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Im Gespräch mit Holger und Christian von Pale

paleKeine zwölf Stunden mehr, dann geht eine weitere wunderbare deutsche Indie-Rock Band in die ewigen Jagdgründe ein. Nach 15 Jahren im Teenage Heaven spielen Pale heute Nacht ihre letzte Show auf dem Immergut-Festival in Neustrelitz. Mainstage traf Holger Kochs und Christian Dang am vergangenen Mittwoch in Münster zu einem kleinen Gespräch über die Beweggründe, die Band aufzulösen, ihre Erinnerungen an eine schöne Zeit und die Zukunft.

Ok, fangen wir an, die erste Frage lautet: WARUM?
Christian:
(lacht) Ähm, das ist eine gute Frage. Es gibt einfach so Momente im Leben da weiß man einfach was Sache ist und für uns war die Sache, dass die Geschichte von Pale zu Ende erzählt ist. Es gibt keinen speziellen Anlass, wir haben halt wirklich einfach nur das Gefühl, dass Pale jetzt schön in die Vitrine passt.
Holger: Es gab da mal eine sehr gute Band, das waren The Jam in den 70ern und 80ern, die sich dann mal irgendwann aufgelöst haben. Die haben sechs sehr gute Platten gemacht und da war es auch nicht ganz so nachzuvollziehen warum das halt passiert ist, aber ich finde, dass das ein Schritt ist, der denen damals Recht gegeben hat und die Geschichte auch uns Recht gibt. Viele Dinge waren einfach erzählt. Wir wollten vor allem dem Ganzen einen würdigen Abschluss verleihen, es gibt ‚ne menge Bands, die sich auflösen und einfach weg sind, das wollten wir so nicht machen.
Stimmt, ich erinnere mich da sehr gut an Readymade, die sich in 2003 von heute auf morgen getrennt haben und eben keine letzten Shows gespielt haben, da macht ihr das schon schöner.
Holger: Ja genau, so was kann halt auch passieren, und ich finde, dass es das so nicht verdient hätte, deshalb sind wir jetzt diesen Weg gegangen.

Wie wird es weiter gehen? Werdet ihr weiter Musik machen?
Holger: Da sind wir schon dabei, ja. Zwar in neuen Besetzungen, teilweise getrennte Wege, teilweise gemeinsam, teilweise mit neuen Leuten. Wir produzieren schon und sind auch schon im Studio!

PaleKann man da schon etwas Genaueres zu sagen?
Christian: Sehr viel kann man noch nicht dazu sagen.
Holger: Ich sag immer: Wie Pale in gut!
Christian: (lacht) das lassen wir so stehen!

Spielt ihr wieder zusammen?
Christian: Das wissen wir noch nicht.
Holger: Wir lassen uns da überraschen.

Ihr habt ja gestern schon ein kleines Konzert in Köln gespielt, wie wars? Wie haben die Leute darauf reagiert?
Christian: Es war sehr emotional, emotionaler als gedacht, sowohl von unserer Seite als auch vom Publikum aus, für uns wars besonders schön, weil die Leute halt sich noch mal richtig gefreut haben und wir im Vorfeld so nervös waren, obwohl das wahrscheinlich keiner zugeben will, weil jetzt die Abschiedstour losgeht. Aber das ist sofort verflogen, weil wir sehr gut aufgenommen wurden.

Für das Konzert gab es ja auch Tickets zu gewinnen, in dem man seine persönliche Pale-Geschichte erzählen sollte, was kam da so?
Holger: Ich kann dir jedenfalls sagen, warum eine Geschichte gewonnen hat: Zwei Leute die gestern extra aus Leipzig hingefahren sind, 5 Stunden, und nach dem Konzert wieder nach Hause gefahren sind, das fand ich persönlich bewegend.
Christian: Es ging auch viel so um sich kennen lernen auf einer Pale-Show, da waren viele Geschichten dabei, darum ging es hauptsächlich oder?
Holger: Ja genau, eigentlich ging es immer nur darum, dass sich zwei Leute gefunden haben und wir den Soundtrack dazu geliefert haben – schöner kanns nicht sein!

