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Eight Legs – Best Of Me

Die britischen Eight Legs sind sicherlich eine der umtriebigsten Formationen des Vereiningten Königreichs. Während sich der Tross nahezu permanent auf Patroullie durch vornehmlich deutschsprachige Niederungen befindet, erscheint es den vier Musikern dennoch möglich ausreichend Studio-Aufenthalte im heimischen England zu absolvieren, um all jährlich ein umfassendes Neuwerk präsentieren zu können. So ist „Best Of Me“ bereits die dritte nennenswerte Veröffentlichung seit dem Jahr 2008.

In diesem Fall handelt es sich zwar nicht um ein Album, sondern um eine EP und dennoch wartet der Tonträger mit sechs Songs und somit einem recht breiten neuen Repertoire auf. Nachdem sich „These Grey Days“„Freaking Out The Neigbours und „Blood Sweat Tears“ vom Erstling „Searching For The Simple Life“ unumgänglich in das musikalische Gedächtnis eingebrannt hatten, konnte der Nachfolger „The Electric-Aid Cuckoo Nest“ nicht wirklich an die Qualität des Debüts anknüpfen, welches sogar für eine Modenschau des Hauses Dior zu Rate gezogen wurde und im Hintergrund einer Kampagne gegen Alkoholmissbrauch in zahlreichen Kinos zu hören war. Zu abgedroschen wirkte das Konzept, zu erzwungen der prompte Veröffentlichungstermin, nachdem sich die erste LP gerade einmal ein knappes Jahr auf dem Markt befand. Entgegen der Hoffnung, der Konsument würde nach dem neuen Material gieren, trat eher eine Art Sättigungsgefühl ein. Zugegeben, ein exellentes Debüt lässt sich aufgrund der geweckten Erwartungen schwer übertreffen.

„Searching For The Simple Life“ wirkte energetisch, fast schon animalisch druckvoll. Rau in seinem Erscheinungsbild, aber gerade das zeichnete dieses Album letzlich aus. Vier junge Lads, die ohne Rücksicht auf Verluste in die erste Reihe drängen. Dass dabei Anstand und Sitte in gewissen Momenten zu kurz kommen, sei hierbei billigend in Kauf genommen, sofern dabei ein derart ansehnliches und trotzdem aufrichtiges Produkt herausspringt.

Auch „Best Of Me“ glänzt keinesfalls durch seine Virtuosität, obgleich die Songs in ein eindeutig feineres Gewand gehüllt werden, wodurch die instrumentalen Nuancierungen stäker in Erscheinung treten. Eine umfassender Anatomie der neuen Stücke als Resultat, ein bombastischer erster Eindruck.

Die Rhythmik erweist sich gerade bei „Best Of Me“, zugleich Name und Auftakt der Ep, als facettenreich. Schlagzeuger Jack Garside stellt sein können unter Beweis und spielt dermaßen sauber und treibend, dass seine Rhythmen nicht zum bloßen, unscheinbaren Fundament avancieren, sondern gar in den Vordergrund eines jeden Songs drängen. Sam Jolly suhlt sich wie eh und je in seinem ausgeprägten Cockney-Akzent, ein gerade in Deutschlang erfolgsversprechendes Stilmittel. Hinzu kommt die eindeutig reifer wirkenkende Stimme des Sängers, der das Potential seines Organs besonders in „Cosmonauts“ aus der Reserve lockt. Melodischer und selbstbewusster als zuvor. Das Brüchige und Verschnupfte in der Artikulation Jollys ist nahezu gänzlich gewichen und räumt dem klareren, ausschweifenderen Gesangsstil neue Möglichkeiten ein. Gitarrist Jack Wharton verleiht seinem charakteristischem Spiel vor allem in „Cloak & Dagger“ nachhaltig Ausdruck: Ein einleitender Lauf mit anschließendem Tremolo, welcher ohne Weiteres in einem Tarantino-Film Verwendung finden könnte. Und so zeichnen Eight Legs ein bedeutungsschweres Bild, als sie es vorher getan hätten. Mut zur Lücke in gewissen Situationen. Weniger ist mehr. So etwa bei „Take Me Over The Edge“ dessen Beginn ganz im Zeichen von Bassist Adam Neal steht. Zurückhaltend und dennoch einladend. Behutsamer Aufbau, sanfte Entwicklung. Es scheint geradezu so, als hätte das Quartett seine Fähigkeiten und das Vertrauen in selbige neu entdeckt und könnte diese nun mit Leichtigkeit abrufen. Eight Legs hauen nicht mehr einfach nur blind drauf, was sicherlich in gewissen Situationen auch etwas für sich haben kann, sondern verbinden alte Ideale mit einem starken Schuss Analytik.

Mit „Best Of Me“ beweisen die Briten ihr feines Gespür für zweifelsohne in Groß Britannien verwurzelte Musik. Einflüsse von The Libertines („Everyone Was Down“) bis hin zu Oasis („Cosmonauts“) können unumwunden eingestanden werden. Ganz davon ab, dass es weitaus unproduktivere Einflüsse hätte geben können, stehen Eight Legs konstant zu ihrem Stil. Tanzbar, melodiös, eigensinnig. Und nun auch mit augenscheinlichem Vertrauen in das eigene Können. Die Weiterentwicklung ist nicht zu übersehen und ein neues Album angesichts dieser Umstände auch mehr als wünschenswert. Der Konsument dürfte unter Berücksichtigung der EP geradezu danach gieren.

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„Best Of Me“ erschien am 2. April 2010 bei Snowhite/ Universal

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