2003 | von ChrisAriel Kill Him - In The Pyramid
29. Jun 2003 | von ChrisDavid Lehnberg, Frontmann der Schweden-Emos Leiah, gibt sich mit seinem Nebenprojekt Ariel Kill Him die Ehre:
Zehn melancholische, ruhige Songs finden sich auf ?In The Pyramid? (Vinyl über Strange Fruit, CD über Kasual), Musik zum Abschalten und Dahinträumen. Atmosphärische Songs, die teils nur spärlich mit sanften Gitarrenmelodien oder Klavier begleitet werden, teils mit Drumcomputer, Keyboard und kleinen Effektspielereien in Stimme und Instrumentierung arbeiten. Ein wenig gleichförmig klingt das Ganze, ohne große Höhepunkte oder nennenswerte Spannungsbögen aufzuweisen. Aber das soll es vielleicht gar nicht, denn ?In The Pyramid? ist auch so ein schönes Album geworden. - Für die Tage geschaffen, an denen man verträumt und ein wenig wehmütig aus dem Fenster auf die verregnete Straße blickt …
"Wie Nudeln mit Parmesan"
28. Jun 2003 | von OliverDie Woche vor Pfingsten. Anruf bei Grand Hotel van Cleef, dem Label von Tomte. Der Meister höchstselbst meldet sich am Telefon. ?Hallo, hier ist Thees.? ?Äh, hallo, hier ist mainstage. Hättet ihr nicht Lust auf ein Interview bei Rock am Ring?? Gegenfrage: ?Um wie viel Uhr spielen wir da überhaupt?? ?Um Viertel vor sieben auf der Alternastage.? ?OK, geht klar, aber ruf mich kurz vorher noch mal auf dem Handy an, ich weiß ja jetzt noch nicht, wie aufgeregt ich dann bin.? ?Wird gemacht, bis dann.? ? So einfach kann das manchmal gehen.
Eine Woche später trafen wir Thees (Gesang, Gitarre) und Timo (Schlagzeug) kurz vor ihrem Auftritt auf der Alternastage. Und auch wenn eine gewisse Grundnervosität nicht zu verleugnen war, von echter Anspannung keine Spur?
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?Alle meinen, wir müssten jetzt wieder einen Hit schreiben?
28. Jun 2003 | von OliverEs ist noch gar nicht so lange her, da spielten Die Happy ihre Live-Shows noch vor weniger als hundert Nasen. Spätestens seit dem Erfolg ihres Major-Debüts ?Supersonic Speed? und dem Nachfolger ?Beautiful Morning? sind sie so etwas wie die Lieblinge der Nation geworden, was nicht nur an der Tourfreudigkeit der Band sondern auch an der professionellen Einstellung liegt. Ab und zu setzt sich im Musikbusiness halt doch die Qualität durch. Anfangs des Jahres nahmen Die Happy in Los Angeles ihr neues Album auf, das im August erscheinen wird. Genug Zeit, um vorher noch auf diversen Festivals die Massen zu begeistern. Bei Rock am Ring haben sich Sängerin Marta und Gitarrist Thorsten unseren Fragen gestellt.
<b> Seid ihr schon aufgeregt vor dem Gig heute Abend? </b>
<b> Thorsten: </b> Aufgeregt nicht, wir freuen uns und sind heiß zu spielen. Wir haben ja 1999 schon mal hier gespielt. Da waren Alternastage und Talent Forum noch in Zelten, da haben wir auf dem New Talent Forum gespielt und Kid Rock war Headliner. Den kannte hier noch kein Mensch. Jetzt mit der Alternastage ? das ist schon geil. Wir freuen uns mehr als dass wir aufgeregt sind.
<b> Marta: </b> Bei Clubshows sind das ja unsere Shows, und die Leute kommen wegen uns. Man schwitzt und ist den Fans nah. Bei den Festivals weht einem ein Lüftchen durch die Haare und man hat jede Menge Leute, die zwar nicht alle wegen dir kommen, die aber doch Spaß haben.
<b> Thorsten: </b> Das geile ist halt: man trifft viele Bands. Bei einem Festival geht es mehr darum, Leute zu treffen und andere Bands anzuschauen. Das Konzert an sich ist natürlich auch geil, vor 80.000 Leuten zu spielen, aber mir macht es fast am meisten Spaß, mir die Bands anzuschauen, die ich sowieso sehen will. Wir sind ja sonst jedes Wochenende unterwegs ? da kann ich mir keine Bands anschauen.
<b> Welche Bands wollt ihr denn sehen? </b>
<b> Marta: </b> Silverchair!
<b> Thorsten: </b> Ich wollte Sum41 sehen, aber die haben ja leider abgesagt. Dafür spielen jetzt Reamon ? da freue ich mich auch drauf, den Mike, den Schlagzeuger, zu treffen. Das ist ganz einfach nett, wenn man sich mal wieder trifft?
<b> Ihr spielt ja sehr viele Festivals, darunter auch das ?With Full Force?. Da spielt ihr zwischen Bands wie Sick Of It All und Slayer?</b>
<b> Marta: </b> Wir sind die Brotprobe. Wir sind das Brot zwischen dem Alkohol?
<b> Thorsten: </b> Wir haben da ja schon mal gespielt. Wie Marta schon sagt: die Leute sind die ganze Zeit am Wein saufen, und wenn sie zwischendurch mal etwas Brot bekommen, dann sind sie ganz heiß darauf. Wir wurden da das letzte Mal sehr gut aufgenommen.
<b> Das ist für die Ohren der Fans vielleicht auch mal ?ne Entlastung zwischen dem ganzen Geschreie?</b>
<b> Marta: </b> Das ist keine Entlastung, ich kann auch schreien (verstellt die Stimme)
<b> Direkt nach den ganzen Festivals geht ihr schon wieder auf Club-Tour. Gibt es nicht mal Momente, wo ihr euch den Urlaub herbeisehnt? </b>
<b> Marta: </b> Nein! Ich habe das erst heute wieder Nacht gemerkt: Wir haben in den letzten Monaten nicht so viel gespielt. Und als ich dann unseren Nightliner wieder gesehen habe und wie schon alle da standen mit einem Bier in der Hand ? da dachte ich: endlich wieder zu Hause!
<b> Aber die letzte Tour ist doch erst ein paar Monate her. Bis Neujahr habt ihr doch noch gespielt, und dann ward ihr auch schon wieder im Studio. Ist doch gar nicht sooo lange her?</b>
<b> Marta: </b> Doch! Ewig! Gut, dass es jetzt wieder losgeht!
<b> Was habt ihr nach eurer Winter-Tour gemacht? </b>
<b> Thorsten: </b> Im Januar waren wir einen Monat in Los Angeles und haben an unserem neuen Album gearbeitet. Dann waren wir für einen Monat in Dänemark und haben weiter aufgenommen. Bis Mitte April war dann alles abgemischt, und dann haben wir auch schon wieder angefangen, ein paar Shows zu spielen. Das ist jetzt hier unsere siebte oder achte Show in diesem Jahr.
<b> Das Album kommt aber erst im August raus. Warum dauert das so lange? </b>
<b> Thorsten: </b> Das liegt meistens an den Magazinen wie Rolling Stone, Visions und wie sie alle heißen. Wenn man will, dass die darüber berichten, dann müssen die natürlich auch vorher die Gelegenheit haben, das Album zu hören. Da die oft schon einen Monat vorher Redaktionsschluss haben, dauert das manchmal etwas länger. Wenn ein Album fertig ist, dauert es meistens noch so drei Monate bis es veröffentlicht wird. Außerdem kommen ja dann noch Videodreh und so weiter dazu, was ja auch Zeit kostet. Das ist aber besser so, als wenn man das alles so hektisch macht.
