Diese Band ist einfach nicht klein zu kriegen! Mit ?Sis Mases? bringt das Trio ihr bereits sechstes Album raus. Zur Überraschung aller zeigt sich Harmful von einer neuen Seite. Die Melodie hat Einkehr gefunden und steht der einstigen deutschen Vorzeige-Noiseband gar nicht mal so schlecht. Zugänglicher denn je ist es alle Male. Gerade diejenigen, die eh nicht viel mit Noise am Hut hatten, bekommen jetzt die Chance, einer der wichtigsten Band des Undergrounds neu für sich zu entdecken.
<b> Harmful anno 2005. Mit einem Satz bitte. </b>
Aren: Die Ankunft!
<b> Wie kommst du drauf? </b>
Aren: Ich habe das irgendwo über unsere neue Platte gelesen. Sagen wir so: Bei uns gab es immer diese zwei Welten. Die harte und die melodische Welt, die uns immer wieder dazu brachte, die Plattenfirmen zu überzeugen, unsere Platten zu veröffentlichen ohne selbst dafür zu zahlen. Es sind keine Kompromisse, es ist immer ein Kampf, um dort einen roten Faden rein zu bringen. Bei der neuen Platte ist es uns wirklich gelungen. Wir gehen halt viel mehr in eine melodische Richtung als zuvor.
<b> Liegt das an der Zusammenarbeit mit Kurt Ebelhäuser (Blackmail -Anm. des Verf.)? </b>
Aren: Auf jeden Fall. Ich habe dem Kurt immer schon gesagt, dass ich unbedingt mit ihm mal eine Platte machen will und dabei die Stärken beider Bands auf eine Platte zu bringen. Er ist ja derjenige, der mehr auf die Melodie Wert legt im Gegensatz zu uns, die wir kantig und hart sind. Die Mischung ist uns dabei sehr gut gelungen.
<b> Harmful lebt diesen Zyklus: Platte-Tour-Platte-Tour?.Ebenfalls gibt es einen Zyklus bei euren Labels. Nach SPV seid ihr jetzt bei Nois-O-Lution angekommen. </b>
Aren: Ja genau. Bei SPV war alles nicht so klar, wie es mit uns weitergehen sollte. Sie haben uns einige Angebote gemacht, die uns aber nicht wirklich vom Hocker gerissen haben. Sie wollten zuerst ?Art Of Rebellion? als Single raus bringen, um zu schauen, wie es so läuft. Aber das war uns alles irgendwie sehr unklar. Die neuen Sachen haben dem Arne (Label-Chef von Nois-O-Lution -Anm. des Verf.) sehr gut gefallen und er wollte das komplette Album mit uns machen. Dann fiel halt die Entscheidung, dass wir unsere Platte lieber da veröffentlichen, wo man zu 100% dahinter steht. Das war bei Nois-O-Lution so.
<b> Ich hab gelesen, dass du in Armenien warst. Welchen Eindruck hast du mitgenommen, den du konkret auf die Platte gebracht hast? </b>
Aren: Die typisch wirkende armenische Melancholie. Von dem, was rüber kommt, wirkt die Platte auch sehr persönlich. Wir haben versucht verschiedene Elemente einzubringen, die das Album verfeinern.
<b> Folklore? </b>
Aren: So kann man das nicht sagen. Vielmehr haben wir einige typische Instrumente benutzt und eingebaut. Wie zum Beispiel bei ?Interios?. Das hat alles prima geklappt und zeigt die neue Klangvariante von uns.
<b> Auf der Homepage eures Labels steht der Satz: ?Das Zeug zum Newcomer des Jahres, wenn nicht schon jeder den Namen im Regal hätte?. Euch gibt es jetzt seit 1992. Warum ist es immer so schwer gewesen, euch irgendwie einzuordnen? </b>
Aren: Das ist halt das Problem. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Viele Leute wollen halt bei der Musik immer Gewissheit. Das ist die Band und die Band macht den und den Sound. Wir haben jetzt die sechste Platte draußen und rückblickend kann man sagen, dass wir die ersten beiden Platten straight kompromisslos durchgezogen haben. Wir mussten unseren Horizont weiterentwickeln und ohne die Melodie ist es sehr schwer, heutzutage noch Leute zu überraschen. Dass wir eine harte und intensive Band sind, weiß jeder. Aber auf ?Sis Mases? wollten wir wieder ein Extrem weiter gehen und ein kompakteres Album hervorbringen. Zwar sind wir immer noch hart und intensiv, aber die Platte ist von vorne bis hinten melodiös. Es war für uns halt sehr wichtig, dass wir diesmal einen roten Faden hinkriegen.
