Startseite » Im Gespräch mit Rasmus Kellerman

Im Gespräch mit Rasmus Kellerman

Rasmus Kellerman wird in der kommenden Woche sein erstes Soloalbum veröffentlichen. Über die Entstehung von „The 24th“ haben wir bereits im März berichtet. Mit Tiger Lou nahm er drei Alben auf, als Araki verölffentlichte er ein elektronisches Album, mit seine Frau Andrea (Firefox AK) nahm er als Las Puertas eine schrammelige Rock-Platte auf und jetzt ist es endlich soweit: das Soloalbum steht in den Startlöchern. Wir haben Rasmus vor seinem Umzug nach Stockholm in einem kleinen Café in Berlin getroffen, um mit ihm über seine Zeit in Berlin, die Musikindustrie und über sein neues Album zu sprechen.

Bald wirst du wieder nach Stockholm ziehen. In deine Blog hast du geschrieben, dass du zum ersten Mal in deinem Leben eine Wohnung gekauft hast. Freust du dich?
Ja, ich freue mich sehr auf Stockholm. Andrea, meine Frau, hat die Wohnung bisher noch gar nicht gesehen. Ich war alleine in Stockholm und habe die Wohnung ausgesucht. Es fühlt sich sehr gut an, wieder zurück nach Stockholm zu gehen. Stockholm ist mein Zuhause. Ich bin dort geboren und immer wenn ich nicht in Stockholm war, habe ich mich immer sehr auf die Rückkehr gefreut. Wir hatten dort aber nie unsere eigene Wohnung. Im Mai wird sich das ändern.

Du hast in London und Berlin gelebt, richtig?

Genau. Andrea und ich waren schon mal für einige Monate in Berlin, danach waren wir wieder in Stockholm und haben uns dann dazu entschieden für eine längere Zeit in Berlin zu leben. Auch in London haben wir gelebt, das stimmt. Wir waren immer unterwegs. Es fühlt sich jetzt sehr gut an, endlich ein richtiges Zuhause in Stockholm gefunden zu haben und nicht mehr in den Wohnungen von Freunden zu leben. Mein Herz ist schon schon immer in Stockholm und ich freue mich sehr auf alles, was in Stockholm auf mich und Andrea zukommt.

Haben dich die verschiedenen Orte, in denen du gelebt hast, als Künstler geprägt?
Ich glaube nicht, dass es eine so große Rolle spielt wo du lebst. Mit sicherheit würde die Musik, die ich in Berlin gemacht habe nicht anders klingen, wenn ich sie an einem anderen Ort gescherieben hätte. Es ist eher das, was man erlebt und nicht der bestimmte Ort. Dinge, die man nicht jeden Tag erlebt und Chancen, die man nicht jeden Tag bekommt spielen eine sehr große Rolle, finde ich. Unser Hauptaugenmerk nach dem Umzug von Stockholm nach Berlin lag ganz klar auf der Musik. Meine Frau hat auch viele Songs für ihr neues Album geschrieben. Mit den Songs wird sie in Stockholm dann ins Studio gehen und hoffentlich in diesem Jahr noch ein Album veröffentlichen.

Gibt es Plätze in Berlin, an denen du dich besonders gerne aufhältst?
Ich bin sehr viel unterwegs in Berlin. Oft mit dem Fahrrad und meinem Hund. Ich mag den Volkspark in Friedrichshain sehr gerne, obwohl meine Wohnung ja in Prenzlauer Berg ist und auch das Büro ist direkt am Mauerpark in Prenzlauber Berg. Im Mauerpark bin ich natürlich auch sehr oft, aber den Volkspark in Friedrichshain finde ich noch etwas schöner. Da gibt es einfach alles. Ich bin sehr gerne dort. Ich mag auch die komplette Gastroszene in Berlin. In Stockholm haben meine Frau und ich immer sehr viel gekocht, in Berlin gehen wir hauptsächlich auswärts essen, weil es hier einfach unglaublich günstig ist. Im Gegensatz zu Stockholm und London ist Berlin was das Essen angeht wirklich super günstig. Das wird auf jeden Fall eine große Umstellung, wenn wir wieder in Stockholm sind.

