Mainstage


Hawthorne Heights - If Only You Were Lonely

26. Jan 2006 | von Jakob

Dachte ich beim ersten Song von ?If Only You Were Lonely? noch die Promo-Agentur hätte sich vertan und mir aus Versehen das alte Album geschickt, wurde mir beim zweiten Song dann doch klar, dass es sich um das aktuelle, neue Album von HAWTHORNE HEIGHTS handelt.
Nachdem der große Emo/Screamo Trend vorbeigezogen ist hört man auch bei der Band mit den drei Gitarristen, dass sie sich vom ewig-gleichen Schema des Singen und Schreiens abwenden und weitaus mehr poppige Elemente in ihren Songs zulassen. Nicht dass das Debüt Album ?The Silence In Black And White? nicht auch poppig gewesen wäre, immerhin wurde es in den Staaten mittlerweile knapp 700.000 mal verkauft, aber der neue Longplayer kokettiert doch noch etwas stärker mit den Spielarten der Popmusik. Das Grundgerüst der Songs bilden immer noch verzerrte Gitarren und ein kräftiges Schlagzeug, aber die Melodien sowie der Gesang sind schon deutlich hörbar in Richtung Populärmusik gewandert. Der Band steht das aber durchaus gut zu Gesicht, Sänger JT hat nun mal keine wirklich starke Stimme, von daher passt der etwas seichtere Gesang, zu großen Teilen auch zweistimmig, schon besser zu den stimmlichen Voraussetzungen des Frontmanns.
Momentan scheint es bei den Emo/Screamo Bands von vor ein/zwei Jahren ja relativ beliebt zu sein etwas Druck aus der Musik zu nehmen und sich weiter dem Mainstream zu öffnen. ANBERLIN, EMERY und in Teilen auch STORY OF THE YEAR haben ähnliche Richtungen eingeschlagen. HAWTHORNE HEIGHTS haben aber noch mal ein ganz eigenes Gespür für die richtigen Melodien in ihren Liedern. Die Songs unterscheiden sich zwar nur marginal voneinander, bilden im Kontext des Albums aber ein schönes und überzeugendes Gesamtbild.
Für mich ist ?If Only You Were Lonely? ein gutes Album, welches allerdings mit einem Wehrmutstropfen ausgestattet ist, durch den die Band den Langzeit Test bei mir wohl nicht zu 100% bestehen wird: Gelegentlich kommen noch geschrieene Vocals zum Einsatz und katapultieren die Musik für kurze Momente in die Belanglosigkeit die so viele Bands aus diesem Genre auszeichnet. Schade, denn ohne die post-avantgardistischen Schrei-Vocals wäre ?If Only You Were Lonely? ein wirklich sehr gutes melancholisches Pop-Rock Album geworden.

7,5 von 10

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Today Forever - The New Pathetic

26. Jan 2006 | von Jakob

Nach der Gründung im Jahre 2002, einer 7-Song CD auf Guideline-Records sowie einer ansehnlichen Zahl von Konzerten mit so unterschiedlichen Bands wie COMEBACK KID, FIGURE FOUR, GIVE UP THE GHOST, ZAO, STRETCH ARMSTRONG oder auch SINAI BEACH steht nun schon seit dem letzten Sommer das erste Full Length Album von TODAY FOREVER in den Mailorder Listen unseres Landes.
New School Hardcore unter Einbindung moderner Elemente von Metal über Oldschool bis Emo steht auf dem Programm von ?The New Pathetic? (Guideline Records). Ganz im Gedenken an die großen Bands der mittleren neunziger Jahre mosht sich eine Gitarre durch die Songs während die andere den melodischen Gegenpol hält und den Sound nicht ins Stumpfe abdriften lässt. Teilweise erscheinen neben den geschrienen Vocals von Sänger (und ehemals Basser) Christian auch einige Crew-Shouts sowie gut platzierte cleane Gesangsparts. Wie Mitte der Neunziger üblich sind die Strukturen jedes Songs unterschiedlich und einzelne Parts werden nur selten mehrfach gespielt, daraus resultiert eine große Bandbreite an Facetten die von TODAY FOREVER überzeugend abgedeckt wird. Langweilig wird einem mit dieser Platte so schnell jedenfalls nicht.
Gastvocals von Kid D (RYKERS), Erich Barto (ALOVE FOR ENEMIES) sowie dem allmächtigen Telefonhörer-Vokalisten Schumitz (FRIENDLY FIRE) und ein schönes Artwork runden dieses Release von Kassels momentan bester Hardcore Band ab. Bleibt mir nur übrig eine Empfehlung an alle Hardcore-Interessierten Über-den-Teller-Hinausgucker auszusprechen. Und wer auf gute Live-Bands steht sollte sich TODAY FOREVER sowieso nicht entgehen lassen.

