Mainstage


Morrissey – You Are The Quarry

30. Jun 2004 | von Tichy

Muss ich jetzt weit ausholen? Soll ich erzählen, was dieser Mann mit seiner alten Band The Smiths so
alles geschafft und kreiert hat? Wie er eine ganze Generation der Heute Irgendwas-Um-Die-Dreissig-Jährigen zu
Herzschmerzleidern, Vegetariern oder Pop-Liebhabern gemacht hat – In den allermeisten Fällen sogar alles
Drei auf einmal?
Ich hoffe nicht… und wenn doch, dann schmeisst gefälligst Google an und forscht selbst.
Aber bitte sagt es Niemandem, das wird sonst ein wenig peinlich!
Seien wir Anderen ehrlich: gekauft haben wir 'Bona Drag' doch nur wegen der schmerzlichen Lücke die der Split der Smiths hinterlassen hat. Aber ein Song wie 'Everyday Is Like Sunday' hat es dann auch noch zu einer Art letztem Klassiker geschafft, das beruhigte uns ja doch ein wenig.
Aber was hat uns die Doyenne des britischen Grossmaultums im Jahre 2004 zu sagen? Was soll mich dazu bewegen 'You are The Quarry'gut zu finden? Vielleicht sogar Tag ein, Tag aus zu hören?
Viele Fragen, ich weiss und hier sind die Antworten.
Erstens diese Platte ist POP! Und zwar ganz Grossgeschrieben! Und sie ist getränkt mit Frust und Melancholie wie schon seit seligen
"Last Night I Dreamed That Somebody Loves Me" Zeiten nicht mehr. Und sie ist wunderschön! Schluss aus, Ende im Salat!

Naja, um jetzt doch noch aus der Schwelgerei heraus zu kommen und es etwas zu präzisieren: Die Single 'Irish Blood, English Heart' ist schlichtweg schonmal der beste Mid-Tempo-Kracher den Herr S. P. Morrissey jemals geneigt war zum Besten zu geben. Keine künstliche Verlängerung des Songs, knapp unter 3 Minuten, geht in der Disse deiner Wahl direkt in die Beine, Text-Passagen die einen die Stirn runzeln lassen über soviel Anmassung und eine Melodie die einem Tage nicht mehr aus dem Kopf geht.

Songs wie 'The World Is Full Of Crashing Bores' und 'I Have Forgiven Jesus' beweisen textlich wieder vollkommen, was man mit der englischen Sprache anstellen kann, wenn man nur will und sich nicht wie die Hipness-Geplagten Eintagsfliegen des heutigen Britpop mit einem schlichten 'Baby.. Yeah.. Baby' begnügen will. Obendrauf spart er nicht mit Krtik am Zeitgeist – wie z.B. der Casting-Shows – und nimmt in "America Is Not The World' seine seit Jahren Wahlheimat Amerika aufs Korn ohne in billiges Bashing zu verfallen.

Zudem werden hier Melodien aus dem hohlen Ärmel geschüttelt, die man noch in der Bahn vor sich hinsummt und einen nicht mehr locker lassen. D-A-S ist das Stück Musik auf das wir 7 Jahre gewartet haben und manche eigentlich seit dem letzten Lebenszeichen der Smiths.
Morrissey läuft sowohl textlich als auch musikalisch zu Höchstform auf und ich kann beim Besten Willen nicht viel Negatives an dieser Platte finden.
Vergleiche? Hmm… fällt mir jetzt schwer ehrlich gesagt. Wem der Kerl schon immer auf die Nerven gegangen ist, wird hier nicht bekehrt werden.
Wer dagegen schon immer die merkwürdige Schönheit der Songs und der die kruden Wendungen der Texte geliebt hat, der wird vieles zum Zitieren finden.
So wie dieses hier: 'No it's just more lock jawed pop stars, Thicker than pig shit, Nothing to convey. They're so scared to show intelligence, It might smear their lovely career'
Danke, dem habe ich nichts mehr hinzuzufügen! Setzen… Eins!

Jackass – Plastic Jesus

29. Jun 2004 | von Robert

Jackass haben, um es vorneweg zu nehmen, nichts aber auch gar nichts mit der gleichnamigen Chaoten Serie auf MTW, oder wie das heißt, zu tun. Jackass sind eine Country-Rock und Punkband, die mit ?Plastic Jesus? (Byo) ihr Debütalbum veröffentlicht haben. Wer auf Johnny Cash steht, hat hier schon gewonnen, alle anderen, gebt dieser Band eine Chance, denn es lohnt sich.
?Plastic Jesus? ist außerordentlich gut geworden. War ich selber skeptisch, als ich hörte Jackass würden Country Musik machen, wurde ich eines besseren belehrt, denn das Album hat Drive, eine Menge Punk, Schnelligkeit und auch Witz, was es einfach auszeichnet. Denn die Amis wagen sich an Coverversionen von Madonna ?Music? und von den Backstreet Boys ?I want it that way?. Aber auch die eigenen Songs können einiges und so bleibt nur zu sagen, Plastic Jesus ist ein Klassealbum. Der Mut, eine solche Musikmischung zu entwerfen hat sich definitiv gelohnt. Überzeugt euch selbst!

