Mainstage


Ajattara – Tyhjyys

30. Okt 2004 | von Christian

Wären nicht das heisere Gekrächze und die ab und zu anklingende Doublebass Indiz für die schwarzmetallene Herkunft von Ajattara, man könnte sie auch in die doomig-orientierte Dark-Metal-Schublade packen. Doch das nur als grobe Orientierung, weil die Band mir zumindest vor Erscheinen von ?Tyhjyys? (Spikefarm) nicht bekannt war.
Das vorliegende Album ist bereits der dritte Output der Finnen, darauf zu hören ist im Midtempo gehaltener, atmosphärischer Düstermetal mit bedrohlich-hallendem Synthie-Hintergrund. Sehr melodisch und intensiv verbreiten die finnisch gesungenen Songs ihre depressive, oftmals beängstigende Stimmung, nur leider kann ich mangels geeigneter Fremdsprachenkenntnisse kein Wort verstehen. Die Band besteht aus nur drei Mitgliedern, (wobei die Platteninfo verschweigt, dass wir es beim Sänger mit dem ehemaligen Amorphis-Shouter Pasi zu tun haben) die jedoch allesamt ihr Handwerk bestens verstehen. Jedenfalls spielen sie ihren eigenen Stil, der sogar irgendwo ?rockig? und abwechslungsreich genug klingt, um auch Szenefremden gefallen zu können.

Krisiun – Bloodshed

29. Okt 2004 | von Christian

Lärmig, brutal, tierisch schnell und mit rülpsenden Growls ? so klingt Krisiuns Pestbatzen ?Bloodshed? (Century Media), wer hätte das gedacht. Das Album wurde in Sao Paulo aufgenommen, ?100 Prozent analog?, wie ich der Platteninfo entnehme. Das macht?s in meinen Ohren aber auch nicht besser, die tausendfach gehörten geschredderten Riffs sind einfach verdammt langweilig und stumpf. Dabei muss man bedenken, dass hier kein reguläres neues Studiowerk vorliegt, sondern der geneigte Fan mit den raren Aufnahmen der MCD ?Unmerciful Order? (1993) plus einigen neuen Stampftiraden überrascht wird. Ich hoffe, er wird es wirklich ? ich bin nämlich weder Fan dieser ?Kulttruppe? aus Brasilien, noch werde ich es wohl jemals sein. Mag es auch technisch anspruchsvoll klingen, ähnlich gelagerten Grindcore habe ich schon um Längen besser und vor allem mitreißender gehört. – Dabei bin ich mir bewusst, dass die Songs schon teilweise Maßstäbe gesetzt haben, als das vergleichbar "Bessere" noch gar nicht existierte. Dennoch, diese Scheibe gibt mir nahezu gar nichts, Lichtblicke tun sich lediglich bei einigen überraschenderweise im Mid-Tempo gehaltenen Passagen und beim variantenreichen sechsten Track "Visions Beyond" auf. Für mich zu wenig, für Fans wohl trotzdem unentbehrlich.

Within Temptation – Stand My Ground

29. Okt 2004 | von Christian

Neues von Within Temptation, ich atme auf. Wenn eine Band es versteht, die Klischees mit Professionalität zu umschiffen, gleichzeitig hart und düster-traurig zu klingen und dazu noch verdienten Erfolg zu haben, dann sind es die Musiker mit und um Sharon den Adel. Doch ich sollte wohl noch etwas vorsichtig sein, zumal mir vorerst nur die neue Single vom kommenden Album ?The Silent Force? vorliegt.
Bei vorhergehender Einleitung bleibt nur eine gute Wertung, und die hat der Song ?Stand My Ground? (GUN/BMG) verdient. Alles, was man an der Band lieben (oder hassen?) kann, ist vorhanden: Melancholische Melodik, dramatische Streicher im Hintergrund, satte Gitarren, einen sich inbrünstig emporschwingenden, verzweifelten Refrain und all das getragen von der wunderbaren Stimme der weiblichen Frontfrau. Dieser Song eignet sich weniger zum Tanzen, eher zum Fallenlassen, meinetwegen auch zum Headbangen. Ich hoffe sehr, dass das Motto des Videos nicht wieder ?Frau im Wald neben posenden Rüschenhemdträgern? lauten wird; wenn dazu noch das gesamte Album gut wird und somit die versammelte Kaspermannschhaft um Xandria und Konsorten auf die hinteren Plätze verweist, wage ich langsam wieder daran zu glauben, dass sich auch im Gothic-Metal wieder Qualität durchsetzt. Wollen wir?s mal abwarten ?

