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El*Ke – Häuser Stürzen Ein

El*Ke. Klappe, die Dritte. Ein kurzer Anriss der Geschichte: Zwischen Zoff und Streit gab es glücklicherweise immer die gemeinsame Leidenschaft zur Musik, sodass letztens Endes das neue Album „Häuser Stürzen Ein“ nicht nur aus frisch gewonnenem Zusammenhalt entstanden ist, sondern auch als bandinterner Neuanfang gesehen werden kann. Und dass die Band – deswegen und derzeit sowieso – auf der Überholspur fährt, ist nicht zu überhören.

„Lieber zu viel riskiert, als nie gelebt!“

So ist das neue Album der Berliner auf der einen Seite (und auch immer noch hauptsächlich) kraftvoll, wie man es von El*Ke auf den beiden Vorgängeralben bereits gewohnt war, aber auch eine ruhigere und mysteriösere Seite hat die Band nun an sich entdeckt.

Deutlich wird dies zum Beispiel im Song „Geisterbahn“. Was bereits der Titel verspricht, wird auch auf die Musik übertragen. Im Verlauf des Songs hört man bereits Stimmen im Hintergrund, die den Text mitflüstern und spätestens im Refrain kommt dann wahrlich geisterhafte Stimmung auf, wenn bis auf die Stimme von Sänger Peter Bolmer und eine schräge Gitarrenline sonst nichts zu hören ist. Auch das Stück „Land In Sicht“ ist in vielerlei Hinsicht neu für El*Ke: Sehr ruhiger Song, voller sehnsüchtiger Poesie und sogar Streichern im Hintergrund. Doch gegen Ende bricht der Song dann wieder in ein Instrumentegewitter aus, um die Dringlichkeit noch zu unterstreichen.

Hauptsächlich ist El*Ke eben eine Rockband, wie sie im Buche steht. Songs wie „Autobahn“ oder „Aufstand“ leben von der Energie, die über elektrische Gitarre, Bass und Schlagzeug transportiert werden kann. Und der Song „Tanz Ab“ löst eben auch genau das aus, was der Titel verspricht. Tanzbare Rocknummer, bei welcher man praktisch schon auf CD den Schweiß von den Decken der Clubs dieses Landes tropfen sieht.

Doch was die Musik letzten Endes wirklich aus dem Einheitsbrei „Deutschrock“ heraushebt und besonders macht, ist die Stimme von Peter. Der Sänger ist gerade mal 27 Jahre alt, hat aber eine derartige kratzige Rock’n’Roll-Stimmt, dass man denken könne, er sei schon seit 30 Jahren mit einer Flasche Whiskey in der Hand auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Wirklich bemerkenswerte Stimme, die einem so schnell nicht aus dem Kopf geht.

Doch das hinderte die Band nicht, auch im Bereich Gesang ein wenig zu experimentieren: Bassist Martin Krüssel greift beim Lied „Easy Rainer“ ans Mikrofon. Und auch nicht alle Texte dieser Platte stammen von der Band. Die Lyrics zum Lied „Warum Auch Immer“ stammen aus der Feder von niemand geringerem als dem Ärzte-Sänger Jan Vetter, den meisten wohl eher als Farin Urlaub ein Begriff.

Insgesamt sind die Texte noch simpler und schlichter gehalten als noch bei den Vorgängern.

„Weit entfernt davon, ein netter Mensch zu sein.
Dazu bin ich viel zu gern allein.
Warum auch immer, egal, egal.“

Vielerorts wird das als negativer Punkt ausgelegt, aber das muss ja gar nicht unbedingt sein. El*Ke bringen in schlichten Versen auf den Punkt, was sie beschäftigt und nicht jeder Liedtext muss einem Prosagedicht gleichen. Das ist erfrischend anders.

Insgesamt also eine wirklich gelungene Platte. Wer die Vorgängeralben mochte, wird es an diesem besonders zu schätzen wissen, dass El*Ke sich nun auch trauen, ein wenig zu experimentieren, so dass keine Gefahr besteht, dass sie sich wiederholen. Häuser stürzen ein – Keine Metapher könnte besser für die Energie dieses Albums stehen. Abtanzen!


VÖ: „Häuser Stürzen Ein“ erscheint am 04.07.2008 auf EMI.

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