8 von 10

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Arctic Monkeys - Whatever People Say I Am, That?s What I?m Not

22. Jan 2006 | von Jakob

Von den Arctic Monkeys hörte ich das erste Mal letzten Oktober, als ich in London war und den damals aktuellen NME las. Dort wurden sie als neue beste Band der Welt bezeichnet, schließlich spielten sie nur einige Wochen nach der ersten Single ein Konzert mit 2000 Leuten. Da das mehr waren als beispielsweise bei den Beatles und den Rolling Stones nach der gleichen Zeitspanne, war es für den NME folglich, dass das was ganz Großes sein muss (der Einfluss des Internets wurde schlicht ignoriert). Folglich waren sie der neue Hype in England und könnten das mit Glück auch hier werden. Meine Herangehensweise an Hypes ist eher vorsichtig (an Bloc Party hab ich mich auch erst spät herangetraut ? zu Unrecht), aber die beiden Vorabsingles ?Fake Tails Of San Francisco? und ?I Bet You Look Good On The Dancefloor? machten einen sehr guten Eindruck und Lust auf mehr.
Jetzt ist also Anfang des Jahres das Album da und muss beweisen, ob hier the next big thing antritt. Alex Turner hat keine sonderlich tolle Singstimme, die sich machmal ein Wettrennen mit der Gitarre liefern zu scheint, allerdings passt sie gut zum Sound der Band ? der ist roh, wie die Produktion. Textlich wird von der Liebe und dem alltäglichen Leben in der Stadt gesungen, das gab?s alles schon.
Von den Songs können nicht alle so überzeugen wie das Vorabmaterial. Die neue Single ?When The Sun Goes Down?, ?Perhaps Vampires Is A Bit Strong, But?? und ?A Certain Romance? (das nach Libertines klingt) gefallen, der Rest ist in Ordnung, aber unspektakulär.
Alex Turner, der Sänger (mit 20 Jahren übrigens der älteste der Band), kündigt das Video von ??Dancefloor? mit ?Don?t believe the hype? an und der Albumtitel sagt ähnliches aus. Eine Band, die nicht der Hype sein will, aber sich kaum gegen wehren kann. Ihr Album ist sicher kein schlechtes Debüt, aber hat bis auf eine Hand voll guter Lieder (aus denen ?Dancefloor? noch heraussticht ? das Lied ist ein Hit und wird dieses Jahr noch oft zu hören sein) bleibt zu wenig hängen. Und beim derzeitigen Output Englands wird diese Platte erst recht kurzlebig sein.

6 von 10

(geschrieben von Martin Schramm)

Full Screen - s/t

16. Jan 2006 | von Robert

Auch in Frankreich scheint sich mittlerweile in Sachen Punkrock etwas zu tun. Und so hat sich das belgische Label Punk Nation der Band Full Screen angenommen und das selbstbetitelte Debüt der Franzosen veröffentlicht. Auf diesem Werk bietet das Quartett recht eingängigen emotionalen Poppunkrock, der aber in vielerlei Hinsicht rockiger klingt, als viele Bands, die mir in Sachen Emo-Punkrock noch so einfallen. Allerdings ist sonst alles irgendwie nach Schema F eingespielt. Die Balladen dürfen nicht fehlen, auch das Duett mit einer Sängerin ist da von den Melodien und der Songstruktur ganz zu schweigen. Grundsätzlich habe ich schon schlechtere Bands gehört, doch Full Screen bewegen sich zu sehr auf ausgelatschten Pfaden und vergessen einfach zu häufig ihre Eigenständigkeit. Etwas mehr Innovation und etwas mehr Spielfreude und das nächste Album der Franzosen wird sicher ein Kracher, da bin ich sicher.

