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Ruben Cossani – Tägliche Landschaft

51tfdtats1l_ss500_.jpgPressetexte sind immer eine recht komische Angelegenheit. Meistens dienen sie leider dem schonungslosen und überzogenen Eigenlob. So wird Ruben Cossani beispielsweise als Pop-Formation des Jahrzehnts angekündigt, höchst mögliche Authentizität versprochen oder gemunkelt, dass jene, die sich von der Single „Mitgefühl“ nicht einfangen lassen, vielleicht kein Herz haben. In diesem Kontext zähle ich möglicherweise zu der Gattung der Halbherzigen. An ihrem Debütalbum „Tägliche Landschaft“ werden sich nämlich, wie man so schön sagt, die Geister scheiden.

Hinter der „Gesangsbande“, wie sich Ruben Cossani selbst nennt, steckt niemand geringerer als Komponist und Produzent Michel van Dyke – jener musikalische Ex-Eremit, der seit den 80iger Jahren als Solokünstler in der hiesigen Popszene unterwegs ist und auch für diverse Künstlern wie der Band Echt! und Pop-Sängerin Jasmin Wagner Lieder zurechtschneiderte. Man könnte jetzt independent-like angesichts genannter Namen die Nase rümpfen, doch ich unterlasse es an dieser Stelle.

Van Dyke lernte über den Fußballverein den Musiker Konrad Wissmann kennen. Man traf sich mehr und mehr im Studio, experimentierte und der Grundstein zur Band wurde gelegt. Zuletzt kam Leonard Valentin Lazar zur Gruppe dazu und komplettierte das Line-Up. Alle drei Musiker sind Multiinstrumentalisten und übernehmen zugleich auch im Wechsel Gesangparts in ihren Liedern. Daraus ergeben sich oftmals erfrischende Abwechslungen oder auch interessante mehrstimmige Ausgestaltungen der Stücke.

Auf dem Debüt „Tägliche Landschaft“ steht das Gefühl im Mittelpunkt. Keine Frage, dass es sich hier irgendwie immer um die Liebe dreht. Womit man auch schon wieder bei den sich scheidenden Geistern angelangt wäre. Und beim Pressetext. Der nämlich besagt, dass trotz dieses inhaltlichen Rahmens typischen Klischees und Gefühlsduseleien auf „Tägliche Landschaft“ getrotzt werde. Nach Hören der Platte bleibt mir nichts anderes übrig als dem zu widersprechen. Denn sehr wohl präsentieren Ruben Cossani in typischer Pop-Manier sentimentale Stücke. Nicht das dieses als eine Verurteilung der Musik zu verstehen ist, man muss eben nur für solche Art von Songs gemacht sein.

Eröffnet wird das Album in wohlig warmer 60iger-Jahre-Atmosphäre durch den Song „Sinnloses Leiden“. Nach einem kurzen Cembalo-Intro folgen coole Bassläufe, das leichte Schlagen der Hi-Hat, Bläserarrangement und mehrstimmiger Gesang setzen ein und aus den Lautsprecher schallt es:

Sinnloses Leiden
Lässt sich anscheinend nicht vermeiden
Und hinterher weiß keiner mehr
Worum es eigentlich ging

Sinnloses Leiden
Es ist ein Drama mit uns beiden
Wir quälen uns gerne bis auf’s Blut
Und geht’s dir schlecht, geht’s mir gut

Das folgende Stück erinnerte mich sofort an Kim Franks musikalische Solopfade. Ohne Zweifel ist „Haut“ neben der Single „Mitgefühl“ eines der besten Stücke des Albums. Auch mit dem charmanten „Besser jetzt“, das durch seinen unwiderstehlichen Rhythmus, bei dem man einfach mitwippen oder mittänzeln muss, ist Ruben Cossani ein wunderbarer Popsong gelungen.

Leider muss man aber sagen, dass das Album nach den ersten Songs an Frische und Innovation verliert. Alles was folgt, ob nun „Ich kämpf mich in dein Herz zurück“ oder „Ausgerechnet Anika“ dreht sich zumeist sowohl musikalisch als auch inhaltlich – diesbezüglich vielleicht noch mehr – im Kreis. Herzschmerz wird auf verschiedenste Art und Weise beleuchtet und in Endlosschleifen zu Pop-Songs verarbeitet. Zyniker würden sagen: Die guten Songs gibt es bereits auf Myspace zu hören.

Keine Frage, unter den zwölf Songs und den drei kleinen instrumentalen Zwischenspielen des Debüts „Tägliche Landschaft“ sind gute Stücke: Songs mit eingängigen, sanften Radiomelodien, mit leicht verständlichem und schlagereskem Text. Es ist und bleibt aber eben verkitschte Popmusik. Und dafür ist man eben gemacht – oder nicht.

Tägliche Landschaft“ erscheint am 29. Februar 2008.

1 comments

  1. Ich says:

    pff…
    wer keine ahnung von richtiger musik (ruben cossani) hat, sollte mal lieber nicht so große töne spucken.

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