<b> Was können die Fans erwarten ? neuen Sound oder konsequente Weiterführung? </b>
<b> Marta: </b> Wir machen jetzt Punk-Metal (lacht). Nein, Scherz. Aber dazu muss Thorsten was sagen?
<b> Thorsten: </b> Ja genau. Sänger sind ja die Leute, die mit Musikern rumhängen? Also, das neue Album: wir trauen uns einfach mehr zu. Wir haben weder unsere harte noch unsere weiche Seite abgelegt. Wir trauen uns, etwas mehr in die Extreme zu gehen. Nach dem zweiten Album gab es Leute, die gesagt haben, es sei jetzt viel rockiger und es gab auch welche, die gesagt haben, es sei jetzt viel poppiger. Das wird bei diesem Album wieder so sein. Insgesamt klingt es ein bisschen frischer, nicht so nach Studio.
<b> Habt ihr irgendwie Druck verspürt von Fans, Label, Management oder Medien? </b>
<b> Marta: </b> Man hat immer ein bisschen Druck! Das hat damit zu tun, dass alle meinen, dass man wieder einen Hit schreiben muss. Solange man aber ganz genau weiß, was man will, ist es auch egal, was andere sagen.
<b> Thorsten: </b> Den meisten Druck macht sich jeder selbst, weil man an sich selbst die höchsten Ansprüche stellt. Aber wir hatten dieses Mal viel mehr Zeit als beim zweiten Album, und wir sind wirklich sehr zufrieden mit dem Ergebnis.
<b> Seid ihr lieber im Studio, auf der Bühne oder im Urlaub? </b>
<b> Marta: </b> Am besten alles in einem Jahr!
<b> Thorsten: </b> Das tolle an dem Beruf, den wir haben ist, dass er so vielseitig ist. Nach ein paar Monaten auf Tour ist man zwar froh, wenn man mal aus dem Tourbus aussteigen kann. Aber nach zwei Tagen wird?s dann auch schon wieder langweilig. Freunde hat man eh keine mehr, weil man so lange unterwegs war. Und dann ist es toll, wenn man dann wieder ins Studio gehen kann, um kreativ zu sein und neue Songs zu schreiben. Dann kommen die Interviewreisen, wo man den Leuten zeigen kann, dass man was Neues gemacht hat. Man kommt da von einem schönen Moment zum nächsten. Das ist immer toll ? ob man jetzt auf Club-Tour ist oder im Studio.
<b> Wenn ihr auf Tour geht, habt ihr ja oft eine Newcomer-Band dabei. Mit welcher großen Band würdet ihr denn gerne mal spielen? </b>
<b> Thorsten: I</b> ch würde ja gerne mal mit Bon Jovi auf Tour gehen?
<b> Marta: </b> Neeeeiiin!! Neeeiiin!!!
<b> Thorsten: </b> Nicht weil ich so sehr auf deren Musik stehe ? wobei wir das in den 80ern doch alle gehört haben. Ich fände es einfach geil, jeden Abend in einem Stadion vor 60.000 Leuten zu spielen. Das würde mich reizen!
<b> Über eure Internetseite habt ihr sehr engen Kontakt zu euren Fans. Ihr schreibt Tagebücher, Studioberichte, Tourberichte, es gibt auch viele Fotos. Ihr macht das alles selbst. Wann habt ihr dafür Zeit? </b>
<b> Marta: </b> Die Berichte schreibe ich meist nach den Konzerten. Vor allem mache ich aber die ganzen Fotos. Die Kamera habe ich immer umhängen und ich knipse alles, was mir vor die Linse läuft. Das macht tierisch Spaß!
<b> Es gibt euch nun schon recht lange, der Durchbruch ist aber noch gar nicht so lange her. Gab es Momente, in denen ihr daran gezweifelt habt, mit der Musik so weit zu kommen? </b>
<b> Thorsten: </b> Wir waren mal kurz vor einem Plattenvertrag mit einem größeren Major, und der kam dann nicht zustande. Da fängt man natürlich schon an nachzudenken. Aber ich hab das dann zum Anlass genommen, eben nicht aufzugeben und hab mir gesagt: ?wenn man so jemanden überzeugen konnte, dann kann man auch andere überzeugen!? Man sollte nie aufgeben!
<b> Wie lange wollt ihr das noch machen: Album, Tour, Album, Tour? </b>
<b> Marta: </b> Mal schauen, ich weiß nicht, ob wir diesen schnellen Rhythmus beibehalten können, immerhin bin ich eine Frau und will irgendwann auch mal ein Kind haben - wenn ich den richtigen finde! Aber ansonsten: Die Rolling Stones gibt es ja auch noch? Es spricht ja auch nichts dagegen, mal etwas anderes nebenbei zu machen?
<b> Thorsten: </b> Das ist ja auch das Geheimnis der großen, erfolgreichen Bands: die arbeiten einfach konstant und immer wieder. Wenn man mal irgendwann nichts mehr von sicher hören lässt, dann ist man schnell verschwunden. Wenn man aber ständig arbeitet, dann kommt man auch voran. Von daher ist auch Auflösen gar kein Thema. Man kann ja irgendwann mal sagen ?wir machen jetzt mal ein paar Soloprojekte?, aber man muss das ja nicht für endgültig sehen. Diese Band wird noch lange bestehen!
Das Interview führten Emrah und Oliver
Erfahrene Newcomer
28. Jun 2003 | von OliverAuch wenn ?Grace Under Pressure? das Debüt von Underwater Circus ist, so haben wir es hier nicht mit Anfängern zu tun. Ganz im Gegenteil. Der ehemalige Milk auf Ex-Frontmann Markus Schultze (auch bekannt als Moderator bei MTV) hat es sich in seiner Wahlheimat Berlin mit neuen Musikern zur Aufgabe gemacht, endlich einmal eine Platte aufzunehmen, bei der von vorne bis hinten alles stimmt. Und das ist gelungen. Wie es dazu kam, wollten wir von Markus (Gesang, Gitarre), Alberto (Gitarre), Cindia (Bass) und Moritz (Schlagzeug) wissen, als wir uns im Vorfeld ihres Rock am Ring-Gigs gemeinsam an einen Tisch setzten.
<b> Eure Platte klingt sehr eigenständig und international. Meist versucht man ja, Vergleiche zu ziehen, das fiel mir bei euch schwer? </b>
<b> Markus: </b> Definitiv! Das war zwar nicht das erklärte Ziel, aber wir haben das schon irgendwie angestrebt. Wir konnten in vielen Soundfragen selbst entscheiden und sind sehr happy darüber, wie die Platte klingt. Es war aber nicht so, dass wir vorher genau wussten, so und so wird es sein! Wir haben einfach bei jedem Song versucht, das rauszuholen, was wir selbst darin gesehen und gehört haben. Das ist der Stand der Dinge!
<b> Klingt auch gar nicht deutsch? </b>
<b> Markus: </b> Du bist nicht der erste, der das sagt. Was ist denn bitte der deutsche Sound?
<b> Weiß ich nicht. </b>
<b> Markus: </b> Siehste, wir auch nicht! (lacht)
<b> Was sagt ihr zu dem Einwand, dass die Platte für einen Erstling fast schon zu gut ist? </b>
<b> Markus: </b> Das kann ich zum Teil nachvollziehen. Aber nur zum Teil, denn es gibt auch einige unerwartete Momente und unerwartete Songs auf der Platte. In ihrer Bandbreite ist die Platte doch sehr abwechslungsreich: Wenn man z.B. ?Demons In Underwear? und ?Waxing Moon? vergleicht ? das sind komplett andere Filme! Über die Strecke des Albums sind viele Überraschungen drauf! Soundmäßig kann ich diesen Einwand ein bisschen nachvollziehen. Das ist unsere erste gemeinsame Platte und wir sind auf einem guten Weg. Die nächste wird sicherlich ein bisschen anders klingen. In welche Richtung das geht, muss man sehen, aber es wird sicherlich kein Abklatsch dieses Albums sein.
