Im Gespräch mit Martina Drignat zur Ausstellung Rahmenlos 360°

Rahmenlos 360° heißt die Ausstellung der Musikfotografen Hamburg, die am Freitag um 18 Uhr im Rahmen des Knust Geburtstags eröffnet wird. Ein guter Grund, um sich mit Martina Drignat, einem Drittel der Musikfotografen, mal über die Ausstellung und das Fotografieren von Bands im Allgemeinen zu unterhalten!

Am kommenden Freitag eröffnet Ihr Eure erste Ausstellung, die man danach im Knust bis November anschauen kann, was kann man dabei als Besucher erwarten?
Es gibt eine Vielzahl unterschiedlichster Konzertfotos von sehr unterschiedlichen Musikern zu sehen, die alles andere als gerahmt an den Wänden hängen. Zudem feiert das Knust seinen 27+7. Geburtstag, der Eintritt ist frei, es gibt viel Livemusik, Kuchen und 100 Liter Freibier. Wer das verpasst, verpasst was!

Welches ist Dein persönliches Lieblingsexponat und warum?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein Lieblingsexponat habe. Es gibt ein paar Bilder, die großartig sind eben aufgrund ihrer Positionierung im Raum und sie mir deswegen jetzt umso besser gefallen. Dazu gehören die Fotos von Gisbert zu Knyphausen und Hubert von Goisern. Aber das beste und teuerste Stück, um es mal so zu sagen,  ist wohl der Leuchtkasten mit acht Fotos von Tobias Siebert von Klez.e.

Vor zwei Jahren habt Ihr, Michael, Juliane und Du, die Musikfotografen Hamburg gegründet, wie kam es zu der Idee und was hat sich seit dem für Euch geändert?
Das weiß ich gar nicht mehr genau. Michael kenne ich schon seit Jahren vom Sehen, vor ca. drei Jahren kamen wir dann bei einem Konzert mal ins Gespräch und da kam ziemlich schnell die Idee auf, sich mit anderen Fotografen zusammen zu schließen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Juliane war eine Bekannte von ihm und er schlug vor sie mit ins Boot zu holen, weil ihr Stil und ihr Musikgeschmack für uns eine Bereicherung sein könnte – womit er total ins Schwarze traf. Wir gaben uns einen Namen, um als Team aufzutreten, Kontakte zu bündeln und vielleicht auch um ein Stück weit ernster genommen zu werden. Seit dem Zusammenschluss sind ein paar schöne Kooperationen zustande gekommen wie zum Beispiel die mit Delta Radio. Allerdings können wir gerade alles andere als von der Konzertfotografie leben, weil der Markt einfach gesättigt und aufgeteilt ist. Es ist für einen Neuling schier unmöglich, bei den gängigen Zeitschriften und Tageszeitungen einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Für die Ausstellung habt ihr Euch das Knust ausgesucht, was macht diesen Club für Euch so besonders?
Es ist einfach ein toller Laden mit der richtigen Größe – zum Fotografieren optimal, weil die Bühne nicht zu hoch ist, man aus mehreren Winkeln fotografieren kann und es bei den Konzerten meistens gute und abwechslungsreiche Beleuchtung gibt. Michael verbringt schon seit Jahren viel Zeit dort, vor allem auch nachmittags zum Fußball Gucken und ich habe dort zum ersten Mal richtig konzentriert bei einem Konzert fotografiert. Wir haben also eine gewisse Verbindung mit dem Knust und als wir Dirk Matzke von unserer Ausstellungsidee erzählten, war er total von den Socken. Er unterstützt uns, wo er nur kann, was wirklich goldwert ist und wir sehr zu schätzen wissen.

Fangen wir mal von vorne an, wie hast Du die Fotografie für Dich entdeckt?
Während der Schulzeit bei einem Praktikum. Wir lernten dort die Grundsätze der Fotografie, das Entwickeln und Ausbelichten im Labor und jeder Schüler brauchte eine Spiegelreflexkamera. Mein Opa vermachte mir seine Kamera, eine fast manuelle Konica FC-1, die ich von da an fast überall mit hin nahm. Ich begann erst einige Jahre später bei Konzerten zu fotografieren, weil es damals noch kaum Möglichkeiten gab, sich für ein Magazin oder ein anderes Medium zu akkreditieren. Ich fragte meistens bei den Bands an und bat ihnen meine Fotos zur Verwendung an… vor gut zwei Jahren begann ich dann unter anderem für Mainstage zu fotografieren und kaufte mir endlich eine digitale Spiegelreflexkamera. Bis dahin entstanden meine ganzen Livefotos mit der Konica.

