interference.here.de – 256 Graustufen

Mit dem Begriff „Interferenz“ verband ich bis vor kurzem schreckliche Erinnerungen und quälende Minuten zum Thema Wellenüberlagerung aus dem Physikunterricht. Aber Lena Dobler aus Fürth konnte meine Assoziationen zu dem Thema nun positiver gestalten, ausgelöst durch ihr musikalisches Projekt interference.here.de. Drei Alben hat die 18-Jährige (!) bereits herausgebracht, das Aktuellste heißt „256 Graustufen“ und trägt eine Menge Potential in sich.

Der Meinung ist übrigens nicht nur unser bescheidenes Musikmagazin, auch Tomte’s Thees Uhlmann lobte Lena schon in höchsten Tönen und sagte im Zündfunk-Interview: „Ich glaube, das ist das Beste, was ich jemals gehört habe im Rahmen meiner Tätigkeit für den Bayrischen Rundfunk… Wenn jemand in diesem Alter schon solche musikalische Qualität an den Tag legt und Stilsicherheit hat, dann ist das ganz schön beachtlich. Ich glaube, wenn die sich nicht doof anstellt, wird die innerhalb von anderthalb jahren zur deutschen Feist oder Cat Power. Tierisch. Also wirklich, bin total baff. Eigentlich gibt’s sowas gar nicht.“ – Da er das so schön ausgedrückt hat, bleibt da eigentlich nicht mehr viel hinzuzufügen. Es ist aber weiterhin erwähnenswert, dass all diese Musik selbst geschrieben, aufgenommen und vermarktet wird.

Aber nun zu dem Album… Es handelt sich um ein „Ein-Frau-Projekt“ und um deutschsprachige Indie-Musik. Lena spielt selbst Gitarre und Keyboard, mischt hier und da elektronische Elemente mit hinein und singt. Und das Ergebnis klingt einfach wunderschön, selbst wenn den Umständen entsprechend stellenweise etwas „zu Lo-Fi“. Was die Musik ganz speziell ausmacht sind der Gesang und die Texte. In manchen Songs wird mit mehren Tonspuren und Hall experimentiert, Lena’s Stimme ist herzzerreißend, warm und brüchig. Die Texte sind ungemein ausgefeilt und durchdacht, alltagspoetisch und kritisch. Thematisch kämpft interference.here.de sich von Liebe über Versagen bis hin zu Politik. Und nichts davon wirkt unangebracht.
Ein Beispiel aus „Er Hatte Recht“:

„Und als er sagte »Träume treiben dich«, merkte er nichts.
Und dass ich denke, »Träume bringen nichts«, ahnt er wohl nicht.
Er denkt wohl, er weiß total bescheid, doch er weiß nichts, gar nichts.
Doch jedes seiner Worte traf mich aufs tiefste, im Innern,
wie ein Kartenhaus brach ich zusammen.
Verdammt, er hatte Recht.“

Übrigens, wenn ich weiter oben von Potential spreche, dann spreche ich nicht von Kraftfeldern im Bereich der Elektrostatik, okay? Die Assoziationen aus der Physik wollten wir schließlich verdrängen. Gemeint ist: Diese Dame hat wirklich was auf dem Kasten, ein Reinhören ist unbedingt empfohlen. Wir wünschen viel Erfolg für die Zukunft!


„256 Graustufen“ erschien 2007 im Eigenvertrieb.

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