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Im Gespräch mit Kraków Loves Adana

Kraków Loves Adana ist eine Band aus Freiburg, die wir seit ihren ersten Schritten verfolgen. Vor kurzem ist endlich das lang ersehnte Debütalbum „Beauty“ erschienen und im Zuge dessen sind sie gerade deutschlandweit auf Tour. Bei dem Konzert im Hamburger Uebel&Gefährlich konnten wir Deniz Cicek, Robert Heitmann und Johann Scheerer zum Interview treffen. Ein Gespräch über die Musik, Liveauftritte und allem drum herum.

Die Tour beginnt heute, in Hamburg ist euer erstes Konzert. Bisher habt ihr nur einzelne Konzerte gespielt. Was erwartet ihr?

Deniz: Das ist auf jeden Fall eine gute Chance, dass wir eine gewisse Routine bekommen. Mal sehen, wie das wird. Am wichtigsten ist es, dass wir Spaß an den Auftritten haben.
Johann: Die Erwartung hat man an sich selbst. Dass man es schafft, besonders gut zu sein und den eigenen Maßstäben gerecht zu werden.
Deniz: Und wenn es dann auch noch Leute gibt, die zu den Konzerten kommen und denen es dann gefällt, ist es das Beste, was einem passieren kann.
Johann: Es ist natürlich auch etwas ganz Anderes, als ein Album zu veröffentlichen.
Deniz: Ja, da war der Kontakt noch nicht da, man musste sich keinem Publikum stellen.
Johann: Das macht man ja nicht auf der Bühne, 1000 Platten zu verkaufen. Stell dir das mal vor, wenn man auf die Bühne gehen und 1000 Platten verkaufen müsste. Das wäre so marktschreiermäßig.

Das Album habt ihr in Clouds Hill Studio aufgenommen, bei Johann. Wie kam zwischen euch eigentlich der Kontakt zustande?

Deniz: Johann hat uns über Myspace entdeckt und ihm gefiel unsere Musik. Dann hab ich beim Karamel-Album einige Songs mit eingesungen. Was dann eine gute Chance war, zu sehen, ob man sich überhaupt versteht. Und da das wunderbar geklappt hat, lag es nah, auch für das Album zusammen zu arbeiten.

Wie lange habt ihr jetzt insgesamt an dem Album gearbeitet?

Deniz: Das hat gar nicht so lange gedauert. Robert und ich hatten die Songs schon zuhause aufgenommen. Und Johann hat sie sich dann angehört.
Johann: Und dann kamen die teuren Effekte hinzu!
Robert: Insgesamt haben wir ca. ein Jahr dran gearbeitet, würd ich sagen.
Deniz: Auch wenn man es natürlich so sehen könnte, dass die Songs schon unser ganzes Leben lang entstanden sind. Das ist ja nicht von heute auf morgen passiert. Aber der reine Aufnahmeprozess hat ca. zwei Wochen in Anspruch genommen.
Johann: Ich fand diese Art von Entstehungsprozess wirklich toll, weil die Songs von den beiden chon grob standen und ich sie anhören und mir weitere Gedanken zum Sound machen konnte. Dann hab ich ihnen meine Ideen mitgeteilt und an allem, was sie gut fanden, konnten wir weiter arbeiten. Dann kam die Vorproduktion, wo wir weitere Arrangements festgelegt haben, damit man sich bei den wirklichen Aufnahmen ausschließlich auf den Sound konzentrieren kann. Und nach dieser Vorproduktion haben wir dann teilweise live und teilweise nicht live aufgenommen und relativ zügig gemischt. Parallel haben wir uns Gedanken darüber gemacht, ob man sich ein Label sucht. Deniz und Robert wollten eigentlich zu keinem Label, sondern lieber eigenständig arbeiten. Somit haben wir zunächst nur über Clouds Hill gearbeitet. Die lange Zeit zwischen Aufnahmen und letztendlich Release ist dem geschuldet, dass doch noch ein Label Interesse gezeigt hat. Sobald jemand Neues ins Boot kommt, kann es passieren, dass sich das länger als erwartet hinzieht.

