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Im Gespräch mit Nathan Gray von The Casting Out

Nathan Gray Mit Boysetsfire spielte er auf den großen Bühnen, mit The Casting Out spielt er lieber in kleinen Clubs. So auch vergangenen Samstag in der tschechischen Hauptstadt. Die Band um Nathan Gray spielte im Klub 007, der sehr abgelegen auf einem Berg direkt in einem Studentenwohnheim liegt. Wir trafen Nathan, Sänger der Band, vor der Show in Prag zum Gespräch. Gesprochen wurde über das bald erscheinende zweite Album von The Casting Out, seine Planung als Solokünstler, Europa und vieles mehr…

Ihr seid jetzt schon eine Weile in Europa unterwegs. Noch zwei Gigs, dann ist die Tour vorbei. Ihr habt die neuen Songs zum ersten Mal in Europa gespielt…
Stimmt, wir sind schon ziemlich lange hier unterwegs. Wir sind einfach sehr gerne in Europa. Die aktuelle Tour geht insgesamt dreieinhalb Wochen. Wir waren in England, Ungarn, Deutschland und Österreich. Heute Tschechien und morgen fahren wir dann noch mal nach Deutschland, um das letzte Konzert der Tour in Berlin zu spielen. Alles in allem war es eine großartige Tour. Es hat Spaß gemacht, die neuen Songs live zu spielen.

Bevor ihr das neue Album in Europa präentiert habt, wart ihr auch in Amerika unterwegs, richtig?
Ja, da haben wir aber nur wenige Shows gespielt. Im Laufe des Jahres werden wir dort noch eine längere Tour spielen.

Was ist der größte Unterschied zwischen amerikanischen und europäischen Publikum?
Ich habe das Gefühl, dass die Kids in Europa ein größeres Verlangen haben, Bands live zu sehen. In Amerika hast du es als Band wirklich schwer. Es gibt so viele gute Bands, dass du dich mit deiner eigenen Band sowas von ins Zeug legen musst, um überhaupt von irgendwem beachtet zu werden. Klar, die richtig großen Bands bekommen genug Beachtung und da sind die Shows dann auch ausverkauft. Aber als kleine Band hat man wirklich wenig Chancen. Das ist verdammt hart. Es ist auch so, dass ein Großteil einfach keine Zeit hat. Die Amerikaner haben immer besseres zu tun. Die Europäer nehmen sich wirklich Zeit für Musik. Sie nehmen sich Zeit, eine Band live anzuschauen. Da kann die Band noch so klein sein. Den Leuten in Amerika reicht es, die Band im Radio zu hören. Euch reicht das nicht und das ist gut. Deswegen sind wir auch sehr gerne in Europa.

Hattet ihr während der aktuellen Tour Zeit, euch die Städte anzuschauen, in denen ihr gespielt habt?
Wir haben es versucht, so gut es ging. Leider ist es im Normalfall aber eher so, dass wir ankommen, unser Zeug im Club abladen, schnell was essen, duschen, zurück in den Club zum Soundcheck und dann geht die Show meist auch kurze Zeit später los. Im Anschluss ist es dunkel, alles geschlossen, also geht’s meist direkt ins Hotel und am nächsten morgen früh los in die nächste Stadt. Man hat meist überhaupt gar keine Chance, sich die Stadt anzuschauen. Sehr schade, aber so ist das Tourleben.

Ihr wart ja jetzt schon oft in Europa. Gibt es Orte, die dir im Gedächtnis geblieben sind. Orte, die du sehr gerne magst?
Ja, die gibt es auf jeden Fall. Aber das ist ganz undabhängig von den Shows. In Deutschland gibt es schon wirklich ein paar sehr schöne Gegenden. Besonders schön war es in Köln. Da hatten wir Zeit und sind am Rhein langgelaufen. Wir haben uns einfach nur entspannt und sind am Wasser langgelaufen. Es war wirklich großartig. Vor ein paar Tagen hatten wir auch tatsächlich mal einen Tag frei. Wir waren in Wien. Eine schöne Stadt.