Hast du während deiner Zeit in Deutschland andere Seiten an dir kennen gelernt?
Nicht wirklich. In Berlin hatten wir ein Büro, eine eigene Wohnung und haben dieses ganz normale Leben geführt. Morgens ins Büro, dann haben wir acht Stunden gearbeitet und sind dann nach Hause gegangen. Ein ganz normales leben, wie es viele hier in Deutschland leben. Der einzige Unterschied ist, dass ich in Berlin alle zwei Tage zu Hause geblieben bin um an neuen Songs zu arbeiten. Es war sehr produktiv. Aber ich selbst habe mich nicht verändert oder andere Seiten an mir kennen gelernt, denke ich.

Ich habe den Eindruck, dass es in Berlin ein sehr großes Netzwerk an Künstlern gibt. Hier hilft jeder jedem. Ist das in Stockholm auch der Fall oder gibt es da Unterschiede?
Das Netzwerk an Künstlern in Stockholm ist ähnlich wie das hier in Berlin. Für mich sogar noch enger. Die meisten meiner Freunde in Stockholm spielen in Bands, produzieren Musik oder arbeiten als DJs. Das sind Menschen, die man braucht, mit denen man gerne seine Musik teilt. In Stockholm kommt es auch nicht selten vor, dass Bands für Liveauftritte zusammenkommen und aus zwei Bands plötzlich eine entsteht. Das funktioniert immer wieder ganz gut. Wir sind alle nicht zur Uni gegangen oder haben einer vernünftige Ausbildung abgeschlossen. Das sind ja normalerweise die Orte, an denen man neue Menschen kennen lernt. Bei vielen meiner Freunde ist das anders. Ich arbeite zum Bseispiel neben der Musik als freiberuflicher Grafiker. Das mache ich entweder von Zuhause oder aber ich teile mir ein Büro mit meinen Freunden. Da lerne ich nicht oft neue Menschen kennen. Das passiert alles innerhalb dieses starken Netzwerks an Künstlern.

Jetzt kommen wir zu „The 24th„, deinem neuen Album. Wie fühlt es sich an, das erste Album unter deinem eigenen Name zu veröffentlichen? Das hat ja jetzt schon eine ganze Weile gedauert.
Ja, in der Tat. Ich werde bald 30. Das hat wirklich eine ganze Weile gedauert jetzt. Aber es fühlt sich ganz fantastisch an. Im letzten Jahr war ich endlich bereit für diesen großen Schritt. Im Moment denke ich schon an das nächste Album. Ich habe die Songs für „The 24th“ sehr schnell geschrieben und wir hatten im Studio auch nur sehr wenig Zeit. Alles ging sehr, sehr schnell. Wenn alles perfekt gelaufen wäre, hätte ich das Album schon im Februar und nicht erst Ende Mai veröffentlichen können.

Hat dich Berlin beim Schreiben inspiriert?
Die meisten Songs sind zwar in Berlin entstanden, hier habe ich auch die Demos aufgenommen, aber Berlin hat mich nicht besonders inspiriert bestimmte Songs zu schreiben. Das Ziel und auch eine gewisse Inpiration war in erster Linie, ein sehr persönliches und nicht zu unkomplizierte Platte werden. Natürlich wollte ich auch kein kompliziertes Album machen, denn das passt nicht zu der Musik, die ich als Solokünstler mache. Hier is weniger mehr und ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Aber Berlin hat keinen besonderen Einfluss auf die Songs.

In deinem Blog hast du vor den Aufnahmen geschrieben, dass du ein Album machen möchtest, dass nicht nach Tiger Lou klingt. Was denkst du, hast du das Ziel erreicht?

Ja, ich denke schon. Die meisten Songs sind irgendwie anders. Am Anfang wollte ich zum Beispiel keine Drums und keinen Bass für „The 24th„. Alles sollte sehr einfach sein. Es sollte ein reines Acoustic-Album werden. Nur meine Stimme und die Gitarre. Nicht mehr und nicht weniger. Am Ende war es aber einfach zu hart, ein reines Acoustic-Album zu machen. Wenn ich drüber nachdenken, könnten vielleicht Songs wie „Now Hush“ oder „Where Do You Go At Night“ so auch auf einem Tiger Lou Album vertreten sein. Aber bei den meisten Songs habe ich es zusammen mit meinem Produzenten und der Unterstützung von Freunden geschafft, dass ich am Ende glücklich bin und das Album nicht, wie von vielen vielleicht vermutet, nach Tiger Lou klingt.