The More I See – The Wolves Are Hungry

29. Okt 2004 | von Christian

Dieses Album hat schon so Einiges durchgemacht, fragt meinen CD-Player. Warum müssen The More I See mit ?The Wolves Are Hungry? (SPV) auch ein so verteufelt gelungenes Werk abgeben? Ich kann die Songs schon fast mitsingen, so oft lief die von klassischem Metal beeinflusste Thrashscheibe rauf und runter, denn sie ist vor allem eins: Völlig zeitlos und dabei doch modern.
Bereits ihre 5-Track EP ?Don?t Look Now I?m Living? wollte und wollte sich nicht totlaufen, auch wenn die Trademarks damals anders gesetzt waren. Heute klingt die fünfköpfige Band aus England wesentlich zielorientierter und einen ganzen Zacken härter ? was sicherlich auch an Andy Sneap liegt, der die Produktion unter seinen Fittichen hatte. Eine Vergleichsband mag mir nicht so recht einfallen. – Vielleicht ganz grob Anthrax, der Gitarrensound hingegen erinnert mich streckenweise an das Headhunter-Album von Stuck Mojo, hier und da denke ich an Metalcore und auch die Göteborg-Schule schickt manchen Gruß in die Assoziationsklasse. Spielfreude tropft praktisch aus jeder Note, mehrstimmiger Gesang und getappte Kurzsoli sorgen für Abwechslung, jeder Titel hat Tempo, groovt und klingt für sich genommen doch anders als der Rest. Auf dem Rezept stehen melodische Refrains und Strophen härterer Gangart, altbekannt aber unbestritten wirksam. Somit gelingt es The More I See zwar nicht, Innovationspreise abzustauben, dafür aber eines der kurzweiligsten Alben der letzten Monate zu kreieren. Und das auf dem Debüt, da kann und wird sicherlich noch viel kommen!

L'ame Immortelle – Gezeiten

29. Okt 2004 | von Christian

?Gezeiten?(GUN/BMG)ist das Album geworden, das man von L`âme Immortelle erwarten durfte, nachdem bereits die Single ?5 Jahre? auf überwiegend positive Resonanz gestoßen ist. Ich kannte das Duo bislang lediglich als Favorit von Freunden, die sich der Gothic- / Elektroszene zugehörig fühlen ? mit einem Major im Rücken sind diese Zeiten des Schattendaseins jedoch endgültig vorbei. Jeder weiß, dass Gothic momentan enorm zieht, warum also sollten L`âme Immortelle nicht auch einen Stück vom Kuchen abbekommen?
Das Album wurde von John Rivers und Rhys Fulber (Fear Factory, Paradise Lost ?) produziert, was für sich schon für Qualität stehen sollte. Das tut es auch, vorausgesetzt, man kann den melancholischen und eher weniger aufregend arrangierten Songs etwas abgewinnen. Etwas härtere Balladen und elektronisch beatende Tanzflächenanwärter mit Riffhintergrund geben sich die Klinke in die Hand. Textlich finde ich mich eher weniger angesprochen, thematisch kreist es mal Englisch, mal Deutsch recht traurig-trist um zwischenmenschliche Probleme, die dann doch etwas zu kitschig-poetisierend formuliert werden. Insgesamt können mich die Songs nicht sonderlich begeistern, zu viele von ihnen bleiben vorhersehbar und seicht, und auch der Gesang von Thomas Rainer klingt in meinen Augen eher aufgesetzt und schwach. Glücklicherweise ist es Sängerin Sonja Kraushofer, die im Mittelpunkt steht und stimmlich weitgehend punktet. Dass der ehemalige Paradise Lost-Drummer Lee Morris und sogar PL-Gitarrist Aaron Aedy hier ihre Künste mit einbringen, erstaunt mich schon. Obwohl, nach den letzten Werken der einst gefeierten Düstermetal-Heroen sollte einen vielleicht gar nichts mehr wundern, Parallelen sind hier allemal deutlich zu hören. Ein zweischneidiges Schwert, dieses Album, das trotz der erwähnten Mängel noch zu den besseren aktuellen Releases des langsam aber sicher zum Mainstream verkommenden Genres gezählt werden kann.

