José González – In Our Nature

„Feel that summer rain, It’s is on your face again.“
Schon bei den ersten Klängen auf „In Our Nature“ wird klar, dass José González sich für sein zweites Album nicht neu erfunden hat und das auch nicht musste. Auf Experimente wurde bei den Aufnahmen weitgehend verzichtet und das wird den Zuhörer freuen. Zusammen mit Keyboarder Håkan Wirenstrand, Percussionist Erik Bodin und dem Background-Sänger (und Little Dragon-Singer/Songwriter) Yukimi Nagamo ist man dem schlichten, aber eindringlichen Stil des stark bejubelten Debuts „Veneer“ treu geblieben, ohne jedoch nur einen lauwarmen Abklatsch vorzulegen.

Ab der ersten Sekunde dominieren das sanft hypnotische bis dynamisch eindringliche Akustikgitarrenspiel und die markante, aber stets etwas fern wirkende Stimme des 29jährigen Schwedens, der bis vor kurzem noch Biochemie studiert haben soll. Das mag auf den ersten Blick befremdlich erscheinen (viel zu unromantisch für einen, der so tolle Lieder schreibt!), erklärt aber vielleicht sein gutes Gespür für die richtige Chemie und die großen Zusammenhänge des Lebens.

Im Gegensatz zu „Veneer“ drehen sich die Songs auf „In Our Nature“ inhaltlich weniger um die Liebe, sondern um andere universelle Themen des menschlichen Daseins, wie Glaube oder Evolution. González selbst sagt: „Ich mag es, mit Symbolen zu spielen. Auf diesem Album wollte ich die primitiven Aspekte des Menschen herausstellen.“

Im Opener „How Low“ wird unsere auf gebrochenen Versprechen gebaute Welt kritisiert („Someday you’ll be up to your knees in the shit you seed“), in anderen Stücken immer wieder Hass und Probleme thematisiert. Im Titeltrack versucht sich González das Elend der Menschen zu erklären und kommt zu dem simplen, aber doch unheimlich wahren Schluss, dass allein in unserer Natur liegt…

Das Gitarren-Fingerpicking fließt dabei in bester Nick Drake-Manier nur so dahin, wechselt immer wieder die Richtung und entfaltet eine unheimliche Komplexität, der man erst nach mehreren Hördurchgängen richtig gewahr wird.

Aus dem großen Repertoire an bereits auf Konzerten dargebotenen Coverversionen hat der Göteburger eine Interpretation von Massive Attacks „Teardrop“ auf die Scheibe gebannt. Das Stück wurde dabei nicht nur in das schlicht und ergreifende akustische González’sche Gewand gehüllt, das dem Joy Division-Klassiker „Love Will Tear Us Apart“ (veröffentlicht auf der „Australian Tour EP“) oder „Heartbeats“ von The Knife schon gut stand, sondern bekommt gerade durch die minimalistische Direktheit eine ganz besondere Intensität verliehen. „Teardrop“ fügt sich perfekt in die Umgebung des restlichen Albums ein und klingt so roh emotional und hypnotisch als wäre es nur für oder von ihm gemacht.

Auch wenn sich die Klänge von José González wegen ihrer leisen Schlichtheit schnell als Hintergrundmusik abtun lassen können, wäre es ein Vergehen, nicht genauer hinzuhören.

Die Gesamtstimmung des Zweitwerks ist ernster und düsterer geworden, sowohl Texte als auch die Dynamik der Melodien und Rhythmen bissiger und ausgefeilter. Die eigentliche Vielschichtigkeit der Stücke auf beiden Ebenen erschließt sich erst mit der Zeit. Bei jedem Hören entdeckt man neue Feinheiten und Assoziationen, die dieses wunderbare Album sicherlich zu einem treuen Begleiter jedes Indiefolk-Freunds durch Herbst und Winter machen werden.

„Don’t let the darkness eat you up“ (“Down The Line“) [freda]

VÖ: 28.09.2007
Label: Peacefrog / rough trade
Website: http://www.jose-gonzalez.com
Hörproben: http://www.myspace.com/josegonzalez

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