Face Tomorrow – The Closer You Get

29. Jun 2004 | von Robert

Gut zwei Jahre nach ?For who you are? kommt nun der Nachfolger ?The closer you get? heraus (Reflections). Die Rede ist von Face Tomorrow, die sich nicht zuletzt durch diverse Tourneen und ihren Überhit ?Worth the Wait? einen Namen gemacht haben. Und nun hat man sich endlich an einen Nachfolger gewagt, welcher ausgesprochen gut ausgefallen ist.
Wieder erwartet einen eine Mischung aus Nu Rock, mit einer Prise Punk, etwas Emo und einer gehörigen Portion Dampf. Denn schon beim ersten Hören fiel auf, das ?The closer you get? sich ein wenig vom emolastigen wegbewegt und schneller geworden ist als sein Vorgänger. Aber keine Angst, die Betonung liegt auf ein wenig.
Und das steht den Jungs aus Rotterdam verdammt gut. Zwar sucht man einen Überhit wie ?Worth the Wait? vergeblich, aber dafür sind alle Songs wesentlich ausgeglichener. Man könnte sagen, zwar ist der Starspieler nicht mit von der Partie, aber dennoch sind die Holländer unglaublich ausgeglichen besetzt. Denn es gibt keine Ausfälle und dennoch eine gute Mischung zwischen härteren und schnelleren Song, sowie langsameren und gefühlvolleren Liedern. Daher ist ?The Closer you get? ein richtig gutes Album geworden, welches den Vorgänger noch übertrifft und der Band weiterhin sehr viel Erfolg bringen wird. Klasse!

Cipher System / By Night – Split CD

29. Jun 2004 | von Chris

Im Player dreht sich die Split-CD von Cipher System / By Night (Lifeforce Records), und wenn ich es nicht schon wüsste, ich würde tippen: Musik aus Schweden, die neue Schule des Death-Metals.
Cipher System beherrschen die Sparte ?Melodic Death?, By Night würzen ihre Songs eher mit den bissfesteren Zutaten des Thrashs. Die Platteninfo hebt neben Cipher System zum Vergleich Bands wie Soilwork oder Children Of Bodom aufs Parket, Carnal Forge und The Haunted müssen zu Recht für By Night herhalten. Diese Parallelen sollten jedoch eher neugierig machen und nicht abschrecken, denn die jeweils drei Songs pro Band klingen durchaus eigenständig.
Technisch und stellenweise vom klassischen Metal inspiriert gehen beide Bands zu Werke, wobei Cipher System insgesamt eine Spur relaxter agieren. Ein Keyboard füllt den Hintergrund, sodass die Songs nicht ganz so brutal und kalt klingen wie bei ihren Plattengefährten. Der cleane Gesang fällt beim zweiten Song ? Receive, Retrieve And Escalate? recht schwach aus, Sänger Daniel Schuldström hätte hier besser beim Growlen bleiben sollen. Ansonsten liefert die seit 1996 bestehende Band ein ordentliches Brett, das Lust auf das im September erscheinende Plattendebüt macht.
By Night gründeten sich 1999 und betreten dieser Tage das Studio, um ihr erstes Full Length einzudreschen. Der Vorgeschmack ist bereits sehr amtlich, auch hier blasen uns zwei Gitarristen ihre zweikanaligen düster-modernen Riffs um die Ohren. Häufigere Breaks und insgesamt ein kräftigerer Tritt aufs Gaspedal unterscheiden sie von ihren Landsmännern. Textlich dreht sich alles um Hass, Schmerz und innere Zerrüttung (Cipher System beklagen eher die Schicksalsbestimmtheit unseres Daseins) ? schon oft gehört aber immerhin ansprechend in harsche Worte gefasst.
Ein Kauf dieser Split-CD lohnt sich allemal; zudem werden beide Bands noch was reißen, und da empfiehlt es sich, gleich von Beginn an ein Ohr drauf zu haben.

Atreyu – The Curse

29. Jun 2004 | von Deniz

Atreyu sind schon bald die Band der Stunde! Mit ihrem Debütalbum ?Suicide Notes & Butterfly Kisses? haben sie zumindest in Amerika einen Traumstart hingelegt und bereits 120.000 Platten verkauft. Mit ihrem zweiten Output ?The Curse? (Victory) werden sie garantiert den weltweiten Durchbruch schaffen und auch hierzulande kein Geheimtipp mehr bleiben.
Die Musik, die die Jungs aus Orange County liefern, trifft absolut den Nerv der Zeit. Der Opener ?Bleeding Mascara? beweist es: Von 0 auf 100 mit Gitarrengedudel á la Stratovarious, danach ein Sänger der im Hatebreed-Style losbellt, unterlegt von Metalcore-Gitarren und als ob es das Normalste der Welt wäre schmilzt der Song in einen wunderschönen Emo-Refrain ? grandios! Leider geht der Klassik-Metal-Faktor beim Rest ein wenig zurück, trotzdem bleibt das Songniveau in unglaublich hohen Hitregionen.
Für mich ist allerdings die Musik immer dann am interessantesten, wenn Gitarrist Dan Jacobs mit Iron Maiden-Schlagseite soliert (endlich spielen junge Bands wieder Solos!) und Leads raushaut (?Demonology And Heartache?) oder In Flames-technisch maltretierende Bretter hinlegt (z.B. ?You Eclipsed Me? oder ?Corseting?). Denn ansonsten sind mir die Stücke auf ?The Curse? ? trotz aggressiver Strophen – fast schon zu glatt produziert und haben etwas gewollt in jedem Song ultramelodiöse Emo-Parts. Die Sänger (der Drummer ist Co-Sänger!) sind nunmal sehr begnadet, aber die ein oder andere mutige Struckturänderung hätte bei mir einen bleibenderen Eindruck gemacht. Der positive Gesamteindruck bleibt dennoch.
Bleibt festzuhalten: Mit ?The Curse? ist Atreyu sauberes Lehrstück in Sachen retro-metal-emo-core geglückt, das offene Ohren in den verschiedensten Heavy-Lagern finden wird. Abchecken bevor ihr sie auf Viva seht!