5,5 von 10

Deep Insight - Red Lights, White Lines

16. Jan 2006 | von Robert

In ihrer Heimat Finnland und in Portugal (!!!) waren Deep Insight anscheinend schon länger bekannt und über den Status eines Geheimtipps hinaus. Im Juni gab es dann die erste Tour durch Deutschland, der Geheimtippstatus bei uns war Dank herausragender Shows damit erreicht. Nun ist man sicher einen Schritt weiter. Zum einen da mit ?Red Lights, White Lines? nun ihr Album auch bei uns veröffentlicht wurde, zum anderen da die vier Finnen gerade ihre Tour als Support ihrer Landsleute von The Rasmus beenden.
Ihr Album ist auch wirklich großartig geworden. Hierbei verknüpfen Deep Insight Post Rock mit ein wenig Punk, vielen Emotionen und tollen Melodien. Aber besonders die in den Liedern erzeugte Atmosphäre und die häufigen musikalischen Ausbrüche, von denen der Gesang aber verschont bleibt, bringen unglaublich viel Farbe in dieses Werk. Alle Songs überzeugen, egal ob die ruhigeren wie ?Background Symphony? (tolle Ballade) und ?Detonator? oder die krachigeren Lieder, wie ?Red Tape?, ?Itch? und ?Hurricane Season?. Für Abwechslung wird so also auf jeden Fall gesorgt. Überhaupt ist ?Red Lights, White Lines? eine wirklich erfrischende und sehr schöne CD geworden, die einen so richtig mitreißt und keine Wünsche offen lässt.
Musikalisch sind Deep Insight übrigens ganz in der Nähe ihrer Landsleute von Disco Ensemble oder The Rasmus und auch ein wenig in der von Hot Water Music einzuordnen.
Wie man es auch dreht und wendet, Deep Insight werden hiermit sicher in Deutschland einen ziemlich großen Bekanntheitsgrad aufbauen und wer will es Ihnen bei einem solch starken Album auch verdenken

9 von 10

Gogol Bordello - Gypsy Punks

16. Jan 2006 | von Robert

Über Gogol Bordello hat man in letzter Zeit sehr viel gehört und gelesen. Zum einen hat ihr Frontmann gerade einen Film in die Kinos gebracht, zum anderen waren Gogol Bordello kürzlich auf Tour und die Musik war es scheinbar auch wert, dass man viel über sie redete. Denn Gogol Bordello mischen Punkrock mit traditionellen Klängen, die ihren Ursprung wohl auf dem Balkan haben. So werden auch Flöten und Streicher und andere traditionelle Instrumente eingesetzt um diese Musik zu kreieren. Dadurch entwickelt sich auf dem aktuellen Album von Gogol Bordello “Gypsy Punks”, erschienen auf SideOneDummy Records, der ein oder andere sehr interessante Song. Die Idee so eine andere Art von Folkpunk zu erschaffen ist außerordentlich gut und das weiß zu gefallen. Allerdings fehlt mir an der einen oder anderen Stelle der Druck, auch die Ohrwürmer dauern zu lange um sich zu entfalten. Nimmt man zum Beispiel eine Band wie Flogging Molly, dann gelingt denen genau das, was Gogol Bordello noch fehlt. Ich aber sicher, dass auf weiteren Alben der Gypsy Folkpunker genau das noch behoben werden kann. Die Grund Idee ist gut, nur an der Ausarbeitung fehlt es noch ein bisschen. Man darf auf weitere Alben gespannt sein.