MAX HERRE im Capitol Hannover

28. Okt 2004 | von Torben

Es ist gerade einmal ein paar Tage her, dass GENTLEMAN das ausverkaufte Haus im Capitol gerockt hat, schon steht der nächste Four Music Act MAX HERRE in den Startlöchern um seine aktuelle Scheibe vorzustellen. Das Haus ist mal wieder gut gefüllt, wenn auch nicht ausverkauft, als ONO aka Onosizo Ngcala die Bühne betritt. Der ehemalige Rapper von WALKIN? LARGE und Mitinitiator der BROTHERS KEEPERS steht vor der Veröffentlichung seines Solodebüts "Heavy Rawtation" und beginnt gegen 21:00 Uhr damit seine clubtauglichen Beats mit englischsprachigen Lyrics als Vorgeschmack zum Longplayer in die Crowd zu pumpen. Die noch verhaltene Crowd lauscht interessiert und kann sich spätestens bei der anstehenden Singleauskopplung "Payback" das Kopfnicken nicht mehr verkneifen, bevor das recht kurze Set auch schon vorbei ist.

Ein sympathischer FRANKY KUBRICK (formerly known as KARIBIK FRANK) betritt wenig später in Begleitung von PLAN B mit "Hier Kommt Kubrick" die Stage um auf seine charmante Art Geschichten zu erzählen. Der gebürtige Saarländer, den es nun schon seit einiger Zeit nach Stuttgart verschlagen hat, versteht es zwischen HipHop und R?n?B zu pendeln und mal ironisch, mal autobiographisch seine Lyrics zu vermitteln. Sei es die zynische "Hommage" an VANILLA ICE und MC HAMMER bei "Superstar" oder der Warriortrack "Hol Ihn Back", der leider ohne den Hannoveraner BENELUXUS von MB 1000 performt wurde. Stattdessen wurde SPAX in der Crowd ausgemacht und mit einem dicken Applaus Anerkennung gezollt. Obwohl die SNOOP DOG Parodie "Du Blutes Voll" ausgelassen wird, kann FRANKY KUBRICK mit einem Rap auf dem Knight Rider Beat gewaltig punkten. Der soulige Wegbegleiter Kubricks, FETSUM, darf natürlich auch nicht fehlen, und so wird ein Großteil der Songs vom aktuellen Album "Rücken Zur Wand" zum Besten gegeben. Mit dem Partytrack "Prost Drauf" verabschiedet sich FRANKY KUBRICK von der beeindruckten Crowd, die dem Hauptact des Abends entgegenfiebert.

Als MAX HERRE schließlich auf der Bühne erscheint, bricht ein ohrenbetäubendes Getöse aus. Mit kompletter Liveband im Gepäck, zeigt sich der mittlerweile als Songwriter etablierte FREUNDESKREIS Rapper sichtlich gut gelaunt und motiviert. Schon früh bringt er die aktuellen Singleauskopplungen und wird dabei vom Background-Gesangsduo FETSUM SENHAT und CELINA BOSTIC begleitet. Die Liveband zahlt sich zu jedem Moment aus und MAX HERRE verlängert und variiert die einzelnen Stücke je nach Bedarf. Besonders angetan ist das weibliche Publikum, das sich in den ersten Reihen vor der Bühne versammelt hat und abwechselnd kreischt oder versucht einen Blick des Rappers zu erhaschen. Max versteht es während der gesamten Zeit das Publikum zu fesseln und einzelne Personen gezielt aus der Crowd zu picken um ihnen einzelne Zeilen seiner Songs zu schenken. Neben seinen neuen Songs in verschieden Sprachen wie "Sei Tu" oder "Jerusalem" bedient sich MAX HERRE, zur Freude des Publikums, auch älterer Stücke von den beiden FREUNDESKREIS Alben "Esperanto" und "Quadratur Des Kreises". Die Crowd kennt sämtliche alten Texte und singt begeistert mit. Der erste Höhepunkt des Abends wird erreicht, als Max bei "Anna ?04" den Refrain zur 1997 Version switcht und das ganze Publikum aus dem Häuschen ist. Mit einer "PRINCE-Einlage" zeigt Max anschließend, wie viel Funk er im Blut hat. Auch Fetsum und Celina lässt der Stuttgarter mit jeweils einem eigenen Song zu Wort kommen, wobei besonders Celina frenetisch gefeiert wird. Dann ist die erste Runde auch schon vorbei. Um die Zugabe kann sich MAX HERRE mit Band natürlich nicht drücken und so endet ein wunderschöner Abend zwischen Funk, Soul, Reggae und HipHop mit dem grandiosen "Halt Dich An Deiner Liebe Fest".

