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1984 – Open Jail

Soll das jetzt etwa Joy Division 2.0 sein? Eine Revival der Legende, nachdem der durch „Contol“ angefachte Hype wieder etwas abgeflaut war? Auch wer die Band live sieht mag sich diesem Eindruck nicht verwehren. Genau wie Ian Curtis besitzt Sänger Etienne Nicolini den Hang zu bedeutungsschwangeren Gesten. Einzig der herumspringende Bassist Bruno Pelgatti verhindert die Annahme man sei auf einem Konzert einer Joy Division-Coverband. Zwar sind auf dem „Open Jail“ dem Debütalbum des Franzosen-Trios 1984 auch eigene Akzente zu hören, doch Innovation und Eigenständigkeit klingen anders.

Die PR-Angestellte des Labels sind da jedoch eigener Meinung.

Ich zitiere aus dem Pressetext:

Die drei aus Straßburg pfeifen auf Zeitgeist und irgendwelche Revivals und spielen derart glasklaren Wave, dass Bauhaus sich vor Neid schon 1982 aufgelöst hätten und Ian Curtis schon früher auf den Küchenstuhl gestiegen wäre.
Doch war der wahre Man In Black nicht Johnny Cash….?
Das sehen 1984 genau so und reichern ihre hypnotischen Wave mal eben mit Country- und Rockabilly an, als ob beides schon immer eine äußerst harmonische Ehe gewesen wäre….
Schneidend, treibend, pochend, verwirrend, episch und dann auch wieder geschmeidig, aber immer kompromisslos zertrümmern 1984 das Gefängnis vom langweiligen Rock’n’Roll-Konformismus unserer Tage….

Selten so sehr gelacht. Oder sollte man weinen?

Denn obwohl man dem Album eine gewisse Qualität nicht absprechen kann, immerhin sind mit „The Missing Voice“ und „Cache-Cache“ zwei klasse Stücke drauf, reichen treibende Basslines, depressive Stimmung und langgezogene Vokale noch lange nicht zum großen Wurf. Und vor allem nicht um solch große Töne spucken zu können.

Vielleicht zahlt sich aber gerade diese Dreistigkeit aus. Denn nachdem sie schon „The Datsuns“ auf Tour begleiten durften, wurden sie nun auch von den „Blood Red Shoes“ auf einem Festival entdeckt und werden ihre anstehende Tournee supporten.

Wahrscheinlich sagt es hier ein schon viel zu ausgelutschtes Sprichwort am Treffendsten:“Besser gut kopiert, als schlecht selbst gemacht.“


VÖ:Open Jail erscheint am 24.10 auf Weekender Records

One comment

  1. Christian M. says:

    Vielen Danke für diesen Beitrag, Andreas!
    Ohne den hätte ich geglaubt, dass Album wäre erste Sahne….
    …schade.

    Hab mir dadurch Geld gespart.

    Also nochmals vielen Dank

    lg Christian

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