Startseite » Im Gepräch mit Dota Kehr | 11.08.2018 | Open Flair Festival, Eschwege

DOTA Foto: Annika Weinthal

Im Gepräch mit Dota Kehr | 11.08.2018 | Open Flair Festival, Eschwege

Open Flair 2018 : Es ist dieser heiße Sommer, perfekt für Festivals. Auf der Hauptbühne spielen Wanda. Es ist brechend voll, man könnte denken, wirklich alle Festivalbesucher stehen dort vor der Bühne. Doch das täuscht: Vor dem E-Werk, wo zeitgleich DOTA spielen, windet sich eine lange Menschenschlange durch den Einlass zum Gebäude. Es gibt verdammt viele Leute, die viel lieber DOTA hören wollen! Völlig zu Recht, denn es wird eines der schönsten Konzerte des Festivals.

Ein paar Stunden vorher haben wir uns zum Gespräch getroffen.

Mainstage: Schön, dass du dir Zeit für das Gespräch genommen hast. Ich bin quasi durch einen Umweg auf deine Musik aufmerksam geworden. Auf der diesjährigen Berlinale, hab ich Philipp Eichholtz´ Film „Rückenwind von vorne“ gesehen, den ich ganz zauberhaft fand! Und da hast du einen Teil des Soundtracks beigesteuert. Ich mochte „Fahrrad“ sofort! Was für ein tolles Lied, das super zum Trailer gepasst hat! Wie kam es denn dazu?

Dota: Das ist ja lustig. Danke schön! Philipp hat das Lied im Radio gehört und fand es so gut, dass er mich gefragt hat, ob er es verwenden darf. Ich hab mich natürlich gefreut, da ich solche Nicht-Mainstream-Filme sehr gerne mag.

Mainstage: Das heißt, ihr kanntet euch vorher nicht?

Dota: Nein, aber in seinem nächsten Film ist wieder ein Lied von mir dabei und er hat auch das Video zu „Orte“ von meinem neuen Album gedreht.

 

 

Mainstage: Ich hab die Dreharbeiten dazu ein bisschen verfolgt, ihr ja unter anderem auch in einem Berliner Kino gedreht.

Dota: Ja, genau. Es ist ja so ein choreografiertes Video, ich hab Philipp da völlig freie Hand gelassen. „Orte“ ist unsere erste Single aus dem neuen Album. Gestern haben wir es zum ersten Mal live gespielt.

Mainstage: Hat´s funktioniert?

Dota: Es war irre! Die Leute sind total abgegangen. Es ist schön, wenn man das bisher nur im Proberaum gespielt hat und dann damit raus geht und die Leute strahlen einen an! Das hat uns sehr gefreut.

Mainstage: „Orte“ hat ja viel Interpretationsspielraum. Worum ging es dir dabei?

Dota: Es geht mir vor allem darum, dass es Orte gibt, die frei sind vom „Funktionieren müssen“, von Zweckmäßigkeit und Strebsamkeit. Orte, an die man geht, einfach nur, um da zu sein. Wenn das Leben ein Haus ist, dann gibt es da ein Treppenhaus, um sich fortzubewegen und das muss auch einen gewissen Raum einnehmen – dass es da etwas gibt, das auf die Zukunft gerichtet ist. Aber wichtiger ist es, dass die größeren Räume eingenommen werden, in denen man einfach nur Mensch ist, ohne nach irgendwas bewertet zu werden.

Mainstage: Was selten geworden ist, in unserer digitalen Zeit…

Dota: Es gibt da eine Textzeile – “Alles, was wir da sind, ohne dass uns jemand sieht“ – das spricht das ja an. In Social-Media-Zeiten, in denen alle so nervös sind und sich präsentieren müssen, ist es wichtiger, was wir sind, ohne, dass irgendjemand ein Foto macht und postet.

Mainstage: In deinen Texten geht es oft um die Überforderung der Menschen im Alltag, die gar nicht zu erklären ist, weil wir eigentlich mehr Möglichkeiten denn je haben.

Dota: Darum geht es auch in „Freiheit“, dem ersten Lied auf dem Album, dass eigentlich ganz kurz ist.