This Illusion – This Illusion

27. Okt 2004 | von Deniz

Von This Illusion liegen mir weder Vorkenntnisse noch eine Platteninfo vor, nur fünf straighte Emo-Happen, die selbst mich als nicht-Emoliebhaber vollends überzeugen können. Auf dieser selbstbetitelten EP präsentiert sich eine Band, die dem Genre, in dem schon alles gesagt wurde, keine neuen Impulse bieten kann, die aber trotzdem frisch und abgeklärt klingt. Drive, melodische Gitarren, straighte Arrangements, dynamische Breaks, ein perfekt passender Sänger (rau & gefühlvoll), guter Sound, alles da. Wie gesagt, Bands wie diese gibt es wie Sand am Meer, aber This Illusion haben genug Überzeugungskraft, um nicht weggespült zu werden, sondern sich in die Riege von etablierten Bands vorne einzumischen.

www.thisillusion.com

Mahout Operator – Slon

27. Okt 2004 | von Deniz

Mahout Operator ist aber ein komischer Bandname. ?Slon? (Schmodder Records) ist auch ein komischer Titel, er bedeutet nämlich auf Russisch ?Elefant? und auf Französisch ?Gesellschaft zur Förderung neuer Werke?. Vom Cover möchte ich gar nicht erst sprechen. Ach ja, und warum heißen die Songs ?Triple Duck Attack? oder ?Bonsai Pippi Song?? Man könnte meinen die Jungs aus dem Großraum Frankfurt meinen es nicht allzu ernst. Dagegen sprechen der Titel als beste Newcomerband Südwestdeutschlands 2003 und Emergenza-Europafinalist. Nun aber zur Musik: Ein Mix aus allen angesagten Rock-/Metalbands der amerikanischen Szene, sprich System Of A Down, Tool, Slipknot, Mudvayne, Incubus, Hed-Pe usw. ?Slon? klingt nach allem und nach nichts. Freakige Beats und melodische Alternative-Refrains kommen in jedem der sechs Songs vor. Was fehlt ist ein Konsens, ein Kernstück oder eine Riffgrundlage. Ich kann zu den Tracks weder abgehen noch etwas anderes tun. Komisch. Talent ja, gute Songs nein. In Köln sagt man auch ?Wat sull dä Quatsch??.

Feverdream – Freeze

26. Okt 2004 | von Torben

FEVERDREAM aus Holland bringen mit "Freeze!" eine EP auf den Markt die sich aus 5 Tracks zusammensetzt, die in 3 Sessions zusammengespielt wurden. Ursprünglich sollten die Songs als einzelne Singles veröffentlicht werden, doch glücklicherweise finden wir sie vereint auf dieser EP. FEVERDREAM sind ein gemischtes Trio aus zwei Männlein und ein Weiblein, die aus ihrer minimalistischen Besetzung mit einem Bass, einer Gitarre und den Drums eine grandiosen Sound irgendwo zwischen Indie-Rock und Post-Rock hervorzaubern. Sehr experimentell, teilweise Zweistimmig wird zwischen langsamen Passagen und energetischen Parts dahergegroovt, die gelegentlich an alte FUGAZI-Sachen oder AT THE DRIVE-IN erinnern. Auf die verschiedenen Stimmungen, geht Sänger René van Lien mit seiner vielseitigen Stimme permanent ein und schwankt zwischen melancholischem Geflüster, druckvollem punkigen Gesang und geschrienen Parts. Die Gitarrenarbeit erfolgt auf "Freeze!" größtenteils clean und kann trotzdem durch eine disharmonische Dreckigkeit gewaltig punkten. Mit "Freeze!" legen FEVERDREAM einen vielseitiges Päckchen aus 5 eigenständigen Hits vor, die absolut überzeugen können.