6,5 von 10

Suicide Machines - War Profitiering Is Killing Us All

16. Jan 2006 | von Robert

Kaum eine andere Band hat sich seit ihrer Bandgründung stetig so weiterentwickelt und so oft verändert und ausprobiert, wie The Suicide Machines. Kaum eine andere Band hat vor jedem Album eine solche Wundertüte parat, wie die Band aus Detroit. Die Wurzeln liegen klar im Bereich des Skapunks, aber nach einem Ausflug in die Emo-Rock-Richtung, werden die Alben von mal zu mal härter, mehr und mehr Hardcoreeinflüsse kommen und hinzu und gleichzeitig werden die Suicide Machines auch immer politischer in ihren Texten. Der beste Beweis dafür ist ihr letztes Studioalbum ?War Profiteering Is Killing Us All?, erschienen auf SideoneDummy. Das zentrale Thema dieses Albums ist die Politik und daher ist ?War Profiteering Is Killing Us All? vielleicht auch ein so unglaublich brachiales und angepisstes Stück Musik geworden. G.W. Bush und seine Politik bestimmen die Ausrichtung dieser Scheibe und so machen die Suicide Machines ihrer Wut Luft und bringen zum Ausdruck, was sie von alledem halten.
Die positiven Momente, vielleicht Hoffnungsschimmer, werden immer noch durch Skaelemente repräsentiert und so erzeugen die Machines auch 2005 wieder sehr viel Abwechslung, auch wenn man im Vergleich zum Vorgänger ?The Match and Some Gasoline?, diese klar reduziert hat. Energische Ska-Punkrock-Hardcore Songs gibt es hier zu hören, die schnell, eingängig und unglaublich brachial daherkommen und dieses Album zu einem sehr guten machen. Dabei sind Songs wie ?Capitalist Suicide?, ?All Systems Fail? oder ?Hands Tied? nicht nur Ventile für die eigenen Empfindungen, sondern regen auch gleichzeitig zum Nachdenken an und beweisen, diese Band hat etwas zu sagen. Im Endeffekt gefiel mir der Vorgänger ?A Match And Some Gasoline? schon sehr gut, aber ?War Profitiering Is Killing Us All? hat noch mehr Momente die mich begeistern und kann den Vorgänger sogar noch toppen. Starkes politisches Werk!

9 von 10

Bamboo Kids - This Ain´t No Revolution

16. Jan 2006 | von Robert

Die Bamboo Kids kommen aus New York und legten kürzlich ihr neuestes Werk ?This Ain´t No Revolution? vor. Darauf vereinigen die drei New Yorker Rock´N Roll, Punkrock, Glam-Rock, Garagenelemente und viele 60er und 70er Rockeinflüsse, wodurch die Musik manchmal ein wenig nach den Beach Boys auf Speed klingt. Doch genau diese Mischung weiß vollauf zu überzeugen, gerade weil es immer wieder gelingt starke Melodien zu erzeugen. Dadurch kommt auch Abwechslung auf dieses Album. ?This Ain´t No Revolution? macht daher einfach tierisch Spaß und enthält zahlreiche Hits, wie ?I am Ready?, ?Cheetah Chrome? oder ?Heart Attack?.
Insgesamt befinden sich hier elf partytaugliche ganz starke Rock´N Roll Songs auf CD. Und so ist ?This Ain´t No Revolution ein wahrlich hitverdächtiges Stück Rock´N Roll geworden, dass Lust auf mehr macht. Und auch live sollen die Bamboo Kids bekanntlich die Kuh fliegen lassen. Toll!