<b> Ihr seid bei ?Pirate Records?, dem Label von Michael Mittermeier. Wie kam es dazu? </b>
<b> Alberto: </b> Wir sind den klassischen Weg gegangen, den auch andere Bands gegangen sind: Wir waren eine normale Proberaum-Band, die ein Demoband aufgenommen hat. Unser Manager hat bei den Labels durchgeklingelt, und daraufhin gab es dann verschiedene Angebote. Auch von Major-Firmen. Wir hatten dann die Wahl, ob wir uns für ein kleines Label entscheiden, wo alles etwas familiärer ist und wo jeder jeden kennt, oder ob wir uns für ein großes Label entscheiden. Das war eine reine Bauchentscheidung. Wir haben uns dann mit den Leuten von Pirate Records in Berlin getroffen, und die haben ein paar Sachen gesagt, wo wir echt ein gutes Gefühl hatten.
<b> Markus: </b> Es gab mehrere Angebote, und wir hatten kurzzeitig ernsthaft auch ein Major in Erwägung gezogen. Letztlich war aber dieses eine Treffen mit Pirate in Berlin entscheidend. Ich bin ein extrem geprägtes Kind was diese Major-Geschichte angeht. Ich hatte mit meiner letzten Band ?Milk Auf Ex? einen Major-Deal, und ohne der Plattenfirma jetzt die Schuld am Niedergang dieser Band geben zu wollen: Ich habe gesehen, was es bedeutet, wenn zig Bands bei derselben Firma unter Vertrag sind, wo zig Leute arbeiten, die sich ständig abwechseln mit einer unglaublichen Rotation. Da ist es ganz schwierig, bei denen voranzukommen und nicht hinten runter zu fallen. Wir haben noch keine Sekunde bereut, dass wir diese Entscheidung getroffen haben. Wir wissen, dass wir eine von wenigen Bands sind, und dass man uns betreut. Das ist besser als sagen zu können, dass man bei der oder der Plattenfirma unter Vertrag ist, die jeder kennt. Pirate kennt auch bald jeder!
<b> Dass du bei MTV als Moderator arbeitest, wird von euch kaum erwähnt. Das hätte doch auch viele Türen öffnen können? </b>
<b> Markus: </b> Das ist ein zweischneidiges Schwert. Das ist wie bei allen Dingen auch: es gibt Vor- und Nachteile. Das hat uns mehrere Türen geöffnet, hat aber eben auch schon ein paar andere zugemacht. Es ist ja nicht so, dass ich das komplett verheimliche, dass ich da arbeite. Das wäre ja Quatsch, ich verstecke mich ja nicht davor. Ich mache diesen Job auch gerne, und ich mache es auch immer noch, nur eben weniger. Aber das hat mit der Band nicht wirklich viel zu tun! Außer, dass ich häufiger mal nicht proben kann, weil ich irgendwo hin muss. Deshalb finde ich es unnötig, damit hausieren zu gehen. Das stößt auch vielen Leuten bitter auf!
<b> Warum? </b>
<b> Markus: </b> In letzter Zeit gibt es ja viele Serienstars, Schauspieler oder Moderatoren, die auf einmal Musik machen. Die sind dann schon mal berühmt und mit der Musik meist automatisch erfolgreich. Das ist ein unserem Genre ja eher schwierig. Bei mir ist der Weg auch ein ganz anderer: Musik mache ich schon ewig!
<b> Wenn du irgendwann zeitlich nicht mehr alles unter einen Hut bekommst und dich entscheiden müsstest zwischen MTV und der Band?? </b>
<b> Markus: </b> Ich lass die Zukunft auf mich zukommen. Im Moment bin ich mit der Band unterwegs. Das ist das, was ich mir immer gewünscht habe. Ich bin lange nicht mehr so glücklich gewesen! Natürlich bin ich nebenbei immer wieder bei MTV. Da bin ich jetzt aber auch schon das dritte Jahr, und irgendwann wird man da auch gesichtsalt und kommt da gar nicht mehr durch. Es wird immer einen Weg geben. Im Moment kommen wir alle miteinander klar.
<b> Mal an den Rest der Band: Euer Sänger hat gerade gesagt, er lasse das auf sich zukommen. Hört ihr das gern? </b>
<b> Alberto: </b> Ich weiß gar nicht, wie er das meint. (lacht) Es ist ja wohl nicht so, dass er im nächsten Jahr weg ist?
<b> Markus: </b> Das muss ich korrigieren: Es steht überhaupt nicht zur Debatte, irgendwann nicht mehr in dieser Band zu spielen. Die steht an erster Stelle! Ich lasse alles andere ? also neben der Band ? auf mich zukommen. Die Band steht da völlig außen vor!
<b> Wie funktioniert das mit der Doppelbelastung MTV und Band? </b>
<b> Markus: </b> Die Doppelbelastung sieht so aus, dass ich schon fast nicht mehr weiß, wann ich den letzten freien Tag hatte. Beides kostet viel Zeit. Solange ich aber morgens noch aus dem Bett komme und noch einigermaßen aus den Augen gucken und sprechen kann, wird das auch so weiter laufen.
<b> Cindia, du warst vorher in der Band von Farin Urlaub bis du genau vor einem Jahr hier bei Rock am Ring von Markus angesprochen wurdest. Wie war es mit Farin auf Tour? </b>
<b> Cindia: </b> Mit Farin auf Tour zu sein heißt in erster Linie, dass man Leute für alles hat und dass man einen lustigen Chef hat. Trotzdem ist es ein bezahlter Job. Das sind nicht deine eigenen Stücke und man muss nichts machen, weil für alles gesorgt ist. Das ist zwar alles lustig, aber man ist eben nicht selbst verantwortlich. Mit Underwater Circus ist man mehr selbst am Machen, man ist direkt beteiligt und selbst verantwortlich. Bei Farin muss man sich halt keine Sorgen machen, dass er irgendwann mal die Miete nicht zahlen kann?
<b> Musst du dir hier Sorgen machen? </b>
<b> Cindia: </b> Naja, ein bisschen? (lacht)
<b> Markus, nach Milk auf Ex und vor Underwater Circus hast du ab und zu auch allein gespielt, oder? </b>
<b> Markus: </b> Ja, ich habe immer mal so Akustik-Liederabende gemacht, wo ich meine persönlichen Lieblingslieder gespielt habe. Da habe ich dann auch immer ein paar eigene mit eingestreut.
<b> Warum hat es so lange gedauert, bis du neue Musiker gefunden hast? </b>
<b> Markus: </b> Es hat lange gedauert, bis ich überhaupt wieder Musik gemacht habe. Nach dem Zusammenbruch meiner letzten Band habe ich ein Jahr lang überhaupt keine Musik gemacht, weil ich sehr enttäuscht und geknickt war. In dieser Zeit hab ich an mir und der Welt gezweifelt. Ich habe dann erst mal wieder zart angefangen, weil ich keinen Bock hatte, mich wieder von anderen abhängig zu machen. Mit ein paar Kumpels aus Braunschweig ging es dann irgendwann wieder los und daraus ist dann letzten Endes diese Band erwachsen: Richtig ernsthaft wurde es, als Moritz und ich uns entschlossen hatten, dass wir diese Band unter diesem Namen weiterführen werden. Vor zweieinhalb Jahren haben wir uns dann entschieden, uns zum Trio zu erweitern. Mit Alberto war es so, dass uns immer wieder gegenseitig voneinander erzählt wurde, und da war es nur eine Frage der Zeit, bis wir uns mal kennen gelernt haben. Letztes Jahr kam dann schließlich Cindia dazu, die ich hier bei Rock am Ring in der Band von Farin Urlaub gesehen habe und dann irgendwann angesprochen habe?
