Finn Grenall live | Foto: Anna Stumpe

Fink | 29.11.2017 | Felsenkeller, Leipzig

„Am I Vintage?„, fragt Fink in einem seiner neuen Songs „Not Everything Was Better in The Past“. Eigentlich meint er etwas Anderes, nämlich, ob es schon Retro ist, wenn man in der Berliner U-Bahn sitzt und liest oder Musik hört, statt auf Smartphones zu starren. Auf der Tour zur LP „Resurgam“ beweist er nicht unbedingt nur das Gegenteil – aber das ist gut so.Ohne große Umschweife betritt Finian Grenall mit seiner Band die Bühne des Leipziger Felsenkellers. Keine Vorband, vermisst man auch nicht. „Warm Shadows“ ist der erste, den Takt des Abends vorgebende Song, denn über zwei Stunden lang fühlt man sich wie in eine warme, weiche Decke geschmiegt. Passend dazu: Die Minusgrade draußen, das historische Gewölbe des Felsenkellers, die imposaten Kronleuchter und das Lichtkonzept der Band, das zwischen tiefen Rot- ud Blautönen und an einer an einen Sternenhimmel erinnernde Beleuchtung wechselt.

Fink live in Leipzig | Foto: Anna StumpeAm 15. September 2017 veröffentlichten Fink ihr sechstes Studioalbum „Resurgam“ (via R’COUP’D/ Ninja Tune/ Rough Trade Records) und sind fast genau so lang damit auf Tour. Das hört man auch, denn häuptsächlich spielen Fink neue Songs, darunter die erste Single „Cracks Appear“, die Grenall nicht besser hätte ankündigen können: „The next song is about the fact that nobody’s perfect, ‚cause perfect is boring.“ Weniger mit „Cracks Appear“, als mit Songs wie „Resurgam“ oder „Godhead“ zeigt sich, dass Fink mit der neuen Platte mal wieder in eine andere, musikalische Ecke zurückkehren, die immer noch still und nachdenklich, vor allem aber folkig-bluesiger und irgendwie düsterer ist – und sich Zeit lässt. Die Tracks zögern die Klimax gern bis in die letzten Sekunden hinaus, sind daher mehr als fünf Minuten lang und ziehen einen so derart in den Bann, dass sie eine beinahe narkotische Wirkung haben.

 

Ab und an schummeln Fink einige „Classics“, wie Grenall sie nennt, unter. Auch die fügen sich in das neue Konzept ein, sind etwas funkiger, auch etwas schneller als gewohnt. Klassiker wie „Looking too closely“ oder „Yesterday Was Hard On All Of Us“, der schon nach der Einleitung „This next song is a song about somebody else“ bejubelt wird, sind und bleiben aber wunderschön und bringen den erwarteten schweren-Herz-Moment.

Zwei der Highlights des Abends sind aber Momente, in denen sich Grenall allein und mit akustischer Gitarre auf der Bühne befindet. „This Is The Thing“, erklärt er, war der erste Song, den er vor zehn Jahren nur für sich schrieb und damit entschied, selbst als Musiker auf der Bühne stehen zu wollen. Er bedankt sich dafür bei seinem Publikum und seinen Fans und kündigt an, für diese mit dieser Version sein Bestes geben zu wollen und tut es auch. Genauso wie bei „Fall Into The Light“, das er als Zugabe spielt.

„Resurgam“ ist ein Ausflug in andere musikalische Sphären, wie man es von Fink von Album zu Album bereits gewohnt ist.  Aber wenn es darauf ankommt, belassen Fink alles beim Alten: Vintage, Retro, analog. Ohne große Umschweife das Fazit eines Fink-Abends: Immer gut.

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