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Lillian. – A Pitchfork Nightmare And Other Selected Tales

Lillian. - A Pitchfork Nightmare And Other Selected TalesZeilen wie „instead of cutting my losses / I just cut my skin“ kommen rein potentiell nur bei zwei Arten Bands vor: Bösen, grunzenden Metallern und verzweifelten Singer/Songwritern. Das Beispiel gehört zur Band Lillian., welche wie erwartet, zum zweiten Genre gehört und nun mit A Pitchfork Nightmare And Other Selected Tales ihr Debüt veröffentlicht.

Dieses erscheint auf dem blutjungen Berliner Singer/Songwriter-Label Elephant Factory. Weniger eine Band, als ein ambitioniertes Einmannprojekt – das Booklet sagt treffend „Lillian. is Dom Bollow“ – der Mann, der also auf allen zwölf Stücken die Gitarre, das Klavier, die Glocken, wahrscheinlich auch den Laptop mit den Beats bedient – und singt.
Ein Mittzwanziger mit kurzen, dunklen Haaren und Dreitagebart, dem man optisch jede Musik zutrauen würde, der aber durch seine ruhige, leicht fragile Stimme prädestiniert dafür scheint, akustische Gitarren zu begleiten. Und so beruhigend die Stimme, so verstörend sind die Texte von A Pitchfork Nightmare…, wobei Nightmare/Albtraum das richtige Stichwort ist. Bollow baut sich dystopische Welten voller Drogen, toter Ehefrauen, Hoffnungslosigkeit und selbstverständlich Verlust und Liebe auf (oder ist er doch nur ein aufmerksamer Beobachter der Wirklichkeit?). So viel Moll in dieser jungenhaften Stimme, die nicht selten ironischerweise sogar von Durakkorden begleitet wird. Der Satz lässt sich nicht länger aufschieben – teilweise erinnert hier viel an die frühen Bright Eyes, an Letting Off The Happiness, in welchem Conor Oberst noch stets wie kurz vorm Zusammenbruch sang. An der Stimme kann man nichts machen, an der Musik sicher schon. Allerdings sorgen ja Laptopbeats und generell eine bisschen vollere Instrumentierung für Abhilfe. Ihre Stärken hat die Platte besonders am Anfang: City Dreams mit der wunderbaren Laptop- und Gitarrenuntermalung samt Intro, Mess mit dem verstörten Text über jemanden, der nach einem Verlust zum Wrack geworden ist und King Of Grumbling, wo er sich als ebendiesen, den mürrischen König darstellt. Und ja, auf dem drittletzten Stück, How Long He Lasts, atmet man auf, dass Bollow doch noch nciht so verloren ist, wie er scheint – „But smiling can be easy / with someone smiling back at me“ – bidde!

Genau so fragil wie sein Cover ist Lillian. und seine Songs. Wer sich depressive, junge Männer nicht anhören kann, dem kann man dieses Album auch nicht ans Herz legen. Wer allerdings Neo-Folk, wie man so schön sagt, interessant findet und/oder mit Bright Eyes, neuerdings Band mit deutlichem Mainstreamtouch, nicht mehr viel anfangen kann, der ist hiermit gut bedient.

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