Bury Your Dead – Cover Your Tracks

26. Okt 2004 | von Torben

Mit großem Tamtam und dem Vergleich zu Szenegrößen wie HATEBREED, KILLSWITCH ENGAGE oder PANTERA werden BURY YOUR DEAD gleichsam als härteste Band New Englands vorgestellt. Ob die Band, die im Jahre 2001 als ein Nebenprojekt der Combo HAMARITA entstand den Vorschußlorbeeren gerecht werden kann, ist zunächst fraglich, immerhin standen BURY YOUR DEAD im Jahre 2002 vor dem endgültigen Aus. Das Zusammenraufen der einzelnen Musiker, die mittlerweile in den verschiedensten Combos wie BETWEEN THE BURIED AND ME oder BLOOD HAS BEEN SHED kräftig mitmischten sowie die Rekrutierung von Mat Bruso als neuen Frontmann hat die Band gestärkt und bis in die Haarspitzen motiviert auf Kurs zurückgebracht. Ähnliche Kunststücke, die teilweise zu kompletten Besetzungsänderungen führen, haben ja bereits Bands wie UNDEROATH oder FURTHER SEEMS FOREVER erfolgreich vorgeturnt, und auch bei BURY YOUR DEAD scheint die Rechnung aufzugehen als Victory an die Tür klopft und das Quintett unter Vertrag nimmt. Mit "Cover Your Tracks" erscheint nun die erste Frucht der Zusammenarbeit und überwälzt den geneigten Hörer in brachialster Metalcore-Bulldozer Manier. Mit gnadenlosem Tuff-Guy Geshoute und wummernden Bassläufen sowie der stets präsenten, hämmernden Doublebass wird ordentlich im Mid-Tempo gewütet. Fans der anfangs genannten Bands werden sich hier zunächst sicherlich gut aufgehoben fühlen, über die gesamte Länge der Scheibe drängt sich dann doch der Mangel an Abwechslungsreichtum auf. Nichts desto Trotz ist die Scheibe gut und authentisch produziert. Die Hard Fans werden ihre wahre Freude hieran haben.

The Meteors – These Evil Things

26. Okt 2004 | von Torben

Es ist mittlerweile fast 25 Jahre her, dass Paul Fenech dem soften Rockabilly Sound der damaligen Zeit überdrüssig wurde und harte Punk Gitarren in die Musik mischte. Mit einem Spleen für Horror Filme und Idole wie Michael Myers oder Charles Manson schuf man sich einen düsteren Sound, der sich auch textlich an Horror, Perversion und dem Tod im allgemeinen orientierte. Das somit neu geschaffene Sub-genre betitelten THE METEORS, die Band um Fenech, fortan als Psychobilly und setzten sich selber die Genrekrone auf. In der Zwischenzeit ist einige Zeit vergangen und das Trio, von dem nur noch Fenech als Gründungsmitglied übrig geblieben ist, blickt auf nicht weniger als 30 Alben und 4500 Konzerte auf allen erdenklichen Bühnen des Erdballs zurück. Im Jahre 2000 wurde zum Entsetzen vieler Fans das endgültige Aus von THE METEORS bekannt gegeben. Glücklicherweise hielt das "endgültige Aus" nicht lange an und bereits im letzten Jahr wurde uns mit dem Album "Psychobilly" ein weiterer Happen 50s Horror serviert. Das diesjährige Werk trägt den Namen "These Evil Things" und wird der treuen Fangemeinde weiterhin das liefern, wonach sie alljährlich lechzt: Die überaus rauen und dreckigen Vocals von Fenech, die einem die Neuigkeiten aus der Gruft präsentieren, die charakteristischen, treibenden Slap und Electric Bass-läufe und natürlich die Garage-lastigen Gitarren. Auch diesmal wird dem Hang zu Coversongs mit der ironischen Interpretation von JUDAS PRIESTs "Breaking The Law" genüge getan und zwei Instrumental-Songs befinden sich ebenfalls in der Tracklist. Man kann also nur feststellen, dass der Genrethron durch ein weiteres, routiniertes Werk der METEORS bis auf weiteres unangetastet bleibt. Von der fulminanten Bühnenshow der Combo kann man sich noch dieses Jahr überzeugen.

Emmerhoff – Misty Trails

26. Okt 2004 | von Christian

?Misty Trails? (DevilDuck Records) ist mir ans Herz gewachsen. Ich habe zuvor noch nie etwas von Emmerhoff And The Melancholy Babies gehört, und auch der erste Durchlauf der CD ist mir ein wenig zwiespältig in Erinnerung. Die Mischung klang teilweise einfach sehr ungewohnt, zumal ich kaum vergleichbare Bands kenne: Die Songs sind eher ruhig und melancholisch, bieten weitschweifige Instrumental-Parts, die mich hier und da an Tarantino-Soundtracks erinnern, und haben etwas Surreales, ebenso Beruhigendes. Sicherlich werden Fans von Porcupine Tree die fünf Norweger mögen, der für mich augenblicklich treffendste Vergleich, denn auch auf ?Misty Trails? werden zeitlose, magische Klangwelten mit organischen Mitteln geschaffen. ? Oftmals mit interessanter Instrumentierung: Akustik-Bass, Glockenspiel, Banjo, Akkordeon, Perkussion, Klavier, Akustik- und Steel Gitarre; stets unaufdringlich leicht, ohne in irgendwelche nervig-verschrobenen Songwriter-Gefilde abzudriften. ?Nowhere Town? beispielsweise wäre ebenso auf dem Debüt von Norah Jones richtig gewesen, ?Dark Horse? hätte jedem Country-Album gut getan. Gesanglich fühle ich mich stellenweise an Led Zeppelin erinnert, zumal auch die Arrangements unzweifelhaft von den Siebzigern inspiriert wurden. <p>
Seit 1998 besteht das aktuelle Line-Up um Gunnar Emmerhoff, ihr Debüt ?Viva Revenge? traf auf große Publikumsliebe und auch das 2001 folgende Album ?Loosebox? wurde in Norwegen begeistert aufgenommen. Mit ?If This Darkness Lingers? erschien 2003 das dritte Werk, welches sogar die Kritik in ungewöhnlichem Maße abfeierte. ?Misty Trails? ist die daraus gefilterte Zusammenstellung der laut Platteninfo ?schönsten und aufregendsten? Songs von Emmerhoff And The Melancholy Babies, welche die Band auch hierzulande ins Rampenlicht zieht. Dass das der richtige Platz für sie ist, daran habe ich keinen Zweifel. <p>
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<a href="http://www.emmerhoff.com">http://www.emmerhoff.com</a> <a href="http://www.devilduckrecords.de">