Erzählst du uns ein bisschen mehr über
die Zeit im Studio und die Unterstützung, die du dort bekommen hast?
Es waren, man mag es kaum glauben, mehr Leute involviert als bei jeder anderen Albumproduktion. Wir haben das Album sehr, sehr schnell aufgenommen. Alles in allem haben wir nur zwei Wochen gebraucht. Ich wollte mit dem Album eine neue Erfahrung machen. Es sollte anders sein, als bei den Alben, die die ich zuvor aufgenommen habe. Es war immer so, dass ich über einen Zeitraum von mehreren Monaten ein paar Tage pro Woche im Studio war. Zwischendurch habe ich als Grafiker gearbeitet. Ich war immer wieder abgelenkt von den Aufnahmen. Ich habe auch immer alle Instrumente selbst eingespielt bis auf die Drums bei einigen Songs auf dem letzten Tiger Lou Album. Auf „The 24th“ wollte ich wirklich nur Gitarre spielen und singen. Bei den Songs, in denen ich wollte, dass andere Instrumente wie ein Piano, Bass oder Drums zu hören sind, holte ich mir Freunde ins Studio. Es war eine ganz neue Erfahrung für mich. Ich habe Thomas, der die Drums auf „The 24th“ spielt, nicht gesagt, wie oder was er spielen soll. Es gab keinerlei Vorgaben. Nicht bei den Drums, nicht beim Piano und auch nicht beim Bass. Alle haben ihr eigenes Ding gemacht und ich bin mit dem Ergebnis sehr glücklich. Ich bin mir aber sicher, dass beim nächsten Album nicht so viele Menschen dabei sein werden. Dafür werden beim dritten Album wieder deutlich mehr Msuiker involviert sein.

Wow, du denkst jetzt wirklich schon an zwei weitere Alben?

Na klar, man hört ja nie auf zu schreiben und ich bin mir sehr sicher, dass noch das eine oder andere Album folgen wird.

Willst du deinen Hörern mit „The 24th“ etwas bestimmtes sagen?
Ich möchte keine besondere Botschaft vermitteln. Mein Ziel war es, Songs zu schreiben, die mir etwas bedeuten. Die Hörer meiner Musik haben damit ja erstmal wenig zu tun. Ich versuche immer Songs zu schreiben, die am Ende ein großes Ganzes ergeben. Ich will mit einem Album immer ein komplettes Bild erschaffen. Immer wenn ich das Gefühl habe, dass ich genug Songs geschrieben habe, gehe ich ins Studio. Der Hauptgedanke hinter „The 24th“ war es, ein zugängliches Album zu machen, dass sehr persönlich ist. Persönlicher als alles was ich zuvor gemacht habe.

Der Titel des Albums ist sicherlich auch sehr persönlich. Wie bist du auf „The 24th“ gekommen?

In meiner Famile ist der 24. ein ganz spezielles Datum. Meine Mutter ist am 24. April 1951 geboren, ich bin am 24. April 1981 geboren und mein Bruder ist am 24. Dezember 1972 geboren. Die 24 ist ist eine Zahl, die mich seit vielen Jahren begleitet. Es ist zum einen der spezielle Tag, an dem meine Mutter und ich immer versuchen etwas gemeinsames zu unternehmen. Nur wir beide. Zum anderen finde ich diese Zahl einfach unglaublich in meinem Leben. Meist ist es ein großer Zufall. Das Cover von „The 24th“ ist von dem deutschen Künstler Andreas M. Wiese. Ich habe das Bild gewählt, weil ich ich es einfach sehr gerne mag. Nachdem der Albumtitel bereits feststand, habe ich festgestellt, dass der Boden exaxt 24 Reihen hat. Ich wusste das nicht als ich das Bild für das Albumcover ausgewählt habe. Irgendwann habe ich diese Reihen gezählt und es waren tatsächlich 24. Wirklich großartig. Genauso war es bei der Tätowierung an meinem Arm. Irgendwann habe ich die Punkte gezählt und auch da kam ich zu dem Ergebnis, dass es 24 Punkte sind. Ich habe da nicht drüber nachgedacht, als ich es hab stechen lassen. Wenn es eine Zahl in meinem Leben gibt, die mir etwas bedeutet, dann ist es die 24.

Die erste Single vom neuen Album ist „The 24th„. Du hast über deinen Blog jemanden gesucht, der dazu ein Video dreht. Bist du erfolgreich gewesen?
Ich weiß es nicht. Vielleicht. Bisher hatte ich immer die Kontrolle über alles. Diesmal nicht. Mein Management bzw. meine Plattenfirma kümmert sich um das Video. Ich denke, sie haben bereits jamanden gefunden.

Vor einigen Wochen warst du seit langer Zeit wieder allein auf der großen Bühne und hast die neuen Songs präsentiert…
Ja, stimmt. Die Bühne war gar nicht groß. Sie war ehrlich gesagt sehr klein. Es war ein komisches Gefühl. Sehr, sehr eigenartig. Vor dem Auftritt bin ich davon ausgegangen, dass ich nicht nervös sein werde. Als ich die Bühne betrat fühlte sich aber alles aufeinmal sehr komisch an und ich war doch sehr nervös. Ich brauchte eine Weile, bis ich mich wohlgefühlt habe. Wenn man alleine, nur mit einer Gitarre, vor Publikum spielt, dann fühlt sich das denfinitiv ganz anders an, als wenn man eine Band im Rücken hat.

Wie waren die Reaktionen nach deinem Auftritt?

Die Reaktionen waren ganz gut, wobei das anwesenden Publikum nicht wegen meiner Musik da war. Es war eine Kunstveranstaltung, wo ich nur ein paar Songs performt habe. Nichts großes, keine richtige Show. Die erste richtige Show ist in ein paar Wochen. Das wird dann wahrscheinlich noch seltsamer für mich. Ich muss mich auf jeden Fall erstmal wieder daran gewöhnen, als Solokünstler auf der Bühne zu stehen.

Nicht nur als Solokünstler, sondern so generell: wie bereitest du dich auf einen Auftritt vor? Machst du irgendetwas Spezielles? Man hat ja schon die verrücktesten Sachen von einigen Künstlern gehört…
Da gibt es einen großen Unterschied zwischen mir als Solokünstler und mir als Bandmitglied. Als Solokünstler ist es für mich wichtig, dass ich mich vorher entspanne, mich konzentriere, einfach ruhige Stunden vor dem Auftritt habe. Für die „A Partial Print Tour“ mit Tiger Lou habe ich mich fast ein ganzes Jahr vor der Tour vorbereitet. Einfach um die Tour physisch durchzustehen. Das war auch wirklich notwendig. Unser Ziel war es, jeden Abend das komplette Album zu spielen. Dass das eine sehr große Belastung für meine Stimme wird, wusste ich schon nachdem ich im Studio war um „A Partial Print“ aufzunehmen. Jeder Songs ist aus stimmlicher Sicht sehr schwer und anstrengend. Also habe ich eine lange Zeit mit einem Gesangstrainer zusammengearbeitet, damit meine Stimme für eine ganze Tour hält. Vor jedem Auftritt hatte ich dann ein kleines Programm. Erst habe ich 30 Minuten lang Gesangsübungen gemacht, im Anschluss habe ich mich warm gemacht, um auch körperlich fit für die Bühne zu sein. Andere trinken vielleicht 5 Bier und rauchen 10 Zigaretten. Ich habe das während der letzten Tour nicht getan. Im nachhinein betrachtet, war das wirklich das Beste, was ich je gemacht habe. Ich will mich ja wohlfühlen auf der Bühne. Es klingt vielleicht bescheuert, aber es war für mich sehr wichtig, vor jeder Show immer die gleichen Übungen durchzuführen. Das waren meine Aufgaben und erst nachdem die Aufgaben gelöst waren, konnte ich auf die Bühne. Das Aufwärmen gehörte einfach dazu. Beim Kickboxen darfst du ja auch nicht sofort die härtesten Übungen machen. Du musst dich erstmal aufwärmen, dann verletzt du dich auch nicht. Und das ist genauso mit der Musik. Wenn dein Körper und deine Stimme nicht aufgewärmt ist, dann kann ganz viel schiefgehen. Wenn alle Übugen gemacht wurden, kannst du auch locker für vier Stunden auf der Bühne stehen. Gesangstraining und gezielte, körperliche Fitness brauche während der kommende Tour aber denke ich nicht. Da werde ich sogar im sitzen spielen, denke ich. Da entspanne ich mich einfach.

Was können wir erwarten, wenn du im Juni für 3 Shows in Deutschland unterwegs bist?