9 von 10

Ephen Rian - The Special Referendum

16. Jan 2006 | von Robert

Innerhalb recht kurzer Zeit haben es Ephen Rian aus Österreich geschafft einen Platttendeal bei Wyona Records zu erhaschen und sich sogar einen kleinen Namen zu machen, durch doch mittlerweile eine ganze Reihe an Konzerten bei uns und im restlichen Europa. Mit ?The Special Referendum? kam nun kürzlich ihre erste EP auf den Markt, welche acht Songs enthält, von denen aber insgesamt schon fünf auf ihrem Demo finden waren. Nichtsdestotrotz weiß diese EP zu gefallen, zumal wohl die wenigsten in den Genuß ihres Demos gekommen sind. Enthalten ist eine Mischung aus Punkrock, etwas Metal und Emocore, der zu gefallen weiß und auch klar macht, warum Ephen Rian es doch sehr schnell geschafft haben, auf sich aufmerksam zu machen. Wirklich neu ist das ganze natürlich, doch die Österreicher machen ihre Sache wirklich gut und hinterlassen nach jedem Hördurchgang zufriedene Gesichter, auch weil Gesang und Geschrei genau richtig passen und einfach gut klingen. Irgendwo zwischen Thrice und Boy Sets Fire lassen sich nun auch Ephen Rian einordnen und wenn es so weiter geht, dann dauert es nicht mehr lange und auch Ephen Rian werden als Vergleichsband herangezogen, wenn es darum geht eine Newcomerband einzuordnen. Starke Scheibe!

8 von 10

American Eyes - Never Trust Anything That Bleeds EP

16. Jan 2006 | von Robert

Die American Eyes kommen aus LA und sind eine dieser Bands, die schwer in irgendeine Schublade zu packen sind. Da wir Musikschreiber aber darauf immer so abfahren, hier ein kleiner Versuch.
Die American Eyes bezeichnen sich selber als Neo-Goth-Dance-Punk, vermischen aber eher emolastige Elemente mit etwas Punk und viel Rock aus den 1980er Jahren. Dabei arbeitet man viele verschiedene Sounds in die Musik ein, die auf der ?Never Trust Anything That Bleeds EP? zu finden ist. Zusätzlich gehen die American Eyes relativ fröhlich und melodisch zu Werke und kreieren eine Scheibe die sicher etwas für Freunde von Lit, oder den All American Rejects sein dürfte. Meine Baustelle ist das ganze eher nicht, auch wenn man sicher die Entwicklung zu ihrem Debüt abwarten muss, um zu sehen was da noch passiert.

7 von 10

Amulet - All That Is Solid Melt Into The Air

12. Jan 2006 | von Robert

Amulet aus Norwegen haben in der Vergangenheit mit den Alben ?The Burning Shere? und ?Freedom Fighters? zwei sehr gute Alben vorgelegt, wo Amulet der Spagat zwischen Hardcore und Rock´n Roll mehr als gut gelang. Man galt als eine der wenigen norwegischen Bands, die Turbonegro das Wasser reichen konnten. Das stieg der Band aber auch zu Kopf, denn die Eskapaden nahmen zu.
Doch dann war es eine Weile ruhig, es folgte mit ?Dynamite&Daggers? eine EP, die im Grunde nur Songs der ?Freedom Fighters? Platte enthielt und nun kommt mit ?All That Solid Melt Into Air? das neueste Werk. Es kann aber den Standard der alten CDs nicht mehr halten. Denn plötzlich bewegen sich die Norweger weg von ihren Wurzelen und finden sich beim melodischen Punkrock und Melodycore wieder. Hardcore ist nur noch entfernt zu erkennen, Rock´n Roll gar nicht mehr. Dabei ist man plötzlich nur noch eine Band unter vielen. Es fehlt die Wucht, das außergewöhnliche der Musik von früher. Irgendwie ist ?All That Solid Melt Into Air? nichts sagend geworden, belanglos und einfach auch zu glatt gebügelt. Es lassen sich kaum noch Ecken und Kanten finden, und genau diese Dinge machen gute Hardcore- oder Rockplatten aus. Lediglich die Melodien sind Amulet gelungen, doch das ist heutzutage einfach zu wenig. Wenn zum Abschluss ein Tipp notwendig ist, dann legt euch die alten Scheiben zu, denn diese hier ist einfach nur enttäuschend!

