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James Yuill im Interview

James YuillVorab war zu lesen, dass der Brite James Yuill ein eher karger Gesprächspartner sei und in Interviews kaum etwas von sich preis gäbe. Wir jedoch erleben einen äußerst aufgeschlossenen und sympathischen Solo-Künstler, der uns vor seinem Konzert in der hamburger Prinzenbar gegenüber sitzt. Neben einem Exkurs in sein heimisches Schlafzimmer skizziert der Singer/Songwriter auch, wie es ihm möglich ist bewegende Musik zu schreiben.

Mainstage: Also James, Du kommst aus Eastbourne?

James Yuill: Na ja, sagen wir eher aus London. In Eastbourne bin ich zur Schule gegangen.

London liegt ja eher südlich. Bei einem letztjährigen Festival hatte ich Gelegenheit mit einigen Süd-Engländern zu sprechen, die auf meine Aussage, dass ich meinen letzten Urlaub in Manchester verbracht habe, entgegneten ich solle lieber den Süden bereisen, da der Norden ganz schön „shitty“ sei. Stimmt das?

(Schmunzelt) Nein, ist er nicht. An einem kalten Tag vielleicht. Es ist allgemein kälter und wohl etwas depressiv, aber trotzdem schön dort.

Du müsstest also demzufolge eher im Norden leben. In einem Interview hast Du einmal gesagt, dass Deine Texte melancholisch und depressiv seien.

Ja, das sind sie, möglicherweise sollte ich das, ich weiß nicht genau. Allerdings ist mein Songwriting weniger geografisch beeinflusst, sondern drückt schlicht das aus, was gerade in meinem Kopf passiert. Das versuche ich zu beschreiben und so habe ich auch das Album geschrieben.

james-yuill-interview-02Du bringst also einfach nur Deine Gedanken zu Papier?

Ja, manchmal. Für gewöhnlich beginne ich mit der Akustik-Gitarre und singe dann, was mir gerade einfällt und schreibe es auf. Meistens läuft es dann in eine geordnete Richtung. Ich beginne aber nie einen Song zu schreiben, von dem ich vorher weiß, wie er schlussendlich aussehen könnte.

Du lässt es einfach fließen.

Genau, so könnte man es bezeichnen. Was gerade passiert, spiele ich.

Brauchst Du eine spezielle Atmosphäre um kreativ sein zu können?

Nicht wirklich. Ich schreibe in meinem Schlafzimmer, wenn ich gerade etwas freie Zeit habe. Um schreiben zu können muss ich keine besondere Atmosphäre kreieren. Wenn es die richtigen Minuten sind, kann ich einen Song schreiben. Es ist sehr schwer zu schreiben, wenn Du vorher sagst „Hey, in einer Stunde ist er fertig!“ Da hängt mehr dran. Du darfst nicht zu viel darüber nachdenken. Du musst Dich entspannen. Die Inspiration kommt von allein.

Würdest Du Dich als Singer/Songwriter bezeichnen?

Ich finde, das passt ganz gut.

Ich war mir nicht sicher, weil Du viele Synthesizer benutzt und ich auch gelesen habe, dass Du Justice und Daft Punk magst. Entschuldige bitte, aber ist das nicht ein bisschen komisch?

(grinst) Ist schon ok. Na ja, Du musst wissen, dass ich begonnen habe Gitarre zu spielen, als ich mich für Nirvana und Metallica interessiert habe. Dann kamen Johnny Mitchell und Elton John. Ich mag gutes Songwriting, aber ich mag auch eine harte Bass-Drum und massiven Electro. Ich versuche das beides zu verknüpfen: Songwriting und Electro.

james-yuill-interview-03Findest Du überhaupt noch die Zeit Konzerte von Daft Punk oder Justice zu besuchen?

Daft Punk habe ich noch nie, Justice aber schon ein paar Mal gesehen. Ich war letztes Jahr auf einigen Festivals und konnte mir ihr Set ansehen. Leider kann ich nicht so viele Konzerte besuchen, wie ich gern würde, weil ich selber so oft spiele. Und wenn ich mal wieder zu Hause bin, verbringe ich meine Zeit lieber damit, mal wieder etwas Anderes zu tun.

Bist Du gern auf Tour?

Um ehrlich zu sein, nein. Ich bin kein großer Fan davon, denn ich mag es zu Hause zu sein und Songs zu schreiben. Das ist auch, was ich tue, wenn ich nicht auf Tour bin. Ich mag mein Heim.
Allerdings mag ich auch bestimmte Aspekte des Tour-Lebens. Neue Orte kennen zu lernen ist schon cool, aber schade ist, dass ich gar keine Zeit habe, mir die Städte richtig an zu sehen. Wie zum Beispiel Hamburg. Kaum bin ich hier, muss ich auch schon wieder weg und habe nichts von Hamburg gesehen.