Mainstage: Du meinst die Textzeile mit dem Yoga: „So viel Freiheit. Ich bin überfordert. Was mach ich daraus? Ich such mir einen Yogalehrer, der mir sagt, wann ich einatmen soll und wann aus.“

Dota: Das ist natürlich lustig, aber nicht nur lustig gemeint. Ich glaube, trotz der Kürze des Liedes hat die Qualität darauf aufmerksam zu machen, dass es viele Leute gibt, die nicht in Freiheit leben können und sich um´s tägliche Überleben sorgen müssen und wir hier eigentlich eher Luxusprobleme haben.

Mainstage: „Freiheit“ ist  ja auch der Titel deines neuen Albums. Auf dem Cover ist ein wildes, phantastisches Tier und ich musste gleich an das Lied von Georg Danzer denken, der ja von der Freiheit als wildem Tier singt. Gab es da eine Anlehnung?

Dota: Nein, das kenn ich gar nicht. Aber ist ja interessant.

Mainstage: Es erzählt von der Freiheit als wildem Tier, dass wenn man es einschließt, augenblicklich verschwindet.

Dota: Ich mochte das Bild, weil Freiheit ja für jeden etwas anderes ist – meistens das, was man gerade vermisst. Für den einen ist es Redefreiheit, Pressefreiheit oder Versammlungsfreiheit oder seine sexuelle Freiheit auszuleben und gleichzeitig ist die Freiheit schön und stark und auch seltsam. Das zeigt das Cover.

Mainstage: Das Album ist sehr bunt und vielfältig geworden. Hast du ein Lieblingslied?

Dota: Ich mag den „Prinz“.

Mainstage: Das habe ich mir fast gedacht. Warum magst du das besonders?

Dota: Ich finde das Arrangement besonders gelungen. Und das Lied polarisiert viel mehr, als ich gedacht hätte. Eigentlich finde ich es total klar, dass es eine Überzeichnung ist. Aber mache Leute nehmen das für bare Münze und sind ganz schockiert. Ich glaube, dieser Optimierungswahn ist ein Phänomen unserer Zeit und der erstreckt sich dann auch auf den Partner – ob das nun der optimale Partner ist oder man vielleicht doch noch einen Besseren abbekommen könnte. Das ist schon pervers. Vielleicht waren Menschen vor 20 oder 30 Jahren schon genauso glücklich oder unglücklich in Beziehungen wie jetzt, aber ich glaube durch diese Dating-Apps verändert sich schon etwas. Obwohl ja eigentlich klar ist, dass Loyalität und zu jemandem stehen den höheren Wert hat, als die Frage, ob es noch jemand gibt, dessen Spiegelbild man attraktiver findet. Ich fand das eine gute Überspitzung.

Mainstage: Ein ganz andere Frage noch. Ich mag die „Unter meinem Bett“-Reihe sehr gern, da sind Kinderlieder von Künstlern geschrieben und aufgenommen, die eigentlich Musik für Erwachsene machen. Auch da bist du mit einem Lied dabei.

Dota: Ja, Francesco Wilking von Die Höchste Eisenbahn hat mich angesprochen und da hab ich – das war fast so in letzter Minute – sehr gern ein Kinderlied beigesteuert. Und mit Moritz Krämer von Die Höchste Eisenbahn gibt es auch ein Duett, das ist jetzt bei meinem neuen Album als Bonusmaterial dabei.

Mainstage: Das klingt ja toll! Das Album kommt am 14.09.2018 raus, ich vermute es wird es auch eine Tour geben?

Dota: Es geht sogar schon direkt am 14.09. los, ich glaube 95 Termine für Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen schon fest. Da freuen wir uns sehr darauf.

Mainstage: Vielleicht sieht man sich ja da und vielen Dank für das Gespräch!

Dota: Danke, gerne!


Infos, Tourdaten und Tickets findest du auf der Webseite von DOTA.

Was es sonst so auf dem Open Flair 2018 zu hören gab, siehst du in unserer Bildergalerie.

 

Wir freuen uns über deinen Kommentar: