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Saalschutz – Entweder Saalschutz

Wer an die Schweiz denkt, der denkt nicht unbedingt als erstes an elektronische Musik. Das war zumindest der Fall, bevor es Saalschutz gab! Die Audiolith-Urgesteine haben eine ganze Weile nichts von sich hören lassen. Das letzte Album „Saalschutz Macht’s Möglich“ erschien 2006. Doch jetzt ist es wieder an der Zeit für finest Ravepunk made in Zürich. Sie sind zurück und bringen „Entweder Saalschutz“ mit.

Und es ist so, als wären sie niemals weg gewesen. DJ M T Dancefloor und Flumroc haben neue Musik aufgenommen, die nahtlos an die Vorgängeralben anknüpft und den Charme nicht vermissen lässt. Niemand sonst könnte sich ein unerträgliches Fiepen als Intro und ein ausschweifendes Shakehands als Outro erlauben. Bei Saalschutz wirkt einfach alles authentisch, was sie anpacken.

Da machen auch die Tracks zwischen Intro und Outro keine Ausnahme. Songs wie „Ravepunk für eine bessere Welt“ oder „The Anthem“ sind handfeste Electro-Kracher, die genau so klingen, wie man es vom Label Audiolith liebt. Doch wären Saalschutz nicht Saalschutz, wenn sie nicht auch davon abweichen würden. Eines der Highlights des Albums ist „Honi soit qui mal y pense“, das ebenso elektronisch ist, aber mit einem wahren Balladen-Refrain auftrumpft. Auch vor Songs über Liebe schrecken Saalschutz nicht zurück! Ganz gegensätzlich geht es aber bei „In Deiner Nähe sein“ vor sich. Man ist kurz etwas erschrocken, als rasende Metal-Gitarren den Song einläuten, doch danach werden wieder die Synthesizer ausgepackt. Die wohl witzigste Idee des Albums ist „Die Welt wär schöner“, das einen ratzfatz auf eine sonnige Südsee-Insel versetzt und nach unfassbar trashigem Schlager klingt. Sie können sich wirklich alles erlauben!

Doch für was man diese Band besonders schätzt, sind ihre Texte. DJ M T Dancefloor haut mit charismatischem Schweizer Dialekt Slogans raus, die auf Hauswände gesprüht und auf T-Shirts getragen werden möchten. Bestes Beispiel ‚An einem guten Tag bin ich immer nett – und wenn du nett fragst, lösch ich das Internet’… Dabei bewegen sie sich immer in einem ansprechenden Umfeld von Wortspiel, Ironie und ernsthaftem kritischen Hintergrund. Mit der Zeile ‚Wer hat’s erfunden, wer? Saalschutz!‘ nehmen sie sich und ihr Heimatland als Gipfel dessen schön selbst auf die Schippe.

Alles in allem kann man glücklicherweise auch nach der langen Pause nur ein positives Fazit ziehen. Saalschutz bringen immer noch das, was man von ihnen erwartet hat und legen sogar noch eine Spur zu, was den Witz in der Musik betrifft. Hoffen wir, dass wir beim nächsten Mal nicht so lang auf neue Musik warten müssen. Bis dahin lässt es sich mit „Entweder Saalschutz“ aber noch gut aushalten. Saalschutz wissen, wie das geht!


VÖ: „Entweder Saalschutz“ erschien am 29.10.2010 auf Audiolith.
Unser Interview mit Saalschutz aus 2010.
Unser Interview mit Saalschutz aus 2008.

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