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Sam Vance-Law, Foto: Pressebild/ Konrad Schmidt

Sam Vance-Law | 26.10.2018 | Lido, Berlin

Der Herbstwind weht die losen Blätter von den Bäumen und die Nachtschwärmer in die Clubs hinein. Es ist Freitagabend und das Wochenende liegt da wie ein weißes Blatt Papier. Für die, die ins Lido ziehen, wird es bunt beginnen. Der Kanadier Sam Vance-Law ist mit seinen Songs vom Album „Homotopia“ unterwegs und macht natürlich auch Halt in seiner Wahlheimatstadt Berlin.

Als Support steht heute Alex the Astronaut auf der Bühne – eine junge Australierin, die eigentlich Alexandra Lynn heißt. Der Künstlername kommt nicht von ungefähr, ihr Interesse für Wissenschaft ist durchaus real. Sie hat in New York ihren Abschluss in Physik gemacht und  darf für das australische Science-Magazine Cosmos sogar Alexander Gerst interviewen – einen echten Astronauten.

Ihre Songs sind allerdings sehr weltlich. Sie handeln von Zweifeln, davon, dass sie mit 16 Jahren feststellte, dass Jungs zu küssen nicht ihr Ding war, von dem Gefühl, ihr erstes Konzert zu spielen und sich wie ein Rockstar zu fühlen, von Sydney und New York, vom Reisen und Ankommen. Das alles verpackt in catchy Indiesongs, die sie mit ihrer Gitarre begleitet und unterhaltsam mit kleinen Geschichten aneinander reiht.

Sam Vance-Law ist fast zufällig ins Pop-Genre geraten. Zum Glück muss man sagen, denn mit seinem Debütalbum „Homotopia“ ist ihm etwas gelungen, wonach man bisher vergeblich suchen musste – nämlich Leichtigkeit in die Thematik zu bringen, Popsongs aus schwuler Perspektive zu schreiben, die einfach Spaß machen. Es geht los mit „Let´s get married“, gefolgt von Narcissmus 2.0„, in dem er ironisch und auch ein bisschen selbstverliebt davon singt, dass er schon mit sich selbst schlafen würde, wenn … ja, wenn er ein bisschen jünger, klüger und freundlicher wäre. Er steht auf der Bühne als hätte er nie etwas anderes gemacht, was auch stimmt, obwohl er eigentlich aus der Klassik kommt. Natürlich hat er seine Violine dabei (die er unter anderen auch bei Get Well Soon spielt) und wenn die Songs zu orchestraler Größe aufsteigen, steht er mitunter einfach nur da, wippt mit dem Fuß und dirigiert seine Band.

Er scherzt charmant mit dem Publikum und geht auch mal unter die Leute, um dann unter der rotierenden, flirrernden Diskokugel mitten im Raum zu singen. Die Besucher sind aufmerksam und erstaunlich textsicher, besonders bei „Gayby“ singen sie mit. Vor kurzem erst hat Sam Vance-Law den Preis für Popkultur in der Kategorie „Hoffnungsvollster Newcomer“ bekommen. Dafür bedankt er sich nochmal und kündigt sein nächstes Lied an, mit dem er den Deutschen auch etwas zurückgeben möchte und singt zum Vergnügen des Publikums „Eisbär“ von Grauzone. Möglicherweise hat ihn da der sehr 80er Jahre-affine Drangsal angesteckt, mit dem er befreundet ist und der ja öfter in Sams Videos auftaucht. Zum Beispiel in „Pretty Boy“, das gleich im Anschluss gespielt wird.

 

Als Sam sein letztes Lied ankündigt und bereits nach Zugaben gerufen wird, meint jemand aus dem Publikum: “Ten more!“ und Sam meint, dass ginge leider nicht, da man gar keine Zeit hat, weil direkt danach die Aftershowparty eines Porn-Festival stattfindet (das stimmte sogar) und die Konzertkarten dafür leider nicht mehr gelten. Also gibt es nur eine Zugabe mit „I´ve been drinking“ und das Publikum ist trotzdem zufrieden. Da darf man sich wohl in den nächsten Jahren auf noch mehr seiner verspielten, leichten, schubladenfreien Popsongs freuen.

Mehr Infos auf den Homepages von Sam Vance Law und Alex The Astronaut.

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