http://www.devilduckrecords.de</a>

The Anti Doctrine – Patterns Of Liquid Red

24. Okt 2004 | von Emrah

Wem der Name THE ANTI DOCTRINE nichts sagt, wird die Band vielleicht noch als "STRAIGHT" kennen, zumindest haben die Düsseldorfer unter diesem Namen in den vergangenen Jahren des öfteren als Supprt-Act von Soulfly, Chimaira und vielen anderen größeren Bands auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt hat es endlich auch mit einem Label-Deal geklappt, das Ergebnis ist die EP "Patterns Of Liquid Red" (Eat The Beat/Pirate/Sony) und bietet sieben Songs plus Intro (Tipp für Sparfuchse: die EP gibt's bei amazon für nur 6,99 Euro). The Anti Doctrine verbinden geschickt Old School Death Metal Elemente mit New Metal und setzen von schleppenden Doom-Parts bis Knüppel-Attacken alles ein, was an Geschwindigkeiten möglich ist.

Nach einem viel zu leisen Intro folgt mit dem Opener "Here After Dawn" der mit Abstand beste Song der Scheibe: Heavy, düster, modern und mit coolen zweistimmigen Gitarren untermalt. Dazu eine Prise Metalcore, coole Tempowechsel und Breaks. Erste Sahne! "Collapse And The Days In Black" setzt dann eher auf noisige, disharmonische Riffs, bevor die tiefer gestimmten Gitarren wie eine Walze losdonnern. Leider bricht der Song nach 2:15 Minuten ab und langweilt die letzte Minute nur noch mit einem nervigen Doom-Riff und anschließend mit einem wieder viel zu leisen und unnötigen clean gespieltem Outro. Eine zwiespältige Angelegenheit! Schade, denn der Song hatte eigentlich so gut begonnen. "Beneath Broken Silence" geht in eine ähnliche Richtung, wird wieder von Korn-mäßigen, brutal runter gestimmten Gitarren dominiert, kann aber nicht ganz überzeugen. Nur die in der Mitte nach Chuck Schuldiner klingenden progressiven Gitarren fallen positiv auf. Bei Drama Effects" wird dann so richtig geknüppelt, zumindest die ersten 105 Sekunden, danach gibts wieder ein Old-School-Doom-Riff, das zwar für St.Vitus oder Black Sabbath-Fans interessant sein dürfte, aber meiner Meinung nach den Groove und die Dynamik aus der Scheibe nimmt. Zum Glück beherrschen sich die Jungs beim Titeltrack "Patterns Of Liquid Red" und besinnen sich auf ihre wahre Stärken. Hier wird dann auch mit Death-Metal Vocals im Background variiert, was ganz gut gelingt. Die Gitarren erinnern dabei ein wenig an Nevermore, was sicherlich eine gute Referenz ist! "Death Of A Masterpiece" spielt dann wieder mit New- und Old-School-Elementen, leider wirkt der Song etwas konfus und chaotisch. Den Abschlusstrack "An Course Of Greed" hätten sich The Anti Doctrine dann sparen könne, denn er fällt vom Niveau her ganz schön ab und trübt den Gesamteindruck. Fazit: Eine Platte mit Höhen und Tiefen, Stärken und Schwächen, die sowohl New Metal-Kids als auch Death-Metal-Fans ansprechen könnte. Bei der nächsten Platte sollten dann aber ein paar mehr geile Stücke auf dem Level von "Here After Dawn" dabei sein. Der Rest kann nämlich nicht so ganz überzeugen, für mehr als Höflichkeitsapplaus reicht es diesmal leider nicht …