Die Setlist für die Abschliedstour konnten die Fans im Internet auswählen, gab es da große Überraschungen oder hättet ihr genau das selbe ausgesucht?
Holger: Eigentlich gab es überhaupt keine Überraschungen, bis auf die, dass eigentlich die Songs von der letzten Platte nicht gevotet wurden.
Christian: Viele Sachen hatten wir uns auch schon im Hinterkopf bereit gelegt, die wir gerne spielen würden, und die sind dann auch tatsächlich gewählt wurden. Manche waren überraschend, manche Sureshots.
Holger: Was hättest Du denn heute Abend gerne gehört, was Du jetzt vermisst?
Ich hab ja für Stephan meine ganzen alten Festplatten nach Videos durchforstet und die dann bei Youtube hochgeladen, dabei bin ich ja auf eine Coverversion von „Gold“ gestoßen…
Holger: Hätte ich auch sehr gerne gespielt! Wir bringen ja jetzt parallel zu der Tour noch so ein exklusives Download-Album raus, was ja grad schwer in Mode ist, und da kann man den Song auch hören!

Oh das freut mich, was wird da denn sonst noch alles drauf zu hören sein?
Holger: Wir haben halt einfach festgestellt, als wir so im Zuge der ganzen Retrospektive nach Dingen Ausschau gehalten haben, dass da einfach viele Sachen dabei waren, die es Wert gewesen wären, zu veröffentlichen, und das wollen wir jetzt nach holen. Es gibt ein paar Alternativ-Mixe, es gibt Single-Edits, es gibt die Weihnachtsplatte, die meiner Meinung nach herausragend ist in unserem Schaffen…
Christian: Und schon wieder herausgeramscht wird…
Holger: Herausragend und Herausgeramscht! Damals gabs die umsonst, und jetzt auch und ein dazu paar Remixe. Wir haben uns jetzt mal so auf 14 Sachen beschränkt, aber alle 14 Sachen sind es auch Wert gehört zu werden!
Christian: Unveröffentlichte Songs sind auch dabei!

Pale

Ihr spielt ja die Abschiedstour ziemlich nördlich, gibt’s dafür einen Grund?
Holger: Einen sehr guten sogar!
Christian: Weil der Süden… wie formuliere ich das jetzt…
Holger: Sagen wir mal so: er hat sich niemals in uns verlieben können!
Christian: Sehr schön!
Holger: Der Norden hingegen… Deshalb haben wir da ganz zum Schluss unser Herz sprechen lassen, ausnahmsweise mal, und halt die Städte rausgepickt, die uns am Herzen lagen.

Vor zwei Jahren beim Rheinkultur Festival habt ihr ja auch eine Umbesetzung bekannt gegeben, gab es damals schon den Punkt: Hören wir jetzt auf oder machen wir weiter? Oder stand das damals gar nicht zur Diskussion?
Christian: Wenn ich mich recht erinnere, stand das damals gar nicht zur Diskussion. Es war sehr schade, dass die beiden damals ausgestiegen sind, der Hilly und der Jonas, aber für uns drei, den Stephan, Holger und mich, war immer klar, dass wir weiter machen.

Ihr habt ja auch wahnsinnig viele Support-Touren gespielt, ich glaube zuletzt mit Panic at the Disco, was war denn da das herausragendste oder das lustigste?
Holger: Also das herausragendste war, dass wir auch noch zwei Jahre mit denen hätten auf Tour gehen können und wir hätten sie trotzdem niemals gesprochen. Und es gab jeden Tag Hamburger!
Christian: Panic at the Disco wollten nur Junk-Food, Hotdogs, Hamburger…
Holger: Die sind ja aber auch noch in dem Alter in dem man sich das erlauben kann.
Christian: Da macht der Kajal auch viel weg… (beide lachen)

