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Im Gespräch mit Frittenbude

Zwei Jahre ist es her, dass Frittenbude uns mit ihrem „Katzengold“ den Kopf verdreht haben. In der Zwischenzeit ist einiges passiert. Die Band ist aus dem tiefsten Bayern nach Berlin gezogen und hat sich an die Arbeit zum neuen Album gemacht. Es ist fertig, heißt „Delfinarium“ und hat bei uns so einige Fragen aufgeworfen, die wir den Jungs gestellt haben.

Euer neues Album heißt „Delfinarium“. Eine Assoziation zum Delfin, ein Elefant auf dem Plattencover. Wo habt ihr den guten alten Panda versteckt?

Strizi: Der Panda fusioniert ständig überall mit irgendwelchen Personen und Gegenständen, momentan mit dir und uns. Er schwebt quasi über allem und reibt sich die Plautze, wie sich das gehört für ein amtliches Wappentier. Eine Zeit lang hing er auf dem Kopf von Tugg Speedman herum, jetzt hat er sich bei einem schwäbischen Bübele ins Gesicht gepflanzt. Den kann keiner kontrollieren, der macht, was er will. Und auf dem Cover, da ist kein Elefant, das ist ein Eichhörnchen mit Rüssel.
Martin: Außerdem hat der Pandabär manchmal Angst vor dem ganzen Trubel um sein Gesicht und verkriecht sich stecknadelpupillenmäßig in seiner Höhle, um ein bisschen zu chillen.
Jakob: Nachts, wenn es spät und laut wird, hat er uns immer noch alle in der Hand. Und wenn er einem erstmal ins Gesicht springt, lässt er auch nicht mehr so schnell los. Ich hab aber auch ein neues Leben tagsüber entdeckt, wo einem des öfteren Delfine, Elefanten und Amseln den Weg kreuzen.

Nach dem Durchhören der Promo drängt sich eine Frage auf: Wer ist Omi Lonny?

Strizi: Ja, wer ist Oma Lonny. Man munkelt es ist Lars Lewerenz ohne Kappe, manche
sagen andere Dinge. Wir wissen es selbst nicht und gucken sprachlos zu.
Martin: Coole Oma

„Delfinarium“ ist vom Sound und auch von den Texten her um einiges erwachsener als eure Vorgänger. Seid ihr mit dieser Einstellung an die Arbeit zum Album gegangen, oder ist das einfach etwas, was sich entwickelt hat?

Strizi: Ja, erwachsen, das bringt es auf den Punkt. Daher gehen wir bald auch auf ausgiebige „Endlich 18“ Tour und rollen den Rattenkönig durchs Faserland. Das mit dem Älterwerden ist ja ein ganz natürlicher Prozess, wie wir alle leider schmerzlich erfahren müssen. Wenn wir da jetzt als Band noch immer auf unbeschwerte 20-Jährige machen müssten, würden wir irgendwann verbittern, aussehen wie Rolf Eden und die Realität komplett aus den Augen verlieren. Also lassen wir das auch gerne alle merken, das wir jetzt nach drei Tagen Feiern nicht mehr so frisch aussehen.
Martin: Es hat unheimlich gut getan, sich wieder neu zu finden und unser künstlerisches Dasein als Frittenbude neu zu ordnen. Wir haben uns jetzt nicht hingesetzt und gesagt: Fuck, wir müssen jetzt unser ‚reifstes‘ Album machen, weil das sind wir immer noch nicht – vielleicht manchmal für die Klapse nach einem schon am Schluss sehr aufreibenden Produktionsprozess. Wir haben schon immer auch in anderen Projekten – wenn man so will ‚erwachsene‘ Musik – gemacht. Bei Frittenbude war diese Kategorisierung jedoch nie ausschlaggebend deshalb klingt auch das neue Album, wie ich finde, auf der anderen Seite noch genauso jung und abgefuckt.
Jakob: So etwas kommt automatisch, wenn man ehrlich zu sich und der Musik ist und macht, was man spürt. Für uns ergibt es auch keinen Sinn, weiter wie 20-Jährige Feierpiraten auf Speed zu klingen, zumindest nicht die ganze Zeit! Denn früher oder später kauft uns das eh keiner mehr ab und wir würden uns damit selbst ins Knie schießen.

