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The Cinematics // 23.06.2009 // Bang Bang Club, Berlin

thecinematicsMit seiner originellen Lage, minimalistischer Schwarzweiß-Deko und einem abwechslungsreichen Musikprogramm bietet der Bang Bang Club unter der S-Bahn am Hackeschen Markt Abend für Abend Szene-Gängern und Indie-Rockern eine gute Location. Am 23. Juni stehe ich in freudiger Erwartung vor der von außen eher unscheinbaren Eingangstür, um mir The Cinematics anzusehen. Die vier Schotten durften schon Bands wie Snow Patrol und die Editors supporten und sind seit 2007 mit ihrem Debütalbum „A Strange Education“ unterwegs.

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Viel ist kurz nach dem Einlass um neun noch nicht los im kleinen Bang Bang Club. Bühne und Bar nehmen fast ebenso viel Platz ein wie die Tanzfläche. Dafür sorgen Discokugeln und viel indirekte Beleuchtung für die richtige Atmosphäre, und die laute Musik übertönt jetzt schon die lärmende S-Bahn, von der den ganzen Abend über lediglich die Vibration beim Verlassen des Bahnhofs zu spüren sein wird.
An der Bar wird jeder Gast freundlich empfangen, der Club füllt sich erst gegen halb zehn etwas mehr und die ersten interessierten Besucher bleiben am Merchandise stehen, das gut sichtbar direkt neben dem Eingang aufgebaut wurde.

The Cinematics sind auch hier nicht unbedingt unbekannt, sondern eher ein Geheimtipp für Liebhaber des Indie-Rock.
Nach ihrer Gründung 2003 haben Scott Rinning, Ross Bonney, Ramsay Miller und Adam Goemans bereits relativ schnell Erfolge in den USA und Großbritannien verbuchen können – kein Wunder: die Einflüsse der Band als Wurzeln ihrer Musik liegen mit The Clash und den Talking Heads genau dort.

img_8872klein1Simon Barnicott und Stephen Hague, die als Produzenten Bands wie die Arctic Monkeys, Blur oder New Order auf der Liste haben, nahmen sich des Debütalbums „A Strange Education“ an, das 2007 erschien. Neben ausgiebigen Support-Jobs (Snow Patrol, die Editors, We Are Scientists, Bloc Party…) war damit dann auch der Grundstein für die Teilnahme an der Jägermeister Rock:Liga gelegt, die The Cinematics um diese Zeit nach Europa und in die Ohren begeisterter Zuhörer brachte.
Nach einem Gitarristen-Wechsel von Herrn Miller zu Larry Reid ist gerade erst die zweite Platte im Kasten, die schon im Oktober in Deutschland erscheinen soll – und natürlich werden Konzerte gespielt.

Um zehn Uhr, als die Band beginnt, ist der Club beinahe bis auf den letzten Platz gefüllt und der zeigt sich, leider, als hässlicher Halbkreis vor der Bühne. Dennoch ist gute Stimmung spürbar. Die Musik ist laut und mitreißend, besonders die Bühnenpräsenz von Sänger Scott scheint fast zu groß für die kleine Bühne. Hinten wird getanzt, vorne wird… schüchtern, aber exzessiv mitgewippt.
Leider ist die Setlist mit insgesamt zwölf Songs doch sehr kurz gehalten.
Neben den bekannten Hits ihres Debütalbums (z.B. „Keep Forgetting“ und „Break“) finden zwar auch Ohrwürmer wie „Wish“ und, vor allem, neue Stücke darauf Platz („Love And Terror“ wird nicht nur neue Single, sondern auch Titel des neuen Albums) – dennoch ist schon nach neun Songs Zeit für die Zugabe, die ohne viel Aufhebens gleich auf das reguläre Set folgt.

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Die Cinematics überzeugen mit der Energie hinter ihren Stücken. Man versucht erst gar nicht, den viel zu kurzen Auftritt durch lange Anekdoten zu strecken. Die Authentizität und Spielfreude der vier Schotten fesselt zwar, ist aber längst nicht genug, denn in der Kürze der Zeit will der Funke nicht so recht überspringen und am Ende sind die Leute verunsichert, warten lange auf die Zugabe, die leider nicht mehr kommt.
So zerstreut sich die Menge danach auch ziemlich schnell und Konzertbesucher machen den Clubgängern Platz.
Einige lassen draußen ihrer Enttäuschung freien Lauf und meckern auf dem Weg zur Bahn noch über den Ticketpreis von 10 Euro, der sich doch nicht so richtig gelohnt hätte.

Lohnenswert ist es aber auf jeden Fall, The Cinematics live zu sehen. Die Schotten haben durchaus musikalisch ihren Weg gefunden und beweisen auch auf der Bühne Können und Selbstbewusstsein. Bei ihrer nächsten Stippvisite in Deutschland im September haben sie dann ja nicht nur ein neues Album im Gepäck, sondern auch viel mehr Zeit, den Leuten zu zeigen, wo der Hammer hängt. Hoffentlich.

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