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Gisbert zu Knyphausen live im Dachgarten

Gisbert zu Knyphausen gab das erste Konzert auf der frisch eröffneten Dachterrasse des Hamburger Bunkerclubs Uebel&Gefährlich. Das Wetter machte Veranstaltern und Zuschauern in den letzten Tagen noch Sorgen. So gut Regen atmosphärisch auch ins Bild gepasst hätte, der Akustik-Gitarre des Solo-Gisbert hätte es sicher nicht gut getan. Doch nachdem es tagelang wie aus Eimern schüttete, sollte genau an diesem Abend der Himmel aufreißen!

Der einzige, der mit dem Zustand noch nicht ganz zufrieden war, war der Sympathieträger des Abends selbst: Gisbert witzte darüber, dass er ja nun immer noch die Betonwand anzustarren hätte, während wir den Sonnenuntergang bewundern könnten. Aber yes, das konnten wir! Den Zuschauern bot sich ein wunderschönes Bild, wie im Laufe des Konzerts die Sonne immer mehr hinter den Dächern der großen Stadt verschwand und Gisbert zu Knyphausen, seines royalen Namens nach, erhaben auf einem kleinen Podest stand und mutig gegen all den Stress, den die Stadt an diesem Tag mit dem Massenpartyevent Schlagermove hatte, anklampfte. Ein Ausgleichsprogramm für all die, die gerne einfach mal zuhören, entspannen, Musik hören und genießen.

Und so stand er da, ein wenig zerzaust in Hemd und Stoffhose, das HVV-Ticket hängt noch aus der Tasche  – Und singt seine Lieder, einige Monate nach Erscheinen seines Debütalbums, bereits als einer der Hoffnungsträger deutscher Musik gebrandmarkt.

Neben einigen textlichen Ausfällen („Wer Kann Sich Schon Entscheiden?“ fing Gisbert ganze drei Mal an und verschob den Song schlussendlich lieber auf später – Dann klappte es aber auch reibungslos!) verlief das Konzert pannenfrei. Und ganz im Ernst, dass der gute Herr ab und an abgelenkt wirkte, war kein Wunder, bei den ganzen Sachen, die nur ein paar Meter entfernt von uns am Himmel entlangflogen. Ganz besonders viel Aufmerksamkeit wurde einem Zeppelin geschenkt, der aufdringliche Bikiniwerbung unbedingt direkt über unseren Köpfen machte. Da kann man schonmal vom Text abkommen!

Die Songs vom im April erschienenen Debütalbum wurden nicht nur mit der erwarteten Liebe aufgenommen, sondern stellenweise sogar schon mitgesungen. Wenn man bedenkt, dass Gisbert letztes Jahr noch vor 40 Menschen in der selben Stadt teilweise die selben Lieder präsentierte, dann lassen sich hier schon wirkliche Veränderungen feststellen. Das Ue&G hat aber einer zu großen Menschenmasse auf der kleinen Dachterrasse mit klugen Mitteln entgegengewirkt: Schon vor dem Konzert hingen „Ausverkauft“-Schilder am Bunker, was viele Ankommende gleich zum Rückzug brachte. In Wirklichkeit konnte man aber noch mit baren Scheinen an der Kasse bezahlen, das verstanden nicht allzu viele. So ergab sich letzten Endes eine schöne und übersichtliche Menge auf der Dachterrasse. Es war für jeden Menschen plus Getränk und Zigarette noch Platz genug, dort oben, unter freiem Himmel.

Es war interessant, manche Songs des Albums in neuem Gewand präsentiert zu bekommen. Schließlich kommen Songs wie „Sommertag“ auf dem Album als rhythmische Rocknummern daher, da war es eindrucksvoll, Gisbert als einsamen Wolf an der Gitarre die Saiten dazu zupfen zu sehen. So wird nochmals mehr Wert auf den Text gelegt. Und man sah nicht wenige Zuschauer, die vollkommen in Gedanken versunken, verträumt dasaßen und den Klängen lauschten.

Und auch die neuen Songs wurden vom Publikum mit der passenden Aufmerksamkeit gewürdigt und Begeisterung machte sich schnell breit. Generell sowieso, aber speziell bei einem Song namens „Hurra, Hurra! So nicht“ – Wenn Gisberts Zukunft so klingt, dann wird das neue Album nicht nur muskalisch, sondern auch textlich wieder eine Bombe.

Doch auch zu einigen Coversongs musste gegriffen werden, nachdem Gisbert zugab, neben Niels Frevert der langsamte Songwriter zu sein und nichts mehr parat zu haben. Doch auch da war kein Patzer dabei! Speziell das Lied „Mitbewohnerin“ von Moritz Krämer sorgte zum Schluss nochmal für gelungene Erheiterung, nachdem die vorhergegangenen Lieder doch etwas schwer auf der Seele lagen – So viel reflektiert wie bei dieser Stunde dargebotener Musik wurde bestimmt lange nicht mehr.

Nach dem Konzert konnte man dann noch die letzten Sonnenstrahlen genießen, Grillwurst und Salat à la Ue&G vernaschen, CDs und Platten vom Künstler persönlich erwerben, reden – Und sogar rauchen! Unter freiem Himmel hat das Gesetz bis dato ja noch nicht gegriffen. Nach und nach stapften dann aber auch alle nach Hause oder ließen sich noch von feinster Dancemusik des KissKissClub ein Stockwerk tiefer berieseln. Wohin man auch immer ging, das Lächeln auf den Lippen wurde man so schnell nicht mehr los. Aber das ist eben das Resultat, bei solchen Konzerten, wo Musiker und Publikum wirklich noch eins sind. Doch was soll dieses ganze Drumherumgerede, wenn Gisbert das doch in einem einzigen Satz in einem neuen Song direkt auf den Punkt brachte:

„Wir meisselten unsere Namen in den Asphalt, wir schrieben:
Wir waren hier. Genau wie ihr.“


Gisbert zu Knyphausen spielte am 05.07.2008 im Dachgarten des Uebel&Gefährlich Hamburg.
Fotos von Martina Drignat.

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