Wie seid ihr generell an die Arbeit zum Album herangegangen? War etwas anders als bei den Vorgängern?

Jakob: Bei den ersten zwei Alben hat Johannes die Texte meist getrennt von der Musik geschrieben. Genauso wurde die Musik größtenteils ‚in the box‘ von mir vorpoduziert. Die bereits bestehenden Ideen wurden im Proberaum zusammengeführt und Martin hat seine Gitarren dazu gespielt. Das war bei ein paar Songs auf „Delfinarium“ auch so, aber zum größten Teil sind die Songs komplett analog, in einer neuen Gemeinsamkeit, entstanden. Wir haben uns mehr Zeit gelassen und Ideen gemeinsam entwickelt. Das hat die Produktion nicht umbedingt einfacher gemacht. Wir mussten uns ein Studio bauen, in dem wir Ideen sehr schnell technisch umsetzen konnten und da unsere Vorstellungen von Musik oft weit auseinander liegen, entstanden auch eine gewisse Reibung. Aber diese Reibung begünstigte auch einen sehr kreativen Prozess und jetzt klingt es mehr denn je nach der Essenz von Frittenbude. Mittlerweile konnte ich etwas Abstand gewinnen und muss sagen, dass es von der Qualität nicht vergleichbar mit den zwei Vorgängern ist.
Martin: Es haben sich viele viele Ideen angestaut. Ich meine, „Katzengold“ wurde ja im Januar 2010 aufgenommen. Von da an ging die Entwicklung zum neuen Album ja los. Wir haben uns in dieser Zeit musikalisch definitiv ein gutes Stück weiter entwickelt. Dem wollten wir gerecht werden und haben uns ganz viele schöne neue Instrumente, Effekte und Equipment gekauft und unsere kleine Soundwelt eingerichtet. Außerdem ist es natürlich auch etwas anderes jetzt in Berlin in unserem ersten eigenen ‚Proberaum/Studio für Fortgeschrittene‘ aufzunehmen, anstatt in einem Kabuff im niederbayrischen Nowhere Land. Wir haben auch noch nie so eng zusammen gearbeitet. Ohne Kompromisse. Alle drei mussten den Shit geil finden. Ansonsten wurde es nicht gemacht. Alles ein Stück konsequenter…

„Einfach nicht leicht“, der Vorab-Track, ist jetzt gar nicht auf dem Album mit drauf. Wieso das?

Strizi: Was der ist da nicht drauf? Haben wir wohl vergessen. Scheiße.
Martin: Jakob, was da los??
Jakob: Oider, hä?

Bald startet ihr wieder eine Monster-Tour. Aber ganz selten seid ihr allein dabei. Als Support-Acts eine ganze handvoll am Start. Herrenmagazin, Susanne Blech, We Are Enfant Terrible, Fuck art Lets dance… Coole Support-Acts, oder wärt ihr lieber allein? Und wer sind bitte KackeScheissePisseKotze?

Strizi: Herrenmagazin haben wir nur aus dem einen Grund eingeladen, weil wir mit denen immer sehr viel Spaß hatten, wenn wir uns auf Festivals getroffen haben. Da das aber leider seit zwei Jahren nicht mehr passiert ist, musste da jetzt eine Lösung her. Um die Musik geht’s dabei gar nicht, wobei gerade der Türke krass singt und die Drummer-Prinzessin Rasmus ist auch knuffig. Susanne Blech kennen wir bisher nur flüchtig und wollen die besser kennen lernen und bei ‚Fuck Fuck Lets Fuck‘ ist es ja so, das die uns immer spitzenmäßig unterhalten mit ihren lustigen Frisuren und den löchrigen Klamotten. Die sind noch unverdorben und das darf nicht so bleiben. We are Enfant Terrible wollten wir auch mal wieder treffen, bzw. die Rotweinbeziehungen festigen und ausbauen. Also sieht man, dass das alles aus reinem Eigennutz passiert. KackeScheissePisseKotze sind klasse. Die einzige Band, die wir aus musikalischen Gründen eingeladen haben.
Martin: I mog Hoam und alloa sei! Ne, ganz klar mit Support. Das lockert den ganzen Touralltag unheimlich auf.

