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Im Gespräch mit ULTRNX

ULTRNX sind die Neuen auf Audiolith Records. Die Band aus Braunschweig kam beim Hamburger Label vor kurzem unter und jetzt ist es nur noch wenige Tage hin, bis ihre Debüt-EP „The Byterockin'“ erscheint. So dachten wir, dass es passend wäre, den beiden Musikern einige Fragen zu stellen und nutzten die Chance vor ihrem Auftritt beim Reeperbahnfestival in Hamburg. Ein Gespräch über ihre kommende EP, die musikalische Vergangenheit und allem drum herum.

Ihr spielt nachher im Rahmen des Reeperbahnfestivals in der Prinzenbar. Auch letztes Jahr seid ihr hier aufgetreten, wie gefällt euch das Festival?

Ahoi Boi: Es ist großartig. Das Konzert in der Prinzenbar im letzten Jahr war einer der besten Auftritte, die wir bisher hatten. Da hat es schon ordentlich gebrannt!
Phil De Gap: Das ganze Festival ist einfach fantastisch. Ich finde es toll, was man hier für Leute kennenlernt. Es ist im Musikbereich die Kontaktbörse schlechthin.
Ahoi Boi: Und was mich im letzten Jahr beeindruckt hat hier in der Prinzenbar, ist, dass vor uns drei oder vier Indierock-Bands gespielt haben. Deshalb hatte ich etwas weiche Knie, da ich nicht wusste, wie das funktionieren soll mit unserer Electro-Musik im Anschluss. Ich dachte, sobald wir anfangen macht es ‚puff‘, die Tanzfläche ist leer und die Leute gehen woanders hin. Doch das Gegenteil war der Fall: Es war richtig voll. Und uns kannte damals ja noch kaum jemand.
Phil De Gap: Es war aber auch als Audiolith-Aftershowparty gekennzeichnet.
Ahoi Boi: Das schon. Aber wir können nicht der Grund gewesen sein, warum es plötzlich so voll war. Die Leute haben wirklich gefeiert wie Sau! Großartig, dass das nach fünf Stunden Indierock-Progamm möglich ist. Und das geht offensichtlich nur hier, ich hab so etwas vorher noch nicht erlebt!

In 2008 habt ihr den Digitalism Remix-Contest gewonnen. Könnte man sagen, dass das der Startschuss war für alles, was derzeit passiert?

Phil De Gap: Das kann man schon sagen, dass seitdem wir das Ding gewonnen haben, immer mehr Leute auf uns zukamen mit Konzert- und Remixanfragen.
Ahoi Boi: Aber es ist ja nicht so, als dass wir vorher nichts getan hätten. Unser Remix zu „Kommunizieren“ von Plemo wurde schon wohlwollend angenommen, bevor die Geschichte mit Digitalism passiert ist. Aber Digitalism hat natürlich dazu geführt, dass wir international ins Gespräch kamen, weil das ein Contest war, den viele weltweit verfolgt haben. Und das war sicherlich der Türöffner für die Bookings, die gefolgt sind. Es war für unsere damalige Bookerin einfacher, uns anzubieten, wenn man das Gewinnen des Contests erwähnen konnte.

In wenigen Tagen erscheint eure Debüt-EP „The Byterockin'“ auf Audiolith Records. Wie kam überhaupt der Kontakt zum Label zustande?

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Phil De Gap: Im Grunde genommen ist der schon seit Anfang an da. Unseren ersten Auftritt hatten wir im Vorprogramm von Egotronic. Und so kam es dann unweigerlich, dass man auch mit Lars Lewerenz Bekanntschaft macht. Man ist sich immer wieder über den Weg gelaufen und wir haben alle gemerkt, dass wir uns gegenseitig schon ziemlich cool finden. So war es dann nur sinnvoll, dass beschlossen wurde, jetzt wirklich zusammen zu arbeiten.
Phil De Gap: Uns gibt es auch erst seit Juli 2008 ungefähr. Und da war es halt wahnsinniges Glück, dass wir einen Veranstalter kannten, der uns direkt eingeladen hat, vor Egotronic zu spielen. Und wie wir Bock drauf hatten! Nur sahen wir uns dann kurz nach der Bandgründung schon vor die Aufgabe gestellt, das Ganze live auf der Bühne umzusetzen. Schnell noch ein bisschen Equipment besorgt und es einfach ausprobiert.

Aber Torsun von Egotronic kennt ihr schon länger, oder?

