Bevor Sie weiter lesen, beachten Sie folgendes:
1. Ja, es handelt sich um die skandinavische Band, die 1986 mit "The Final Countdown" einen Riesen-Hit landete.
2. Dies ist das erste Album von Europe seit 1991. Richtig erkannt, man hat lange nichts neues von ihnen gehört.
3. Das aktuelle Comeback-Album "Start From The Dark" (T&T/Sanctuary/Soulfood) wurde im Original Line-Up (natürlich mit Joey Tempest am Mic) eingespielt und ist keine Mogelpackung von irgendwelchen No-Name-Musikern.
4. Und ganz wichtig: Bitte geben sie jetzt alle Vorurteile ab, sonst werden sie eh keinen Zugang zu dieser Scheibe haben. Denn die Zeiten haben sich geändert…
So, jetzt wollen Sie natürlich wissen, wie "Start From The Dark" denn klingt. Ich kann ihnen gleich sagen: Unerwartet gut, aber kein Abklatsch der 80er-Phase. Ganz im Gegenteil. Europe haben es geschafft, ihren ultramelodischen Rock ins 21.Jahrhundert zu katapultieren. Wie das möglich ist? Vom poppigen Haarspray-Rock hat man sich endgültig verabschiedet, dafür agieren Europe etwas düsterer, haben aber trotzdem ihren Ohrwurm-Touch behalten. Besonders auffallend ist nach wenigen Sekunden, dass Gitarrist John Norum seine Klampfe um ein paar Töne herunter gestimmt hat, damit sie brachialer und fetter klingt. Von den Keyboards hört man eigentlich fast gar nichts mehr, aber das ist auch nicht weiter schlimm. Also kein dünner Poser-Sound, sondern leicht grungig und alternativ, ohne gewollt modern zu klingen. Europe ist es mit "Start From The Dark" überraschenderweise gelungen, 80er-Melodic Rock mit düsterer Heavyness zu kombinieren. Das Songwriting ist zum größten Teil mitreißend (Nur die Ballade "Hero" und die Groupie-Hymne "Sucker" sind eher schwach) und vor allem klingt es trotz der neuzeitlichen Tendenzen in sich stimmig. Songtitel wie "Spirit Of The Underdog" machen zudem deutlich, dass die Band weiß, dass sie sich nicht auf ihre früheren Erfolge verlassen kann, sondern bei Null wieder anfängt. Auch wer mit Europe bisher nichts anfangen konnte, sollte "Start From The Dark" eine Chance geben. Und glaubt mir: Ihr werdet überrascht sein, wie Europe heutzutage klingen…
Reinhören könnt ihr unter www.europetheband.com
weitere Infos: www.noiserecords.de/europe
