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Jeniferever // 7.8.09 // Frankfurt, Elfer Music Club

jeniferever_thumbnailWelche Erwartungen hat man also, wenn eine Band aus Uppsala in einem Venue spielt, das der Größe des deutschen Durchschnittswohnzimmers ähnelt und für jenes Konzert nicht einmal viel Werbung gemacht wurde? 10 skeptisch blickende Gäste und eine Band, die sich nach über zehn Jahren Existenz doch mehr erhofft und deshalb die Hälfte der Setliste unauffällig abtrennt, um möglichst früh zu verschwinden? Nein, sicher nicht bei Jeniferever.
Dass der Elfer Music Club in Frankfurt trotz seiner Größe, oder vielleicht eher genau wegen jener, für sehr beeindruckende Abende mit guten Bands sorgen kann ist nun nicht erst seit dem Besuch der Schweden von Jeniferever bekannt. Bisweilen sind es mehrere Bands pro Monat, die in dem gemütlichen Laden vorbeisehen, wobei die Veranstalter ihre Fühlerbesonders gerne in Richtung namhafter Postrock-Bands ausstrecken – so waren erst eine Woche zuvor This Will Destroy You zu Gast.

Sieht man Jeniferever zum ersten Mal live,  so fallen einem fast unvermeidbar all die Klischees ein, die man so mit sich herumträgt. Schweden. Skinny Jeans. Ausgefallene Frisuren. Begeisterte Mädchen. Viele, viele Gitarren. Doch dass Jeniferever weder Sugarplum Fairy sind noch mit Oberflächlichkeiten überzeugen wollen, beweisen sie nicht nur mit jedem Lied, das sie schreiben, sondern auch an Abenden wie diesem.

Von der in der Tat niedrigen Besucherzahl lassen sich die Schweden nicht demotivieren. Im Gegenteil, es scheint, als sei es genau diese intime Atmosphäre, die notwendig ist, um wirklich vermitteln zu können, was es mitzuteilen gilt. Denn das sind keine Rock’n’Roll-Klischees, sondern berührende, Landschaften malende und Geschichten erzählende Lieder, die zweifelsohne mit viel Herzblut gebastelt wurden. Irgendwo zwischen Mogwai und Sigur Rós angesiedelt überzeugt jedes einzelne Element dieser Band. Zwei Fünftel wechseln hier und dort die Instrumente. Da werden noch mit dem Bass auf dem Rücken die Synthies bedient, während Gitarrist Martin mit tiefster Passion die sechs Saiten seines scheinbar besten Freundes bearbeitet und minutenlange Soli entstehen lässt, ohne auch nur einen Blick auf sein Griffbrett zu verlieren. Auch scheut man sich nicht, vor dem der Popmusik nahe stehenden Auge höchst selten wirkende Kunst zu veranstalten: So werden einfach mal ganze Stücke mit zwei Bässen gespielt, oder der Gesang bleibt in aller Postrock-Treue einfach ganz aus.

Es ist zu bedauern, dass einer solchen Band kein größerer Rahmen gegeben wird, in welchem sie ihre Musik darstellen dürfen. Wieder einmal fragt man sich, wieso es die langweiligen Popkonserven sind, von denen sich die Menschheit bespielen lässt, wo es doch solch grandiose Bands gibt. Vom Leben erzählende Texte, Musik, die so qualitativ hochwertig ist, dass sie ihresgleichen sucht. Denn trotz der Tatsache, dass „Grean Meadow Island einst vom NME Radio zur Single der Woche erklärt wurde, bleibt die Zahl derer, die Jeniferever kennen und schätzen leider eher gering.

Doch an diesem Abend konnte auch die geringe Besucherzahl die Begeisterung für die Musik nicht wirklich mildern. Man bedankt sich für einen sehr guten Abend und hofft auf baldiges Wiedersehen. Vielleicht ja wieder im Elfer.

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