3,5 von 10

Hateful - Diamiond Among The Coal

12. Jan 2006 | von Robert

?Diamond Among The Coal? so heißt das neue Album von Hateful aus Schottland. Das die drei Herren von der Insel stammen, bleibt nicht lange verborgen, nach dem man die CD in den Player geschoben hat. Der Gesang weist deutlich daraufhin und ist zusätzlich auch noch sehr Whiskey getränkt. Die Songs dagegen strotzen nur so vor Melodien und entwickeln sich schnell zu sehr partytauglichen Songs mit angenehm hymnischen Effekten.
Hateful bieten schnellen Punkrock mit Oi-Attitüde, der aber auch sehr dreckig, rotzig und irgendwie roh daherkommt. Auch wenn The Buisness und Peter And Test Tube Babies aus dem Hintergrund winken, ist Hateful dennoch ein starkes und sehr dynamisch eigenständiges Album gelungen, das sich durch seine Lyrics von vielen Klischees des Genres entfernt. Als Anspieltipps dienen ?Storytellers?, ?Punk Fiction? und ?Powder?, die auch zu den Highlights eines rundum gelungenen Albums gehören. Wer Briten-Punk mag, aber nicht unbedingt die bedienten Klischees, der ist bei Hateful mehr als richtig. Zugreifen, starkes Album!

8,5 von 10

JR Ewing - Maelstrom

12. Jan 2006 | von Robert

JR Ewing waren ein Garant für Krach, Hardcore und Chaos und live für eine sehr extensive Show. Aber nun kam kürzlich mit ?Maelstrom? ihr neues Album heraus und dieses überrascht auf ganzer Linie. Immer noch sind Hardcore und Screamo klar als Wurzeln auszumachen, aber dann hat sich sehr viel verändert. JR Ewing spielen mit Melodien, sind ruhiger geworden und sehr düster. Mal ist die Musik sehr getragen, dann aufgewühlt, mal fast schleichend, dann bricht es aus ihnen heraus. Rockparts und Rockpassagen überwiegen plötzlich bei JR Ewing, machen die Musik aber irgendwie klarer und greifbarer. Man kann wirklich davon sprechen, dass JR Ewing erwachsen geworden sind. Von ihren alten Fans wird diese Umstellung nicht jedem gefallen, aber die bisherigen Reaktionen waren einfach gigantisch. JR Ewing öffnen sich neuen Wegen ohne ganz ihre Roots zu verlassen und zaubern hier ein Hardcore-Rock-Album aufs Parkett, das einfach unglaublich ist. Plötzlich sind JR Ewing eingängig, aber auch irgendwie melancholisch und immer noch treibend, intensiv und rockend. Die Weiterentwicklung ist der Band aus Oslo gelungen und live werden sie sicher immer noch extrem aggressiv zu Werke gehen, man darf gespannt sein!

9,5 von 10

Halfprice - Taking Life Seriously

12. Jan 2006 | von Robert

Sie waren gerade erst bei uns auf Tour und wurden durchaus positiv aufgenommen. Die Rede ist von Halfprice aus Südafrika. Passend dazu wurde ihr erster Longplayer ?Taking Life Seriously? bei uns veröffentlicht, der nach einer EP eigentlich ihr Debüt darstellt. Halfprice bieten hier Skatepunk/ Punkrock der direkt aus den 1990er Jahren zu stammen scheint. Hin und wieder wurde zusätzlich ein wenig Skarhythmus dazu gefügt und so entstand eine durchaus interessante Platte. Zwar liegt der Vergleich zu Operation Ivy hier sehr nahe, dennoch ist ?Taking Life Seriously? durchaus hörbar. Das Album braucht halt so seine Durchläufe. Allerdings hätte auch noch ein wenig mehr aus diesem Werk herausgeholt werden können. Zum einen wirkt der Gesang manchmal ein wenig dünn, zum anderen ist die Produktion nicht die Beste und zum dritten gibt es ein paar Songs, bei denen ein wenig experimentiert wurde, die nicht wirklich zünden wollen. Ansonsten aber ist diese Platte der Band aus Südafrika durchaus okay. Man kann darauf aufbauen und beim nächsten Mal alles viel besser machen.