Neurosis – The Eye Of Every Storm

29. Jun 2004 | von Deniz

Neurosis sind eine Band, deren Magie man sich nur unter dem Kopfhörer ergeben kann. Über die heimische Anlage verfehlt die spirituelle Musik der Mannen aus San Francisco, auch dank der (absichtlich) knarzig-spröden Produktion, ihre packende Wirkung. Im intensiv-bewussten Zustand schleift einen ?The Eye Of Every Storm? über eine surrealistische zerstörte Landschaft ? psychedelisch, langsam, leise, wie der Soundtrack zur Beerdigung der Erde.
Neurosis sind seit ihren frühen Klopper-Tagen und dem Kult-Album ?Souls At Zero? immer leiser und nachdenklicher geworden, die laut/leise-Dynamik beherrscht den intimen Seelentrip des Sängers Steve Van Till. Die Entwicklung scheint abgeschlossen. Van Till brüllt nur noch in den seltensten Momenten, er singt, verzweifelt, umschmeichelt den Hörer wie der Geier das Aas. Die acht überlangen Kompositionen verschmelzen sich noch harmonischer als auf dem Vorgänger ?A Sun That Never Sets? mit dem manisch depressiven Teil des Gehirns. Weniger Poltern, mehr Moll-harmonische Musikalität. Und obwohl Neurosis, passend zum Titel, inzwischen im Auge des Sturms sitzen, nehmen sie für sich in Anspruch, immer noch eine Hardcore-Band zu sein. Nicht falsch, denn solche Hoffnungslosigkeit ist wahrhaft brutal. So bieten sich Neurosis als Pink Floyd für Suizid-Anwärter und Fans von Bands wie Mogwai oder Swans an. Musik wie Verwesung…

Isenburg – Erzgebirge

29. Jun 2004 | von Deniz

?Das vorliegende Debütalbum ?Erzgebirge? (Black Attakk) von Isenburg widmet sich konzeptionell voll und ganz der tiefen Verbundenheit mit der Geschichte, der Tradition aber auch der Gegenwart in Landschaft und Natur des Erzgebirges.?
Also wenn das die Vertonung dieses vermeintlichen Erholungsgebietes ist, dann rate ich vor einem Urlaub in dieser Gegend vorsichtig ab.
Isenburg ist das Soloprojekt eines aus diesem Gebiet stammenden Metalmukkers. Die eigenwillige Interpretation seiner Heimat geht sehr stark in Richtung Fantasy-Black-Metal ? sehr düster, mit viel Pathos, Prunk und Pomp, aber ohne allzu kitschig zu wirken. Die sieben lang gezogenen Kompositionen bestechen dabei mit viel Kreativität, Magie, herrlich finsteren Akkordfolgen und vor allem Abwechslung. Ob gewittrige Black-Attack-Granaten, doomige Waldmeister-Walzen oder naturhaft schöne, mit seichten Frauenchören unterstrichene ruhige Passagen, in einer Einbahnstrasse, wie bei vielen anderen Black Metal Bands landet man hier nie. Die vielen Keyboardelemente, Choreinlagen und der fette Sound erzeugen fast schon Soundtrack-Atmosphäre, ohne dabei in Dimmu-Borgir-Hitregionen vorzustoßen, was aber Mr. Isenburg auch bestimmt nicht möchte. So hat er ein spannendes Black Metal Werk geschaffen, das das Erzgebirge von seiner mystisch-bösen Seite zeigt und den Hörer an seine Bäume fesselt. Das ist kein Urlaub!

…einfach nur rocken

29. Jun 2004 | von Deniz

Mit der im letzten Jahr erschienen Platte ?We Sweat Blood? waren sie auf einmal da. Seitdem sind Danko Jones einmal um den Globus getourt und haben jeden kleinen, verschwitzten Klub gespielt, der ihnen in die Quere kam. Und dabei jeden Abend neue Fans hinzugewonnnen. Denn es dürfte schwer sein, sich der ungeheuren Live-Power der drei Kanadier zu entziehen. Namensgeber Danko und seine Jungs machen extrem wuchtigen, Blues getränkten Rock?n?Roll, der gerade live derbe ins Gesicht geht. Rotzige Power, höllische Grooves, immer schön cool und vor allem sehr selbstbewusst – der Soundtrack für die ganz rasanten Autofahrten. Nachdem im letzten Jahr hierzulande einige kleinere Klubs auf dem Programm standen, haben sich Danko und Co nun die Festivals zur Brust genommen. Unter anderem auch Rock am Ring, wo zu später Stunde das Talent Forum auseinander genommen wurde. Wir haben uns vorher mit einem gut aufgelegten Danko zusammengesetzt und über die neue Platte, Krach mit Plattenfirmen und Biker-Touren mit Motörhead geplaudert?

<b>Danko, stimmt es eigentlich, dass du nicht so auf Interviews stehst?</b>
Als wir angefangen haben, fand ich das nicht ganz so wichtig. Mittlerweile habe ich da meine Meinung geändert, weil man den Leuten ja auch mitteilen muss, dass man existiert. Was ich aber nicht mag, ist, wenn sich der Interviewer nicht vorbereitet hat. Viele Leute haben überhaupt keinen Plan davon, mit wem sie da gerade sprechen. Solche Leute kann ich nicht respektieren, die machen ihre Arbeit einfach nicht ordentlich.

<b>Was passiert, wenn du so jemanden vor dir hast?</b>
Früher habe ich mich meist in ein riesiges Arschloch verwandelt und dementsprechend geantwortet. Ich hatte keinen Bock, immer und immer wieder dieselben Sachen zu erklären. Mittlerweile versuche ich einfach, trotzdem gute Antworten zu geben, weil diejenigen, die es lesen, ja nichts dafür können, wenn der Interviewer schlecht war. Solche Sachen passieren aber meistens nur in Kanada und den USA. Einer hat mal ein Interview mit den Worten angefangen: "Hey ich weiß nichts über dich und deine Band. Welche Frage soll ich dir denn stellen?" Da dachte ich: warum schreibe ich den Artikel nicht gleich selbst?? Hier in Europa machen die Journalisten normalerweise einen besseren Job.

