Bereits mit ihrem Debut-Album "Legendary Tales" (1997) begaben sich die italienischen Klassik-Freaks auf den Thron des Fantasy-Bombast-Speed-Metals. Mit ihrem fünften Werk "Symphony Of The Enchanted Lands II" (Steamhammer/SPV) gelingt ihnen nach einer kleinen Stagnations-Phase endlich die lang erwartete Steigerung. Viel symphonischer kann man Rockmusik heutzutage nicht vertonen! Und damit dies zu hundertprozentig gelingt, haben Rhapsody diesmal keine Kosten und Mühen gescheut und mit Hollywood-Star Christopher Lee (u.a. Herr der Ringe, Dracula) sogar einen echte Legende hinzugewonnen! Natürlich war bei den Aufnahmen auch ein echtes Orchester und ein Chor anwesend, um die richtige Stimmung zu erzeigen. Um es vorwegzunehmen: Das Album ist ein echtes Meisterwerk geworden und vor allem für Fantasy- und Bombast-Metal-Fans ein echter Leckerbissen. Auch Fans von "Herr der Ringe" und anderen Fantasy-Sagen sollten sich unbedingt das neue Rhapsody-Album zu Gemüte führen. Beste Unterhaltung, gewürzt mit einer menge Klassik, Folklore und typischen Filmmusik-Elementen.
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Nach dem von Christopher Lee gesprochenem, spannungsgeladenen Intro "The Dark Secret" folgt die bekannte Single "Unholy Warcry", die zu den besten Rhapsody-Stücken überhaupt gehört. Düster und befreiend zugleich, ein echter Hammer-Track, der, je öfter man ihn hört, besser wird. Auch der Beginn von "Never Forgotten Heroes" ist an Dramatik und Atmosphäre kaum zu überbieten! Das Orchester leitet den Song wunderschön ein, bevor die typischen Rhapsody-Trademarks zum Einsatz kommen. Epic-Fantasy-Bombast-Metal vom Feinsten! Nach der Hörspiel-Zwischensequenz "Elgard's Green Valleys" (mit Folk-Elementen) folgt die Mega-Hymne "The Magic Of The Wizard's Dream" und auch hier macht sich die Unterstützung des Orchesters und den Chors bezahlt. Hier haben die Italiener wirkolich das Maximum rausgeholt. Natürlich auch an Kitsch, aber das gehört ja irgendwie zu jeder gut gemachten Fantasy-Geschichte. Gesteigert wird das Ganze durch das 10-Minuten-Epos "Erians Mystical Rhymes", wobei besonders hier der Einsatz von Christopher Lee Gänsehaut pur erzeugt! Echte Hörspiel- bzw. Kino-Atmosphäre, die man musikalisch nicht viel besser umsetzen kann! "The Last Angel's Call" hätte auch auf den ersten Rhapsody-Alben stehen können und überzeugt durch wunderschöne Gesangsharmonien. Trotz der Progressivität, trotz des Double-Bass-Einsatzes und der opulenten Instrumentierung wirkt der Song unglaublich eingängig. Die Metal-typische Härte weicht durch die eindringlichen Melodien einer unglaublich intensiven Gefühlvermittlung. "Dragonland's River" ist eine eher durchschnittliche Fantasy-Ballade und auch nur der Anheizer von "Sacred Power Of Raging Winds" (wieder über zehn Minuten lang!). Hier jagt wieder einmal ein Highlight das Nächste, Rhapsody at its best und wohl auch Musikprofessoren ein absoluter Hörgenuss. Besser kann man Klassik und Metal nicht miteinander verbinden. "Guardiani Del Destino" ist wieder etws ruhiger gehalten, aber durch den Streicher- und Klavier-Einsatz unglaublich dramatisch. Ein Wunder, dass noch kein Hollywood-Produzent auf die Idee gekommen ist, diese Band für einen Soundtrack zu verpflichten. Wer weiß, vielleicht ist es ja bald schon so weit. "Shadows Of Death" fällt durch das Gitarren- und Keyboard-Solo-Duell am Ende auf, braucht aber ein paar Durchläufe, bis es richtig zündet. Weniger wäre hier wohl mehr gewesen. Mit "Nightfall On The Grey Mountain" findet die Saga einen würdigen Abschluss. Eine Steigerung wäre nach dem 72-minütigen Bombast-Spektakel kaum noch möglich gewesen. Schade nur, dass meine Promo-Version keine Lyrics enthält. Aber alleine schon durch die Musik vermittelt "Symphony Of Enchanted Lands II" tausende von stimmungsvollen Bildern. Dieses Album wird wohl niemand mehr toppen können (auch Rhapsody nicht). Ein Monume(n)talwerk, das sich vor "Herr der Ringe" nicht verstecken braucht! KAUFEN, HÖREN, STAUNEN!