Phil De Gap: Nein, auch ihn haben wir an diesem Abend erst kennengelernt,
Ahoi Boi: Und das kann man ja mal erzählen, dass wir wirklich ziemlichen Bammel hatten vor dem Konzert, da wir Egotronic von der Musik her gut kannten und das für uns schon kein kleiner Name war. Dann kamen wir zum Soundcheck und hingen mit Egotronic noch im Backstage rum und ich hatte wirklich Angst, dass die das vielleicht stören könnte, dass wir uns dazusetzen und der ganze Quatsch. Aber dem war nicht so. Man traf aufeinander, es war sofort angenehm, die Stimmung war super, man ist ins Gespräch gekommen und sie waren an uns interessiert. Und da war innerhalb von fünf Minuten all die Angst vergessen, die man davor hatte…

Beim letzten Egotronic-Album hast du, Phil de Gap, dann auch deine Finger im Spiel gehabt?

Phil De Gap: Ja, genau. Ich hab die Platte gemischt, gemastered und stellenweise produziert. Und in „Ich hab Zeit“ hab ich dann auch noch Gitarre gespielt.

Was denkt ihr, wie das typische Audiolith-Publikum mit eurer Musik umgehen wird? Durch Egotronic oder Frittenbude ist man von dem Label ja eigentlich eher textlastige Musik gewöhnt.

Ahoi Boi: Audiolith ist ja ein Label, das sich nicht gern festlegt. Bands wie Clickclickdecker zeigen ja, dass in alle Richtungen Platz ist.
Phil De Gap: Aber man kann schon sagen, dass unsere Musik von der Attitüde her deutlich was anderes ist für Audiolith. Wie das angenommen wird, weiß noch niemand. Aber in letzter Zeit haben wir häufiger mal im Audiolith-Kontext gespielt, beispielsweise zusammen mit Saalschutz oder Egotronic. Und da kamen nie negative Reaktionen. Ganz im Gegenteil.
Ahoi Boi: Wir haben bis dato das Audiolith-Publikum immer zum Tanzen gebracht.
Phil De Gap: Und auf der anderen Seite sprechen wir mit unserer Musik bestimmt auch Leute an, die mit dem klassischen Audiolith-Sound à la Egotronic und Frittenbude nicht so viel anfangen können.

Also denkt ihr, es ist auch für das Label eine große Bereicherung?

Ahoi Boi: Auf jeden Fall eine Horizonterweiterung.
Phil De Gap: Aber letztendlich bleibt es natürlich noch abzuwarten, was dabei rauskommt.

Ihr seid ja eine der wenigen Bands von Audiolith, die auch international schon ziemlich bekannt geworden sind, vor allem in der Bloggerszene. Wie ist das für euch? Ihr kommt ja aus dem kleinen Örtchen Braunschweig und auf einmal geht’s in die ganze Welt…

Ahoi Boi: Braunschweig hat 260000 Einwohner! Das ist kein kleines Örtchen! Naja, das stimmt schon, vom Gefühl her ist Braunschweig eine Provinzstadt. Aber das ist ja auch das Schöne an der Zeit, in der wir leben, dass es einfach egal ist, woher man kommt. Wir machen unsere Musik am Computer und schicken die von dort aus in die ganze Welt. Wir könnten auch nach Lettland ziehen in irgendeine Blockhütte und sofern es dort einen Internetanschluss gibt, würde es immer noch funktionieren.
Phil De Gap: Wir sind beide ja auch etwas älter und machen schon eine Weile Musik. Früher hätte es ULTRNX niemals geben können. Ohne das Internet gäb’s uns nicht. Das Internet ist für uns so wichtig, dass es schon essenziell ist.
Ahoi Boi: Es gäbe uns wahrscheinlich schon, aber es würde einfach niemand Notiz davon nehmen. Das Internet ist schon eine große Hilfe. Aber um auf deine Frage zurückzukommen, wie das für uns ist: Es ist berauschend, das zu erleben! Man sitzt zuhause in seiner kleinen Stadt, die jetzt auch nicht unbedingt für musikalische Höchstleistungen bekannt ist – Und dann auf einmal festzustellen, dass es Leute in Südamerika gibt, die zu unserer Musik tanzen, sich dabei auf Video aufnehmen und das im Internet posten, ist klasse.

Ihr habt beide schon zusammen Musik gemacht, bevor ihr ULTRNX gegründet habt. Was war das für eine Band, könnt ihr da mehr drüber erzählen?