<b> Wenn man auf eure Hompage schaut, würde man nicht vermuten, dass ihr eine neue Band seid. Was da an Informationen drauf ist, reicht für Stunden. Das sieht alles sehr professionell aus. Zu professionell für einen Newcomer? </b>
<b> Alberto: </b> Die ist vom Design her zwar sehr aufwendig, aber inhaltlich ist sie eigentlich sehr schlicht. Es steht halt sehr viel drauf. Aber ich hätte es früher auch schön gefunden, von meiner Lieblingsband mal ein ausführliches Tourtagebuch zu sehen?
<b> Markus: </b> Ich finde diesen Punkt eigentlich ganz interessant: ?zu gut, zu schön? Was soll das?
<b> Wir sind in Deutschland, da wird doch immer nach etwas gesucht? </b>
<b> Markus: </b> Ja eben, das ist nämlich schon so ein deutsches Ding. Die Leute, die diese Seite gemacht haben, waren mit sehr viel Enthusiasmus, Liebe und Begeisterung bei der Sache und wir sind extrem stolz auf diese Sache und wir freuen uns da tierisch drüber. Und immer diese Kritik, wenn etwas sehr gut geworden ist: ?zu gut? ? das geht eigentlich nicht!
<b> Ihr habt gerade eure Clubtour hinter euch gebracht. Wie war?s? </b>
<b> Cindia: </b> Anstrengend!
<b> Das war jetzt die erste eigene Tour, vorher ward ihr immer als Support z.B. mit den Guano Apes unterwegs. Ihr hattet doch ein paar Bedenken, wie viele Leute jetzt zu euren eigenen Konzerten kommen würden? </b>
<b> Cindia: </b> Wenn man jetzt im Sommer um acht Uhr spielt, kommt man schon ins Grübeln, ob bei der Hitze viele Leute kommen werden. Das ist kein Vergleich zu den Konzerten mit den Guano Apes. Aber ich war dann doch sehr angenehm überrascht!
<b> Alberto: </b> Gestern haben wir z.B. in Aschaffenburg gespielt, da waren 150 Leute da. Wir haben uns tierisch gefreut, weil die alle wegen uns gekommen waren!
<b> Markus: </b> Eine Regel, die ich auch bei MTV schon gelernt habe, lautet ?es ist immer alles anders?. Wenn man irgendwelche Erwartungen an einen Abend hat, wird es garantiert genau anders. In Aschaffenburg das war der Hammer! Wir haben uns den Arsch abgefreut, weil wir gemerkt haben, dass da Leute sind, die wirklich Bock hatten zu feiern. Auch wenn es nur 150 waren. Als wir auf einem Uni-Fest in Albertos Heimat gespielt haben, waren z.B. bestimmt 1500 Leute da. Da haben wir vorher gedacht, da brennt die Luft. Alles was dann aber gebrannt hat, war die Anlage, die nämlich nach und nach abgeraucht ist. Den Leuten war das egal, weil die sowieso nur Bier saufen wollten, und wir waren nur das Beiwerk. Das sind sehr lehrreiche Erfahrungen. Die Apes-Tour war schon sehr lehrreich, aber die Clubtour ist noch viel lehrreicher! Gerade, weil wir es komplett allein durchziehen: man muss selbst fahren, merchen usw. ? das ist ein echter Fulltime-Job!
<b> Ihr spielt heute ja recht spät im New Talent Forum. Da werden sicherlich auch einige Leute sein, die nur saufen wollen? </b>
<b> Markus: </b> Saufen ist ja auch nicht das Problem, das macht man ja manchmal gern. (lacht) Wenn man feststellt, dass das Saufen jetzt das Wichtigere von beidem ist, das ist nicht so toll. Die Bühne steht ja jetzt an einer Stelle, wo ziemlich viel Durchlauf ist. Wir hoffen, dass dann einige Leute stehen bleiben, wenn wir spielen. Wenn wir nicht vor einem leeren Platz spielen, dann wär? schon alles gut?
Das Interview führten Oliver und Emrah
Indie für immer!
28. Jun 2003 | von OliverDeutschlands Indie-Hoffnung Blackmail sind mit ihrem aktuellen Album ?Friend Or Foe? nicht zum ersten Mal in aller Munde. Bereits mit dem Vorgänger ?Bliss Please? und der Hitsingle ?Same San? hatten sie den Insider-Status längst verlassen. Gute Kritiken und Lob ohne Ende prasselte auf die Koblenzer herab. Wir trafen einen völlig entspannten Kurt Ebelhäuser, der nicht nur die Klampfe bei Blackmail bedient, sondern auch für die Produktion zuständig war. Der Mann weiß, was Sache ist, und so gab es einiges Interessantes zu hören. Aber lest selbst?
<b> Rock am Ring ist doch bestimmt ein Heimspiel für euch, oder? </b>
<b> Kurt: </b> Eigentlich nicht. Wir spielen ja jetzt schon das dritte Mal hier, vorher hab ich auch schon mit meiner anderen Band Scumbucket hier gespielt, aber ein Heimspiel ist es nicht. Viele Koblenzer sind hier schon mal nicht, und das Publikum ist auch mehr Mainstream, die kennen uns ja alle gar nicht. Bei Festivals ist das ja auch immer so ein bisschen wie am Fließband. Rauf auf die Bühne, halbe Stunde spielen, wieder runter. Das ist ein Job, der Spaß macht, denn man muss ein bisschen mehr arbeiten, wenn einen das Publikum nicht kennt.
<b> Schaut ihr euch denn auch andere Bands hier an? </b>
<b> Kurt: </b> Also wie spielen ja mit den meisten Bands auch auf den anderen Festivals, da können wir die anschauen. Heute bin ich ein bisschen müde. Das einzige, worauf ich mich wirklich freue und was ich mir auf jeden Fall ansehen will, ist Iron Maiden?
<b> Das wollen irgendwie alle?</b>
<b> Kurt: </b> Das muss einfach geguckt werden! Cardigans würde ich mir auch noch gern anschauen vielleicht, hab ich aber auch schon mal gesehen. Ansonsten - ich bin ja nicht so?n Musikjäck, dass ich mir jedes Konzert angucke?
<b> Ist Musik für dich denn eher Job oder Leidenschaft? </b>
<b> Kurt: </b> Sobald man auf der Bühne ist, ist es Leidenschaft! Ohne geht?s gar nicht. Wenn man es als Job sieht, kann man auch einpacken und nach Hause gehen. Dann entsteht keine Musik.
<b> Du produzierst ja auch. Wie ist es da? </b>
<b> Kurt: </b> Dann ist es auch Leidenschaft. Je nachdem: wenn mir die Band nicht gefällt oder auf die Nerven geht, dann ist es Job. Das wechselt. Manchmal Job, manchmal Leidenschaft ? das ist beim Produzieren etwas schwieriger. Beim Spielen kann man es drehen und wenden wie man will, das ist immer Leidenschaft. Beim Produzieren muss man auch viele Kompromisse eingehen und die anderen zufrieden stellen ? da fängt dann der Job an. Ich muss aber auch zufrieden sein. Wenn ich mir z.B. eine CD anhöre, die nicht sofort kickt, dann höre ich mir das nie wieder an.
<b> Dann haben es aber Bands schwer, die von dir produziert werden wollen. Sie haben nur eine Chance?</b>
<b> Kurt: </b> Deswegen produziere ich ja auch! Ich will es ja dahin bringen, dass es mir gefällt.
