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Frank Spilker Gruppe | 23.08.2008 | Jena, Kassablanca

Die diesjährige Jenaer KulturArena ging an diesem Wochenende zu Ende. Mit der Frank Spilker Gruppe als einen der diesjährigen Höhepunkte bewiesen die Veranstalter noch einmal ihr Gespür im Bereich deutscher Popmusik. Nachdem der Jazzmusiker Rabih Abou-Khalil am Abend auf dem Theatervorplatz spielte, gehörte die Nacht nun dem Clubkonzert.

Das Kassablanca war angesichts, dass an diesem Abend der Sänger und Texter der Hamburger Vorzeigeband Die Sterne seine Solowerke vorstellte, relativ leer. Etwas mehr als hundert Zuschauer waren gekommen um Frank Spilker, Mathias Strzoda und Max Knoth zu sehen und die neuen Songs vom Debütalbum „Mit all den Leuten“ zu hören. Überkochen sollte die Stimmung an diesem Abend nicht, aber trotzdem war dies ein durchaus gelungenes Clubkonzert.

Ganz unspektakulär betrat der hagere Hamburger gegen Mitternacht die Bühne des Kassablanca, entschuldigte sich für die abegschaltete Discomusik und eröffnete mit „Kommt alle her“ das Konzert gediegen. Umso krachiger folgten dann die Disconummer „Ich steh auch mal hinter der Bar“ und der Folk-Song „Ich geh gebückt„. Wortkarger als gewohnt leitete Spilker von Song zu Song, aber den charmant trockenen Humor aus dem hohen Norden konnte er sich dann doch nicht immer ganz verkneifen. Gut so!

Ein besonderes Highlight des Konzerts war wohl – neben einer gerissenen Seite und daraus folgenden Sinnlosgesprächen – der Song „In einer Nacht wie dieser„. Schon Ende der Achtziger Jahre schrieb Frank Spilker diese Nummer – noch bevor Die Sterne richtig geboren waren. Ein paar Jahre später erschien das Lied auf einem L’age-D’or-Sampler. Die Sterne weigerten sich bisher, es in ihr Live-Programm aufzunehmen. Die Frank Spilker Gruppe wollte dies nun nachholen, denn schließlich sei es ein guter Song. Und Recht hatten sie! Selten luden deutsche Popsongs so zum Schwelgen und Tanzen zugleich ein! Ganz zu schweigen von der wunderbaren darin enthaltenen Weisheit „Bakerman is baking bread“.

Mit der Single „Es sieht gut aus“ verabschiedete sich die Frank Spilker Gruppe nach gut einer Stunde Programm. Auch wenn sich die Reihen noch ein wenig mehr gelichtet hatten, wurde sie vom Publikum zurückgeholt. Als Abschluss wurde mit dem „Antipopkurs“ noch eine perfekte Schrammel-Nummer, die absichtlich nicht geprobt wurde, drauf gesetzt. Endgültig verabschiedeten sich die drei Herren mit einer etwas unspektakulären Covernummer aus den Siebzigern: der Hit „Up the Junction“ der englischen Wave-Legende Squeeze, der Spilker seit Jahren schon am Herzen liege. Er habe es bis heute nicht geschafft, diesen Songs gut ins Deutsche zu übersetzen.

Trotz der Tatsache, dass nicht alle hellauf begeistert das Konzert verließen, spürte man doch, dass da auch viele im Publikum waren, denen das Konzert viel bedeutet hatte. Für mich ist es wieder ein Konzert dieser Sorte gewesen, das im Nachhinein noch besser wird als am Abend selbst, da ich die Musik zum Zeitpunkt des Erlebens noch nicht in- und auswendig kannte. Einigen im Publikum fehlte wohl aber doch der Flair der Sterne, die als Band eingespielter darin sind, tanzbare Songs zu fabrizieren. Die Musik der Frank Spilker Gruppe ist zwar nicht wirklich weit von dem entfernt, was man von den Sternen gewohnt ist, aber sie ist roher, mehr vom Schema Gitarre-Bass-Schlagzeug gezeichnet, vielleicht sogar jugendlicher, unperfekter, gar nicht allzuweit vom Grunge entfernt. Ich gehörte zu denen, die das genossen. Trotzdem, keine Sorge, am 8. Oktober ist Frank Spilker wieder in Jena, diesmal mit den Sternen.

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