www.theantidoctrine.com

My Early Mustang – My Early Mustang

23. Okt 2004 | von Emrah

Wie heißt es so schön im Radio? Das größten Hits der 80er, 90er und das Beste von heute! So ähnlich müsste eigentlich auch der Werbespruch zum Debut von My Early Mustang heißen. Perfekt umgesetzter Rock, Pop und Bugglegum-Punk, der sofort ins Ohr geht. Bevor ich auf die einzelnen Songs eingehen werde, hier nur kurz die Fakten, die ihr wissen müsst: Einige Bandmember dürften euch bekannt sein, Tim (Vocals/Gitarre) und Wolle (Schlagzeug) waren vor einigen Jahren mit Liquido, die einige der schlimmsten Ohrwürmer ever aufgenommen haben ("Narcotoc", "Doubledecker"), erfolgreich. Flo (Vocals, Gitarre) kennt man von Flyswatter, dazu kommt am Bass noch Andy (Tristesse). My Early Mustang machen Musik, die eigentlich dafür prädestiniert ist, Millionen von Platten zu verkaufen. Ob Nuclear Blast dafür das richtige Label ist, bleibt abzuwarten, denn mit Metal haben die Vier hier nicht viel am Hut.
Kommen wir zu den Songs: "December" ist beginnt mit einer Blink-mäßigen Gitarrenmelodie, danach tendiert es dann doch eher in Richtung Flyswatter, was natürlich an Flos Gesang liegt, der mit seiner angenehmen Stimme für massig Pluspunkte sorgt. Könnte ein Hit werden, haut mich aber auch nicht um. Darauf folgt mit "Over My Head" der Höhepunkt des Albums. Wieder einmal singt Flo fantastisch (spätestens hier sollten Flyswatter-Fans gerafft haben, dass sie dieses Album besitzen müssen!!!), auch die Gitarren sind exzellent und wenn im Refrain dann ein an Bon Jovi angelehnter Ohrwurm folgt, ist klar: My Early Mustang machen sich nichts aus Klischees, klingen zeitlos und wollen einfach nur ohne Regeln drauflos rocken. Und das machen sie auch sehr konsequent. Klassisch ist auch der Mitsing-Part bei "Over My Head", der für Live-Auftritte in riesigen Stadien wie geschaffen ist. "When You Sang" geht in eine ähnliche Richtung und erinnert etwas an Mötley Crüe zu "Dr. Feelgood"-Zeiten. Glam-Rock wie in den Achtzigern, nicht schlecht. "Miss You" ist die erste Single, etwas unspektakulär, aber auch kein Fehltritt. Knackig, kitschig, kuschelig. Drei Wünsche auf einmal erfüllt. "Romeo's Burning" ist wieder purer Rock, im Vergleich zum Rest der Scheibe leider aber etwas undynamisch. "Driving Down" erinnert an Bands wie Matchbox Twenty oder Hootie & The Blowfish. College Rock, der für einige vielleicht belanglos ist, andere wiederum in Ekstatse setzen könnte. "Constant Changes" ist Bubblegum-Punk der Marke Blink 182, bei "How It Ends" fühle ich mich an 80er-Bands wie Journey oder Toto erinnert, was vielleicht auch am Klavier liegen könnte. Eine coole Nummer, die vor zwanzig Jahren sicherlich ein Kassenschlager geworden wäre. Bei "Secret Letter To A Lost Friend Part 2" bekommen wir erstklassigen Emo geboten, der sich schön vom Rest des Album abhebt. "Goddamn (It's Looking Good)" ist der einzige richtige Ausrutscher und mit einem Mick Jagger mäßigen Refrain ausgestattet. "Samantha" ist wieder College-Rock mit 80er-Elementen und könnte auch in einer Dorf-Disco zwiachen Melissa Etheridge und Nena gespielt werden. Der letzte Song "Sixpack" ist ein gelungener Abschluss und bietet drei Minuten Pop-Punk, nicht mehr, nicht weniger. Zum Abschluß sei gesagt, dass ich nur dazu raten kann, euch dieses Teil zuzulegen, denn es bietet das beste der 80er, 90er und von heute. Wozu braucht man noch ein Radio?