<b> Aber was würdest du denn sagen, wenn sich jemand eure Platte nur ganz kurz anhört sagt, das kickt nicht? </b>
<b> Kurt: </b> Das ist ja deren Sache. Ich hab das schon oft gesehen, dass jemand die CD sofort wieder raus nimmt und sagt, dass es ihm zu kompliziert ist. Viele verstehen unsere Musik nicht. Sie ist ja auch sehr eigen. Ich kenne ? bis auf Harmful ? keine deutsche Band, die so sehr in ihrer eigenen Suppe rumkocht. Unsere Plattenfirma hatte uns auch mal angeboten, für zwei Wochen nach London zu gehen, um mal etwas anderes auszuprobieren und mit einem anderen Produzenten zu arbeiten. Wir waren dann bei Andy Chill, der auch schon Platten von den Red Hot Chilli Peppers produziert hat. Der hat nichts verstanden. Der dachte die ganze Zeit, wir hätten falsche Harmonien. Das ist unglaublich! Der meinte die ganze Zeit: ?das kannste nicht machen, das ist ?ne falsche Harmonie!? Letztlich haben wir keinen dieser Songs verwendet. Nicht eine Sekunde davon ist auf Platte gekommen?
<b> Du produzierst viel, hast Nebenprojekte ? In wie weit beeinträchtigt das die eigene Band? </b>
<b> Kurt: </b> Zeit! Das ist das einzige Problem. Und immer müde sein! Wir haben jetzt die Festivals, dann komme ich nach Hause, produziere Bands bis in die Nacht hinein, am nächsten Morgen fahre ich zum nächsten Festival ? und so geht das weiter bis Ende August! Und dann geht?s schon wieder ins Studio mit Scumbucket. Das einzige Problem ist die Zeit: für sich selbst bleibt nichts und man ist dauernd im Arsch!
<b> Ihr spielt ja auch ziemlich viele Festivals. </b>
<b> Kurt: </b> Ja, ich glaube 22, die sind noch gar nicht alle gelistet. Und ab Oktober geht dann die Clubtour los.
<b> Dafür, dass dir Festivals nicht so gefallen, sind es aber ganz schön viele?</b>
<b> Kurt: </b> Aber das geht ja gar nicht anders. Im Sommer kann man ja keine Clubtour machen. Da spielt man dann vor 600 Leuten. Bei dem Wetter geht keiner in einen Club, wenn man die Band auch auf einem Festival sehen kann. Für eine kleine Band wie uns ist das überhaupt nicht rentabel. Wir spielen auch ein paar Festivals, die wir eigentlich nicht spielen würden, bzw. eins, das ich persönlich sehr grausig finde?
<b> MTV-Campus Invasion? </b>
<b> Kurt: </b> Ja! Da passen wir nicht hin. Wir spielen da mit Xavier Naidoo und Guano Apes. Das passt nicht. Früher hätten wir so was abgesagt, dieses Mal haben wir gesagt: wir probieren mal das, was wir sonst immer gemieden haben. Man kann das ja auch cool über die Bühne bringen. Wir spielen unser Zeug und schauen mal, was passiert?
<b> Zum neuen Album ?Friend or Foe?: ist ein bisschen rockiger geworden. </b>
<b> Kurt: </b> Ja!
<b> Beim letzten Album war das teilweise so ein Garagensound. Dieses Mal ist es viel direkter. Liegt das an der Erfahrung, die du mittlerweile als Produzent hast, oder war das eine Richtung die ihr sowieso ansteuern wolltet? </b>
<b> Kurt: </b> Da wollte ich schon hin. Die neue Platte ist zwar nicht super-brillant, aber schon brillanter als die Platte davor. Bei ?Bliss Please? haben wir ein bisschen Scheiße gebaut. Die neue klingt jetzt ein bisschen so wie unsere zweite Platte ?Science Fiction?. Die war ähnlich brillant. Man lernt ja auch dazu.
<b> Normalerweise sagen Bands ja immer, die neue Platte sei die beste bisher?</b>
<b> Kurt: </b> Ich rede ja nur vom Sound! Sonst sage ich so etwas eigentlich nie. Die ?Bliss Please? ist für mich die schlechteste Platte, die wir bisher gemacht haben. Bei dieser sind wir wieder zu den Roots zurückgegangen. Die gehört für mich zu einer der besseren Platten!
<b> Irgendwo war zu lesen, die neue Platte sei mutiger?</b>
<b> Kurt: </b> Weiß ich auch nicht, warum die das schreiben. Mutiger in dem Sinne vielleicht, dass wir jetzt bei einem großen Major sind, und dass man erwartet, dass da jetzt viele Hits drauf sind und dass wir jetzt auch major-mäßig arbeiten mit Refrain, C, D, G und so ? das kennt man ja: die meisten Bands, die früher bei einem Indie-Label waren und dann zu einem Major gehen, die werden dann meist seichter und eingängiger. Und wir hatten halt den Mut, dass wir keinen klassischen Hit und keine typische Single drauf hatten. Als die Platte fertig war, waren nur komplizierte Sechs-Minuten-Nummern drauf, die sonst wohl keiner gerafft hätte, und da haben wir sogar selbst gedacht, das ist zwar alles schön und experimentell, aber irgendwo?
<b> Oder hat euch das Label zurückgepfiffen? </b>
<b> Kurt: </b> Ja die fingen auch an: alles ein bisschen kompliziert und so weiter. Aber wir bestimmen ja. Wir haben zum Glück einen Vertrag, wo wir machen können, was wir wollen. Aber wir haben dann gemerkt, dass wir im Moment doch eher zu kurzen komplizierten Songs tendieren und nicht zu den langen, ausufernden Dingen. Und da haben wir dann noch ein paar neue Songs gemacht und die auf die Platte gepackt. Und mutig ist halt ? um das noch mal aufzugreifen ? dass diese Platte eigentlich keine Major-Platte ist, sondern immer noch eine Indie-Platte!
<b> Was bedeuten denn die Begriffe Alternative und Independent überhaupt? </b>
<b> Kurt: </b> Independent heißt bei den Plattenfirmen ja klein. Alternative ist für mich orientierte Musik. Independent ist nicht orientierte Musik. Die ganzen Pop-Sachen sind für mich alle Indie. Da gibt es nur eine handvoll Alternative-Platten. Alternative ist kommerzieller, die orientieren sich an anderen Bands. Wie z.B. die ganzen Bands, die nach Eddie Vedder klingen wollen. Das ist Alternative. Wenn man dann mal eine Band traf, die was ganz anderes gemacht hat, das war Indie, weil die wirklich unabhängig sind.
<b> Seid ihr dann mehr Alternative oder mehr Independent? </b>
<b> Kurt: </b> Ich bin gern Indie! Indie von mir aus für immer! Da denken zwar viele immer an klein, aber Alternative ist nicht so mein Begriff.
<b> Dadurch, dass ihr die Platte im eigenen Studio selbst produziert habt, hattet ihr auch mehr die Hand drauf, was daraus wurde?</b>
<b> Kurt: </b> Das hätten wir sowieso! Es gibt nichts Schlimmeres, als ein Major, dass dir reinredet, was du zu tun hast. Ich kenne einige Bands, die sich damit ihre Platten versaut haben. Die Majors sind gut und sorgen dafür, dass du deine Brötchen verdienst. Sie sind aber nicht musikalisch in dem Sinne. Wenn die dir sagen, du musst dass so und so machen und dann hörst du darauf, dann kommt da oft Scheiße bei raus. Die wissen gar nicht, wie unser Publikum reagiert. Das sind die Götter, denn das sind die Leute, die uns ernähren. Und die Majors glauben manchmal, dass sie besser wissen, wie die Leute draußen denken, und ? jetzt hab ich den Faden verloren. Immer wenn es darum geht, über Majors zu lästern, rede ich mich so in Rage. Also wir fühlen uns bei unserem Major jedenfalls sehr wohl!
