Das Bierbeben im Interview

Das Bierbeben brachte vergangenen Monat ihr neues Album „Das Bierbeben“ heraus, in wessen Anschluss die Band eine Tour durch unsere Lande startete. Als sie am 01. Mai nach Hamburg zurückkehrten, um das Release des Albums im Uebel&Gefährlich zu feiern, zogen wir uns mit Jan Müller, Rasmus Engler und Julia Wilton vor dem Auftritt zurück, um ein paar Worte über aktuelle Begebenheiten zu wechseln.

Ihr seid ja nun schon einige Tage auf Tour unterwegs mit eurem neuen Album. Wie kamen die Songs bisher live an?

Jan: Hervorragend!
Julia: Hattet ihr auch manchmal Gefühl, dass die die Songs echt schon kennen?
Rasmus: Ja, durch Wippen.
Jan: Haben da Leute Wippen mitgebracht, oder was?
Julia: Also, ich mein ja nur, mir kam es so vor, als könnten die das sogar schon mitsingen.
Jan: Ja, stimmt, einige schon. Sogar gestern im Pott! Wir waren gestern in Dortmund, beim Festival „Rock in den Ruinen“.
Rasmus: Auf der Hohensyburg. Mike Zero hat da auch gespielt…

Wer ist denn das bitte?

Rasmus: Geiler Typ.
Julia: Der ist anscheinend sehr bekannt im Ruhrgebiet…

Um nochmal zurück zu kommen: Mich hat’s ja etwas verwirrt, dass ihr heute noch Record Release Party im Uebel&Gefährlich macht, obwohl die Platte ja schon längst draußen ist.

Jan: Jaaa, da hab ich bisher noch keinen Gedanken dran verschwendet, ehrlich gesagt.
Julia: Es ist halt manchmal schwer, das zeitgleich zu machen. Die Platte ist diesmal nämlich an einem Karfreitag rausgekommen.

Aber war es denn geplant, dass ihr ausgerechnet am 01. Mai in Hamburg spielt, oder war das auch eher Zufall?

Jan: Nee, das ist auch zufällig gewesen. Gestern haben wir am „Anti-Lärm-Tag“ gespielt, das war ja auch sehr passend. Bei uns ist das immer so, dass es ja doch eher kompliziert ist, Termine zu finden, an denen alle Zeit haben und dann haben wir die Passendsten herausgepickt.
Julia: Man muss da ja schon viele Sachen abwägen. Auch ob hier im Ue&G überhaupt noch was frei ist, ob wir Zeit haben,…
Jan: …ob wir Lust haben.
Julia: Daher ist es dann doch Zufall, dass wir ausgerechnet am „Tag der Arbeit“ spielen.

Aber es passt ja doch ganz gut.

Jan: Ich hoffe, ich hoffe!
Julia: Die Leute kommen bestimmt alle aus dem Kessel raus nachher!
Rasmus: Die Antideutschen.

Wie klappt das bei euch eigentlich allgemein mit der Koordination, ganz egal, ob jetzt live oder auf Platte. Ihr seid ja fast alle auch noch in anderen Bands tätig, wie kriegt ihr das auf die Reihe?

Julia: Ja, das ist schon schwierig, aber wir kriegen es irgendwie auf die Reihe. Gestern war das witzig, da musste Rasmus direkt nach unserem Auftritt mit seiner zweiten Band Herrenmagazin wieder auf die Bühne.

Rasmus, musst du nicht nachher auch noch wieder auflegen woanders?

Rasmus: Ach, diese Sache mit Olli Schulz, sch…
Julia: Davon hast du mir gar nichts gesagt!
Rasmus: Ich hab da eigentlich gar nicht zugesagt…
Julia: Ja, Chrissie, du siehst, es ist manchmal schwierig…

Kommen wir zu Alexander Tsitsi.. Alexander T.

Jan: Tsitsigias! Es ist gar nicht so schwer. Ich hatte es nach 3 Jahren auch drauf.

„Alex“ ist ja nun seit neustem auch beim Bierbeben dabei. Wie kams, dass er zu euch gestoßen ist?

Rasmus: Wir haben Schrottgrenze gespalten zunächst.
Julia: Nachdem wir verlassen wurden von anderen Bandmitgliedern haben wir uns umgesehen nach spaltbaren Bands im Raum Hamburg.
Jan: Und Alexander hat uns dann über den Trennungsschmerz hinweg geholfen.
Julia: Er hat jetzt immer seine speziellen Mynther-Tage. Er versucht dann immer, Sachen hinzukriegen, die Thies gemacht hätte und dann posaunt er heraus: ‚Heute ist Mynther-Tag!‘ – Und dann freuen wir uns.

