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Das Bierbeben – Das Bierbeben

Das Bierbeben benennen ihr drittes Album nach sich selbst. Im Regelfall ist die selftitled Platte als Debütalbum üblich. Aber so unpassend ist das gar nicht mal, denn nach einigen Umstrukturierungen innerhalb der Band hat sich schon etwas am Sound  geändert, es ist eingängiger geworden, wenn auch noch längst nicht greifbar – Schließlich handelt es sich bei der Musik ja noch immer um den typischen „Das Bierbeben“-Charme, wie der Name der Platte es dem Hörer verspricht.

Um die „Umstrukturierungen“ zunächst zu verbildlichen: Jan Müller, Julia Wilton und Rasmus Engler sind als altes Bierbeben-Eisen auch beim Dritten noch dabei. Die ehemals zweite Sängerin Jessica Drosten hat die Band inzwischen verlassen, aber Alexander Tsitsigias stieß als neuer Gitarrist dazu. Diese Änderungen scheinen frischen Wind in die Musik gebracht zu haben, die (wie eh und je protesthaften) Songs sind in feinsten Pop mit durchdacht eingesetzten elektronischen Anteilen sowie Folk und Punk eingebettet. Und die Mischung aus all dem macht Das Bierbeben so besonders. Die Musik wirkt auf diesem Album „befreit“. Bestes Beispiel ist „Der König“ oder der einzige englischsprachige Song „Behind The Green Door“: Die Lieder bäumen sich regelrecht auf und animieren sogar zum Mitsummen. Laut wird die Musik allerdings nie, selbst wenn es tanzbar wird, sie bleibt immer im Rahmen des Melodischen, des Harmonischen. Was allerdings aus dem Rahmen der Platte herauszufallen scheint, ist das Cover „Hochzeit“ von Franz Josef Degenhardt. Fast mit trügerischem Frieden in der Stimme betet Julia Wilton den Text hinunter, während der Synthesizer dazu brav wimmert.

Der teilweise elektronisch nachbearbeitete Gesang von Julia steht allgemein im harten Kontrast zu den parolenhaften Texten. Jan Müller, der sonst bei Tocotronic am Bass steht, kann sich hier künstlerisch austoben und seine punkige Ader in den von ihm geschriebenen Lyrics verarbeiten. Wer genau hinhört und sich von der engelsgleichen Stimme Julias nicht täuschen lässt, der kann hinter solchen Texten die Kritik an Gesellschaft und Politik deutlich herauslesen:

„Der König ist geflohen, er ist geflüchtet.
Vor all dem Prunk und vor der Macht,
vor dem Jubel und den Tränen,
vor all der Last und seinem Ekel
… hat er sich in der Nacht
aus dem Staub gemacht.“

Müsste ich nun einen Schlussstrich unter die Platte ziehen, dann diesen: Das hier ist zweifelsohne das beste Album, was Das Bierbeben jemals abgeliefert hat. Wenn solche Musik es schafft, zum Nachdenken anzuregen, dann kann man nur noch höhnisch lachen über jede zweite Punkbank, die mit „Fuck you“-Attitüde Klischees zu Brei tritt. Bierbeben zeigen, wie es richtig geht. Und man darf gespannt sein, wohin der Weg sie führen wird – So lange ihr noch könnt, haltet Schritt…


VÖ: „Das Bierbeben“ erscheint am 10.04.2009 auf Shitkatapult.

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