<b> Und als ihr denen gesagt habt, dass ihr das neue Album selbst produzieren wollt, fanden die das okay? </b>
<b> Kurt: </b> Da hatten die nichts dagegen. Unser Major ist 1a! Ich kann allen Bands nur empfehlen da hinzugehen. Man hat alle Freiheiten. Du kannst machen was du willst. Wir dürfen uns die Single aussuchen, das Video selbst kreieren ? wir machen alles so wie früher, nur dass es uns jetzt nichts kostet, weil wir nicht mehr alles aus eigener Tasche zahlen müssen.
<b> Im Booklet sind keine Fotos, keine Texte. War das Absicht, damit die Musik im Fokus ist? </b>
<b> Kurt: </b> In der heutigen Zeit muss man aufgrund der Brennerei ja alles interessant gestalten. Wir hatten vor, die Platte regulär raus zu bringen, ohne Texte und so, und dann eine Limited Edition in so einem Pappschuber, wo noch Platz ist für die EP, die in den nächsten Wochen rauskommt. Eigentlich wollten wir beides gleichzeitig rausbringen, aber das hat vom Termin her nicht hingehauen. Auf der EP sind dann die Texte drin, und da ist neben ein paar anderen Songs auch die Single drauf, die aber nicht auf dem regulären Album drauf ist. Wir haben uns halt mal Gedanken gemacht, wie man das alles ein bisschen interessanter gestalten kann und wie man die Leute vielleicht auch mal wieder zum Sammeln bringen kann, damit die nicht immer alles runterbrennen. Unsere Plattenfirma hat ja auch schon gesagt, dass unsere nächste Single der Oberhammer wird. Wir wollten den Song eigentlich gar nicht machen. Die hatten den Song zufällig gehört und meinten gleich ?Der Hammer! Da kriegen wir alle mit!? und wir nur ?ja, ja, sicher.? Aber dann haben wir uns gedacht: Wir haben noch nie das getan, was die Plattenfirma gesagt hat, wir können das ja mal ausprobieren und die Single nehmen, die die haben wollen. Aber die kommt dann nicht auf die Platte, weil die da eigentlich nicht hingehört. Deswegen die EP! Ich bin mal gespannt, ob die Plattenfirma Recht hat?
<b> Auf der Seite eures Labes war folgendes Zitat zu lesen: ?Wären Blackmail Amerikaner, würden sie Millionen von Platten verkaufen, mit den Queens Of The Sone Age auf Tour gehen und sich die Billboard-Charts von ziemlich weit oben ansehen. Blackmail kommen allerdings noch immer aus Koblenz, spielen stattdessen auch diesen Jahr wieder auf dem Southside mittags um zwölf Uhr.? Kommt da Ärger auf? </b>
<b> Kurt: </b> Mir ist das egal! Hauptsache wir spielen und den Leuten gefällt?s. Da ist es mir auch egal, um welche Uhrzeit. Da kann man halt nichts dran ändern. Das liegt an den Veranstaltern. Wenn die uns als Band nicht respektieren und uns als Indie-Band ansehen und dann sagen ?Ah ja Indie-Band ? zwölf Uhr?, dann kann man nichts machen. Das Label kann da auch nicht viel pushen. Der eine oder andere in der Band ist dann vielleicht mal sauer, weil wir vor zwei Jahren auch schon um zwölf Uhr angefangen haben, aber wir sind da auch keine Band, die Ärger macht und sich aufdrängt. Wenn die Leute einen nicht wollen, dann sollen sie auch nicht. Aufdrängen ist das Schlimmste, was es gibt. Als wir bei der ?Bliss Please? hier um zwölf Uhr angefangen haben, waren immerhin 2000 Leute da ? mir reicht das. Es ist halt Scheiße, weil man um neun Uhr morgens schon da sein muss.
<b> Würdet ihr hier besser ankommen, wenn ihr aus Amerika kommen würdet? </b>
<b> Kurt: </b> Wir würden uns wahrscheinlich nicht die Billboard-Charts ständig von oben anschauen, und zwanzig Millionen Platten verkaufen, aber das würde schon helfen. Bei deutschen Bands ist das Image oft wichtiger, als bei den amerikanischen. Ich war letztes Jahr mit meiner anderen Band Scumbucket auf Tour. Da haben wir uns ordentlich die Kanne gegeben ? aber immer noch gut gespielt, das können wir ja! Da standen Jägermeister-Flaschen und Wodka-Flaschen auf der Bühne, wir haben alles gehimmelt und auch im Publikum immer verteilt, aber nach vier, fünf Konzerten gab?s dann die ersten Interneteinträge ? mein Bruder hatte mich schon angerufen, und gefragt was los sei, und dass wir mal aufhören sollten zu saufen ? da hieß es dann, ?Scumbucket ? geiles Konzert aber das sind ganz widerliche Säufer!? Ich kann mich erinnern: vor vier Jahren haben wir mit Monster Magnet gespielt ? und da waren alle begeistert, dass da Jack-Daniel?s-Flaschen auf der Bühne standen. Da hieß es nur ?geile Rock ?n? Roll-Fans, saufen was das Zeug hält usw.?. Bei denen ist das in Ordnung, aber wenn wir das machen, dann wird darüber hergezogen. Viele Leute suchen nur einen Grund zum Lästern. Das liegt aber vielleicht auch daran, dass Bands gefeatured werden, die eigentlich nur Scheiße sind. Während viele gute Bands, die das Image vielleicht aufbessern würden, im Untergrund sind. Wir haben hier nun mal Bands wie Emil Bulls, Liquido, Reamonn usw. mit denen ich mich nicht identifizieren kann. Davon gibt es viel zu viele!
<b> In den Medien werdet ihr eigentlich sehr gut behandelt. In der Visions Platte des Monats, ihr bekommt vierseitige Artikel, werdet als Deutschlands beste Alternative-Band bezeichnet ? da könnt ihr euch doch nicht beschweren?</b>
<b> Kurt: </b> Nein, das ehrt einen auch. Ich glaube auch, dass wir doch irgendwo schon gute Musik machen! Der eine oder andere mag vielleicht den Stil nicht, aber man kann nicht sagen, dass das Scheiße wäre. Es gibt andere Bands, die vielleicht einen anderen Stil machen, die das dann aber scheiße umsetzen. Ich lese das zwar nicht groß, aber das ehrt einen schon.
<b> Welche deutschen Bands haben ein solches Echo noch verdient? </b>
<b> Kurt: </b> Das gibt?s einige. Z.B. Harmful ? das ist eine super Band, die hätten das auch verdient. Ich wollte eigentlich aufhören mit dem Dissen, und ich werde da auch keine Namen nennen, aber es gibt einige Bands, die ihren Erfolg eigentlich gar nicht verdient haben weil die sehr mathematisch vorgehen. Die sehen nur ?Ah, Skatervideo ist gerade in ? dann machen wir das doch auch jetzt, dann kriegen wir die Kids?. Vor denen habe ich keinen Respekt. Die machen das aber nicht aus idealistischen Gründen. Aber ich wollte mich über so was auch gar nicht mehr aufregen! Wenn die das so machen wollen, dann sollen sie das tun. Aber es gibt da einige gute deutsche Bands: Alles, was bei Blue Noize am Start war, war sehr gut. Die hatten Bands unter Vertrag, die gab?s noch nie in Deutschland, die hätten das alles verdient gehabt. Leider haben die sich nach und nach alle aufgelöst, weil das zu wenige hören wollten.
