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Alberta Cross – Broken Side of Time

Wie ein herrenloser Pegasus mit glühenden Hufen galoppiert diese Band namens Alberta Cross direkt am Fluss der Zeit entlang und zieht die verdutzten Hörer auf den Sattel. Eine unerwartete Begegnung mit einem waghalsigem Gemisch aus Folk, Blues und (psychedelischem) Rock.


Petter Ericson Stakee ist der Kopf von Alberta Cross, einer fünfköpfigen Band aus New York. Der in Schweden geborene und zunächst nach London übergesiedelte Sänger ist Aushängeschild und Epizentrum der von ihm ins Leben gerufenen Band, die er brauchte, um seinen Songs den Facettenreichtum angedeihen zu lassen, den Alberta Cross heute auszeichnet.
Schon rein optisch sticht Stakee unter dem ohnehin sympathisch-verschrobenen Haufen gleich in mehrfacher Hinsicht besonders heraus: Augenscheinlich der verlorene Bruder (oder Cousin, wie man will) der Kings of Leon, und mit seinen langen blonden Haaren, Bart und schwarzen Hut würde er zudem einen exzellenten Wanderprediger abgeben.
Diese Passion lebt Stakee jedoch vollends in seiner Musik aus. Seine helle, meist etwas nölige Stimme (auch hier ist der Kings of Leon Vergleich ab und an nicht mehr fern) ist ein Sammelsurium aus hymnenhaften Melodien, gereizten Zwischentönen und reifer Zurückgenommenheit. In Kurzform: Die Synthese aus Rock, Punk und Folk in Perfektion. Und über alledem scheint der wohlwollende Geist von Neil-Young zu schweben.
Jeder Song auf Broken Side of Time hat dabei seine Berechtigung und steht an rechter Stelle. Der Opener verschleppt die Spannung, die sich im psychedelischem Rock des folgenden ATX hemmungslos entlädt und von Folk-Gospel-artigen Stücken wie Old Man Chicago und Ghost of City Life aufgewogen werden. Manchmal ist die Atmosphäre gespenstisch kühl, oft ausufernd warm an anderer Stelle, aber am Ende nie verlegen sich eingängigen Momenten zu öffnen und sie zu zelebrieren. Das sich die Bandmitglieder offensichtlich miteinander sehr wohl fühlen, lassen Stücke wie Leave us and Forgive us deutlich erkennen, denn solche Momente entstehen nur, wenn im Zusammenspiel der Musiker diese ganz bestimmte Magie aufkommt.
Denken wir voraus, so ist kaum einschätzbar, wo diese Band nach zwei weiteren Alben stehen wird. Und um den Vergleich ein letztes Mal zu bemühen: Die Kings of Leon  haben einen kompletten Wandel ihres Sounds von staubtrockener Produktion zum massentauglichenRocksound durchlebt. Dazwischen haben sie auf zwei Alben ihre Möglichkeiten in der Breite ausgelebt. Alberta Cross hätten das Potential diesen Weg abzukürzen. Jedoch auch die Kaltschnäuzigkeit die Großindustrie einfach links liegen zu lassen, wohl wissend wie viel von ihrer Authenzität sie einbüßen würden.

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