2012 ist schon ein paar Monate alt. Was sind eure bisherigen musikalischen Highlights des Jahres, eure Lieblings-Platten?

Strizi: Ganz klar bei mit „Born to die“ von Entenmäulchen (Lana del Rey), die neue Terranova und „MU:ZZ:LE“ von Gonjasufi. Die Orsons EP ist auch sehr sehr fein und „Die Erde ist eine Scheide“ von Audio88 kann man ja getrost auch noch bei 2012 mit einbeziehen. Bombenjahr bisher.
Martin: Bei mir ganz klar Nils Frahm und das Label Erased Tape Records. Für mich sehr sehr fortschrittlich und innovativ. Ich fand, letztes Jahr um diese Zeit ging schon mehr. Oder vielleicht hab ich dieses Jahr einfach noch nicht so viel Musik gehört und mehr selbst Sound gemacht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden…

Hand aufs Herz: Kommt ihr eigentlich noch klar? Es ging ja alles so schnell, inzwischen verkauft ihr riesige Hallen aus. Wirkt das noch immer surreal, oder seid ihr angekommen?

Strizi: Ankommen ist doof, wir sind lieber immer unterwegs. Manchmal drehen wir dabei durch und machen Quatsch, aber meistens sind wir doch noch ganz normal unterwegs. Wir verdienen uns ja nicht dumm und dämlich, somit können wir uns die ganzen Sachen ja genauso wenig kaufen wie alle anderen auch. Wir wohnen in denselben Wohnungen, treffen dieselben Leute, machen dieselben Sachen wie früher, lassen uns halt nur jeden Abend von noch mehr Menschen anschreien.
Martin: Definitiv surreal. Ich komm im Moment mehr klar denn je. Die letzte Zeit hat man sich schon sehr seinen kleinen, angenehmen Recording Mikrokosmos erschaffen und konnte auch mal die Seele baumeln lassen. Jetzt aber dürfen wir zum Glück bald wieder ins Delfinarium springen! Ich versuche immer, mich vom Internet nicht zu sehr verrückt machen zu lassen. Letztendlich zählt das Gefühl auf Platte und auf der Bühne und dass man gesund und glücklich ist mit dem was man macht. Und ankommen ist wirklich doof, lieber immer weiter (frei)schwimmen….
Jakob: Ich sitze jetzt seit fünf Monaten, fast jeden Tag mit Bier und Splif in unserem Studio und arbeite an dem Album. Teilweise bin ich in einer ‚Blase‘ versunken und in einem leicht paranoiden Zustand wieder aufgetaucht. Das war surreal! Im Moment hab ich fast vergessen, wie es sich anfühlt, so große Konzerte zu spielen. Das kommt jetzt erst wieder. Und wenn du mich fragst, ob ich damit klar komme, kann ich dir kein klares Ja oder Nein geben. Das war auch vor dem Frittenbude Hype schon fraglich – und wer kommt schon immer klar mit seinem Leben?

Und last but not least: Als Band, die mit dem Internet gewachsen ist: Was sind eigentlich eure Lieblings-Seiten im Netz?

Strizi:
www.girlsmakinggunsounds.com
www.musclebeaver.com
www.50-acid-fists-of-death.tumblr.com
www.facebook.com/pages/Verfassungsschutz-looking-at-things
www.htwins.net/scale2/
www.razyboard.com/system/morethread-cloud-dancing-drquinnworld

Martin:
www.antime2012.wordpress.com
www.freesound.org/people/digitopia/sounds/76511
www.notnowthing.blogspot.de

Jakob:
www.kleinanzeigen.ebay.de
www.thomann.de
www.fatberris.com
www.facebook.com/pages/Frittenbude/54553802566
www.stream2watch.me/live-tv
www.vstclub.com

Danke für das Interview!

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