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Betontod Weihnachtskonzert 2012 mit Interview

Am 22.12.2012 war es wieder so weit. Betontod gaben ihr traditionelles
Weihnachtskonzert in Rheinberg. Vor 1000 Fans in der ausverkauften Stadthalle
heizten erst Omas Zwerge, dann Kärbholz und 9mm den Fans ein. Um 22.30 war es
dann endlich soweit und die Jungs betraten unter wilden „Jetzt geht’s los“ Rufen
der Fans die Bühne. Die Stimmung war von Anfang an ausgelassen alle sangen mit,
tanzten und vor der Bühne bildete sich der übliche Pogokreis. Im Vorfeld trafen
wir Schlagzeuger Maik Feldmann zum Interview:


MS: Erst Platz 89 mit „Glaube, Liebe, Hoffnung“, dann Platz 28 mit „Antirockstars“ und jetzt Platz 10 der deutschen Albumcharts mit „Entschuldigung für Nichts“, und das alles in Eigenregie, wie fühlt sich das an?

Mike: Eigenregie ist richtig, wir haben ja eine eigene Plattenfirma aber ganz ohne pushen geht es nicht. Wir hatten viele Unterstützer da draußen. Platz 10 ist Wahnsinn und eine Anerkennung für unsere harte Arbeit.

MS: Bei „Entschuldigung für Nichts“ habt ihr mit einem neuen Produzenten gearbeitet, wie kam es dazu?

Mike: Es ist immer ein Unterschied ob man einfach in ein Tonstudio geht und seine Platte aufnimmt oder ob man mit einem Produzenten zusammenarbeitet. Wir haben 2009 schon mal bei Vincent Sorg angeklopft aber eine Absage erhalten. Das war für uns der Ansporn weiter zu machen und uns weiter zu steigern. Vincent Sorg ist „der“ Produzent in dieser Musikszene er arbeitet mit etablierten Bands wie z.B. den Toten Hosen zusammen. 2012 hat es dann geklappt und so entstand „Entschuldigung für Nichts“. Ein Produzent arbeitet mit dir als 6. Bandmitglied. Da geht es nicht nur um Musik sondern um so viel mehr. Wir wollten einfach einen Schritt weiter gehen.

MS: Was unterscheidet „Entschuldigung für Nichts“ von euren vorherigen Platten?

Mike: „Entschuldigung für Nichts“ ist frischer, es klingt alles durchdachter. Wir haben zum ersten Mal eine richtige Vorproduktion gemacht. Wir haben die Songs aufgenommen, mit nach Hause genommen und immer wieder reingehört und Dinge verändert. Erst dann sind wir mit der Band ins Studio gegangen. Zudem haben wir ein paar neue Elemente wie Streicher und Electronic Parts. Dann gibt es ja auf einer Special Edition der CD eine Piano Version von „Im Himmel“, der Ballade des Albums. So erreichen wir natürlich auch ein breiteres Publikum.

MS: Was hat sich musikalisch in mehr als 20 Jahren Bandgeschichte für euch geändert, wie habt ihr euch weiterentwickelt?

Mike: Anfangs war es einfach nur Party. Wir waren in der linken Punkszene unterwegs mit teilweise Politischen Texten. Das hat sich geändert man wird erwachsen, hat Familie und die Sichtweise ändert sich. Zudem haben wir uns auch musikalisch extrem weiterentwickelt. Eigentlich ist es eine Geschichte wie sie in einem Buch stehen könnte. Du hast als Band ja auch eine gewisse Verantwortung deinem Publikum gegenüber. Du kannst keine Scheiße abliefern wenn da 1000-2000 Leute im Publikum sind die alle nur dafür bezahlt haben um dich live zu sehen. Wir sind immer noch chaotisch aber vielleicht ist das gerade der besondere Charme der die Band ausmacht.

MS: Wir würdet ihr eure Band in einem Satz beschreiben?

Mike: Ein chaotischer Haufen, der in ganz vielen Jahren geschafft hat Chaos mit Professionalität zu vereinen.

MS: Gerade ist euer neues Video zu „Alles“ erschienen, vom wem stammt die Idee, die Produktion sieht ja sehr aufwendig aus.