Du hast ja schon erwähnt, dass es sehr viel Spaß macht, die Songs vom neuen Album zu spielen… Was ist deiner Meinung nach der größte Unterschied zwischen den alten und den neuen Songs?
Na ja, die alten Songs sind alt und die neuen Songs sind neu. Das ist der größte Unterschied. Nein, Spaß. Also das neue Album ist auf jeden Fall nicht so glatt und deutlich aggressiver als der das erste Album. Das war unser großes Ziel. Wir wollten mit dem zweiten Album weg von diesem poppigen Gitarren-Zeug und einfach mehr Gas geben. Schnelle, ehrliche Musik. Kein Schnickschnack, keine Überproduktion. Einfach nur gute Musik, die überzeugt. Das letzte Album und auch die letzten Boysetsfire-Alben waren bis auf das kleinste Detail perfekt produziert. Ich mag diese Alben sehr, aber das wollten wir jetzt nicht mehr. Die letzte EP ging ja schon in die Richtung, in die auch das neue Album geht. Ehrliche Musik, die nach vorne geht. Wir sind sehr stolz auf das neue Album!

Nachdem das erste Album „Go Crazy! Throw Fireworks!“ heißt, habt ihr das zweite Album „1“ genannt… wie seid ihr auf den Albumtitle gekommen?
Hätte wir es nicht „1“ genannt, hätte das Album vermutlich einen wahnsinnig bescheuerten Titel. Wir hätten es „Avanenty“ genannt. Das Wort hat überhaupt gar keine Bedeutung. Ein Wort, dass einfach so mal während der Produktion fiel, aber überhaupt keinen Sinn macht. Es gab keinen Grund das Album so zu nennen. Wir sind einfach sehr schlecht, wenn es darum geht, irgendetwas zu benennen. Also haben wir uns irgendwann für „1“ entschieden. Es ist auch gar nicht so wichtig, wie ein Album heißt. Hauptsache, die Musik ist gut. Für uns ist „1“ auch eigentlich nicht wie ein richtiger Albumtitel. Aber für iTunes ist einfach besser, wenn ein Album einen Titel hat und nicht so heißt wie die Band. Dann ist es einfacher zu finden. Ja, wenn ich jetzt mal drüber nachdenke, ist das eigentlich der Hauptgrund, wieso das Album diesen Titel hat. Eigentlich ist es ein Self Titled Album. Also vergesst „1“ einfach.

Die Aufnahmen zum neuen Album konnte man in eurem Studioblog verfolgen. Für diejenigen, die den Blog nicht kennen, wie war die Zeit im Studio?
Die kompletten Aufnahmen haben so ca. einen Monat gedauert. Wir waren diesmal nicht nur in einem Studio und haben das komplette Album eingespielt. Wir haben in verschiedenenn Studios aufgenommen. Das ist der Grund, wieso wir so lange gebraucht haben. Es hat Spaß gemacht. Der größte Teil des Albums ist auf dem Dachboden von Chad (Gitarrist von Boysetsfire) entstanden. Er hat die meisten Songs des Albums produziert.

Ich hab gehört, dass du die Songs diesmal nicht alle selbst geschrieben hast…
Das stimmt. Wir waren alle sehr kreativ. Wir haben alle komponiert. Das hat erstaunlicherweise sehr gut funktioniert.  Wir haben die Songs, wenn man so will, gemeinsam geschrieben. Eine sehr gute Sache.

Was hast du am meisten vermisst, während ihr im Studio bzw. auf dem Dachboden von Chad wart?
Ich bin ganz ehrlich: ich es hasse es im Studio zu sein! Deswegen ist es immer so, dass ich das Touren sehr vermisse, wenn ich im Studio bin. Die Arbeit im Studio ist unglaublich langweilig. Man sitzt rum und wartet bis irgendwawas passiert oder bis man dran ist und die Vocals aufgenommen werden. Es ist ja nicht so, dass man ins Studio geht, sein Zeug einspielt und fertig. Man sitzt die meiste Zeit wirklich rum und wartet! Ich stehe definitiv lieber auf der Bühne als im Studio zu sein. Studioarbeit ist furchtbar.

Gibt es Bands, die dich musikalisch besonders beeinflusst haben?
Mich persönlich haben The Sultans musikalisch sehr beeinflusst. Das ist das Nebenprojekt von John Reis (Rocket from the Crypt). Ein Album von denen heißtGhost Ship“. Das ist wirklich das beste Album, das ich je gehört habe. Ist schon etwas älter, aber verdammt gut. Einfache, catchy Gitarrenmusik. Fast schon poppig. Die Produktion ist so Lo-Fi… das ist unglaublich. Jeder einzelne Song bleibt für Jahre in Gedächtnis. Auf jeden Fall anhören. Bands wie die Misfits haben mich natürlich auch sehr beeinflusst. Auf unserem neuen Album ist ein Song, da hört man sehr deutlich, dass die Misfits unsere Musik beeinflusst haben.  „The Kids have spoken„… unser Misfits-Track.