<b>Wie zufrieden bist du mit den Reaktionen auf deine letzte Platte "We Sweat Blood"?</b>
Man sagte mir, dass die Reaktionen in Europa sehr gut seien. Vor allem live kommen die Sachen gut an. Das freut uns natürlich riesig. Wenn du irgendwohin kommst, wo du vorher noch nie gespielt hast, weißt du ja vorher nie, wie die Leute auf dich reagieren. Von daher sind wir hier sehr glücklich. In Kanada hatten wir dagegen das Problem, dass unser dortiges Label, Universal, keinen so guten Job gemacht und uns nicht so richtig gepusht hat.

<b>Was war das Problem?</b>
Die waren einfach unprofessionell. Sie haben z.B. viel zu wenig Platten von uns an die Magazine geschickt, so dass die dann keine Rezensionen schreiben konnten. Das war inkompetent, und das habe ich auch in einigen Interviews so gesagt. Das hat denen natürlich nicht gefallen. Aber was soll ich sagen, wenn man mich danach fragt? Die haben einfach schlecht gearbeitet.

<b>Gab es Konsequenzen?</b>
Ein paar Wochen, nachdem der betreffende Artikel veröffentlicht war, wurden wir rausgeschmissen. Das war natürlich eine Katastrophe, weil wir gerade das Album fertig hatten. Und außerdem war es ungerecht, weil wir unseren Job schließlich gut gemacht hatten. Im Nachhinein war es aber das Beste, was uns passieren konnte. Der Umstand, dass wir von Universal gefeuert wurden, hat uns mehr Presse gebracht als wir vorher hatten, als wir noch bei denen unter Vertrag waren. Das war großartig für uns. Mein Fazit: Arbeite niemals mit Universal Canada zusammen.

<b>Jetzt seid ihr mit Bad Taste bei einem kleineren Label, von denen es ja oft heißt, dass sie einen besser unterstützen?</b>
In unserem Fall muss ich sagen, dass das richtig ist. Die Situation mit Bad Taste ist für uns ideal. Die kümmern sich sehr gut um uns. Kleine Labels müssen aber nicht automatisch besser sein als größere. Auch größere Labels können gut für eine Band sein – wenn es nicht gerade Universal Canada ist?

<b>Ihr seid ja schon eine ganze Weile auf Tour. Kommst du da überhaupt zum Songschreiben für die nächste Platte?</b>
Ich habe auf jeden Fall schon ein paar gute Ideen. Ich weiß aber noch nicht so genau, wann ich demnächst dazu komme, sie umzusetzen. Wir sind momentan noch viel unterwegs. Wir kommen gerade aus Australien, werden im Spätsommer vielleicht noch mal in den USA spielen, dann geht?s auch noch irgendwann nach Holland, und nach Japan wollen wir auf jeden Fall auch noch, weil die Platte da sehr erfolgreich ist. Viel zu tun also. Aber das klappt schon mit den neuen Songs. Ein paar hab ich auch schon fertig.

<b>Stimmt es, dass du nebenbei auch noch eine Radio-Show in Schweden hast?</b>
Ja. Das ist zufällig entstanden, als ich ein Interview bei einem Sender in Stockholm hatte. Da saß ich mit dem DJ zusammen und hab ein paar Songs gespielt. Und dann kam da irgendwann der Programm-Direktor rein und fragte mich im Scherz, ob ich eine eigene Show haben möchte. Ich antwortete mit Ja. Er dachte, dass ich auch scherze, aber ich meinte das ernst. Ich hatte da total Bock drauf. Mittlerweile läuft die Show jede Woche mit immer anderen Bands und Themen. Das Ding heißt "The Wonderful World Of Rock" with Danko Jones?

<b>Bist du eigentlich mehr der Typ, der in kleinen verschwitzten Klubs spielen will, oder würde dich auch ein richtig großes Publikum reizen?</b>
Je größer, desto besser! Wir sind in kleinen Klubs natürlich sehr gut, aber wir können auch die großen Bühnen spielen. Jedes Mal, wenn wir vor sehr vielen Leuten auftreten, läuft es eigentlich sehr gut für uns. Es gibt Bands, die passen einfach nicht auf große oder kleine Bühnen. Kiss z.B. ist eine typische Stadion-Band. In einem Klub funktionieren die nicht. Die Stones dagegen sind in einem kleinen Klub viel geiler. Ich denke, dass wir beides können.

<b>Wenn du die Wahl hättest: Bungee-Springen mit Korn, eine Motorrad-Tour mit Motörhead oder eine Sauftour mit den Toten Hosen – was würdest du wählen?</b>
[grinst] Ich würde die Motorrad-Tour mit Motörhead nehmen. Das würde sicher Spaß machen?

<b>Siehst du denn Parallelen zwischen euch und Motörhead?</b>
Ja, sicherlich. Beide Bands bestehen aus drei Leuten, die einfach nur auf die Bühne gehen und richtig losrocken wollen. Ich habe sie einmal live gesehen, und die drei haben mich einfach weggeblasen! Die quatschen nicht blöd rum, sondern legen einfach gut los. Und obwohl sie sich nicht wirklich viel auf der Bühne bewegen, ist es cool, ihnen zuzusehen. Das ist geradliniger Rock n Roll – das ist geil!