Um welches Label hat es da gehandelt?

Johann: Das Berliner Label Snowhite. Bei dem wird die CD-Version des Albums veröffentlicht.
Deniz: Unsere Vinyl erscheint über Clouds Hill. Clouds Hill veröffentlicht aber ausschließlich Vinyl und da hatten wir uns schon so unsere Gedanken gemacht, wie man dann die CD veröffentlichen könnte.
Johann: Entweder hätte man die CD gar nicht veröffentlicht, oder man sucht sich ein Label.
Deniz: Somit hat das mit Snowhite dann gut gepasst.

Im Zuge der Album-Veröffentlichung gibt es im Musikexpress einen Starschnitt von euch. Das hat ja eher Bravo-Flair, oder wie nehmt ihr das selbst wahr?

Johann: Vielleicht muss man erzählen, wie dazu gekommen ist. Das war nämlich keine Idee des Musikexpress. Sondern: Die Band Kraków Loves Adana hat eine gewisse Menge an Geld von der Kulturförderung bekommen. Und das mussten wir irgendwie ausgeben. Es hätte keinen Sinn gemacht, einfach drei Anzeigen zu schalten. Werbung für Tonträger in Print-Magazinen funktioniert meiner Meinung nach nicht. Daher hatten wir diese Idee, die wir super fanden und die vielleicht einem Print-Magazin zusätzlich Leben einhauchen könnte, diesen Starschnitt zu machen. Es sind drei Teile über drei Ausgaben verteilt, insgesamt eine Din A4 Seite. Auch wenn es streng genommen gar kein Starschnitt ist, denn die einzelnen Teile sind nicht beschriftet. Eine künstlerisch sehr gute Sache!
Robert: Ich seh das auch so. Es war einfach mal eine andere Art und Weise, eine Anzeige zu gestalten. Und es ist ja irgendwie auch geil, denn wenn man an Starschnitt denkt, denkt man an den letzten Starschnitt vor 12 Jahren mit den Ärzten.
Johann: Dann hatten auch noch kurz die Idee, den Ärzte-Starschnitt zu re-veröffentlichen… Aber das haben wir dann doch nicht gemacht.

Natürlich! Deniz, du bist verantwortlich für die Texte in der Band. Und du bist ja noch recht jung. Wie schafft man es denn, in deinem Alter schon so dermaßen verbittert zu schreiben?

Deniz: Vielleicht, weil ich einfach verbittert bin!
Johann: Also, ‚verbittert‘ ist ja nun echt das falsche Wort.
Deniz: Ich finde es nicht einfach bei Texten, den Grat zu finden, dass es nicht zu plump und nicht zu kryptisch wirkt. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Sobald man etwas Persönliches in die Texte einfließen lässt, wirkt das schnell zu plump. Es passiert dann einfach so. Ich setze mich jetzt auch nicht zuhause hin und denk mir, dass ich einen Text schreiben möchte, der von Herzschmerz handelt.
Johann: Vielleicht kann man auch nochmal sagen, dass ‚verbittert‘ echt das falsche Wort ist.

Wie würdest du denn sagen?

Johann: Es ist… nicht ‚verbittert‘.
Deniz: Es sind ja auch keine Texte, die die großen Themen abhandeln oder über Jahre währende Emotionen, sondern es sind letztendlich kleine Momentaufnahmen, die man auffängt. Und ab und zu ist man vielleicht auch einfach verbittert, ich sehe das nicht als einen negativen Begriff an.
Johann: Ich finde, dass jeder Text dieser Band Hoffnung transportiert. Das ist nicht ‚verbittert‘. ‚Verbittert‘ wäre es, wenn das traurig, zynisch oder festgefahren wäre. Und bei Kraków Loves Adana ist schon immer Licht am Horizont, auch wenn es gerade dunkel ist.
Deniz: Das zeigt natürlich auch, dass man die Texte unterschiedlich interpretieren kann. Und das ist gut. Ich möchte ja niemandem eine Meinung aufdrücken. Unsere Musik ist kein Punkrock und die Texte sind nicht politisch, sondern das, was mir in dem Moment in den Sinn kam und was zur Musik passt.