Spielt ihr heute das Misfits-Cover von eurer Dropcard EP?
Nein, leider nicht. Wir haben einen neuen Bassisten. Wir haben ihm schon sehr viele Songs beigebracht, aber das Misfits-Cover war nicht dabei. Deswegen wird das heute nichts. Aber bei der nächsten Tour vielleicht.

Ihr habt „Go Crazy! Throw Fireworks“ ohne Label veröffentlicht, richtig?
Ja, zumindest anfangs. Das war schon ziemlich hart. Wenn du dich wirklich um alles selbst kümmern musst, dann raucht dir irgendwann der Kopf. Ich erinnere mich noch daran, dass wir in Deutschland in einem Club auf dem Boden saßen und die CDs und das Artwork in die Hüllen gepackt haben, damit wir das Album während der Europatour verkaufen können. Das hat keinen Spaß gemacht. Danach ist es dann glücklicherweise via Failsafe Records erschienen. Das neue Album kommt jetzt direkt via Eyeball Records raus.

Wie ist es jetzt von Beginn an eine Plattenfrma im Rücken zu haben, die sich um alles kümmert? Würdet ihr nochmal ein Album ohne Label veröffentlichen?
Wenn wir müssen, dann würden wir das ganz sicher auch machen. Es war jetzt ja nicht furchtbar schlimm. Es ist nur eine Menge arbeit. Eine Plattenfirma hat aber große Vorteile. Es ist einfach gut zu wissen, dass da jemand ist, der sich um alles kümmert. Jemand, der Ahnung hat und weiß wo es lang geht.

Das Internet spielt ja mittlerweile auch eine große Rolle, wenn es um neue Musik geht. Was denkst du, wo ihr jetzt stehen würdet, wenn es das Internet nicht geben würde?
Oh. Vielleicht wären wir jetzt nicht hier, vielleicht aber doch. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung vom Internet und es ist mir auch ziemlich egal. Ich weiß, dass wir eine Myspace-Seite haben und auch bei Facebook sind. Wir haben auch eine eigene Seite, auf der aber seit langer Zeit überhaupt nichts passiert ist. Wie das alles funktioniert weiß ich nicht. Ich benutze das Internet, aber ich habe keine Ahnung davon. Deswegen ist es für mich auch schwer zu sagen, wo wir jetzt wären, wenn wir unsere Songs nicht auf Myspace oder wo auch immer haben würden. Es macht für viele unbekannte Bands vielleicht einiges einfacher. Bestimmt ist das Internet total super, aber ich finde es nicht so wichtig. Ich bin aber auch schon alt. Das Internet macht es für viele auch einfacher mit anderen über Scheiße zu reden, von der sie überhaupt keine Ahnung haben. Ich finde das einfach nur langweilig.

Was war das Beste, was du bisher mit The Casting Out erlebt hast?
Ich glaube, das Beste ist wirklich, dass wir als Band einen Sound gefunden haben, den wir alle mögen. Einen Bassisten gefunden zu haben, der hoffentlich länger bleibt als alle anderen Bassisten, die bisher in der Band gespielt haben, ist auch großartig.

Wie schaut’s mit aktueller Musik anderer Bands aus? Hast du irgendwelche Bands, die wir uns unbedingt anhören müssen?
The Sultans auf jeden Fall! Oh, nein, das ist ja keine aktuelle Musik…

…Nathan holt seinen Player raus
A Wilhelm Scream. Fantastische Musik. Die Avett Brother höre ich mir auch ganz gerne an. Neben dem ganze Punk-Zeug höre ich auch sehr viel Folk. Ich finde das Album von Mumford And Sons unglaublich gut. Eine brilliante Band. Ich könnte das Album ununterbrochen anhören.

Ich habe gehört, dass du neben The Casting Out an einem weiteren Projekt arbeitest. Stimmt das?
Ja, das stimmt. Im Moment arbeite ich mit Darby, die Piano auf der ersten Casting Out EP gespielt hat und Chad von Boysetsfire an meinem Soloprojekt. Musikalisch geht es mehr in Richtung der ersten Casting Out EP. Deutlich ruhigere Musik, als die, die ich jetzt gerade mit The Casting Out mache. Failsafe Records, die das erste Casting Out Album veröffentlicht haben, werden das Album irgendwann rausbringen. Es gibt aber noch kein Releasedatum.

Und wie sieht es mit The Casting Out aus?
Wir werden dieses Jahr auf jeden Fall noch mal auf Tour kommen. Vermutlich erst in Amerika und im Herbst dann in Europa. Wir werden sehr, sehr viel unterwegs sein. Ich freue mich darauf.

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