Das Interview führten Oliver und Deniz

Motörhead – Inferno

27. Jun 2004 | von Robert

Wie ein Uhrwerk produzieren die drei schon nicht mehr ganz taufrischen Herren von Motörhead neue Alben. ?Hammered?, das letzte Studioalbum ist erst ein knappes Jahr alt und nun folgt mit ?Inferno? (Steamhammer/ SPV) schon das nächste Werk.
Wieder erwarten den Hörer 12 Songs, die sich mit enormer Wucht und Schnelligkeit den Weg durch die Gehörgänge bahnen. Und wieder legt man sehr viel wert auf das einmalige Organ von Frontlegende Lemmie und treibende Gitarren. Zusätzlich konnte der Gitarrenvirtuose Stevie Vai für ?Down on Me? und ?Terminal Show? gewonnen werden, der mal wieder seine Gitarrenkünste unter Beweis stellt.
Grundsätzlich muss man sagen, dass Motörhead die falsche Band ist, wenn man Innovationen und neue Stilrichtungen erwartet, aber Motörhead stehen für über 25 Jahre Rock N Roll Kontinuität und genau das ist es schließlich, was wir auch von Motörhead erwarten. Allerdings wagen sich die drei Briten diesmal auch mit ?Whorehouse Blues? an einen stilechten Bluessong heran und beweisen damit eindrucksvoll, dass sie auch noch mehr draufhaben, als großartigen treibenden Rock `N Roll.
Im Grunde bekommt man hier wie immer ein Rockbrett vom allerfeinsten geboten, dass einfach Motörhead ist und Motörhead bleibt. Des wegen lieben wir sie und das bleibt auch so. ?Inferno? ist mit Sicherheit nicht das beste Motörheadalbum, aber es ist dennoch ein verdammt gutes geworden, welches mit ?Killers? und dem leicht melodischem ?Life´s a Bitch? seine Highlights hat. Aber auch ?Whorehouse Blues? ist nicht zu verachten und hätte sicher auch gut zu Johnny Cash gestanden. ?Inferno? ist gut, sehr gut, fertig!

Coheed And Cambria – In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3

27. Jun 2004 | von Chris

Welch großartiges Stück Musik! Coheed And Cambria zeigen auf ihrem zweiten Album ?In Keeping Secrets Of Silent Earth: 3? wie erfrischend anders Musik klingen kann, deren Wurzeln im Metal, Hardcore und Emo-Rock dieser Tage liegen. Das Quartett aus New York schafft es, in progressiver Hinsicht eine Genialität ähnlich der von Mars Volta zu erreichen, enormen Pop-Faktor einfließen zu lassen, ohne dass auch nur eine Strophe belanglos klingen würde, Schicht um Schicht Songs aufzubauen, die vor energetischer Dichte nur so strotzen und deren Melodik und Ausdruck in dieser Sparte für meine Begriffe seinesgleichen sucht. Der ungeheure kreative Input wird auch in anbetracht des textlichen Konzepts der Platte deutlich, welches auf einer fiktiven Geschichte beruht, deren zweites Kapitel auf dem Debüt ?The Second Stage Turbine Blade? bereits geöffnet wurde. Coheed und Cambria sind in diesem Zusammenhang zwei Hauptfiguren in einem Weltraum-Abenteuer, das sich um das drohende Ende der Welt dreht. Wie die Geschichte begann und wie sie endet, das werden die zukünftigen Releases der Band zeigen. Düstere Texte voll ergreifender Szenarien und tiefer Emotionen, getragen von der gewöhnungsbedürftig androgynen Stimme von Sänger Claudio Sanchez ziehen einen in ihren Bann, die verschiedensten Facetten emotionsbasierter Musik treten in den überlangen Songs an eine Oberfläche, deren Strukturen, Wege und Winkel spielerische und insbesondere songwriterische Versiertheit offenbaren und einem endlich wieder ein Album bescheren, das für sehr lange Zeit interessant und fordernd bleibt.
In kurzen Worten: Phantastisch! Unbedingt reinhören.
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<a href="http://www.coheedandcambria.de" target="_blank">www.coheedandcambria.de</a>

Before The Dawn – 4:17 am

27. Jun 2004 | von Chris

Das aktuelle zweite Album ?4:17 am? von Before The Dawn ist verdammt gut geworden, da gibt?s nichts. Düster und intensiv dringen die melancholischen Songs hervor, die der Musik zu Recht die Bezeichnung ?Dark Metal? verliehen haben. Zwei Sänger und gleichzeitig Gitarristen tun ihr Werk in der finnischen Band, Tuomas besorgt das Grobe und Panu ist für die klaren Leads zuständig. ? Eine Aufgabenverteilung, die Sinn macht, denn dadurch kommt auch gesanglich zum Tragen, was die Charakteristik von ?4:17 am? ausmacht: Der Kontrast zwischen zart und hart, kalt und gefühlvoll, der sich quer durch alle zehn Songs zieht. Der Sound ist sehr atmosphärisch, angereichert mit Keyboardteppichen, die hier songdienlich das Spektrum erweitern und nicht zum schwülstigen Sphärengeschmiere verkommen. Trotz seiner Metal-Roots fällt das Album sehr melodiös und überwiegend ruhig aus, die verwaschen klingenden Gitarren und das akzentuierte Schlagzeugspiel lassen so viel Härte zu, wie nötig, so viel Gefühl, wie möglich. Dass mich Songs wie ?Seed? oder besonders ?Into You? stark an Katatonia erinnern, spricht für die herausragende Qualität der Scheibe. Nicht zuletzt haben mich Titel wie das mit einem fulminanten Chorus ausgestattete elegisch-schleppende ?My Room? zu meinem abschließenden Urteil bewogen: Richtig, richtig gute Musik.