Wieso ist Thies eigentlich nun nicht mehr dabei?

Julia: Da müsstest du mal ein Interview mit ihm machen!
Jan: Ich glaub es war halt einfach zeitlich bei ihm ein bisschen schwierig auf Dauer. Er wollte sich da glaub ich auch so ein bisschen entscheiden, denn er hat ja mehr Projekte als wir alle zusammen. Aber das hat ja alles nun einen guten Weg genommen, wir sind ja nicht im Streit auseinander gegangen. Das neue Album hat er ja trotzdem noch produziert. Und heute Abend zum Konzert kommt er auch und feiert uns ordentlich ab!

Erste Reihe, jubelnd.

Jan: Das denke ich schon! Vielleicht kommt er ja auch noch auf die Bühne, wer weiß.
Julia: Polonaise Blankenese!

Julia, wie war es für dich eigentlich, dass Jessica die Band verlassen hat und du nun alleine singen „musst“?

Julia: Ganz am Anfang, noch bevor wir die Platte aufgenommen haben, hatte ich ein wenig Bedenken. Allein von der Tatsache her, dass da auf einmal nur noch eine Stimme sein soll. Dass das im Vergleich zu vorher ein bisschen zu öde sein könnte. Aber dann lief es ja doch ganz gut mit der Platte – Ich find’s zumindest gut. Und jetzt für die Tour haben wir auch viel geprobt und es klappt inzwischen wunderbar. Ich brauchte nur ein wenig Zeit, mich an den Gedanken zu gewöhnen. Außer, dass es jetzt halt niemanden mehr gibt, mit dem ich zusammen zu H&M gehen kann auf Tour, ist es doch okay.

Und wenn ich das richtig mitbekommen habe, dann singt Alex ja auch noch ein wenig mit?

Julia: Ja, richtig, das find ich dann auch ganz schön.

Wie kam es dazu, dass das neue Album weniger elektronisch ist?

Jan: Das war keine Überlegung, die wir vorab angestellt haben. Du hast ja eben schon angesprochen, dass es schwierig für uns ist, sich überhaupt mit dem Bierbeben zu beschäftigen, von daher war auch die ganze Produktion des Albums auseinander und in die Länge gezogen. Und dann kam im Laufe der Produktion ja auch noch Alex zu uns, da wir einen Schlagzeuger haben wollten und bei der letzten Tour gemerkt haben, dass das einfach schöner ist. Und so hat sich das dann bei der Produktion ergeben, als wir im Studio der Station 17 waren, dass wir da auch mehr Gitarren und Bässe und Marimbas aufgenommen haben.

Ihr habt das Album insgesamt in 4 verschiedenen Studios aufgenommen, richtig?

Jan: 4 waren es mindestens, ja. Das ist ja auch unserer Arbeitsweise geschuldet.
Julia: Es gab einfach auch verschiedene Arbeitsschritte. Wir haben uns ja jetzt nicht hingesetzt und Lieder geschrieben und sind dann als Band ins Studio gegangen, um die einzuspielen. Das war vorher nicht so und ist auch jetzt noch nicht so, selbst wenn wir im Bandformat auftreten. Und diese verschiedenen Phasen, die sich daraus ergaben, passten dann einfach zu den verschiedenen Orten.
Jan: Und auch weil in den verschiedenen Studios natürlich ganz verschiedenen Dinge möglich waren. Bei Sunny im Synthesizerstudio haben wir uns mit diesen ganzen analogen Synthesizern beschäftigt, Station 17 bietet die Möglichkeit „normale Instrumente“ aufzunehmen.
Julia: Und bei Thies im Clouds Hill hab ich den Gesang aufgenommen.
Jan: Bei Thies schafft man halt auch eine Grundlage für ein Bierbeben-Album, nämlich Samples, die wir dort heraussuchen und bearbeiten. Und bei Alex im Tonstudio haben wir dann den Rest zusammengeschustert.
Julia: Einfach, was sich dann noch ergeben hat.

Wie realisiert ihr das jetzt eigentlich auf der Bühne, wo ihr nahezu im klassischen Rockbandformat auftretet, was die elektronischeren Songs wie „Mach deinen Fernseher kaputt“ angeht?