<b> Habt ihr mal überlegt, ein eigenes Label zu gründen? </b>
<b> Kurt: </b> Wir haben jetzt einen eigenen Verlag, damit fangen wir erstmal an. Wenn man jetzt ein eigenes Label macht, steckt man wahrscheinlich nur rein. Es sieht ja in der Musikbranche nicht gerade gut aus zurzeit. Da muss man mal abwarten, wie sich das entwickelt. Auf jeden Fall wäre man dann noch freier, denn ein paar Kompromisse muss man ja immer eingehen.
Das Interview führten Oliver und Emrah
Dropkick Murphys - Blackout
27. Jun 2003 | von RobertEs ist schon ein Weilchen her, als mir die Dropkick Murphys das erste Mal unter kamen. Nun liegt ihr neuestes Werk vor. ?Blackout? heißt das neue Teil, erschienen auf Hellcat, enthält 14 Songs und im Special Digi Pack auch eine Bonus DVD mit Live Aufnahmen vom St. Patricks Day Konzert 2002, ?Rocky Road to Dublin? und ?Boys on the Docks?. Dazu gibt es einen Trailer für die richtige DVD der Dropkick Murphys, die 2004 auf den Markt kommen wird und ein Musikvideo ?Gonna be a Blackout tonight? vom neuen Album.
Apropos neues Album. Kommen wir dahin zurück. Musikalisch ist hier den Murphys, wie ich finde, ein absolutes Schmankerl gelungen, was vielleicht erst nach einigen Durchläufen zündet, aber ein total geniales Scheibchen geworden ist. Teilweise haben die Murphys ihre traditionellen Wurzeln ein wenig zurückgefahren, wie bei ?Gonna be a Blackout Tonight? oder ?Time to go? , allerdings teilweise auch erhöht, wie bei ?The dirty glass?, wo sie durch Stephanie Dougherty an Vocals ergänzt werden, die ihre Sache hervorragend macht und diesem Song ein eigenes irisches Flair verleiht oder auch bei ?Bastards on Parade?. Diese Songs sind aber nur ein paar Highlights von vielen, denn die gesamte Platte kann durch Spielwitz, und die Dropkick Murphys übliche Mischung aus Punk N Roll und irischer Folkmusik(Dudelsack und Pipes) überzeugen. Textlich beschäftigen sich die Murphys wie immer mit der Arbeiterklasse. In dieser Hinsicht gibt es also nichts neues.
War ?Sing loud, sing proud? schon ein Highlight, dann kann ?Blackout? auch noch dieses Album toppen. Für mich nach ?Do or Die? das beste Album der Dropkick Murphys und nach der Live CD ?Live at St. Patrick´s Day? das nächste Superalbum der Band aus Boston!
The Briefs - Off the Charts
27. Jun 2003 | von RobertVier junge Herren aus Seattle schicken sich seid ein paar Jahren an, Deutschland im Sturm zu erobern. Die verrückten Jungs von The Briefs überzeugen dabei, nicht nur durch ihren sehr abstrakten, aber auch wahnsinnig gut tanzbaren, New Wave Punk `N Roll, der direkt aus den 1970er Jahren zu kommen scheint. Wer die Briefs schon mal live gesehen hat, weiß wovon ich spreche. Diese Band ist nicht nur wegen der Musik, sondern auch wegen der Bühnenshow und den verrückten Kostümen ein absoluter Augen- und Ohrenschmaus.
Nun kam über Bitzcore die zweite Full Length Platte der verrückten Amis heraus. ?Off the Charts? hat dabei alles, was die Briefs ausmacht. Einen Schrägen Tatsch, einen gehörigen Wumms, schöne Melodien, gute Songs und einen gehörige Portion Punk. Allerdings handelt es sich bei dem Nachfolger von ?Hit after Hit?, um keine regulär Platte. Eher ist ?Off the Charts? eine Sammlung von alten raren Stücken, B-Seiten und Songs, die nur auf Compilations zu finden waren. Damit ist auch schon klar, dass ?Hit afer Hit? nicht übertroffen werden kann, aber dennoch ist den Briefs hier eine schmuckes Stück Musik gelungen, welches einfach gefällt. Die besten Perlen dieser Platte sind mit Sicherheit ?Ain´t it the truth?, ?We Americans? und ?Looking through Gary Glitters Eyes?.
Auch wenn die Scheibe nicht unbedingt regulär aufgenommen wurde, verkürzt dieses gute Album auf jeden Fall die Wartezeit auf das nächste richtige Studioalbum, dieser hervorragenden und sehr sympathischen Band.
Death By Stereo - Into the Valley of Death
27. Jun 2003 | von Robert?Into the Valley of Death? ist das neue Album von Death By Stereo, erschienen auf Epitaph/ SPV. Der Nachfolger vom grandiosen letzten Werk ?Day of the Death? ist ähnlich gut geworden, kommt aber an den Vorgänger nicht ganz heran.
Doch zurück zum Anfang. Die fünf Kalifornier schlagen auch auf ihrem neuen Werk wieder mit der brachialen Oldschool Hardcorekeule zu. Doch so wie Death by Stereo es auch immer wieder schaffen HC mit Punk zu mischen, ist schon eine Wucht. Und dann kommt noch der Gesang von Sänger Efrem hinzu, der besonders durch die geniale Mischung aus Geschrei und Melodie besticht. Death By Stereo ist hier definitiv ein gutes Album geungen, die Hardcoreliga führen sie definitiv an. Besonders die Songs ?The Plague?, ?Shh it´ll be your little secret? und das grandiose ?Wasted Words? stechen aus dieser guten Platte heraus. Allerdings ist ?Into the Valley of Death? im Gegensatz zum Vorgängeralbum auch ein wenig härter geworden. Und der Song ?Let down and alone? kommt mit einer sehr abstrakten Mischung aus HC und Chorgesängen daher, was eher gewöhnungsbedürftig ist.
Es ist dennoch ein gutes Album was hier vorliegt. Die Kalifornier haben ein wenig experimentiert, weichen von ihrer eigentlichen Fahrtroute aber kaum ab und legen wieder ein gutes Hardcore Album vor. Nun warte ich nur noch sehnsüchtig auf die nächste Tour, denn live sind Death By Stereo nun erst richtig eine Wucht!
Creetins - 4 seconds to get over it
27. Jun 2003 | von RobertEs ist immer wieder schön, musikalischen Nachwuchs aus deutschen Landen live zu sehen oder CDs von Ihnen zu bekommen. Durch Zufall stolperte ich beim CD durchstöbern in einem Göttinger CD Laden vor ein paar Jahren auf die Creetins aus Kiel. Damals gefiel mir ?Have you ever hit the ground? außerordentlich gut und ich legte mir das Erstlingswerk umgehend zu.
Mittlerweile sah ich die Creetins dann auch schon als Vorband von Voice of a Generation und ihre zweite CD flatterte auf meinen Schreibtisch. Und eins wird sofort deutlich, dem Nachwuchs gehören die Kieler sicher nicht mehr an. Denn CD Nummer 2, erschienen auf Vitaminpillen Rec., mit dem schönen Namen ?4 seconds to get over it, ist noch ausgereifter und rockiger, als der Vorgänger.
Die Creetins bieten auf ihrem Zweitwerk schönen melodischen Punk`N Roll zum mitgröhlen und abfeiern, der einfach nur rockt, ähnlich, wie auch live. Mit den Creetins liegt hier eine absolute Punk und Rock N Roll Hoffnung aus deutschen Landen vor, welche zu überzeugen weiß. ?4 Seconds to get over it? ist ein wirklich gutes Album geworden, keiner der 12 Songs fällt aus dem Rahmen, im Gegenteil, man hat den Eindruck, als würde die Platte von Song zu Song besser werden. Gutes Teil, ein Kauf wird empfohlen!