Mars Mushrooms – Throwdown

27. Jun 2004 | von Chris

Kennt Ihr diese langhaarigen Typen mit Koteletten und Unterlippenbärtchen, die in der Schule immer in verwaschenen Pearl-Jam-Shirts, ausgeleierten Korthosen (mit Schlag) und Fluppe im Mundwinkel auf dem Raucherhof rumhingen und über Bands diskutierten? Diese saucoolen Leute, die dann abends auf dem Bandabend selbst mit der Les Paul oder Strat auf der Bühne standen, sich den Anus abjammten, anschließend mit den Mädels nicht nur nen Joint quarzten und insgesamt so viel lässiger zu sein schienen, als man es selbst jemals sein würde? Ihr kennt sie sicher, ebenso wie die Musik ihrer Bands: Groovende Beats, verspielte und oftmals beängstigend ekstatische Gitarrensounds, jammige Improvisationen zwischen Led Zep, Candlebox und Grateful Dead. Der Sänger war Euer stiller Held, denn seine Stimme schien er sich von Eddie Vedder geliehen zu haben, ganz zu schweigen von seinen Künsten am Wah-Pedal, denn meist spielte auch er die Klampfe. Jaaaaaaaa ?.. und genau hier kommt ?Mars Mushrooms? ins Spiel, eine Nürnberger Band, die musikalisch ziemlich genau diese Kiste bedient. Ob das auch optisch wie beschrieben hinhaut, weiß ich nicht (die Bandfotos deuten aber darauf hin), doch genau dieses Bild aus meiner Schulzeit kommt mir beim Hören von ?Throwdown? (Bibi Music) in den Sinn. Die Live-Scheibe der fünf Nürnberger wurde in den Kammerspielen Ansbach aufgenommen, und wie könnte es nach der langen Einleitung anders sein: Die Musik ist die beschriebene relaxte Mischung aus Hippiefunk, Groove- und Rockmusik, eine riesige Jamsession auf hohem Niveau. Der häufige und sehr passende Einsatz eines Didgeridoos fällt besonders auf, das hervorragend den handmade-Charakter der Musik unterstreicht.
Wenn noch Reggae- und Klingel-Klangel-Elemente (Percussions sind gemeint) dazu kommen, wird es mir persönlich zwar etwas zuviel des Guten, insgesamt kann man an der Platte aber eigentlich nicht viel kritisieren. Dass einige Parts einfach viel zu lang gestreckt werden (der Song ?Martian Meat Eating Society Jam? dauert elf Minuten!) liegt in der Natur dieser freigeistigen Mugge und kann das Gesamturteil nicht schmälern. Das erfreute Live-Publikum sieht das genau so, und wenn dieser Stil Euer Ding ist, kann ich Euch ?Throwdown? nur empfehlen. Auf die guten alten Zeiten auf dem Raucherhof!

New Found Glory – Catalyst

27. Jun 2004 | von Chris

Kritisch ambitionierten oder gar politischen Punk darf man von New Found Glory nicht erwarten, das ist bekannt. Doch wer hat eigentlich gesagt, dass Musik immer kritisch sein muss? Betrachtet man NFG losgelöst von solcherlei Ansprüchen, wird man mit ?Catalyst? (Geffen/Universal) seine Freude haben.
Sieht man einmal von dem herausstechend rüden Intro ab (ich dachte schon, die fünf Amis würden jetzt Knüppel-Punk spielen), wird der Melody-Punk Marke Blink 182 oder Good Charlotte niemandem wehtun ? und vielleicht auch niemanden wirklich umhauen oder überraschen. Das Bubblegum-Flair zieht sich quer durch das gesamte Album, dessen Texte in erster Linie von den Wirrnissen der Liebe handeln. Schnelle Strophen, poppig-getragene Refrains (?All Downhill From Here? oder ?Truth Of My Youth? sind typische Songs) und Akkordfolgen, die sich liebevoll um die Ohren schmiegen ? das alles reicht vollkommen, um gute Laune und (College-)Partystimmung zu verbreiten. Die mit Streichern unterlegte Ballade ?I Don't Wanna Know? ist so dicht am Klischee gebaut, dass es schon fast belustigt. Aber hey, der Track gehört mit zu meinen Lieblingssongs auf ?Catalyst? ? einem Album, dem man durchaus Seichtheit vorwerfen kann, und das trotz oder gerade wegen seiner Unbeschwertheit und überaus leichten Verdaulichkeit zu meinen "Laune-Platten" des Sommers zählt.

Alabama Thunderpussy – Fulton Hill

27. Jun 2004 | von Chris

Ich verkneife es mir mal, den Bandnamen ?Thunderpussy? zu übersetzen oder irgendwelche lustigen Vergleiche mit der Musik anzustellen, obwohl mir da allerlei auf der Zunge liegt ? Nur halb so lustig aber (fast) integer ist die Feststellung, dass die Pussys (?) amtlichen tiefergestimmten Rock?n?Roll der Marke Stoner- oder Southern Rock mit dreckigem Drive und LMAA-Attitüde spielen. Neu am Mikro steht Johnny Wells, dessen räudiges Organ hervorragend zu den dicken Riffs und Melodien passt, die einem in ihrer sleazy-coolen Machart die Eier um die Knie schlackern lassen. Schweineorgel, hier und da auch mal fein umspielte Akkorde, immer Melodie anbei und tighte Erdung ? so muss das sein, um richtig Laune zu machen. Über Mangel an Abwechslung kann man ebenfalls nicht klagen, also geht mit back to the roots und zieht Euch ?Fulton Hill? (Relapse Records) rein. Ich kann mir kaum vorstellen, dass man das anschließend bereut.

Flyswatter – Flyswatter

26. Jun 2004 | von Emrah

Warum kompliziert, wenn's auch einfach geht? Dachten sich wohl auch Flyswatter, die mit ihrem selbst betitelten dritten Album zum großen Angriff blasen und uns in 32 Minuten elf megastarke Songs bieten, die einen allesamt vom ersten Ton an überzeugen. Unnötiger Ballast wurde von Bord geworfen, die Songs sind straight und eingängig und machen vor allem mächtig Laune. Große, eingängige Melodien, kleine Überraschungen und dazwischen jede Menge Rock. Flyswatter gehen herrlich unverkrampft zu Werke, teilweise glaubt man, es handelt sich um eine Live-Platte, so unbekümmert klingt das Ganze. Roh, unverfälscht und immer treibend, denn es soll ja aufwärts gehen. Absolutes Highlight der Platte ist mit Sicherheit "Saviour Galore", das zwischendurch mit coolen, ein wenig an Boy Sets Fire, Anberlin und Bayside erinnernde Gitarrenriffs glänzt. Wirklich großartig! Aber auch "Theme" und "Safe Within The Sound" sind Hits, die die Münchener wie selbstverständlich aus dem Ärmel schütteln. Nur einmal gibts das Punk-Gewitter ohne elektrische Gitarre ("And Our Souls Matched"), aber selbst mit einer Akustik-Klampfe gehen Flyswatter mächtig ab. Und jetzt, wo diese Rock-Hymnen in meinem CD-Player die zwanzigste Runde in Folge drehen, kann auch endlich der Sommer kommen. Der Soundtrack steht bereit …
Für manche Leute sind Flyswatter Deutschlands beste Emo-Band, für mich nach diesem Album hinter den Beatsteaks die klare Nummer zwei im Lande, was ehrlichen Abgeh-Rock angeht. Unbedingt abchecken!
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<a href=" http://www.mainstage.de/mainstage/php/global/v4_index.php?page=special&id=8"target="_blank">Tourtagebuch von Flyswatter (2003)</a>
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<a href=" http://www.flyswatter.de"target="_blank">Website von Flyswatter</a>