<b> Wird diese Kompaktheit durch das Intro ?Sis? und dem Outro ?Mases? bestärkt, die die anderen Songs umschließen? </b>
Aren: Genau! Es ist uns sehr wichtig wie die Platte anfängt und wie sie endet. Es soll eine Reise sein. Ich finde schon, dass sehr viel Abwechslung drauf ist. ?Tempted To Complete? ist eine ziemliche Bass-Nummer. So was hatten wir bis dato auch noch nie gehabt. ?What You Will Find Is? hingegen ist ein typischer Harmful-Song, wenn man so will, und mit Art Of Rebellion? haben wir den poppigsten Song drauf, den wir je geschrieben haben.
<b>?Art of Rebellion? ist sicherlich ein untypsicher Song für euch. Aber warum wird gerade dieser auf diversen Samplern und auf eurer Homepage angeboten? </b>
Aren: Um die Leute halt zu provozieren. ?Expect the unexpected? ist eigentlich ganz gut. Natürlich werden einige alte Fans erschreckt sein. Aber wer sich die Platte holt und den Zusammenhang hört, wird schon merken, dass wir immer noch Harmful sind, aber einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht haben.
<b> Wer sich das Cover von ?Sis Mases? anschaut und es mit den anderen vergleicht, dem fällt auf, dass die typischen Harmful-Farben nicht mehr vorhanden sind. </b>
Aren: Genau. Wir wollten auch mit dem Cover diesen Bruch verdeutlichen. Eigentlich wollten wir das Cover-Artwork schon bei ?Sanguine? verändern. Damals haben wir realisiert, dass zu viele private Probleme dazwischen standen, um das noch zu ändern. Jetzt hatten wir halt mehr Zeit gehabt und konnten uns auch damit beschäftigen.
<b> Ist dieser Bruch auch als eine Art Befreiung zu verstehen? </b>
Aren: Nee, nicht als Befreiung. Wir haben einfach nur unseren Horizont erweitert. Du darfst nicht vergessen, wie viele Bands bringen sechs Platten raus ohne nie richtigen Erfolg zu haben? Keine, oder? Wie haben sechs Platten aufgenommen, weil wir unsere Musik lieben und nicht stehen bleiben. Wenn du eine Band bist, die mit dreimal der selben Platte erfolgreich ist, ist es einfacher weitere Platten in diesem Stil zu machen. Aber bei uns war es halt immer schwierig, da uns die Leute nie so richtig einordnen konnten. Wir haben es noch nie so einfach gehabt, mit der neuen Platte Leute zu erreichen, die von Harmful zuvor noch nie was gehört haben. Bis jetzt kommt ?Sis Mases? bei den Medienvertretern sehr gut an. Wie auch bei denen, die uns nie so richtig einordnen konnten. Es ist viel zugänglicher geworden. Dennoch ist ?What You Will Find Is? durch und durch ein typischer Harmful-Song, der uns gleich zuordnet.
<b>? Another Useless Try? wolltet ihr erst gar nicht auf die Platte nehmen. Warum? </b>
Aren: Das stimmt. Aber Guido hat gesagt, dass der Song drauf muss.
<b> Guido Lucas war dabei? </b>
Aren: Er ist immer dabei. Ich mag ihn ja sehr und frage ihn oft. Er ist auch für die Reihenfolge der Songs verantwortlich und hat auch einige Stücke gemischt. Er war der Meinung, dass ?Another Useless Try? ebenfalls ein untypischer Harmful-Song sei und darum drauf muss. Ich wollte anfangs auch nicht ?Art Of Rebellion? auf der Platte haben. Ich empfand es als sehr schwer, dass solch ein Song auf die Platte muss, um Leute zu überraschen. Das in positiver Hinsicht. Es ist zum Vergleich zu ?Sanguine? das krasse Brett. Viele dachten, wir würden jetzt eine noch härtere und rauere Platte machen, aber wir haben uns für das Gegenteilige entschieden.
<b> Zum Abschluss: Welchen Song von der neuen Platte würdest du demjenigen empfehlen, der richtig down ist? </b>
Aren: Ich würde sagen?.?Tempted To Complete? oder ?What You Will Find Is?
Interview vom 19.03.05 ?Köln, Live Music Hall