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Marching Band – Spark Large

mb_coverHoch auf dem mit Lichterketten beschmückten Turm zu Babel prangert ein pinker Glühbirnenschriftzug, während nebenan eine Ballerina auf dem Rücken eines Gentleman mit Zylinder und Giraffenkörpers tanzt und sich im Vordergrund eine knapp bis gar nicht bekleidete Schönheit auf einem roten Ledersofa in Position räkelt – Mit ihrem Debütalbum „Spark Large“ zeigen Marching Band aus Schweden nicht nur eine Neigung zu experimentellen Collagen, sondern beweisen auch das Ausreichen der Zweisamkeit.

Zwei Fahrräder, ein Laptop, drei Mikrofone und einen schamlosen Gebrauch von Instrumenten anderer Leute„. In diesen Dingen sehen Erik Sunbring und Jacon Lind das funktionierende Rezept einer Marching Band Platte, das schon seit einigen Jahren Bestand hat. Bereits 2004 begann das Duo während ihrer Studienzeit die Liebe zur Musik entdecken, zogen zusammen in eine Wohngemeinschaft und begannen gemeinsam Musik zu machen. Anfangs wurde noch unter dem Bandnamen Second Language zwei EPs veröffentlicht bis sie sich 2007 dazu entschieden, sich von nun an Marching Band zu nennen und sich mit einer dritten EP im Gepäck zusammen mit Harris Tweed – aktuell unter dem Namen Dear Reader aktiv – auf eine dreiwöchige Tour durch Südafrika zu begeben.

Nach einem weiteren Jahr waren dann endlich genügend Eindrücke und ausreichend Erfahrungen für ein ganzes Album gesammelt, sodass Mitte 2008 das von Adam Lasus (Clap Your Hands Say Yeah, Yo La Tengo) produzierte Debütalbum „Spark Large“ den Weg auf den internationalen Musikmarkt fand. Wie üblich traute sich in Deutschland keine Plattenfirma so richtig an die Veröffentlichung, weshalb es noch ein paar Monate dauerte bis sich das Haldern Pop Recordings-Label der Marching Band annahm und das Album nun auch hier zu Lande veröffentlicht.

Direkt zu Beginn der subjektiven Meinungspräsentation: „Spark Large“ ist ein Album, dem man jede Zeile glaubt, weil man gar nicht anders kann. Schon beim ersten Lied „For Your Love“ ist man gefangen in diesem Kosmos aus den harmonischen Gesängen des Duos über die kleinen Geschichten des Lebens unterlegt mit der locker leichten Popinstrumentation inklusiver diverser musikalischer Extras wie Steel Pans oder Marimbas. So klängen Flight of the Conchords, wenn sie aus Schweden kommen würden und vom Medium Television noch nie etwas gehört hätten.

Den besten musikalischen Vergleich kann man aber zum Heimatkollegen Loney, Dear ziehen, denn auch wie Emil Svanängen machen Marching Band ehrliche Popmusik, die man gar nicht in die Schublade „Indie“ sperren will, um den elitären Beigeschmack zu vermeiden. Natürlich fällt es heutzutage immer wieder schwer zu glauben, dass dort Musiker sind, die es nicht darauf anlegen große Helden zu werden, doch spätestens bei „Sparkle„, dem letzten Lied des Albums, kann man gar nicht mehr anders:

Will I get very far with my voice and guitar
Being a well drunken boy from the back of a car
Wasting all of my life on a hope that you’ll find
something valuable, something one of a kind
Making friends on the way to seduce and dismay
When I get to the top, it’s a desolate place
And the line that I walk, it is paved with emery

Mit welcher Leichtigkeit Erik Sunbring und Jacon Lind es hier schaffen auf der Länge der gesamten Platte zu überzeugen, ist wenig mit den normalen Grenzen der Sympathie oder den Gesetzen der Popmusik zu erklären, als vielmehr durch den speziellen schwedischen Charme des Duos, der einen aus jedem Ton heraus anlächelt und umarmt. Keine Freundschaft auf Bierebene, sondern eher vergleichbar mit einer Dead Poets Society, in der man sich gegenseitig austauscht, inspiriert und emotional bewegt, ohne dabei unbedingt sein Können unter Beweis stellen zu müssen. Kunst um der Kunst willen. Und das alles zuckersüß und unschuldig wie die Gesichter kleiner Kinder vor einer Konditorei, wenn die Münder und Augen an der Schaufensterscheibe kleben, hinter der sich all die begehrenswerten Gebäckstücke und Tortenkreationen verbergen. Harmonie in Reinform oder viel eher Harmonie in wahr und echt – mit Zuckerguss und der Kunst auf ihrer Seite.

Wer sich auch über die Livequalitäten der beiden Schweden ein Urteil bilden will, hat dazu Mitte April Gelegenheit. Zusammen mit den großartigen Hjaltalín und Wildbirds & Peacedrums spielen Marching Band im Rahmen der Haldern Pop Clubtour 2009 an folgenden Terminen:

13.04. Hamburg, Molotow
14.04. Leipzig, Centraltheater
15.04. Berlin, Prater
16.04. Wien, Chelsea
17.04. Erlangen, E-Werk
18.04. Heidelberg, Karlstorbahnhof
19.04. Haldern, Jugendheim

Nähere Infos unter haldern-pop.de


„Spark Large“ erscheint am 27. März 2009 auf Haldern Pop Recordings.

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