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Lambchop – OH (ohio)

In letzter Zeit erregen Musiker mehr mit ihren innovativen bis verzweifelten Marketingstrategien Aufmerksamkeit, als mit dem was sie damit unters Volk zu bringen versuchen. Für ihr zehntes Album „OH (ohio)“ bedient sich das ständig wechselnde Alternative Country-Kollektiv um Kurt Wagner einer schon fast rückschrittlichen Methode. Anstatt ihre Musik digital zu verschleudern, besinnen sich Lambchop auf die – klingt seltsam – gute alte Compact Disc, die diesem Monat für einen geringen Aufpreis dem deutschen Rolling Stone als Gimmick beiliegt. 

Gerade mal 1 Euro 40 beträgt der Aufpreis zur regulären Ausgabe. Nicht gerade viel Geld für die niegelnagelneue Scheibe einer respektablen, in Hochzeiten aus bis zu 18 und bei der Aufnahme elf Mitgliedern bestehenden Band. Dahinter verbirgt sich eine vom City Slang-Labelmanager Christof Ellinghaus initiierte Jubiläumsaktion, der zum zehnten Album und zu Kurt Wagners 50. Geburtstag fand, dass Lambchop dringend von noch mehr Menschen gehört werden müssten – und damit den Handel verärgerte.

Doch zur Musik. Für die Produktion von „OH (ohio)“ hat sich Mastermind Kurt Wagner etwas ganz Schlaues ausgedacht: „I figured by using the two best producers in Nashville I could probably get a good album“. Damit gemeint sind  Mark Nevers (Andrew Bird, Will Oldham) und diesmal auch Roger Moutenot (Yo La Tengo, Sleater Kinney, Sven Regener), mit denen man natürlich nicht viel falsch machen kann. Über die unterschiedlichen Ausarbeiungen der beiden kann man sich dann auf einer Bonus CD Gehör verschaffen – die gibt es allerding nur im Fachhandel.

Zwei Jahre nach dem düsteren „Damaged“ vermischt „OH (ohio)“ minimalistischen Countryfolk mit warmem Soul und Jazz, der dominiert von akustischen und elektrifizierten Gitarren und Orgel, mit sanftem Schlagzeug und leichter Orchestrierung warm und behaglich und stellenweise sogar regelrecht beschwingt („Popeye“ oder „Sharing A Gibson With Martin Luther King Jr.„) klingt. Auf den meisten der elf Stücke besinnen sich Lambchop jedoch in gewohnt sanfter Gelassenheit wieder auf klassisches Songwriting. Die manchmal einen Tick zu gemütlichen Melodien schmiegen sich dabei perfekt um die manchmal einen Tick zu monotone unverwechselbare tiefe, brüchige Stimme Wagners, der refrainlos seinen Blick auf die kleinen Dinge des Alltags mit uns teilt und auf „Slipped Dissolved And Loosed“ interessant von einer klaren Frauenstimme ergänzt wird.

I don’t believe in superstars, organic food or falling cards, I don’t believe the price of gold, the certainty of growing old („I Believe In You“)

Die Stücke auf “OH (ohio)” bieten vor allem eine gewisse Intimität und eine Sicht auf die Welt, die sich auch im Cover-Bild spiegeln. Das stammt von Michael Peed, einem ehemaligen Professor Wagners, der die dazugehörige Serie mit “Chaos and Tranquility” umschreibt. Maxime, die sich auch irgendwie in der Musik der Lammkoteletts wieder finden. Kurzum eine Platte der manchmal aufbrausenden Ruhe, die selbst an den stürmischsten Herbsttagen noch ein paar goldene Moll-Sonnenstrahlen durch die Lautsprecher schickt.

Perhaps this singing is a refuge From other equal uncomfortable thoughts („National Talk Like A Pirate Day“)

VÖ: 04.10.2008

Zur Veröffentlichung beehren uns Lambchop mit einer Europa-Tournee. In welcher Konstellation ist noch nicht bekannt, doch selbst wenn Herr Wagner alleine auf der Bühne sitzen sollte, kann es nur großartig werden. Hier die Tourdaten:

  • 20.10.08 – A-Ebensee, Kino
  • 21.10.08 – A-Wien, Gasometer
  • 22.10.08 – A-Graz, Orpheum
  • 23.10.08 – D-Nürnberg, Löwensaal
  • 24.10.08 – CH-Zürich, Rote Fabrik
  • 26.10.08 – B-Brüssel, Ancienne Belgique
  • 27.10.08 – D-Frankfurt / Main, Mousonturm / Studio
  • 28.10.08 – NL-Utrecht, Tivoli
  • 05.11.08 – L-Dudelange, CC op der Schmertz
  • 06.11.08 – NL-Deventer, Burgerweeshuis
  • 07.11.08 – D-Dortmund, Konzerthaus Dortmund
  • 08.11.08 – CH-Luzern, Schüür
  • 09.11.08 – D-München, Amerikahaus
  • 10.11.08 – D-Heidelberg, Halle 02
  • 11.11.08 – CH-Basel, Volkshaus
  • 12.11.08 – D-Dresden, Alter Schlachthof
  • 13.11.08 – D-Leipzig, Conne Island
  • 14.11.08 – PL-Warschau, Fabryka Trzciny
  • 15.11.08 – D-Berlin, Passionskirche
  • 16.11.08 – D-Hamburg, Fabrik
  • 20.11.08 – S-Malmö, KB
  • 21.11.08 – S-Göteborg, Sticky Fingers
  • 22.11.08 – S-Stockholm, Berns
  • 23.11.08 – N-Oslo, Chateau Neuf
  • 24.11.08 – E-Barcelona, Palau de la Musica

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