De/Vision – 6 Feet Underground

26. Jun 2004 | von Emrah

Schade, schade. Nach dem phänomenalen Vorgänger "Devolution" haben die deutschen Electronic-Heroes von De/Vision mit "6 Feet Underground" leider wieder etwas abgebaut. Dabei hatte ich mich so auf die Platte gefreut! Das Album ist sicherlich nicht schlecht, aber so richtig mitreißen konnte es mich bisher nicht, obwohl ich schon seit Tagen versuche, es mir schön zu hören. Zu den wenigen echten Highlights der insgesamt zwölf Tracks gehören das atmosphärische "Unputdownable", die spannungsgeladene Nummer "Turn Me On", der hektische Banger "Take Me Over" und das an die älteren Werke erinnernde "Aimee". Der Rest plätschert so vor sich hin. Gab es auf "Devolution" mit "Drifting Sideways", "Miss You More" und "Mary Jane" noch wirklich fantastische, groovige Pop-Perlen, so versuchen Steffen Keth und Thomas Adam, dieses Mal mehr auf gemäßigte Nummern zu setzen, denen aber die zündenden Ideen und vor allem Überraschungsmomente fehlen. Ein gutes Album, aber De/Vision können auf jeden Fall mehr. Vielleicht beim nächsten Mal.
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<a href="http://www.mainstage.de/mainstage/php/global/v4_index.php?page=konzertbericht&id=99"target="_blank">Live-Bericht von De/Vision</a>
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<a href=" http://www.mainstage.de/mainstage/php/global/v4_index.php?page=tourdetail&band=1830&ort="target="_blank">Tourdaten von De/Vision</a>

Thrashcore aus gutem Herzen

25. Jun 2004 | von Deniz

Ektomorf sind zur Zeit Ungarns heißester Export in Sachen Hartwurst. Aber nicht allein der Exoten-Bonus macht diese feurige Band zum Geheimtipp, sondern auch der fette Thrashcore-Sound, der unmissverständlich nach Soulfly klingt, dabei aber keinen Deut schlechter knallt. Mit ihrer fünften Walze ?Destroy? haben Ektomorf weit und breit viel Respekt geerntet. Das wurde spätestens bei ihrem Auftritt im Talent Forum bei Rock Am Ring klar, als eine erstaunlich große Fanschar die Band um die Gebrüder Farkas ordentlich abfeierte. Für Sänger/Gitarrist Zoltan ging damit ein kleiner Traum in Erfüllung wie er Mainstage.de mit gebrochenem Englisch verriet.

<b>Hallo Zoltan, stell doch bitte dich und deine Band mal vor.</b>
Hallo Metalheads, ich bin Zoltan von Ektomorf. Uns gibt es seit Mitte der 90er, wir sind eine fünf-Mann-Band und haben gerade einen coolen Auftritt bei Rock Am Ring hingelegt.

<b>Auf der Bühne sagtest du, dies sei eure erste Festival-Show. Wie hast du eure Premiere empfunden?</b>
Eigentlich war es nicht wirklich unser erster Festival-Auftritt, aber unser erster auf einem so großen. Wir haben in Ungarn mal auf dem Island-Festival gespielt. Das ist zwar auch nicht gerade klein, aber da geht es nicht so sehr um Metal- und Rockmusik. So gesehen ist Rock Am Ring unser erster Festival-Gig vor einem richtigen Metalpublikum.

<b>Und wie hat es dir gefallen?</b>
I love it, man!

<b>Ihr ward kürzlich als Support von Pro Pain auf Europatour. Was fällt dir dazu spontan ein?</b>
Es war großartig! Die Jungs von Pro Pain waren richtig cool, es war toll sie mal zu treffen. Insgesamt haben wir 29 Gigs am Stück gespielt, also jede Nacht ohne Pause. Das war echt hart, aber auch sehr lehrreich. Wir haben wichtige Erfahrungen gesammelt. Unsere erste Europatour und gleich so geil!

<b>Seid ihr zufrieden mit den Reaktionen bezüglich eurer neuen Platte ?Destroy??</b>
Ja, auf jeden Fall. Die Kritiken sind besser als ich es erwartet hatte. Wow.

<b>Seht ihr es noch als Kompliment oder seid ihr mittlerweile genervt, wenn euch die Presse ständig mit Soulfly vergleicht?</b>
Das nehme ich niemandem übel. Weißt du, Max Cavalera ist zwar nur eine Person auf der Welt, aber er ist verdammt genial. Wenn die Leute sagen, Ektomorf sei ne Scheißkopie, dann wäre das natürlich schade. Es wird behauptet, wir klingen wie Soulfly und/oder Sepultura, aber ich finde nicht, dass wir eine bloße Kopie sind. Wir klauen keine Riffs oder so, wir verfolgen einfach nur den gleichen Weg. Vielleicht haben wir die gleiche Power wie diese Bands oder so. That?s it. Viele Kids behaupten, Max Cavalera sei ihr Lieblingsmusiker, das sage ich auch, ohne mich dafür schämen zu müssen. Aber ich find zum Beispiel auch Machine Head geil. Ich hab sie gestern zum ersten Mal gesehen. Wow! Soulfly habe ich bis jetzt zwei Mal live ausgecheckt; in Stuttgart und Wien.