Berlin, Hamburg und Köln. Ich freue mich sehr, denn es werden wirklich sehr kleine Shows. Ich hoffe, dass ich jeweils eine wunderschöne Stunde mit sehr intimen Melodien, Geschichten und Musik mit dem Publikum teilen kann. Darüber nachzudenken ist nach wie vor sehr merkwürdig. Aber ich hoffe, dass sich alle wohlfühlen werden. Ich werde für die drei Shows keine Band mitbringen. Ich werde wirklich allein mit meiner Gitarre auf der Bühne sitzen und performen. Im Herbst werde ich für eine längere Tour noch mal nach Deutschland kommen. Vielleicht bringe ich dann eine Band mit oder einen Musiker, der viele verschiedene Instrumente spielt und dann mal das Piano, mal die Drums oder mal den Bass spielt. Es ist immer gut, alles offen zu lassen und zu schauen, was passiert.

Wie stehst du zu kleinen Wohnzimmerkonzerten? Dein Freund Björn Kleinhenz macht das ja sehr gerne, wenn er in Deutschland unterwegs ist.
Ich weiß nicht wie es sich anfühlen würde, wenn ich es mit dem aktuellen Album machen würde. Es ist so lange her, als ich das letzte Mal ein Wohnzimmerkonzert gespielt habe. Als ich angefangen habe Musik zu machen, fanden die meisten Konzerte in den Wohnzimmern von Freunden statt. Die Tour, die wir mit Tiger Lou in Amerika gespielt haben war, wenn man es genau nimmt, eine Wohnzimmer-Tour. Wir haben 20 Shows gespielt und alle fanden in Privathäusern statt. Mal in einem Keller, man in einem Wohnzimmer. Es ist ein sehr dankbarer Job, so kleine Shows zu spielen. Viel schöner und intimer als in einem Rockclub. Man wird bekocht und jeder, der vorbeikommt zahlt vielleicht 50 Cent und bekommt dafür eine Show zu sehen, die es so mit sicherheit kein zweites Mal geben wird. Ich glaube aber nicht, dass ich das noch sehr oft machen werde. Wenn du als Künstler nur Wohnzimmerkonzerte spielst, wofür du selbst keinen Cent bekommst, geht dir ganz schön viel Geld durch die Lappen. Irgendwie muss sich ein Musiker ja auch seine Brötchen verdienen.

Was ist wichtiger für dich: live spielen oder die Arbeit im Studio?

Ich freue mich immer, wenn ich ins Studio gehe. Und auch davor, wenn ich die Songs schreibe, die Demos aufnehme. Dieser ganze kreative Prozess macht mir sehr großen Spaß. Von der kleinen Idee, die man im Kopf hat, zu einem fertigen Song. Es ist ein unglaublich gutes Gefühl, wenn man aus dem Studio geht und zurückdenkt, wie der Song entstanden ist. Auf eine Art und Weise entwirfst du mit jedem Song ein neues Bild. Du hast ein Bild vor Augen und wenn alle Details hinzukommen, hast du am Ende einen tollen Song und wenn du alles Bilder zusammenfügst, hast du ein Album. Das ist auch nach den ganzen Alben, die ich bereits gemacht habe, immer der gleiche Prozess, der mich am Ende zu einem sehr glücklichen Menschen macht. Und dieser ganze Prozess ist meiner Meinung nach deutlich wichtiger und schöner als live zu spielen. Live spielen ist ja im Prinzip dann nur das Teilen der Bilder, die über einen langen, kreativen Zeitraum entstanden sind. Manchmal kann das Teilen der Songs aber auch sehr schwer sein. Wenn du einen schlechten Tag hast, dann vergisst du den schlechten Tag auch nicht auf der Bühne. Für mich ist das Schreiben und Aufnehmen von Songs sehr viel wichtiger als das Performen auf der Bühne.

Gab es Tage in deinem Leben, wo du mit der Musik aufhören wolltest? Tage, an denen du nur als Grafikdesigner arbeiten wolltest?
Ja, die gab es und ich glaube, diese Tage wird es noch oft geben. Ich bin nicht der Typ Mensch, der das Sprichtwort „Das Gras auf der anderen Seite des Hügels ist immer grüner“ ernst nimmt. Wenn ich in eine Sache sehr involviert bin, dann träume ich immer von den Sachen, in die ich gerade nicht involviert bin. Wenn ich also auf Tour bin, denke ich immer daran, damit aufzuhören und nur noch Grafikdesign zu machen. Aber wenn ich von Montag bis Freitag im Büro sitze und nur Grafikdesign mache, bin ich schnell sehr niedergeschlagen und möchte Musik machen und auf Tour gehen. Ich denke, ich muss wirklich beides machen. Das Eine funktioniert ohne das Andere nicht. Wenn ich nicht die Möglichkeit habe, beides zu machen, werde ich vermutlich verrückt. Ich denke, ich könnte nie aufhören, Musik zu schreiben. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, keine Alben mehr zu verölffentlichen und live zu spielen. Aber Musik werde ich immer schreiben. Nur für mich. Für zu Hause. Es ist für mich nicht so wichtig, in einer Band zu spielen.

