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Fettes Brot // 19. November 2008 // Stadthalle Göttingen

Fettes BrotSeit vergangener Woche sind Fettes Brot auf ihrem zweiten Teil der „Strom und Drang„-Tour und machten am Dienstag zum vierten Konzert Stop in Göttingen. Gerade wurde das Hamburger Trio bei den MTV Europe Music Awards 2008 trotz der harten Konkurrenz wie Die Ärzte oder Sido zum ‚Besten Deutschen Act‘ gewählt. Ein guter Grund Boris, Björn und Martin mal wieder live unter die Lupe zu nehmen.

Die Göttinger Stadthalle besticht von innen durch ihre großzügige Holzvertäfelung. Generell nicht so wirklich der Ort für laute Konzerte, eher für Sitzveranstaltungen, die auf dem Terminkalender der Stadthalle etwa 90 Prozent ausmachen. Auch schön: Die antiken Poster im Foyer, die schon leicht vergilbt von den Sternstunden der Stars der Stadthalle erzählen. Aber wer will sich schon beschweren: Hauptsache Fettes Brot sind da! Schließlich gibt es seit Schließung des Outposts vor einigen Jahren in Göttingen eine gute Konzertlocation weniger, was zur Folge hat, dass entweder nur ganz kleine Bands vorbei kommen, oder ganz große, die dann in der Lokhalle spielen dürfen.

Richtig voll ist der Saal nicht, aber gut gefüllt. Fettes Brot werden auf ihrer Tour abwechselnd von zwei Vorbands unterstützt, Johanna Zeul und Vincent van Go Go. An diesem Abend stehen letztere zu dritt anstatt zu fünft vor dem schweren, roten Vorhang im hellen Licht. Die Band kommt aus Kopenhagen und ihre Musik? Ja, das ist schwer zu beschreiben. Reggae mit treibenden Beats vom DJ, Gitarrensoli und hämmerndem Schlagzeug. Dazu gibts ab und zu Sprechgesang und Elektro-Spielereien. Ungewöhnlich, aber es gefällt. Nicht nur mir, auch dem Rest des Publikums, die sich spätestens beim letzten Song „Handclaps“ mitreißen lassen haben in die Hände zu klatschen und laut „Vincent Van Go Go“ zu rufen.

Fettes Brot Fettes BrotUnd dann wird der rote Vorhang zur Seite gezogen und der Blick auf die überschaubare Bühne frei gegeben. Kurze Zeit später kommt die Band, danach die Brote in einer lustigen Kleiderwahl: Oben tragen sie edelsten Zwirn, (in dem sie im Laufe des Abends bestimmt schön geschwitzt haben), Pullover, Westen, Hüte und untenrum schicke Adidas Jogginghosen. Ein erster Beweis, dass man Fettes Brot nicht so ernst nehmen sollte und sie das selbst wahrscheinlich auch nicht tun. Opener des Abends ist „Lieber verbrennen als erfrieren„. Zur Begrüßung weisen die Herren auf das letzte Konzert in Göttingen in 2005 hin. „Habt ihr eigentlich noch eure Fliese (aus dem Foyer) vom letzten Mal?“ „Ich nehm mir nachher eine neue mit„, antwortet Björn. Nach „Schieb es bitte auf die Brote“ folgt gleich „Bettina“ und das Publikum dreht das erste Mal voll auf. Sowieso ist das Publikum sehr folgsam, geht immer mit und singt alle Texte aus voller Kehle. Da waren Kenner – nicht nur der Hits – vor Ort!

Besonders toll erweisst sich der „Automatikpistole – Soll das alles sein – Ich lass Dich nicht los – An Tagen wie diesen„-Block kurz vor der ersten Zugabe. Zusammen mit Pascal Finkenauer zaubern Fettes Brot eine ganz einnehmende Stimmung, geprägt von Wut, Melancholie und Herzschmerz. Im Anschluss folgt noch „Amsterdam„, die B-Seite der „Ich lass Dich nicht los„-Single, die sich perfekt ins Live-Gebilde einfügt.

Im großen und ganzen war die Setliste sehr „Strom und Drang„- und „Am Wasser gebaut„-lastig und sie Unterschied sich nicht sehr von denen der Festival-Shows. Was aber nichts ausmacht denn ich für meinen Teil bin immer noch geflasht wie gut die ganzen Lieder mit der Liveband klingen. „Können diese Augen lügen“ etwa (was sie nicht bei den Festivals gespielt haben), wird im Refrain fast so wild wie ein Punk-Stück. Der Staub der letzten Jahre ist mit einem Mal verflogen und 1996 klingt wie freshtes 2008. Um mal die Worte der Brote zu nehmen:

Wir sehn gut aus wie immer, ihr seht gut aus wie immer
Wohin man guckt nur coole Macker, heiße Frauenzimmer
Alles genau wie immer
Und es ist jedem hier klar, das wird niemals aufhörn
Ihr seid im Haus, wie immer. Wir sind im Haus, wie immer
Und heute Abend brennt die Luft, dass euch die Augen flimmern
Alles genau wie immer
Und es ist jedem hier klar, dass wir jedes Haus burnen

Um mal einen Tipp abzugeben, was die Brote als nächstes veröffentlichen sollten: Eine Live Platte. Wahlweise auch eine Live-DVD, oder gerne auch Beides!

Setlist – Göttingen 19. November 2008 Fettes Brot Fettes Brot
Lieber verbrennen als erfrieren
Schieb es bitte auf die Brote
Bettina – Remix
1€ Blues
Ich hasse das
Die meisten meiner Feinde
The Grosser
Emanuela
Da draußen
Lauterbach
Können diese Augen lügen
Welthit
Das allererste Mal
Trotzdem
Automatikpistole
Soll das alles sein
Ich lass Dich nicht los
An Tagen wie diesen
Amsterdam
Hörst Du mich
————
Erdbeben
Wie immer
Kontrolle
Rock Mics
————
Jein
Schwule Mädchen

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