Inwiefern hat sich euer Leben in den letzten Monaten verändert? Vor einem Jahr kannte man euch noch überhaupt nicht und inzwischen werdet ihr von allen Musikmagazinen in höchsten Tönen gelobt.

Deniz: Es ist jetzt nicht so, dass wir auf der Straße angesprochen werden: ‚Hey, ich hab von euch im Musikexpress gelesen, ich find das super!’… Wir wissen natürlich, dass inzwischen über uns geschrieben wird, aber ich persönlich nehme das nicht so wirklich wahr, dass sich da was verändert hat. Aber was natürlich super ist, ist die Möglichkeit, dass man jetzt die Musik, die man macht, einer breiteren Masse präsentieren kann. Und dass wir die Musik jetzt super aufnehmen können.
Johann: Das konntet ihr aber auch schon, bevor ihr so wahnsinnig berühmt wurdet!
Deniz: Aber ich finde, das ist genau der Punkt, an dem man gemerkt hat, dass sich was verändert. Als wir bei Johann aufgenommen haben, war das ein Wendepunkt. Das ist das Beste, was uns passieren konnte. Der Rest ist dann die logische Konsequenz.
Robert: Für mich persönlich hat sich mein Leben aber auf jeden Fall geändert. Ich fand Musik schon immer toll. Ich hab mir die Magazine gekauft und Artikel gelesen. Und wenn man dort auf einmal selbst drin steht, ist das schon eine riesige Veränderung.
Deniz: Natürlich hatte das einen großen Zauber, bevor uns das selbst passiert ist. Aber letztendlich dient es doch nur dem Nutzen, wenn eine Platte besprochen wird. Es ist möglich, man kann es schaffen, es ist nur eine Frage des Glücks, wenn man so möchte.

Über Clouds Hill habt ihr eine Street-Team Aktion gestartet und Sticker sowie Shirts an Menschen herausgeschickt, die Lust darauf haben und Interesse an dem Label und der Musik. Werden diese Shirts denn auch noch regulär verkauft werden, oder war das nur ein Gimmick?

Robert: Wir haben die auf unserer Tour mit, die kann man am Merch-Stand käuflich erwerben.
Johann: Was?!
Deniz: Ja, die haben wir mit. Wir haben auch gar nicht so viele von den Shirts. Wie du schon sagtest, haben wir einige als Gimmick verschenkt und weitere werden wir auf Tour verkaufen, aber ein richtiger Shop ist bisher nicht geplant.

Im Internet bin ich über ein Video zu einem Song namens „It’s spoken, so it’s true“ gestolpert. Was ist das, wo kommt das Stück her?