Ihr habt ja jetzt die letzten Wochen viel geprobt und Euch auf die Tour vorbereitet, gabs da irgendwann mal den Punkt, an dem ihr Euch gedacht habt: Hätten wir doch mal weitergemacht?
Holger: Das haben wir eigentlich jedes Mal gedacht. Wir haben uns auf jeden Fall, und das finde ich, war das gute in den vergangenen Wochen, jedes Mal gefreut, wenn wir die alten Songs noch mal durchgespielt haben und vor allen Dingen – ich finde das ist so mit das wichtigste an der ganzen Sache: Das wir mit Stolz auf die ganze Sache zurück blicken können auf das was wir geleistet haben. Ich finde das sind immer noch zeitlose, schöne Alben die wir gemacht haben, manchmal hat man natürlich schon mal gezögert oder gezaudert mit dem was wir da manchmal gemacht haben, was ja aber auch ganz normal ist, aber im Endeffekt bleibt einfach das, was wir immer machen wollten, nämlich Popsongs die vielleicht auch eine längere Haltwertszeit haben als fünf Monate.

Was wird das für ein Gefühl sein, wenn ihr am Samstag auf dem Immergut die allerletzte Show spielen werdet?
Christian:
Ein sehr trauriges wahrscheinlich, könnte ich mir sehr gut vorstellen. Es war gestern schon so ein bisschen traurig, nach der ersten Show, was mich etwas überrascht hat. Das letzte Mal in Köln, das war doch komisch, hat mich ein bisschen übermannt aber so richtig traurig wird es wahrscheinlich tatsächlich erst nach dem Immergut-Auftritt.
Holger: Ich glaube, das wird wie eine Trennung von jemanden, von dem man weiß, das man ihn noch ein Leben lang lieben wird, aber man trotzdem nicht zusammen sein kann.

Ihr wart ja immer sehr innovativ und Fan-nah, ich erinnere mich gut an den Band-Praktikanten oder auch an den Pale-Klub…
Holger: Stimmt, den hab ich ja ganz vergessen!
Waren das mit so die Besonderheiten von Pale?
Holger: Was ich immer gut an der Band fand, war, dass jeder so seinen Bereich hatte, und dass auch jeder außerhalb der Musik genutzt hat. Stephan war halt immer sehr affin was solche Dinge anging, Kommunikationsformen mit den Leuten, und auch anders mit ihnen in Verbindung zu treten wie halt nur Platten raus zubringen. Und ich finde, er hat da halt auch einen sehr guten Job gemacht, dass wir da so präsent bei diesen neuen Plattformen waren, wie Facebook und Twitter. Es sprach halt auch immer für uns, dass wir nicht nur gute Musik gemacht haben, sondern uns auch um den Rest kümmern wollten, sei es jetzt Design, sei es Videos, sei es halt, dass wir uns die Supportbands selbst ausgesucht haben, oder ausgesucht haben vor wem wir spielen (lachen beide)

Was habt ihr Euch da ausgesucht?
Holger: Wir haben uns damals Jimmy Eat World ausgesucht und die haben dann gesagt: „Klar, freuen uns sehr, dass ihr mitkommt“ und so ist es gekommen.
Christian: Und „trinkt ruhig unseren Wodka!“
Holger: Christian sagt das deswegen, weil wir eine Woche mit denen auf Tour waren und das eigentlich in der Hinsicht die beste Tour unseres Lebens war, weil wir immer relativ früh mit unserem Set fertig waren, und dann in der Zeit als Jimmy Eat World auf der Bühne waren wir den ganzen Alkohol weg getrunken haben.

Was werdet ihr am meisten an Pale vermissen?
Holger: Hm, in der Hinsicht würde ich sagen, dass die Leute so eine enge Verbindung damit  hatten und haben. (überlegt) Und den Applaus werde ich vermissen.
Christian: Darüber habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht, ich kanns echt nicht sagen. Ich konzentriere mich sehr auf diese Woche und was danach kommt, daran habe ich noch gar keinen Gedanken dran verschwendet.
Holger: Champions-League und dann Karriere-Ende, das streben wir an!

Vielen lieben Dank, dass ihr Euch die Zeit genommen habt und alles Gute für die Zukunft!
Holger: Vielen Dank Dir!

Fotos des Abends in Münster gibt es hier,
einen Bericht findet ihr hier!

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