5,5 von 10

Knuckeldust - Unbreakable

12. Jan 2006 | von Robert

Unbreakable? heißt das vor kurzem erschienene zweite Album der Londoner Vorzeige Hardcoreband Knuckeldust. Und nach dem letzten Werk ?Universal Struggle? gelingt Knuckledust auch diesmal wieder ein richtig gutes Album. Man kann sogar noch einen Schritt weiter gehen, denn ?Unbreakable? toppt den Vorgänger gar noch. Mit Härte und einer gehörigen Portion Wut und Prolligkeit kommen die Engländer daher, machen aber keine Gefangenen. Irgendwo zwischen Hatebreed, Terror, Madball und Biohazard agieren auch Knuckeldust und knüppeln so phasenweise rasant durch dieses Album. Aber ab und zu fließt auch ein wenig Melodie mit ein, wechselt sich der Stil mit groovigen Passagen ab, wird die Härte ein wenig aufgelockert. Dadurch wird ?Unbreakable? einfach so gut und entwickelt so viel Eigendynamik. Großartige Hardcore Songs zwischen Newschool, Oldschool und Metalcore werden kreiert. Besonders ?Warning?, ?Breakthrough? und ?Burning Fight gehören dazu. Was Knuckeldust hier geschaffen haben, ist schon sehr beeindruckend. Ein wirklich wuchtiges Hardcorealbum ist entstanden, das zumindest in Europa zur Zeit seines gleichen sucht!

8,5 von 10

No Innocent Victim - To Burn Again

12. Jan 2006 | von Robert

Nach dem No Innocent Victim, gegründet 1992, einige Jahre von der Bildfläche verschwunden waren, meldete man sich vor ein paar Tagen eindrucksvoll mit neuem Album ?To Burn Again? zurück. Und im Grunde wird da weitergemacht, wo man zuletzt aufgehört hatte. Die überzeugten Christen sind textlich und musikalisch immer noch auf dem letzten Stand. Ob man das nun gut findet oder nicht, Trends werden auf jeden Fall nicht bedient, im Gegenteil. Es gibt brachialen, wütenden und schnellen Oldschool Hardcore, der mit der einen oder anderen Metalgitarre versehen ist. Dreckig, Hart, aber auch musikalisch irgendwie gut, dass ist der Hardcorestil von Innocent Victim auch im Jahre 2005/06. Es hat sich also nicht viel verändert im Hause No Innocent Victim, obwohl der eine oder andere Versuch etwas Neues zu gestalten dem Album sicher gut getan hätte. Dennoch eine solide Platte, auch wenn man sicher irgendwie stehen geblieben zu sein scheint.
6,5 von 10

On The Outside - Tragic Endings

12. Jan 2006 | von Robert

On The Outside sind eine neue Hardcorehoffnung aus dem Hause Thorp Records, wo gerade ihr Werk ?Tragic Endings? veröffentlicht wurde. Und endlich legt mal wieder eine Hardcoreband Wert auf Oldschool Hardcore. Zwar packen auch On The Outside Härte, Brachialität und eine Spur Prolligkeit aus, doch geht man strikt den eigenen Weg. Und das bedeutet, dass es On The Outside hier gelingt neuere Einflüsse geschickt mit den Einflüssen der späten 80er, und frühen 90er zu verbinden. Daher klingen On The Outside auch ein wenig nach einer Mischung aus Judge, Madball, Terror und Turmoil. Fans des Oldschool-Genres können hier sicher bedenkenlos zugreifen, denn den Amis gelingt es hier zielsicher die besten Einflüsse genannter Bands miteinander zu verbinden und einen Oldschool Hardcore zu kreieren, der zwar nicht mehr so oft gespielt wird, aber nicht weniger gut ist. Tempo und Härte entwickeln sich zu den Pfeilern dieser Band. Gutes wenn auch sehr kurzes Album!

7,5 von 10