Phil De Gap: Das war so Alternative Rock, aber die Band kennt kein Mensch. Da haben wir beide Gitarre gespielt und das sogar über viele Jahre hinweg. Three Sided Life war der Name. Und da haben wir vollkommen DIY hundert CDs gemacht. Selbst CDs gebrannt, Cover gebastelt und alles Mögliche. Also so wie Ludger das derzeit auch machen! Super Projekt, übrigens… Sowas haben wir jedenfalls gemacht und auch vereinzelte Konzerte gespielt, sogar im Vorprogramm von Die Happy. Aber so richtig cool wurde das leider nie. Da waren wir kurz davor, einen Deal abzumachen und dann war ich wegen eines Hörsturzes mehrere Monate außer Gefecht. Dann ist kurz danach unser Sänger ausgestiegen, dann hatten wir eine Zeit lang eine Sängerin und man musste irgendwie wieder von vorne anfangen und so weiter und so fort. Irgendwann hatte man darauf einfach keine Lust mehr.
Ahoi Boi: Wir haben beide schon sehr lange versucht, Musik zu machen. Und das hat lange Zeit nicht funktioniert. Vor allem nicht in dem Maße, wie man sich das als Jugendlicher wünscht, wenn man sich eine Gitarre um den Bauch hängt. Das ist halt dieser Traum, Rockstar zu werden. Und das jetzt durch ULTRNX alles zu erleben, ist schon unfassbar. Auf der einen Seite hat man diese euphorischen Momente, in denen man sich wahnsinnig freut darüber, dass das wirklich gut zu sein scheint, was wir machen und dass die Leute Notiz von nehmen. Auf der anderen Seite ist man jetzt aber auch schon erfahren genug, um nicht durchzudrehen bei dem Ganzen. Es wäre natürlich super, wenn wir Porsche fahren in zwei Jahren, aber wir sind keine 20 Jahre mehr alt und wissen, dass das genau so schnell wieder vorbei sein kann.

Aber wie kam bei euch der harte Wechsel von Rockgeschichten zu elektronischer Musik?

Phil De Gap: Auf irgendeiner Party hat Ahoi Boi mir diese französischen Electro-Sachen gezeigt, sprich Justice etc. und dann war das sofort klar. Das war cooler für uns. Diese Art, zu zweit vor dem Computer Musik zu machen ist auch sehr angenehm. A: Wir können mit einer Aldi-Tüte zum Konzert gehen, während man früher hunderte Equipment-Sachen mitschleppen musste. Eine Stunde Aufbauen für eine halbe Stunde Gig… B: Früher mussten wir fünf Leute koordinieren zum Proben. Heute können wir uns einfach treffen und uns zusammensetzen. Oder auch mal nicht treffen, da jeder für sich allein arbeiten kann. Das Arbeiten ist viel bequemer.
Ahoi Boi: Nicht nur bequemer, sondern auch schneller. Jeder kann für sich herumtüfteln, Spuren können zusammengebracht oder auch gelöscht werden und das ist alles viel schneller zu machen.

[Freundin betritt den Raum und hat Kaffee in der Hand]

Ahoi Boi: Es gibt Kaffee?

Das schmeckt doch nicht, nach dem Bier.

Ahoi Boi: Oh, doch! Das ULTRNX-Szenegetränk wird eine Bier-Kaffee-Mischung sein.
Phil De Gap: In Tetrapaks!

Wie steht es eigentlich um Konzerte, bisher stehen für den Herbst nur noch vereinzelte Termine fest. Wird da eine ausgedehnte Tour folgen?

Phil De Gap: Wir haben jetzt grad erst ein neues Booking, es ist alles im Aufbau. Wir sind bei SSC aus Düsseldorf untergekommen. Das ist schon ein großer Name in der Electro-Szene. SebastiAn, Crookers, Uffie etc. sind dort auch unter Vertrag. Und es trägt schon erste Früchte, denn am 05.11. werden wir zusammen mit SebastiAn spielen! Aber was noch so kommt, wird man dann bald sehen.
Ahoi Boi: Und das ist auch schon wieder ziemlich krass, denn SebastiAn ist einer der Gründe, warum ich angefangen hab, mich für diese Musikrichtung zu interessieren. Da freu ich mich sehr drauf. Er wird wahrscheinlich einfach total nerdig eine Kippe nach der anderen rauchen und uns überhaupt nicht beachten, aber ich steh da trotzdem wie ein kleiner Junge und bewundere ihn.

Und wie sind die Pläne für die Zukunft, wenn eure EP released ist? Ist das als Vorbote für ein Album zu sehen, gibt es schon neue Songs?

Ahoi Boi: Es wird weiterhin ULTRNX Musik entstehen, aber das Album ist noch nicht spruchreif. Wir haben derzeit durch die EP noch sehr viel Kram zu erledigen und es war in der Vorbereitungszeit einfach unmöglich, sich auf neue Songs zu konzentrieren. Und desweiteren haben wir in letzter Zeit auch ziemlich viele Remixanfragen auf dem Tisch. Aber klar, wir wollen weiter an Musik arbeiten und früher oder später wird es da auch mehr geben!

Alles klar. Dann vielen Dank!

Ahoi Boi: Danke!
Phil De Gap: Dankeschön!


Hier entlang zu unserem Review zur EP „The Bytrockin'“.

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