Aber Du magst es auf Reisen zu gehen?

Ja, ich mag es zu reisen. Aber ich bin lieber zu Hause und mache Musik.

Du warst schon einmal mit The Rakes auf Tour durch Deutschland…

…das war eine gute Zeit. Wir waren in drei Städten: In Hamburg, Berlin und Köln. Ich bin sehr dankbar dafür, diese Chance gehabt zu haben mit The Rakes auf Tour zu gehen.

Was denkst Du speziell über die Musik-Szene in London?

In London passiert so viel. Du bist wirklich überlastet und kannst gar nicht alles wahrnehmen. Ich habe einen kleinen Freundeskreis, in dem alle in Bands spielen und die ich mir auch oft ansehe. Allerdings laufe ich nicht wirklich durch die Gegend und suche nach neuen Bands. Ich mag Bands, die ich wirklich dauerhaft gerne höre.

Und Du konzentrierst Dich wahrscheinlich auch stark auf Deine eigene Musik.

Auf jeden Fall. Seit dem ich diese vollzeit betreibe, bin ich sehr beschäftigt, was auch toll ist. Aber ja, ich muss viel remixen und neues eigenes Material. Nebenbei mache ich auch viel PR-Arbeit…

…und jetzt sitzt Du hier mit uns und machst das Interview.

Das ist nicht schlimm. Ich freue mich immer, wenn Leute daran interessiert sind, mit mir darüber zu sprechen, wie ich in meinem Schlafzimmer gesessen und das Album geschrieben habe. Es ist toll in Hamburg jemandem gegenüber zu sitzen und mit ihm darüber zu sprechen. Das mag ich.

james-yuill-interview-04Kennst Du Shitdisco?

Ja.

Die haben mal in einem Interview gesagt, dass sie sich als Personen nicht so sehr, ihre Musik dafür aber äußerst ernst nehmen. Trifft das auch auf Dich zu?

Ich denke, dem kann ich zustimmen. Ich bin lustig und lege nicht viel Wert darauf, wie ich mich selber darstelle. Mein Manager schon. Die Musik ist ehrlich gesagt sehr wichtig.

Aber da gibt es auch genau gegensätzliche Charaktere in der englischen Musikszene. Was hältst Du von Oasis?

Ich bin kein großer Fan von Oasis. Nicht nur, weil viele denken, dass sie arrogant seien.

Aber das ist was ich erwähnen wollte.

Das sie arrogant sind? Vielleicht hängt das damit zusammen, wie manche Menschen anfangen. Sie schienen direkt an die Spitze zu schießen und wollten eventuell nicht darüber nachdenken, was sie vorher gemacht haben. Das hat wohl mit ihrem Ego zu tun.

Noel Gallagher hat gesagt, dass er nicht wisse warum er nervös sein sollte, bevor er auf die Bühne gehe, schließlich sei er gut. Bist Du nervös?

Oh ja, ich bin sehr nervös, weil ich nicht gut bin…Da sind viele Sachen, die schief gehen können.

Weil Du auf Dich allein gestellt bist?

Ich genieße es sehr live zu spielen und die Synthesizer zu bedienen, aber zu singen und nebenbei Gitarre zu spielen ist, glaube ich, mein Schwachpunkt.

Wie ist es dann für Dich, auf Festivals vor tausenden von Menschen zu spielen?

Na ja, vielleicht nicht vor tausenden. Ich spiele Festivals, ja. Ich weiß nicht warum, aber meine Auftritte sind kopfmäßig nie einfach für mich.

Und was können wir für heute Abend erwarten?

Einen viel härteren Auftritt, als die Lieder auf der CD vermuten lassen. Ich habe viele meiner Songs geremixt. Ihr werdet wahrscheinlich nicht das erwarten, was nachher passieren wird.

Trotz der der vorherigen Ankündigung, ein für uns unerwartet Konzert darzubieten, schafft es der Engländer dennoch uns darüber hinaus zu überraschen. Auf der Bühne kleidet Yuill vornehmlich die Songs seines aktuellen Albums „Turning Down Water For Air“ in ein tanzbares Gewand. Wie versprochen, ein immenser Kontrast zu den Klängen seiner Platte, was allerdings keinesfalls negativ zu werten ist. Sympathisch und vor allem bescheiden überzeugt der Künstler sein Publikum, so dass dieses den voranschreitenden Abend gar nicht enden lassen will. Und auch wir versuchen die Atmosphäre des Konzerts sowie die angenehme Ausstrahlung Yuills zumindest bis zum nächsten Auftritt des Engländers zu konservieren.

Den Konzertbericht findet Ihr hier.

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