www.myearlymustang.com

Cinnamoon – Cinnamoon

23. Okt 2004 | von Deniz

Es ist Freitagnachmittag und ich habe gerade mein Wochenendvorbereitungsschläfchen gehalten, im Hintergrund läuft das selbstbetitelte Album von Cinnamoon. Ein klarer Vorteil für die Norweger, die Musik tut meiner Verfassung zwischen zerknirschter Restmüdigkeit und Aufbruchstimmung richtig gut. Denn der Easy- Listening-Rock auf ?Cinnamoon? (Honeymilk Records) klingt angenehm melancholisch, aber trotzdem frisch wie ein Trip in die Landschaft, egal wo. Beim Opener ?Dogtown? wollte ich die Musik noch wie eine Mischung aus Nick Cave, Radiohead und Travis beschreiben, doch auch wenn Liebhaber dieser Tristesse-Kapellen vielleicht gefallen an diesem Scheibchen finden könnten, so muss ich den Einfluss dieser Bands etwas relativieren. Cinnamoon fahren mit ihrer Musik eher in Countrysphären, aber immer noch mit einem Hang nach Traurigkeit. Einige Tracks hätten sicherlich auch gut auf dem Pulp Fiction Soundtrack gepasst. Nette Licks, weiche Gitarren mit viel Sustain ? zum relaxen eben.
So, ich bin jetzt wieder hellwach und sage einfach nur noch ?nette Scheibe?.

Vidna Obmana – Legacy

23. Okt 2004 | von Deniz

Sicher, ich bin kein Experte auf dem Ambient / Electronica Sektor, Vidna Obmana kenn ich erst recht nicht. Zum Chillen, Lesen oder Einschlafen sind aber auch bei mir Massive Attack, DJ Krush oder Aphex Twin hin und wieder gern gesehene Gäste im CD-Player.
Vidna Obmana, der Mann, von der die Platteninfo behauptet, er sei einer der profiliertesten und angesehensten Künstler im Ambient-Genre, baut auf ?Legacy? (Relapse) mit überlangen Songs eine geisterhaft-düstere Stimmung auf. Getragen von minimalistischen Beats und sphärischen Synthie-Waves lädt diese wortlose Musik (abgesehen vom Intro) zum Eintauchen in eine klaustrophobische Welt ein. Mir persönlich fehlt teilweise die Spannung, Wärme und Aussage, um die Reise mitzumachen. Zu Monoton, zu ungemütlich sind mir die acht Tracks auf dem dritten Album von Vidna Obmana. Da hilft es auch nichts, dass mit Steve Van Till (Neurosis) und Porcupine Tree?s Steve Wilsons zwei von mir hoch respektierte Sänger Ideen zu diesem Werk beigesteuert haben. Abgesehen davon, hört man das auch nicht so wirklich raus. Ich bleib bei Aphex Twin und seinen ?Ambient Works?.

Jon Olivas Pain – Tage Mahal

23. Okt 2004 | von Emrah

Sind Savatage etwa tot? Oder warum veröffentlichen die Bandmitglieder in letzter Zeit immer mehr Solo-Alben? Angefangen bei Circle II Circle über Chris Caffery und jetzt bis zu Jon Oliva's Pain. So langsam verliert man da den Überblick und den dabei auch den Glauben an Savatage. Trotzdem muss man sich beim Release von "Tage Mahal" (Steamhammer/SPV) nicht ärgern, denn die Scheibe von Sänger und Pianist Jon Oliva ist rundum gelungen und bietet klassischen Savatage-Stoff, der sehr an das Album "Streets – A Rock Opera" erinnert. Epischer Power Metal mit gigantischen Chören, der aber nie kitschig wirkt, sondern sehr ehrlich rüber kommt. Dazu die charismatische Stimme von Oliva und es bleiben keine Wünsche offen. Die Songs sind sehr vielschichtig, nie nach Schema F und verlangen nach viel Aufmerksamkeit. Zum Nebenbei hören eignet sich "Tage Mahal" nicht, dazu ist das Album viel zu komplex. Man merkt Oliva richtig an, dass er sich auf dieser Scheibe richtig auslebt und er sich sehr viel Mühe dabei gegeben hat. Die Parts wirken durchdacht, sind dabei aber immer mit viel Gefühl umgestzt worden. Als Anspieltipp sei hier "All The Time" empfohlen, dass ein echter Klassiker werden könnte und Metal in Perfektion darstellt. Und das es sich hierbei nicht nur um ein Projekt handelt, beweist die Tatsache, dass die Band im nächsten Jahr auch auf Tour kommen wird. Fazit: Wer von den letzten Savatage-Scheiben enttäuscht war, wird mit "Tage Mahal" endlich das bekommen, worauf er so lange warten musste. 62 Minuten Bombast-Metal der Extraklasse!

www.jonoliva.net