Mother Tongue - Ghost Note
25. Jun 2003 | von CarstenNoch nicht mal ein Jahr ist es her als, MOTHER TONGUE uns mit dem zweiten Album ?Streetlight? beglückten. Nun steht mit ?Ghost Note? der nächste Tonträger der Kalifornier in den Regalen. Da stellt sich doch einem doch glatt die Frage: Kann die Band an das fulminante ?Streetlight? anknüpfen, nachdem es erst vor so kurzer Zeit veröffentlicht wurde und die dazugehörige Tour erst vor einem halben Jahr beendet wurde? Ja, MOTHER TONGUE kann und setzt sogar noch einen drauf!!!
Alles in allem klingt ?Ghost Note? überzeugender und wirkt wie aus einem Guss, daher fällt es wirklich schwer einen oder mehrere Songs herauszufiltern. Zwar bedarf es einige Hördurchläufe, bis man sich in ?Ghost Note? hineingehört bzw. angefreundet hat und die Schön- und Kompaktheit des Albums erkennt, doch gerade dies macht auch MOTHER TONGUE aus und hebt sie von anderen Bands ab.
Hot Hot Heat - Make Up The Breakdown
25. Jun 2003 | von CarstenAlso ich will wirklich nicht mit Superlativen um mich werfen, aber ?Make Up The Breakdown? von HOT HOT HEAT ist einfach nur ein geniales Album und gehört für mich persönlich jetzt schon zu eine der Platten des Jahres.
Die Platte rockt einfach ohne Ende und weist wirklich keinen einzigen Ausfall auf. HOT HOT HEAT verstehen es mitreißende Songs zu schreiben, sei es nun ?Bandages?, ?Oh Goddamnit?, ?No Not Now? oder ?Naked In The City Again? jeder von diesen Songs, oder einer von den hier nicht genannten, könnte als Single ausgekoppelt werden. Das Talent für großartiges Songwriting scheint ebenso in die Wiege gelegt worden zu sein, wie mühelos Melodien aus dem Ärmel zu schütteln, die sich für mehrere Tage in die Gehörgänge frisst.
?Make Up The Breakdown? ist wirklich großartig und verbreitet einfach gute Laune.
Krezip - Days Like This
25. Jun 2003 | von CarstenAuf ihrem zweiten Werk wollte das Niederländische Sextett von KREZIP wohl auf Nummer sicher gehen und nichts anbrennen lassen. Dies haben sie mit ?Days Like This? auch geschafft, denn dem Album fehlt wirklich das Feuer.
?Days Like This? besteht aus zwölf mal etwas härteren und ruhigeren Songs, von denen keiner wirklich heraussticht und um sich vom Einheitsbrei der anderen Titel abzuheben. Schlecht ist das ganze zwar nicht gerade, es ist eben nur langweilig und man hat den Anschein alles irgendwo schon einmal gehört zu haben, da sie sich manchmal wie K?s Choice, dann mal wie Alanis Morissette anhören.
Somit bleibt ?Days Like This? von KREZIP eher ein mäßiges Album, mit keinen allzu großen Höhepunkten.
Four Square - Three Chords… One Capo
25. Jun 2003 | von CarstenEmo made in Canada, das sind Four Square. Als große Vorbilder geben sie Jimmy Eat World und die Get Up Kids an, dieses kann man auch sehr deutlich auf ihrer aktuellen Scheibe ?Three Chrods… One Capo? heraushören, doch leider kommen sie nicht an ihre Vorbilder heran. Schlecht ist das ganze zwar nicht, aber bahnbrechend und neu ist das auch nicht unbedingt was FOUR SQUARE da zeigen.
Nichtsdestotrotz gibt es einige erwähnenswerte Stücke wie zum Beispiel der Opener ?Mistreated?, der wirklich gelungen und zeigt, was in den Kanadiern steckt. Das darauffolgende ?Just Like Me? kommt ebenfalls sehr gut rüber, danach plätschert das Ganze allerdings nur vor sich hin und es passiert erst mal gar nichts. Dann ist dann wieder das Finale mit ?1000 Sorrys? interessant.
Wenn FOUR SQAURE mehr Eigenständigkeit zeigen und sich auf ihre Stärken konzentrieren würden, könnten sie mit ihren großen Vorbildern mithalten. So bleibt ?Three Chords… One Capo? solides Emo-Album.
Benton Falls - Guilt Beats Hate
25. Jun 2003 | von CarstenZehn Songs präsentieren BENTON FALLS auf ihrem neuen Longplayer ?Guilt Beats Hate?, doch so richtig zwingend und überzeugend ist das ganze nicht.
Nach dem ersten Hördurchlauf, scheint das Trio einen doch ganz passablen Tonträger abgeliefert zu haben, obwohl das Ganze schon von Anfang an nicht flüssig rüberkommt.
Zwar stellt, kann man ?Bitter By Choice? schnell als kleinen Höhepunkt feststellen, dies war es dann aber auch schon.
Mal klingen die Songs ruhig und dann sind sie wieder gerade nach vorne hinaus und rotzig in bester Posthardcore-Tradition. Im einzelnen lässt sich da auch kein Manko finden, vielleicht erkennt man es erst in der Gesamtheit des Werkes. Denn der Gesang wirkt dann doch sehr monoton und lässt die Platte dadurch schnell langweilig werden, daher ist ?Guilt Beats Hate? ein eher durchschnittliches Album.
Unbounded - Reviving
25. Jun 2003 | von CarstenUNBOUNDED bieten auf ihrem aktuellen Album "Reviving" zehn Punk- Posthardcore Kracher zu ihrem Besten, auch wenn dies ihnen nicht immer ganz gelangen mag. Der Opener "A Place To Hide from Real Imprssions" rockt auf jeden Fall erst mal richtig los, und weiß durchweg zu überzeugen. "Don't Break My Heart" avanciert durch die verschiedenen Tempi und den sehr guten Vocals von Sänger Ingo zum kleinen Hit von "Reviving". Das folgende "Massify My Mind?" erinnert dann eher an alte Good Riddance Songs.
Im Grunde sind fast alle der Songs gut, auch wenn die etwas schnelleren Stücke UNBOUNDED besser zu Gesicht stehen, als die ruhigeren. Manchmal lehnen sich UNBOUNDED zwar ein wenig zu stark an ihren großen Vorbilder, verlieren sich aber nicht darin. Daher ist "Reviving" ein ausgesprochenes Album einer vielversprechenden Band.
Totalschaden - Lecker Eiscreme
24. Jun 2003 | von ChrisDie CD-Info liest sich wie folgt: ?14 Lieder sollten auf dem kleinen Silberling verewigt werden, die die ganze Bandbreite des debilen Schaffens der Band verkörperten?. Da ist viel Wahres dran:
Totalschaden spielen auf ?Lecker Eiscreme? (Demo) deutschen Metal-Punk mit talentfreiem Gesang, jedoch blitzt gitarrentechnisch hier und da genreunübliche Versiertheit durch. Musikalisch mehr dem Metal verbunden und textlich auf Punk-Ebene (?Bier?, ?Sonnenbrand im Schrittbereich?) geht es instrumentell zwar recht unterhaltsam zu (?Rettet die Polyacryle!? hat nette Gitarrenlinien, die von Klavierbegleitung unterstützt werden), Gesang und Gesungenes sind aber schlicht mies. Wem das egal ist (?Ey is ja eh so Punk, Aller, das soll so …?), der ordere das Teil über www.totalschaden-rules.de .
Gerade weil die Songs keine 0815-Akkord-Schrammels sind, schmerzt die Bilanz:
?Debiles Schaffen? ? leider schon, denn hier wird hörbar vorhandenes Talent mit Füßen getreten.