Mike: Bei allen anderen Videos vorher haben wir fast alles selber gemacht, also die Idee und das Drehbuch stammten von uns. Dieses Mal hatten wir jemanden der das Drehbuch geschrieben hatte und auch Regie geführt hat. Wir haben 2 Tage für das Video gedreht. Einen Tag mit den beiden Schauspielern und dem SWAT Team, das waren übrigens alles echte Polizisten. Am zweiten Tag haben wir die Bandaufnahmen gemacht. Irgendwo in Hamburg auf einem Flugplatz bei -1 Grad und einer gefühlten Windstärke von 5. Es war sau kalt.

MS: Betontod und das Wacken: dieses Jahr schon zum zweiten Mal und das sehr erfolgreich, wie passt das zusammen?

Mike: Ach das darf man nicht so eng sehen. Dieses Jahr haben wir ja zum ersten Mal auf der großen Bühne gespielt und es stimmt schon da sind Punk Bands eher selten. Aber aus Sicht der Festivalbetreiber macht ein gewisser Wandel schon Sinn sonst wird den Leuten ja irgendwann langweilig. Wir haben viele Leute die unsere Musik hören, die eigentlich aus der Metal Szene kommen. Das liegt sicher daran, dass wir einige typische Metal Gitarren in unseren Songs haben. Vor einem Jahr haben wir im Zelt gespielt, das war unser erster Wacken Auftritt und wir waren echt nervös. Das ist der Kitzel diese Herausforderung. Aber es hat alles gepasst das Zelt war voll es wurde keiner mehr reingelassen und das war bis dato eines unserer geilsten Konzerte. Im Mai veranstaltet das Wacken Open Air zum ersten Mal eine Heavy Metal Kreuzfahrt, ein Festival auf einem Kreuzfahrtschiff. Das gab es vorher schon in den USA aber jetzt halt auch in Europa. 7 Tage – 4 Häfen – über 20 Bands – 2000 Fans. Wir spielen zwei Mal. Das wird bestimmt eine ganz besondere Erfahrung.

MS: Ihr habt die Alben in relativ kurzen Abständen rausgebracht, und es gab immer eine Tour, so auch jetzt. Ist das Tourleben anstrengend oder überwiegt der Spaß live zu spielen?

Mike: Die Organisation im Vorfeld ist immer etwas anstrengend weil wir ja vieles selber machen. Umso näher die Tour dann rückt und du die Ticketverkäufe beobachtest desto mehr steigt die Vorfreude. Wenn wir dann auf Tour sind ist es Spaß. Wir sind und bleiben eine Live Band.

MS: Letztes Jahr habt ihr ja schon auf einigen großen Festivals gespielt, was ist für 2013 geplant?

Mike: Wir spielen zum ersten Mal auf dem Reload Festival. Dann sind noch 2-3 andere Festivals geplant, die dürfen wir euch aber noch nicht verraten. Wir werden aber nicht so viele Festivals spielen wie im vergangenen Sommer.

MS: Mit dem letzten Album habt ihr Platz 10 der deutschen Albumcharts erreicht, was kommt jetzt?

Mike: Nächstes Jahr wird es definitiv noch kein neues Album geben, aber es kommt eine DVD. Wir werden von einem Kamerateam auf der Tour begleitet. Es wird alles gefilmt, auch der Tour Alltag, das wird sicher spannend. Platz 10 war ein super Erfolg. Das ist immer ein Indikator dafür wie aufmerksam deine Fans sind und wo sich deine Fanbase bewegt. Als Plattenfirma ist das natürlich immer interessant. Heute muss man schon ein richtiger Fan sein um in den Laden zu gehen und sich ein Album zu kaufen, es gibt so viele Möglichkeiten an Musik zu kommen ohne dafür zu bezahlen. Aber es gibt wichtigeres als ein Platz in den Charts, so ein Abend wie heute zum Beispiel.

An dieser Stelle nochmal vielen Dank für das nette Interview.

1 comments

  1. Zobi says:

    Der Name ist auf jeden Fall einprägsam, allerdings weiß ich nicht genau, wie ich mich jetzt für gealterte Deutschpunker neu begeistern soll. Nee, dann lieber Slime ;)

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