<b>Den Medien zum Trotz, wie würdest du eure Musik beschreiben?</b>
Thrashcore. Echt jetzt, ich denke, das ist der beste Ausdruck dafuer. Wir mögen Thrash Metal, aber auch Hardcore und Punksachen. Thrashcore oder Thrash-Punk-Core trifft?s gut.

<b>Wen zählt ihr außer Sepultura und Soulfly noch zu euren Einflüssen?</b>
Machine Head natürlich. Und die alten Metallica. Als ich nämlich jung war, haben mich Metallica zum Heavy Metal gebracht. Nach dem ersten Hören von ?Master Of Puppets? bin ich wochenlang durchgedreht. Aber auch Slayer oder Anthrax gehören dazu, halt die ganzen alten Thrash Metal Bands.

<b>Ihr kommt ja bekanntlich aus Ungarn. Gibt es dort eine echte Metalszene?</b>
Es gibt schon eine ernstzunehmende Metalszene, aber weißt du, das Land ist echt klein und die Möglichkeiten sind sehr begrenzt. Wir haben wirklich Glück gehabt, haben aber auch viel dafür gekämpft, um in Europa Fuß zu fassen und an den Nuclear Blast Deal zu kommen. Insgesamt gibt es in Ungarn von True Metal bis Nu Metal ne Menge Bands.

<b>Reflektieren deine Lyrics die Probleme in deinem Heimatland?</b>
Ja, natürlich. Aber es geht auch viel um mein persönliches Leben. Ich schreibe viel, über das, was um mich herum passiert, sei es in Ungarn oder Vorgänge in mir drin. Es geht um mein Leben und meine Emotionen, kein Fantasy oder so was. Die Texte können dabei von Liebe aber auch von Wut und Schmerz handeln.

<b>Was habt ihr mit Ektomorf in den nächsten Monaten noch vor?</b>
Morgen spielen wir bei Rock Im Park und danach noch ein paar weitere Festivals. Das Nuclear Blast Festival wird sicherlich richtig cool. Wir warten gerade auf die Dates für die Fear Factory Tour, da wir mit denen zusammen spielen werden. Geil, ich liebe diese Band. Dazwischen spielen wir noch auf dem With Full Force, in Ungarn noch mal auf dem Island Festival und im Dezember geht?s dann wieder ins Studio. Wir haben schon viele neue Songs geschrieben. Auch auf der Pro Pain Tour entstanden zwei neue Stücke; mittlerweile haben wir sechs. A propos Pro Pain, ihr Sänger Gary hat mich angerufen, vielleicht werden wir im September noch mal 25 Gigs zusammen mit ihnen spielen. Auf der letzten Tour waren wir in Deutschland, Österreich, Holland und so, diesmal wollen die Jungs in Länder wie England, Spanien, Italien und nach Skandinavien reisen. So sieht?s aus.

<b>Kannst du schon was über die neuen Songs sagen? Gibt es Neuerungen oder wird es wieder Ektomorf-In-Your-Face sein?</b>
Ja, es wird in-your-face sein, aber Ektomorf ist auch jedes Mal anders. Wenn du dir ?I scream up to the Sky? anhörst und es mit ?Destroy vergleichst, ist zwar beides auf?s Maul, aber in unterschiedlicher Weise. Ein neuer Song heißt ?Instinct?. Er wird vielleicht der Titeltrack des neuen Albums werden. Dieses Wort hat sich in meinem Kopf festgesetzt. Die neuen Tracks sind richtige Hüpf-Granaten, aber es wird auch Moshparts und klassische Thrash-Metal-Riffs geben. Die Platte wird aber definitiv einen anderen Hauch haben.

<b>Gibt es etwas Bestimmtes, was du mit Ektomorf erreichen möchtest?</b>
Das was ich haben wollte, habe ich heute schon bekommen. Als ich damals das Lied ?A.E.A.? schrieb, wünschte ich mir, dass die Fans den Refrain mitsingen ? ?they cannot stop me, they cannot take my life!? ? und das Publikum macht da richtig gut mit; heute hat mich das echt umgehauen. Natürlich würde ich gerne von meiner Musik leben koennen. Das wäre der Hammer. Momentan ist es hart, da sich die Musik finanziell noch nicht ausgezahlt hat. Viele Leute sagen, ?ich mache die Musik nicht für das Geld?, aber das stimmt nicht. Niemand möchte neben der Musik noch arbeiten oder etwas freiwillig tun. Du brauchst das Geld zum leben. Diesen Status müssen wir noch erreichen. Ich hab in den letzten Monaten meine Freundin in Ungarn vielleicht drei Wochen gesehen. Meine Familie besuch ich auch manchmal, um ?Hallo? zu sagen und was Vernünftiges zu essen. Richtige Jobs haben wir in Ungarn aber nicht mehr. Wenn man sich für die Musik entscheidet kann man nebenbei keine reguläre Arbeit ausüben. Was willst du deinem Chef sagen? Ich bin mal weg fuer zwei Monate, tschüss und danke? Ich hab mich vor vier Jahren für die Musik entschieden. Es ist nicht einfach, aber wir schaffen es irgendwie.

<b>Noch etwas, was du deinen Fans und unseren Lesern sagen möchtest?</b>
Ich möchte den Leuten sagen, glaubt an euch und lasst euch von nichts und niemanden erniedrigen. Bleibt stark und folgt eurem Herzen. Das ist für jeden da draußen!

<b>Danke, Zoltan, fuer das Interview!</b>