Julia: Den spielen wir nicht. Aber nicht nur aus dem Grund. Wir haben uns zunächst einfach überlegt, worauf wir Bock haben und welche Stücke wir dann in diesen Stil umsetzen wollen. Bei manchen Stücken läuft halt auch noch der Beat vom Computer drunter, aber „Im Kreis“ zum Beispiel haben wir komplett ins Bandformat übersetzt.
Jan: Aber das heißt nicht, dass wir jetzt auf der Bühne grundsätzlich weniger elektronisch arbeiten wollen. Wir haben auch noch Stücke im Programm, die rein elektronisch sind, wie zum Beispiel „Wir sind“. Je nachdem, wie es eben passt.

Wer hat überhaupt das Cover vom Album gestaltet?

Jan: Wir überlegen uns das zusammen, aber da von uns niemand Fotograf ist, haben wir das von einem Freund realisieren lassen, der das professionell macht. Roman Schramm aus Berlin. Und mit dem Foto sind wir dann zu Precious Forever gegangen, die Grafiker sind –
Rasmus: Die singenden Grafiker!
Jan: Ja, genau, die haben ja zum Beispiel auch die Tocotronic-Homepage gemacht und sowas.

Die Texte für die Platte hast du geschrieben, Jan?

Jan: Ich schreib die erstmal und darauf folgt dann eine Phase, in der noch viel verkürzt und umarrangiert wird. Aber die Basis ist schon von mir.

Und der Rest der Band ist immer größtenteils damit einverstanden?

Julia: Naja, wir reden ja noch drüber, klar. Aber mit dem, was am Ende aufgenommen wird, damit sind dann alle einverstanden.
Rasmus: Man interveniert dann ja auch. Das ist schon vorgekommen, dass man den Rotstift angesetzt hat.

Jan: Ich find das ist immer ein echt interessanter Prozess. Ich hab gemerkt, was für ein sensibler Bereich das ist, diese Texte. Ich geh da immer ganz offen ran und schreib meine Texte und dann kann alles gemacht werden – Aber wenn man dann doch mal kritisiert wird, speziell bei Passagen, die man persönlich ganz toll findet, denkt man schnell ‚Hä, warum denn, checken die das nicht, das mein ich doch ganz anders‘ oder so. Aber es finden dann auch intensive Gespräche darüber statt und ich finde es toll, was durch diese Gespräche dann noch für eine Verdichtung entsteht. Selbst wenn es vielleicht anstrengender ist, war es mir wichtig, dass ich da nicht als Bandleader auftrete à la ‚hier sind die Texte und so läuft das jetzt‘, sondern dass das eine Abkehr ist von diesem klassischen Rockbandprinzip.

Der Song „Hochzeit“ stammt ursprünglich von Franz Josef Degenhardt. Wie kamt ihr auf die Idee, das in euren Stil zu übersetzen?

Jan: Ich liebe dieses Lied seit meiner Kindheit an. Das war eine Platte aus dem elterlichen Plattenschrank, die mich begeistert hat.
Rasmus: Und so ging es uns allen, da haben wir diese Parallele entdeckt.
Julia: Wir haben alle ein Interesse für die Zeit, in der wir aufgewachsen sind. Und daher ist es nur folgerichtig, sich damit zu beschäftigen und das auch weiter zu verarbeiten. Ich mein, wir haben jetzt nie einen Biermann-Song aufgenommen oder so, aber mit den Ideen, die wir dazu hätten, könnte man auch ganze Alben füllen. Da hatte meine Mutter ganz viel Zeug von zuhause und es ist schön, zu sehen, dass das bei allen ähnlich ist.
Jan: Das ist so eine Verknüpfung, die es gab, bevor wir uns überhaupt kennengelernt haben. Abgesehen davon fanden wir, dass „Hochzeit“ auch echt gut zum Konzept des Albums passt, denn andere Stücke haben ja auch sowas Apokalyptisches. Das meiste ist ja nur vordergründig schön, wie zum Beispiel „Nihilit“ oder „Delirium“.

Das war es dann soweit mit meinen Fragen. Vielen Dank fürs Interview!

Jan: Lieben Dank!


Die Fotos vom Konzert nach dem Interview gibt es hier.
Bericht und Fotos aus Leipzig sind hier + hier zu finden.
Und eine Rezension zum aktuellen Abum hier.

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