Von welche Musik bist du im Moment besonders beeindruckt?
Jetzt gerade bin ich besonders beeindruckt von dem neuen Massive Attack Album. Ich höre eigentlich nichts anderes. Ich weiß gar nicht wann das Album veröffentlicht wurde. Vielleicht schon Ende letzten Jahres. Ich habe es vor kurzem zum ersten Mal gehört und es hat mich sofort umgehauen. Ich liebe jeden einzelnen Song.


Denkst du, dass wir heutzutage noch Plattenfirmen brauchen?

Für mich persönlich würde ich diese Frage mit einem ganz klaren ja beantworten. Die Menschen, die dort arbeiten haben Fachkenntnis und Erfahrung. Klar, es gibt immer wieder Mitarbeiter, die neu sind und keine Erfahrung haben, aber selbst dann haben sie vermutlich mehr Ahnung als der Künstler selbst. Bisher habe ich mit noch keinem Label zusammengearbeitet, dass mich auf irgendeine Art und Weise enttäuscht hat. Die Tiger Lou Alben und auch mein Soloalbum erscheint via Startracks und das macht mich sehr glücklich. Ich würde in der Zukunft nie auf die Idee kommen, meine Alben selbst zuveröffentlichen. Ich habe das ganz am Anfang meiner musikalischen Karriere mal versucht und ich habe damals auch versucht Alben von anderen Künstlern zu veröffentlichen. Ich war sehr schlecht darin. Hinter so einer Veröffentlichung steckt sehr viel arbeit und ich würde mich auch gar nicht wohlfühlen, wenn ich meine eigenen Alben auf meinem eigenen Label veröffentlichen würde. Für mich sind Plattenfirmen auf jeden Fall sehr wichtig und ich hoffe, dass ich immer das Glück haben werde, mit fantastischen Labels zusammen arbeiten zu dürfen. So lange die Labels von Menschen, die an die Musik und den Künstler glauben, den sie auf ihr Label nehmen, ist eine gute Zusammenarbeit garantiert.

Wir würde deine Karriere aussehen, wenn das Internet nicht da wäre?
Oh. Ich denke, dass das deutlich mehr touren bedeuten würde, Flyer verteilen und jede Möglichkeit nutzen, um den Leuten zu zeigen, dass man da ist.  Es würde viel mehr von allem bedeuten. Ohne das Internet, wäre ich jetzt nicht da wo ich gerade bin. Das Internet macht alles viel einfacher.

Vielleicht noch ein paar Worte zur Zukunft. Wir halten fest: du ziehst zurück nach Stockholm, du veröffentlichst dein Soloalbum und du wirst damit mindestens zweimal auf Tour gehen. Du denkst bereits jetzt an Album 2 und 3. Können wir zwischendurch vielleicht auch noch mit dem einen oder anderen Remix rechnen? Elektronische Musik magst du ja auch sehr und erst kürzlich hast du einen fantastischen Remix für die schwedische Band EF gemacht.
Das kann ich jetzt noch gar nicht genau sagen. Das remixen macht mir auf jeden Fall sehr großen Spaß. Mein Plan für Stockholm ist, mir dort ein kleines Studio einzurichten, in dem ich hoffentlich auch den ein oder anderen Remix machen werde. Wann das passieren wird, kann ich aber zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Ich habe in den vergangenen Jahren einige Remixes gemacht und hoffe, dass noch viele folgen werden. Ich werde in Stockholm sicher auch mit einigen schwedischen Künstlern zusammenarbeiten und ich hoffe, wir werden im Studio eine gute Zeit haben. Ich hoffe auch, dass ich noch in diesem Jahr ein zweites Album aufnehmen kann. Den Nachfolger zu „The 24th„.

Wir freuen uns über deinen Kommentar: