Titelbild Daughter live

Daughter | 09.10.2016 | Täubchenthal, Leipzig

Wenn die dunkle Jahreszeit hereinbricht und mit ihr die Melancholie ins Haus fällt, ist ein Daughter-Konzert im Täubchenthal zu Leipzig genau das Richtige. Denkt man und ist letztendlich überrascht, dass man nicht in trauriger Sehnsucht, sondern tanzenden Fußes nach Hause läuft.

Ausverkauft war das Täubchenthal und das war kaum ein Wunder, schließlich feierten Daughter 2013 mit ihrem Debüt „If You Leave“ große Erfolge und legten erst Anfang des Jahres ihr zweites Album, „Not To Disappear“, nach. Von ihrem Erstling war man sanfte, beinahe zerbrechliche Töne der Sängerin Elena Tonra gewöhnt, der sich Gitarre und Schlagzeug anschlossen. Unterm Strich ergab das schwermütige, von gescheiterten Beziehungen, vergebener Liebesmüh‘ und Weltschmerz erzählende Tracks – „Youth“, „Still“ oder „Smother“, um nur einige zu nennen. Das Image würden Daughter an diesem Abend allerdings noch – zumindest teilweise – ablegen.

Zunächst aber betrat Dan Croll die Bühne, der Daughter während ihrer Europa-Rundreise begleitet. Bekannt ist der 26-jährige Singer-Songwriter aus Liverpool durch Songs wie „Compliment Your Soul“ oder „From Nowhere“ – beide auf seinem ziemlich überzeugendem Debüt „Sweet Disarray“ erschienen. An diesem Abend erscheint Dan Croll, der erzählt, gewohnt ist, allein auf der Bühne zu stehen, zusammen mit Unterstützung an Bass und Synthesizer. Gut so, denn seinen Songs wie beispielsweise seiner neuen Single „Swim“ gibt das noch mehr Drive. Die halbe Stunde, die der sympathische Dan Croll nur spielt, ist deshalb im Nu rum.

Eine halbe Stunde später betreten Daughter die Bühne – zu viert, denn neben Elena Tonra, Igor Haefeli (Gitarre, Synthies) und Remi Aguilella (Drums) ist auch das Keyboard besetzt. Und es geht gleich in die Vollen, ruhige und sanfte Töne, die man von „If You Leave“ in Erinnerung hat, bleiben erstmal außen vor. Stattdessen wird der Saal des Täubchenthal mit deepen Gitarrenriffen, eindringlichen Drums und dem sphärischen, weiterhin herzzerreißend schönem Gesang Elena Tonras beschallt.

Daughter live

Dabei bekommen altbekannte Songs ein neues, shoegazigeres Gewand und sind fast nur noch an den Lyrics zu erkennen – „Smother“ oder „Landfill“ beispielsweise. Auch Songs der neuen Platte, bei denen es eigentlich bisher nicht so richtig „Klick“ machen wollte, gehen ins Herz und ins Bein – vorne an das wunderbare „How“. Auch das für Daughter so untypische „No Care“ überzeugt und gehört als plötzlicher Stilbruch zugleich zu einem der großartigsten Momente des Abends.

Nur noch großartiger ist „Youth“, auf das man nur gewartet hatte. Für einen Moment kehrt die erwartete Melancholie ein, als der versammelte Saal „And if you’re still breathing, you’re the lucky ones / ‚Cause most of us are heaving through corrupted lungs“ singt und endlich etwas Liebeskummer-Stimmung einkehrt.

Nach zwei Zugaben verlässt Daughter schließlich nach langen, aber nicht langwierigen anderthalb Stunden die Bühne und hinterlässt freudig-zufriedene Gesichter. Insbesondere auch, weil die Band – allen voran Elena Tonra – zum Ende hin auftaut, über kleinere technische Probleme hinweg scherzt und sichtlich Freude an dem (wie immer) sehr aufmerksamen Leipziger Publikum hat. So viel Freude, wie das Publikum an ihnen und an den mehr als großartigen Lichteffekten des Abends hat.

Ein wunderbarer Sonntagabend. Punkt.


Fotos: privat

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