Welche Tipps würdest Du Anfängern geben?
Erstmal nur mit einer manuellen Kamera fotografieren, das Verhältnis von Belichtungszeit, Blende und Filmempfindlichkeit verinnerlichen und beobachten – viel beobachten. In der heutigen Zeit wird uns von der Technik vieles abgenommen und es vielleicht sogar zu leicht gemacht. Jeder Trottel kann eine Kamera bedienen. Die Kunst aber ist es, ein Auge für ein Motiv zu entwickeln und im richtigen Moment abzudrücken und nicht 200-mal auf den Auslöser zu drücken in der Hoffnung, dass schon ein gutes Bild dabei sein wird.

Du arbeitest ja nicht nur als Live-Fotograf, Du hast schon die Pressefotos für Bands wie Kettcar und Enno Bunger gemacht, wobei kannst Du Dich am Besten ausleben? Live-Fotos oder Portraits?
Definitiv die Live-Fotografie. Ich bin eher ein stiller Beobachter und versuche so unauffällig wie möglich zu fotografieren. Porträts mache ich zwar auch unheimlich gerne, vor allem wenn man merkt, dass man sich versteht, aber es ist schon manchmal ein Kampf aus einem Menschen genau das herauszukitzeln, was man abbilden will. Auf der Bühne stellen sich die Künstler dar, bewegen sich… das macht es für mich einfacher, weil ich mich einfach nur drauf konzentrieren kann, im richtigen Moment abzudrücken und die Personen nicht positionieren muss.

Welche Band war am schwierigsten zu fotografieren, hat dann aber doch eins der besten Ergebnisse gebracht?
Hm, schwierige Frage. Es ist immer schwierig, wenn es von vorne herein Einschränkungen gibt, wenn man gerne aus einem bestimmten Winkel fotografieren will, das aber nicht kann, weil man weiß, dass der Abgebildete zum Beispiel sein Profil nicht mag. Es gab da bisher eigentlich keine besonders schwierige Situation, es wurde mir bisher aber auch nicht wirklich einfach gemacht.

Du hast in den vergangenen Jahren wahnsinnig viele Bands vor der Linse gehabt, welche Band fehlt Dir noch unbedingt?
Von meiner Lieblingsbandliste fehlen mir noch Oasis, Sigur Rós und Arcade Fire, wobei das mit Oasis ja jetzt nicht mehr zu realisieren ist. Und natürlich die Bands, die ich noch nicht kenne und die noch kommen werden… es gibt noch so vieles zu entdecken!

Wenn man heutzutage zu einem Konzert geht, sieht man im Publikum nur noch Handy- und Kameradisplays leuchten, wie siehst Du dieses Verhalten aus professioneller Sicht?
Ich finde es schön, wenn man als Konzertbesucher völlig unprofessionell den Moment festhalten will. Ich hatte in den 90ern auch überall meine kleine Knipse mit und habe mit Blitz wirklich grässliche Konzertfotos gemacht… man machte dann 3-4 Bilder, vielleicht noch eins von sich und der Bühne und gut war’s. Es nervt nur, wenn da jemand steht, der permanent fotografiert und man auf dem Display ein fürchterliches Ergebnis sieht und man demjenigen am liebsten die Kamera wegnehmen will. Ich habe das einmal gemacht bei einem Konzert von Ben Folds vor fünf Jahren. Da stand eine Koreanerin neben mir in der zweiten Reihe genau vor Ben, total euphorisch und sie verwackelte wirklich jedes Bild, weil sie so aufgeregt war. Ich fragte sie, ob ich mal ein paar Bilder machen könne mit ihrer Kamera und als sie die Ergebnisse sah, konnte sie ihr Glück kaum fassen.

Sieht man ein Konzert mit den Augen eines Fotografen anders als ein normaler Gast?
Ja, sicher. Als Fotograf ist man wesentlich konzentrierter und kann nur schwer genießen. Wenn man nur bei den ersten drei Songs fotografieren darf, ist man eh ziemlich im Stress ein gutes Motiv einzufangen… auch wenn ich dabei oft mitsinge, wenn ich die Texte kenne. Als normaler Zuschauer kann man von Anfang an einfach nur abfeiern oder zuhören. Ich mag es, wenn ich während des ganzen Konzerts fotografieren kann, sodass man auch wirklich nur dann abdrückt, wenn sich ein schöner Moment ergibt.

Rahmenlos 360°
Eine Ausstellung der Musikfotografen Hamburg

06. August – 01. November 2010
Knust, Neuer Kamp 30, Hamburg

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