Deniz: Das war ein Bonustrack, den wir für iTunes aufgenommen haben.
Johann: Wie eklig sich das anhört. Das muss gelöscht werden und Deniz sagt nochmal was, was nicht so eklig anhört.
Deniz: Okay… Wir wollten einen zusätzlichen Track aufnehmen, der nicht auf unserem Album vertreten ist, um uns als Band interessanter zu machen.
Johann: Das ist ja noch schlimmer als vorher! Aber es war tatsächlich so.
Deniz: Und der Song hat uns dann so gut gefallen, dass wir da noch einen kurzen Teaser zu gedreht haben. Der Song ist auch viel später entstanden als das Album, daher konnte er da nicht mit rauf.
Johann: Und tatsächlich hört man das ja auch. Das ist eine ganz andere Soundästhetik. Der Song ist viel voller und weniger reduziert als das Album. Live eingespielt. Ich finde das super, weil man das schon als eine Art Hinleitung zur nächsten Platte sehen könnte. Wir haben das ganz anders aufgenommen, das würde ich gern erzählen: Das Schlagzeug ist extrem spärlich – aber ausgewählt – mikrofoniert. Und wenn man sich das über Kopfhörer anhört, hört man eine Dichte in den Gitarren, die so entstanden ist, dass wir den ganzen Raum leergeräumt haben. In der linken Ecke stand Deniz‚ Verstärker, über den sie gespielt hat. Bevor das Signal allerdings in den Verstärker gegangen ist, haben wir es schon aufgezeichnet. Und ein anderes Signal ist in ein Bannecho gegangen, das in einen Verstärker geführt hat, der in der anderen Ecke des Raumes stand. Und dann haben wir ausschließlich Stereo-Raummikrofone in den Raum gestellt und hatten dadurch eine natürliche Breite mit links dem Originalsignal und rechts dem verzögerten Signal, das durch den Hall im Raum eine geile Dichte und mystische Atmosphäre bekommen hat, sodass sich das Lied wie ein verendendes Tier auf die Lichtung zerrt, dass es einen förmlich zerreisst, wenn man dieses Stück hört. Und das ist gut.

Aber nur bei iTunes!

Johann: Man kann es tatsächlich in meinem Blog auch kostenlos anhören, so ist das ja nicht… Aus Hass gegen iTunes.
Deniz: Und man kann es auch auf unserer Myspace Page anhören.
Johann: Anhören kann man es – und wenn man mit Software bewandert ist, sogar runterziehen.
Deniz: Man kann auch 99 Cent ausgeben und es sich kaufen.
Johann: Das lohnt sich auf jeden Fall, das Lied ist ja lang!

Mal eine etwas andere Frage: Deniz und Robert, ihr seid ja in einer Beziehung. Jetzt, wo ihr gemeinsam Musik macht, verbringt ihr sehr viel Zeit miteinander. Könnt ihr euch denn noch ausstehen?

Deniz: Wir haben auch, bevor wir Musik gemacht haben, schon sehr viel Zeit miteinander verbracht. Seit wir uns kennen, wohnen wir zusammen und sind gemeinsam nach Freiburg gegangen. Dementsprechend war das eigentlich nie ein Problem. Dass wir zusammen Musik machen können, haben wir dann erst im Laufe der Zeit gemerkt. Aber es ist doch das Beste, was einem passieren kann. Wenn man mit der Person, mit der man sich am besten versteht, auch noch gemeinsam Musik machen kann. So muss man auch auf Tour nicht getrennt sein. Ich find es echt optimal. Es funktioniert.
Robert: Auf jeden Fall.

Johann, du bist am Grinsen die ganze Zeit?

Johann: Ich freu mich einfach nur. Die beiden sind eine große Bereicherung in meinem Leben.

Und eine letzte Frage: Habt ihr schon neue Songs geschrieben, oder wie ist der Plan für die Zukunft?

Deniz: Wir haben tatsächlich schon einige neue Songs, die wir allerdings noch nicht aufgenommen haben. Aber es formt sich langsam was. Auch angestoßen durch „It’s spoken, so it’s true“ gewinnt man an Ideen dazu.
Johann: Nächstes Jahr neue Platte, so sieht’s aus. Kann man schon verraten, dass das passieren wird!
Deniz: …Das müssen wir dann noch sehen. Aber schön wär’s auf jeden Fall.

Definitiv. Vielen Dank für das Interview!

Deniz: Dankeschön!


Fotogalerie vom Konzert nach dem Interview.
Review zum Album „Beauty“.

One comment

  1. Shú says:

    yeah chrisse :)

    macht spass das interview zu lesen –
    gute fragen und frische antworten von einer noch herrlichen frischen band
    eine tolle entdeckung :)

    grüßeee

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