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GAME: Wii Music

Shigeru Miyamoto kündigte sich für Wii Music als Entwickler an und man sah glänzende Augen allerorten, schließlich ist dieser Mann bekannt für Videospielgrößen wie Zelda, Donkey Kong, oder Mario. Und vielleicht waren die Erwartungen angesichts dessen zu groß. Statt – wie angekündigt – einem Spiel, das mit aktuellen Musik-Games à la Guitar Hero oder Rock Band mithalten kann, bekommt man hier nur eine lauwarm aufgekochte Idee vorgesetzt, die entgegen aller Erwartungen den Spielspaß sehr vermissen lässt.

Zu Beginn ein Video, eine Interpretation von „Eine Kleine Nachtmusik“:

Mozart hätte vermutlich die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen angesichts dieser Interpretation. Dazu muss man sagen: Es liegt nicht an dem Spieler, der dieses Video online gestellt hat. Oftmals kann man ein Taktgefühl sondergleichen aufweisen und trotzdem sind die Sounds, die sich in Form von veralteten und billigen Samples aus den Boxen quälen, nur schwer erträglich. Midi-Gedüdel sondergleichen.

Aber mal ganz von vorne. Was bietet dieses Spiel dem Zocker überhaupt? Insgesamt eine riesige Vielfalt an Instrumenten, was mich sehr überzeugt hat. Von regulären Geräten wie Gitarre, Piano oder Flöte geht es über die Harfe bis hin zu „Instrumenten“ wie dem bellenden Hund, der Katze oder sogar dem Cheerleader. Diese Vielfalt macht Spaß, durchforscht zu werden und mit außergewöhnlichen Kombinationen lassen sich ganz neue Versionen von altbekannten Songs basteln. Negativ zu erwähnen an dieser Stelle ist, dass man das Schlagzeug nur mit dem externen Balance Board bedienen kann. Da man das zu der Konsole zusätzlich erwerben muss, eine frustrierende Angelegenheit, da gerade das Drummen im Vorfeld sehr interessant wirkte. Alle anderen Instrumente können mit Wiimote (und Nunchuk) bedient werden. Dabei gibt es insgesamt vier verschiedene Spielweisen, sprich Arten, wie ihr die Controller halten müsst, um ein Instrument zu bedienen. Bei gitarrenähnlichen Instrumenten zum Beispiel haltet ihr das Nunchuk wie den Gitarrenhals und schrammelt mit der Wiimote. Bei Flöten und artgleichen Instrumenten hingegen braucht ihr nur die Wiimote, die ihr vor euren Mund haltet. Bei diesen 4 grundlegenden Spielweisen lässt sich z.B. über Neigungen die Lautstärke bestimmen oder die Haltung eures Miis beim Gitarrespielen verändern.

Mit euren Instrumenten bewaffnet könnt ihr euch nun verschiedensten Aufgaben stellen. Aber erst, nachdem ihr den Musikunterricht überstanden. Ein unfassbar nerviger Mann, der vorgibt, die Weisheit in Person zu sein und mit einem nervtötenden Dauergemurmel daherkommt, versucht den Musikergeist in euch zu wecken. Dass man so bereits zu Beginn keine Lust mehr hat, wurde hierbei anscheinend nicht bedacht. Nun gut, habt ihr euren Prof heil überstanden, gibt es im folgenden Bildschirm mehrere Modi zur Auswahl. Da wäre einmal der Modus der Jam-Session. Ohne Vorgaben könnt ihr hier drauf los musizieren, was gemeinsam mit Freunden wirklich Spaß machen kann. Doch wenn ihr nicht blind drauf los mucken wollt, könnt ihr auch Vorgaben und Songs auswählen, die einen Rahmen schaffen. Zur Hilfe kommen euch sogenannte Be-Bobbys. Kleine Figuren, die am unteren Bildschirmrand aufleuchten und den Takt vorgeben. Am Anfang ist die Auswahl der Songs noch sehr eingeschränkt. Je weiter ihr spielt, desto mehr wird freigeschaltet, logisch. Allerdings hier der nächste ätzende Punkt: Um neue Songs freizuschalten, MUSS man Videos von seinen Songs abspeichern. Äußerst unpraktische Methode, schließlich kann man den wertvollen Speicherplatz seiner Wii mit besserem als langweiligen (und gerade zu Beginn natürlich auch sehr unprofessionellen) Videos füllen.

Die Lieder, die dann nach und nach freigeschaltet werden, wecken leider auch nicht wirklich die Motivation. Do-Re-Mi, O Tannenbaum, Hänschen Klein und der Hochzeitsmarsch geben sich die Klinke in die Hand. Die Highlights sind also schnell aufgespürt: Die Songs aus Videospielklassikern. Titel aus Zelda, Mario oder F-Zero dürfen nachgespielt werden. Doch auch hier natürlich das gleiche Problem: Hymnenartige Übersongs wie aus Zelda kommen hier in knarzigem Wii Music-Arrangement daher. Sowas geht einfach nicht, die Songs klingen allesamt grässlich. Zudem interessiert es auch niemanden, wenn ihr irgendwas Falsches spielt. Das kann doch nicht sein bei einem Spiel, das das Wort „Music“ im Namen trägt…?

Um Abwechslung reinzubringen, könnt ihr eine ganze Reihe an Minispielen ausprobieren. Und die sind dann auch um einiges interessanter als der Rest des Games! Ihr bekommt zum Beispiel die Möglichkeit, ein Orchester zu dirigieren, was sogar eine weitaus bessere Klangqualität mit sich bringt! Da fragt man sich doch, warum das nicht im gesamten Game so durchgezogen wurde. Abgesehen davon könnt ihr im Modus „Menschliche Stimmgabel“ euer Gehör in diversen Aufgaben schulen. Miis ihrer Tonhöhe nach ordnen und und und… Der Aspekt ist wirklich spannend!

Alles in allem lässt sich aber festhalten, dass Wii Music mit Sicherheit nichts für erfahrene Musiker oder erprobte Gamer ist. Erstere dürfte man recht schnell über den Sound jammern hören, Letztere werden sich zu schnell unterfordert und zu Tode gelangweilt fühlen. Ans Herz zu legen ist dieses Spiel somit nur jüngeren Spielern, oder solchen, die sich noch mit der Konsole vertraut machen wollen. Mehr ist aus dieser ausgiebig gerührten großen Werbetrommel leider nicht herauszuholen. Also: Einfach alle mal wieder zu realen Instrumenten greifen. Das wäre doch wirklich eine lobenswerte Alternative!

„Wii Music“ erschien am 14. November 2008 bei Nintendo.

One comment

  1. M says:

    …nicht erwähnt wurde in diesem Beirag, das man auch diverse Schlagzeuge
    ausprobieren(Balanceboard vorrausgesetzt)kann. Hauptsache man kommt mit den Drums klar, die auf dem Nuntchuk und dem Wii-Mote recht gewöhnungsbedürftig angeordnet sind. Aber auch dafür gibt es einen Trainer…

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